Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1931)
- Date
- 1931-03-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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12. März 1931 Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat April J Wird dies versäumt, so tritt ein e Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet _ die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. IBBHHBnBBBBHi rv-egen der Begabung gehen rächt an." Alle Sympathie für solch jugendlichen Optimismus, aber es muß hier klar gesagt werden, «die rauhe Wirklichkeit sieht anders aus. Nur ganz verschwindend wenige Stellungen werden auf diese Weise gewonnen, und die Chancen werden genau so von allen - anderen, uns fernstehenden Gruppen mit der Förderung ihres Kreises ausgenutzt. Im Gryßen und Ganzen darf als ausgemacht gelten, daß zur Zeit die Berufsaussichten des Akademikers äußerst trübe find, und für den gesetzestreuen Juden nur Einengungen, wirtschaftliche 'Nachteile und keine Vorzüge ersichtlich sind'. Die Aussichten der einzelnen akademischen Fächer sollen gesondert besprochen werden. Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Aus der Arbeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Berlin, 6. März. Der Hilssverein der Deutschen Juden führt seit Jahren — er wurde 1931 gegründet — als repräsentatives Organ der deutschen Juden für Auslandshilfe ein soziales und kulturelles Hilfswert in einer Reihe von Ländern durch? Seine Arbeit gilt im gegenwärtigen Zeitpunkt in der Hauptsache der Jugendhilfe, der geistigen und beruflichen Ausbildung der Heranwachsenden Generation, den Siedlern in den neugegründeten Kolonien in der Ukraine und Krim und den Auswanderern. Für den Bau des vor einem Jahre niedergebrannten Jüdischen Kinderhauses in Kowno, das eine Zentralstelle für die gesamte jüdische Kinderfürsorge in Litauen ist und für das der Hilfsverein in den letzten drei Jahren beträchtliche Subventionen beigesteuert hat, wurden über ,Mk. 43 000.— aufgebracht, die für den Bau und die Einrichtung des neuen Heims bestimmt sind. .In Polen wurden Sommerferienkolonien errichtet. Der Hilssverein hat Mk. 60.000.— für den Erwerb und die Einrichtung von zunächst fünf Ferienkolonien zur Verfügung gestellt. Eine Kolonie befindet sich in dem bekannten Kurort Druskieniki bei Bialystock, eine zweite in Jwoniki bei Pinsk, eine dritte in Kozieuice, die vierte soll in Galizien, die fünfte in Wolhynie'n errichtet werden. In Rumänien erstreckt sich die Arbeit ans die Unterstützung einer größeren Anzahl von Anstalten, so z. V. die Jüdische Volkshochschule in Bukarest, mehrere Gewerbe- und Elementarschulen in Bukarest, Galatz, Jassy und Kischinew, das Jüdische Mädchenheim in Bukarest und die vor kurzem dort eingerichtete Bürussberatungsstelle. Insgesamt sind für diese Arbeit in Rumänien bisher über Mk. 45.000.— verwendet worden. Im Gebiete der neuen landwirtschaftlichen jüdischen Siedlungen in der Ukraine und in der Krim sind drei Ambulatorien — von denen jedes eine Bevölkerung von etwa 5000 Seelen versorgt — unter Aufsicht des De r Israelit pi« W»ch«. Nr. .11 Seite 5 Modernes Leuchtgerät in größter Auswahl Hinkel & Soh n Frankfurt am Main, Neue Mainzerstr. 14/16 Berlin. Aus dem Geschäftsbericht der D e u tfch.en Liga für Menschenrechte für ... 1930 ist zu ersehen, daß die Liga mehrfache Aktionen gegen den Antisemitismus eingeleitet hat. In 60 deutschen Städten wurden Aufrufe und Plakate gegen die antisemitische Verhetzung und die antisemitische Auswirkung des Rassenproblems verbreitet. — Am 18. Febr. wurden auf dem jüdischen Friedhof in Tau - berbischofsheim 6 Grabsteine umgeworsen ünd zum Teil demoliert und beschmutzt. Es ist die 99. Friedhofsschändung in einem Zeiträume von wenigen Jahren. — Der „Angriff" nennt seinen letzten Hetzartikel: „Wenn Hitlers Schatten über Europa zieht". Es wird darin eine Verbrüderung mit den Antisemiten aller Welt gefeiert. Damit erkennen die Herren zum ersten Mül eine Internationale des Antisemitismus a.n. Bis- ■ her konnten sie nur von einer „jüdischen Internationale faseln. Wien. Das Wiener Strafbezirksgericht stellte beim Verfassungsgerichtshof den Antrag auf Annullierung des auf dem Rasseprinzip aufgebauten Wiener Studentenrechies, weil es gegen die in der Verfassung verankerte Gleichberechtigung der Nationen und Konfessionen verstößt. Das Verfassungsgericht erbat eine Aeußerung des Unterrichtsministeriums. Die öffentliche Verhandlung über den Fall wird vor dem Verfassungsgericht in dessen Juni-Session stattsinden. — Der Prozeß gegen H a l s m a n n, der wegen angeblichen Vatermordes zu 5 Jahren Kerker verurteilt wurde, wird demnächst wieder ausgenommen, da sich inzwischen schwerwiegende Indizien für die Täterschaft von Johann Schneider, der sich einmal selbst ber Tat bezichtigt hatte, ergeben haben. Budapest. Im Alter von 104 Jahren verstarb in Jsfasz e g Heinrich Ring, der in den ungarischen Freiheitskämpfen 1848 noch mitgekämpft hat. Bis vor wenigen Jahren war er in seinem Tuchgeschäfte noch emsig tätig. Er starb plötzlich ohne vorhergehende Krankheit. Um seine Bahre stehen vier Kinder, 21 Enkel, 9 Urenkel und 4 Ururenkel. Prag. Eine ganze Anzahl ausländischer jüdscher Studenten wurden von der Vrünner Polizei verhaftet und sodann aus der Tschechoslowakei a u s g e w i e - s e n. Sie werden kommunistischer Umtriebe beschuldigt, obwohl nachgewiesen ist, daß sie nur zufällig ein kommunistisches Lokal benutzt hatten zur Abhaltung von wissenschaftlichen Kursen. — Am 1. März wurde hier ein Verband sabbattreuer Juden in der Tschechoslowakei gegründet. — Aus dem Gebiete der tschechoslowakischen Republik gibt es gegenwärtig 446 Gemeinden, von denen 443 gesetzlich anerkannt sind. Davon entfallen auf Böhmen 196, Mähren 50, Schlesien 7, Slowakei 167 (107 orthodoxe, 29; Kongreß- und 31 Status quo-Gemeinden) und Karpathorußland 26 (25 orthodoxe und 1 Kongreßgemeinde). London. Bei den unlängst . stattgefundenen W a h len in den Londoner Grasschaftsrat wurden 13 jüdische. Persönlichkeiten gewählt. Nettie Adler, die langjährige Vertreterin von Central Häckney, einem Bezirk mit starker jüdischer Bevölkerung, ist gegen den Kandidaten der Gemeindereformpartei Moustardier unterlegen. — Während einer Debatte über ein Ergänzungsbudget für das Kohlenbergwerksdepartement, bei der nur wenige Mitglieder des Hauses anwesend' waren, ergab sich die in kwr Geschichte des englischen Parlaments seltene Situation, daß Juden als Führer aller drei Parteien fungierten. Bergwerksminister S h i n w e l l vertrat die Regierung, Sir Herbert S a m ue l war Führer der Liberalen und Abg. A. M. Samuel zeitweise der der Konservativen. — Wie verlautet, tritt d'Avigdor G o l d s h m i d demnächst von der Leitung des Board of D e - puties zurück. Warschau. Infolge der wirtschaftlichen Krisis haben in letzterer Zeit, nach Berichten Warschauer Zeitungen, nicht weniger als 9000 Geschäftsunternehmungen in Warschau, u. i. große angesehene Firmen, liquidieren müssen. Weiteren 1500 oder 2000 Firmen droht das gleiche Schicksal. Auch aus Krakau und Lemberg kommen ähnliche alarmierende Berichte. Agro-Joint und der Jca aus den Mitteln des Hilfsvereins gebaut worden. Ein Ambulatorium befindet sich in der Kolonie K r a s s i n o bei Rikopol, die beiden andern in der nördlichen Krim im Siedlungsgebiet des Agro-Joint. Zwei Ambulatorien sind bereits plTlit den erforderlichen Medikamenten, chirurgischen Instrumenten usw. versehen, die in Deutschland beschafft wurden. Der Bau des dritten Ambulatoriums wird in kurzem beendet sein. Für diese sozial-hygienische Arbeit wurden über Mk. 80.000.— verausgabt. Dem Hilssverein ist eine weite Ausdehnung seiner kulturellen Tätigkeit durch die Hasfkine-Stiftung von anderthalb Millionen Schweizer Francs ermöglicht worden, die er in Gemeinschaft mit einc(n Schweizer Bankinstitut verwaltet. Die Erträgnisse dieses Kapitals sind für die Forderung von Jeschiwoth in Osteuropa befiimmt, unter eventueller Berücksichtigung der beruflichen Ausbildung der Zöglinge. Die Auswahl der Anstalten n ad die Verteilung der Summen, mit denen sie bedacht werden sollen, liegt dem Hilssverein ob. Ein großer Teil des Budgets des Hilfsvereins und zwar jährlich über Mk. 100.000.— wurde in den letzten Jahren für die E m i g r a n t e n h i l f e verwandt. Angesichts der stark beschränkten Einwanderungsmöglichkeiten nach den Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien, Brasilien, Australien und Südafrika entstehen für Auswandererfürsorgeorganisationen besonders schwierige und verantwortungsvolle Aufgaben. Der Hilssverein übt durch seine Bahnhossstellen die Fürsorge für die Auswanderer bei ihrem Durchzuge durch Deutschland aus. Durch die Zentrale des Hilfsvereins in Berlin und durch sckine Schutzkomitees in Hamburg und Bremen wird den Auswanderern, die sich in Deutschland aushalten, tätiger Beistand, insbesondere durch Mithilfe bei Beschaffung von Reisepapieren, Visen und Schissskarten geleistet. Es werden Verbindungen mit den Angehörigen in überseeischen Ländern hergestellt. Durch ständige Zusammenarbeit mit jüdischen Emigrationsgesellschaften in der ganzen Welt werden oft große Schwierigkeiten für die Emigranten aus dem Wege geräumt. Den Bahnhofsdienst in Berlin passierten im Jahre 1930 22.900 Aus- und Rückwanderer. Heber Hamburg und Breincn gingen im gleichen Zeitraum rund 7.900 Auswanderer. Die Fürsorge für die im Jahre 1922 vom Hilfsverein übernominenen ukrainischen Waisen unv die Hilfsaktion für jüdische Studierende aus Osteuropa, die deutsche Anstalten besuchen, werden sortgeführt. In den Jahren 1924 bis 1930 sind für diese zwei Arbeitsgebiete allein Mk. 356.000.— aufgemandt worden. Der Hilssverein entlastet vor allem durch die Emigranten- und/ Studentenhilfo deutsch-jüdische Gemeinden und Vereinigungen, die in Anerkennung der Bedeutung dieser Arbeit sein Werk in dankenswerter Weise fördern. Das Ariedenswerk der Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden. Berlin, 8. März. Die durch ihre großen vorjährigen Kundgebungen bekannten Spihen-Organisationen der religiösen Friedens verbau de gedenken im Laufe der nächsten Monate neben Veranstaltungen in den großen Säten des Zentrums auch in den Bezirken Groß-Berlins interkonfessionelle Vortragsabende zu organisieren.' Die erste Veranstaltung dieser Art fand jüngst in der Aula des Lcssi.ug-Gymnasiums für den Bezirk Wedding statt. Der Saal war überfüllt. Die Referenten des Abends waren drei im Bezirk ansässige, allgemein bekannte Geistliche. Als erster sprach Nabb. Dr. Siegfried A l e x a n b c r. Er ging von dem alten jüdischen Haussegen aus: „Wo Liebe, da ist Friede" und wies nach, daß alle Nötq unserer Zeit nur aus Lieblosigkeit entsprungen sind, die die Friedlosigkeit erzeugt hat. Diesem Zustande stellte, er die große Friedenslehre Mosis gegenüber, die sich auf das Gebot gründet, den Menschenbrüdern in jeder Form Liebe zu erweisen. Pfarrer G. Bourquin sprach für die evangelische Kirche und Pfarrer Mar Fa-