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Der Israelit · 1930-08-14 · Heft 33 (14.8.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 33 (14.8.1930)
Date
1930-08-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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14. August 1930 Der Israelit Nr. 33. Seite 7 Eine Konferenz seiner Partei beschloß, eine Tageszeitung in Bukarest herauszugeben und in Beßarabien zwei, in der Bukowina und Transsylvanien je eine antisemitische Konferenz abzuhalten. Die Beamten in Bereschti sollen wegen Duldung der antisemitischen Exzesse ihres Amtes enthoben werden. Das Innenministerium erließ eine Verfügung, worin erklärt wird, daß Beamte, die ihre Pflicht in der Bekämpfung des Antisemitismus nicht tun, ihres Amtes enthoben werden. Das Unterrichtsministerium macht bekannt, daß jeder Student, der an politischen Demonstrationen teilnimmt, von der Universität ausgeschlossen wird. Das Verbot der antisemitischen Studentenorganisationen „Eiserne Garde" und „Erzengel Michael" wird ins Auge gefaßt. Aiederbrennung der Großen Synagoge in Marmaros-Sziget durch Luzisien. Cluj (Klausenburg), 12. August. Am 11. August, abends, wurde die jüdische Bevölkerung von Marmaros-Sziget durch den Ruf alarmiert, Laß die Hauptsynagoge, die größte jüdische Synagoge Rumäniens, auf die die Gemeinde stolz war, in Flammen stehe. Die jüdische Bürgerschaft eilte zur Rettung der Synagoge. Als man aber in den Gebetraum eindrang, entdeckte man, daß die Thora-Lade erbrochen war, die Sifre-Thora durcheinandergeworfen und angezündet worden waren. Man entdeckte weiter, daß die Synagoge an mehreren Stellen mit Petroleum übergossen worden war und daß der Brand auch an mehreren Stellen gleichzeitig ausgebrochen war. Die ganze Nacht über Lauerten die Anstrengungen zur Löschung des Brandes fort, aber erst gegen Morgen konnte der Brand eingedämmt werden, die Synagoge ist fast vollkommen eingeäschett. Während des Brandes spielten sich sehr bewegte Szenen ab, indem die Polizei sich bemühte, die Bürger, von denen sich mehrere in Lebensgefahr stürzten, um ^ie Sifre Thora und die wertvollen Utensilien zu -retten, von der brennenden Synagoge sernzühalten. Palästina. 10 000 3üben an der klagemauer am Vorabend des Tischa b'Aw. Jerusalem, 5. August. Nach polizeilichen Schätzungen weilten am Vorabend -des Tischa b'Aw etwa 10 000 Juden an der Klagemauer. Infolge dieser außerordentlichen Menschenansammlung konnten bis Mitternacht nicht alle Klagemauer-Besucher Len Platz verlassen. Arabern war an diesem Abend verboten, den zur Klagemauer führenden Hauptweg zu benutzen. In Tel-Awiw brannten am Tischa b'Aw-Abend die Straßenlampen nicht. Alle Vergnügungsstätten waren geschlossen. In der überfüllten Gemeindehalle (Beth Haam) hielt Professor I. Klausner einen Vortrag über die Zweite Zerstörung des Tempels. Empfang der Agudas Iisroel beim siellverlrekenden High Lommiffkoner. Jerusalem, 10. August. Eine Abordnung der „Agudas I i s r o e l" , bestehend aus dem greisen Oberrabbiner Sonnenfeld, Rabbiner I u n g r e i s und Rabbi Mosche Blau wurde -am Donnerstag vom stellvertretenden High Commissioner, Sir Stuart Davis, empfangen. Die Abordnung legte dem stellvertretenden. High Commissioner die religiösen und politischen Anschauungen der „Agudas Jisroel" dar und informierte ihn insbesondere über die Beweggründe, die die agudistischen Kreise zum Austritt aus der „Kneses Israel" und zur Gründung einer selbständigen jüdischen Gemeinschaft im heiligen Lande veranlaßt haben. Das Gespräch erstreckte sich auch auf die brennende Frage der „Kothel Maarowi", wobei die Vertreter der „Agudas Jisroel" ihre guten Dienste zur Herbeiführung eines friedlichen Ausgleiches zur Verfügung stellten. Sie betonten mit Nachdruck, daß Agudas Jisroel an der Forderung einer paritätischen öffentlich-rechtlichen Anerkennung der die ausschließliche Autorität des Thoragesetzes anerkennenden orthodoxen Gemeinschaft im heiligen Lande festhält und daß sie nur mit Rücksicht auf die gespannte äußere Lage, welche die Vermeidung innerer Zwistigkeiten gebieterisch fordere, die nachdrückliche politische Vertretung dieses ihres berechtigten Anspruches zeitweilig zurückge- Itellt habe. Der erste Jahrestag des Ausbruchs der Palästina-Unruhen. Jerusalem, 11. August. Am Montag, den 11. August, jährt sich (nach dem jüdischen Kalender) zum ersten Mal der Tag, an dem aufgehetzte Teile der arabischen Bevölkerung Palästinas ihren Angriff gegen den jüdischen Jischuw begannen, der so viele Opfer erforderte. Das palästinensische Judentum traf Vorbereitungen, um diesen Tag als einen Tag der Trauer und des Gedenkens der Opfer ruhig und würdig zu begehen. Der Distriktsgouverneur von Jerusalem, Keith-Roach, ließ allen repräsentativen jüdischen Institutionen — Waad leumi und Agudas Jisroel — eine Verordnung zugehen, dergemäß formierte Trauerzüge zu den Friedhöfen, sowie öffentliche Trauer- und Gedächtniskundgebungen verboten sind. Erlaubt seien nur Einzelbesuche an den Gräbern der Opfer der vorjährigen Unruhen, sowie Gedenkfeiern in den Synagogen, wobei sich jedoch die Synagogenvorsteher verpflichten müssen, für einen vollkommen ruhigen Verlauf der Feiern zusorgen. Trauer- und Gedächtnisfeiern für die Opfer von Hebron und Safed. — Eine Trauerwoche der palästinenfifchen Inden heit. Jerusalem, 13. August. Am Dienstag, den 12. August, beging die palästinensische Judenheit die erste Jahrzeitfeier für die Opfer der Massakres in Hebron. Am Abend strömten große Massen der Jerusalemer Judenheit in die Hurba-Synagoge, wo der Trauer- und Gedächtnisg'ttesdienst abgehalten wurde. Die Menge lauschte in tiefster Ergriffenheit. Es wurde beschlossen, diese ganze Woche als ^rauerwoche zu begehen und in den nächsten Tagen überall im Lande Gedächtnisfeiern abzuhalten. Die Trauerwoche wird am ersten Jahrzeittage für die Opfer der Safeder Tragödie (in Safed begannen die Massakres bekanntlich sechs Tage nach den Jerusalemer Unruhen) beendet sein. In Tel-Awiw waren am Dienstag, 6 Uhr abends, zum Zeichen der Trauer für die Hebron-Opfer alle Kinotheäter und die anderen Lustbarkeitsstätten geschlossen worden. Aus Anlaß der Jahrzeitfeier der Massakres veröffentlichen die palästinensischen hebräischen Tageszeitungen Gedenkartikel. Die arabische Presse, wie „El Jamea el Arabia", „El Hayat", „Falastin" und „Meraat el Shark", ergeht sich einmütig in Protesten gegen die Begnadigung Urphalis. Personalien. Lübeck, 6. August. Am mvv v2v. verstarb hier das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Herr Israel S t e r n f e l d, der es verdient, daß die Oeffentlichkeit von ihm erfahre. Vor ungefähr 10 Jahren ist das Ehepaar Sternfeld aus Baden-Baden hier nach Lübeck gezogen. Er war ein Mann von annähernd 80 Jahren, seine Frau Mitte der 70er Jahre. Wenn sonst das Sprichwort sagt, daß man alte Bäume nicht verpflanzen solle, so fand bei diesem Ehepaar dieses Wort keine Geltung, denn beide waren von einer bewundernswerten Rüstigkeit und Elastizität. Israel- Sternfeld lebte mehr als 6 Jahrzehnte in Baden-Baden, und war dort der Begründer der Gemeinde, die Stütze der Orthodoxie, gehörte zu den angesehensten Juden des badischen Landes. Er besah großes jüdisches Wissen; er war bewandert im ganzen 1"2v und kannte ganz crV-nn auswendig. Der schon 90jährige Greis mußte als ein Wunder der Rüstigkeit und Rührigkeit an Körper und Geist angesehen werden, der, nie krank gewesen, seinesgleichen nicht fand. Ein fast jugendlicher Feuereifer für die Betätigung in v'vsvi /m» eraia befähigten ihn zu allen g'ttesdienstlichen Funktionen: er war ein guter sip 2521 n^sn i>v2, ein pflichteifriger Chewroh-Mann, ein regelmäßiger Synagogenbesucher. Da starb seine seit vielen Jahren altersschwache Frau, mit der er 64 Jahre glücklichster Ehe gelebt. Das gab diesem Manne, von sonst eiserner Gesundheit und eiserner Energie, urplötzlich auch den Todesstoß. Am Freitag trug man Frau Sternfeld zur letzten Ruhe, und am'Sabbat darauf hauchte auch der Gatte seine reine Seele aus, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, das ihm geschwunden war, als er vom Tode seiner Gattin hörte. ■vnaa sV Qni»2i Dn«ns D’ö’jnm annswn Dem Schmerz der Gemeinde gab bei der Beerdigung Herr Rabbiner Dr. Winter in beredten Worten Ausdruck, und gab tief bewegt ein fesselndes Lebensbild des Entschlafenen, dem er schon vor vielen Jahren den 1271-Titel wohl verdient verliehen hatte. Namens der Chewroh, deren Ehrenmitglied Sternfeld war, sprach Herr Simson Carlebach den Dank der Chewroh für sein stetes leuchtendes Vorbild aus. und verglich sein Wirken, und Wesen mit Eigenschaften unseres Stammvaters Abraham. Dann trug man die irdischen Reste dieses Wundermannes hinaus zum guten Ort, um auch ihn zu betten neben dem noch zu frischen Grabhügel seiner Lebensgefährtin, n"22un. Chemnitz, 7. August. Am 29. Tamus wurde Herr I. P i l z e r unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Der im Alter von 52 Jahren stehende kräftige und gesunde Mann kam auf tragische Weise ums Leben. Er kam erschöpft und ermüdet um 11 Uhr nachts nach Haufe, sagte seiner Frau, daß er bloß in die Küche gehe, um sich Tee zu kochen. Während das Wasser kochte, saß er mit der Zeitung auf dem Sofa. Das Wasser kochte über, er schlief ein, und das Unglück war geschehen: Gasvergiftung. An der Bahre sprachen Robb. Dr. Fuchs und für die orthodoxe Synagoge Herr Siegmund Unger. Beide Redner hoben die besondere Treue des Dahingeschiedenen zur Tradition hervor. Der Verstorbene hinterläßt eine Frau und fünf Kinder. n"22w- Bad Mergentheim, 1. August. Am 19. August ds. Js. feiert Herr Albert Adler s e n., hier, seinen 60. Geburtstag. Herr Adler, langjähriger Vorstand der Chewro Gemilus Chasodim, feit einigen Jahren Mitglied des israelitischen Vorsteheramtes und der israelitischen Landesversammlung in Württemberg, tritt stets für die Belange des gesetzestreuen Judentums ein Wir wünschen ihm alles Gute, «r»»! Lendershausen-Hofheim i. Ufr., 1. August. Einen unersetzlichen Verlust hat nicht nur unsere Gemeinde, sondern bbs, insbesondere aber die gesamte jüdische Lehrerschaft in dem Heimgange unseres langjährigen Lehrers a. D. Baruch Wolf im 80. Lebensjahre erlitten. — Schon im zartesten Kindesalter das Thorastudium im Elternhause pflegend, ging der teure Entschlafene aus der Schule der iiin der damaligen Zeit, des Rabbi Jsak Gutmann b"7 in Heidingsfeld, des Rabbi Eleasar Ottensoser in Höchberg und des Rabbi Seligmann Bär Bamberger in Würzburg als Thoragelehrter hervor. Mit einem umfangreichen Wissen schon ausgestattet, suchte er dasselbe auch während seiner 50jährigen Berufstätigkeit und auch noch nach seiner Pensionierung dem Grundsätze nWi anv 12 /ir»m entsprechend immer noch zu bereichern und sich zu vervollkommnen. Seine peinliche Gewissenhaftigkeit in der Ausübung der i-nsa und Berufspflichten, feine echte G'ttesfurcht, Bescheidenheit, G'ttvertrauen, Friedensliebe und Wohltätigkeitssinn trugen ihm während seiner 40jährigen aktiven Tätigkeit die Hochachtung nicht nur der jüdischen Gemeinde und seiner Amtsbrüder, sondern auch — wie die Bestattung zeigte — der hiesigen Gesamtbevölkerung ein. — Herr Bezirksrabbiner Dr. Ephraim aus Burgpreppach würdigte an der Bahre die große Thoragelehrfamkeit, die Frömmigkeit, das menschenfreundliche Wesen und die Verdienste des Heimgegangenen auf dem Gebiete dev Schule und Synagoge. Dann sprachen Herr Rabbiner Dr. M i ch a l s k i aus Karlsruhe als Verwandter und früherer Bezirksrabbiner in Burgpreppach, Lehrer B l ume n t h a l in Hofheim namens des Israelitischen Lehrervereins in Bayern, zu dessen Mitbegründern Baruch Wolf vor 50 Jahren gehörte, ein Vertreter des Bezirkslehrervereins Hofheim, Kaufmann S. Schuster aus Hofheim als Schüler und ein Vertreter des hiesigen Turnvereins,, der mit umflorter Fahne erschienen war. — Möge das ni27 des teuren Verstorbenen ein ipy» e=r>nm sein für seine hochbetagte Gattin. 71212?» pnx 127. Oberdorf-Bopfingen, 7. August. Einen schmerzlichen, ja unersetzlichen Verlust erlitt die hiesige Gemeinde durch das plötzliche Ableben unseres allverehrten Rabbiners, Dr. Hermann Krön er. Von der großen Beliebtheit und dem hohen Ansehen des so jäh, erst 60 Jahre alt, mitten aus freudigem Wirken und Schaffen Herausgerissenen zeugt die überaus große Beteiligung an dessen Beerdigung. Bei dem Trauerg'ttesdienst in der Synagoge entwarf Herr Rabbiner Dr. Rieger-Stuttgart ein treffliches Bild des von heiligem Ernst und Eifer erfüllten Geistlichen, der stets bestrebt war, dem hehren Vorbild seines großen Vaters, des verewigten Oberkirchenrats Dr. Theodor Kroner nachzueifern. — Am Grabe sprach Dr. med. Jacques Kroner dem Vater den innigsten Dank des Sohnes und der Familie aus. Ferner sprachen Ministerialrat Dr. Hirsch als Präsident des Israelitischen Oberrats: Oberlehrer Erlebacher für das Vorsteheramt, den Frauenverein, den „Zentralverein" und die Jugend, die der Verstorbene zu hohen Idealen emporzuführen stets bemüht war, sowie Rabbiner Dr. Tänzer-Göppingen für den Rabbinerverein: Vertreter der politischen Gemeinde, der evangelischen Kirchengemeinde und des Krankenvereins und die Lehrer bezw. Vertreter der Gemeinden Gmünd, Crailsheim, Ellwangen und Stuttgart. Das wissenschaftliche Lebensmerk des. Verstorbenen aalt der Uebersetzung und Herausgabe ' einer großen Anzahl der medizinischen Schriften des großen Denkers Maimonides. Die königliche Akademie in Cordova. der Geburtsstätte von Maimun, hatte ihn im Jahre 1923 in Anerkennung seiner Verdienste zu ihrem korrespondierenden Mitglied ernannt. Dr. Kroners letztes Werk, die Herausgabe der medizinischen Schrift Rambams „de causis accidentium", welcher der Verstorbene den Titel „Der medizinische Schwanengesang des Maimonides" gab, ist nun auch sein Schwanengesang geworden. .1-22771- Ächönlanke, 29. Juli. Zu dem vor vier Wochen gebrachten Nachruf auf Frau Rosel Lesser, geb. Sohn Ti"? aus Würzburg sei nachgetragen, daß es die hiesige Gemeinde unter Führung ihres Herrn Rabbiner Dr. Verlinger als ehrenvolle Pflicht erachtete, der Trauer

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