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Der Israelit · 1930-08-14 · Heft 33 (14.8.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 33 (14.8.1930)
Date
1930-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 33 Der Israelit 14. August 1930 erhalten und keine Brücken abbrechen. Das Beispiel, das. seine Parteigenossen in Thüringen gaben und geben | und das sie in Sachsen zu geben ebenso entschlossen waren, schwebt ihm als reizvoller Zukunftstraum auch für das Reich vor. Er will nicht daran verzweifeln, die Nationalsozialisten zu fruchtbarer Aufbauarbeit zu „erziehen": Mögen sie auch alle solche früheren Versuche mit lautem Spott beantwortet haben. Der Artikel schließr mit den Worten: „Er (Scholz) will das Reich den Experimenten der Hakenkreuzler ausliefern." Ein neues Gelöbnis der Ktaalspartei, den kulturschändenden Antisemitismus zu bekämpfen. Berlin, 11. August. Der Vorsitzende des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold, Hörsing, hat an Reichsminister a. D. Koch-Weser fünf Fragen gerichtet, die sich aus die Politik der Deutschen Staatspartei beziehen. Koch-Wefer hat die Fragen beantwortet. Auf die fünfte Frage, ob die Deutsche Staatspartei den kulturschändenden Antisemitismus ablehnen und wo nötig bekämpfen wird, erwiderte Koch- Wesre: „Die Deutsche Staatspartei lehnt den kulturschändenden Antisemitismus ab und bekämpft ihn." Hugenberg, Hitler, Scholz. Berlin, 11. August. „Welt am Montag" bringt die Meldung der APK, wonach in den letzten beiden Tagen ernsthafte Besprechungen stattgefunden haben zwischen dem gemeinsamen Vertreter Hugenbergs und Hitlers, Oberfinanzrat Dr. Bang, und dem Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, um die Frage zu prüfen, ob — je nach dem Ausfall der September-Wahlen — eine gemeinsame Plattform nach dem Vorbild der Thüringer Regierung, in der bekanntlich Hitlerianer und Volksparteiler nebeneinander sitzen, sich finden läßt. (Die Nachricht ist inzwischen dementiert worden. Red.). Andererseits erläßt die volksparteiliche Korrespondenz auf die Frage des Chefredakteurs des „Berliner Tageblatts", Theodor Wolfs, an Scholz, ob die Volkspartei zusammen mit den Nationalsozialisten eine Regierung bilden wird oder nicht, die Erklärung, sie hätte nicht angenommen, daß Theodor Wolfs auf seine törichte Frage eine Antwort erwartet hat, weil diese Antwort sich aus der bisherigen Politik der Deutschen Volkspartei eindeutig (?) ergibt. Prolesiversammlung gegen die Kalenderreform. Hamburg, 8. August. Von den Vorständen der Gemeinden Hamburg, Altona, Wandsbeck einberufen, fand dieser Tage unter Vorsitz des Gemeindepräsidenten, Alfred «Levy, eine etwa von 800 Personen besuchte Versammlung statt, in der Rabbiner Julius Samuel aus Berlin, Generalsekretär des Weltverbandes Schomre Schabbos, über den Stand den Kalenderreform-Bewegung referierte Alsdann sprach Rabbiner D u ck e s z - Altona über den Segen der Sabbatidee. An der Diskussion beteiligten sich noch Rabbiner Dr. Italiener, Rabbiner Dr. Holzer und Herbert G o t t h o l d. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde eine Resolution angenommen, die an die Kalenderreform-Kommission des Völkerbundes gerichtet ist und die Kalenderreform mit Blankotagen aus religiösen Gründen ablehnt. Schweiz. Kongreß des Weltverbandes der jüdischen Jugend. Genf, 10. August. Nach viertägiger Dauer ist der dritte Kongreß des Weltverbandes der jüdischen Jugend beendet worden. Es wurden Beschlüsse über organisatorischen Aufbau und Stärkung des Weltverbandes, sowie Verbreiterung und Vertiefung seiner Tätigkeit unter der jüdischen Jugend gefaßt. Ferner wurden Beschlüsse über Erziehungsarbeit. Zusammenarbeit mit dem Welt-Makkabi und den Zophim-Organisationen, Arbeit für den Keren Kajemeth u. a. m. angenommen. Der Kongreß protestierte gegen die Ueberfälle auf den jüdischen Jischuw in Palästina und die Verletzung des Mandates. Es wurde auch eine Resolution gegen jede Kalenderreform angenommen, die auf dem Blanko-Tag basiert und eine Gefahr für den jüdischen Sabbat bedeutet. Der Kongreß wählte ein 20gliedriges ^Zentralkomitee, von welchem die Hälfte der Mitglieder in Paris lebt. Zum Präsidenten des Weltverbandes wurde Atme Die Woche. Berlin. In Hindenburg (Oberschlef.) sowohl wie in Hamburg sind in den letzten Tagen jüdische Richter auf Einspruch eines nationalsozialistischen Angeklagten vom Gerichtskollegium als befangen ausgeschlossen worden. Wenn es bei diesen Entscheidungen bleibt, sind die Konsequenzen unabsehbar. — Das zionistische Aktionskomitee tagt vom 24. bis 28. August in Berlin; am 29. August schließt sich die Sitzung des Administrativ-Komitees der Jewish Agency unter Vorsitz von Felix Marburg an. — Der Finanzbericht der Ort-Gesellschaft ergibt, daß sie im Jahre 1929 insgesamt ■ Doll. 1.100.000 ausgegeben hat. — Die „Vossische Zeitung" schreibt mit Bezug auf die Rettungstat der palästinensischen Motorsahrer bei Apolda: „Der öffentliche Dank des thüringischen Innenministers. Frick an den Ingenieur Ephraim Tennenbaum aus Tel-Awiw und seine Freunde für die Rettung von 30 verwundeten Thüringern vom Tode des Ertrinkens st e h t noch a u s." — Der soeben verstorbene Sohn und Erbe Richard Wagners, Siegfried Wagner, hat in wiederholten Briefen an den Vorsitzenden des Zentralvereins, Dr. Bruno Weil, erklärt, .daß er ein Gegner des Antisemitismus sei und daß er den Mißbrauch der Bayreuther Festspiele zu nationalsozialistischen Zwecken aufs tiefste bedaure. — Der Weltkongreß für das arbeitende Palästina findet am 27. September in Berlin statt. — Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Berlin hat am 27. Juli den Zentralverein und die Z i o n i st i s ch e Vereinigung zu Verhandlungen eingeladen, um die Gegensätze zwischen den beiden Organisationen aus der Welt zu schaffen und eine gemeinsame Abwehrfront gegen den Antisemitismus zu schaffen. Die Verhandlungen schweben noch; das bisherige Ergebnis soll wenig befriedigend sein. Veulhen. Die Regierung zu Oppeln hat auf eingelegten Wahlprotest der Jüdischen Volkspartei die am 4. Mai stattgehabte Repräsentantenwahl als ungültig erklärt. Die Entscheidung trifft die Gemeinde um so härter, als durch den geschäftlichen Zusammenbruch der größten Steuerzahler eine finanzielle Krisis über die Gemeinde hereingebrochen ist. Recklinghausen. Der Regierungspräsident hat die gegen die Repräsentantenwahlen eingelegte Beschwerde zurückgewiesen. Die Beschwerde. ist an den Oberpräsidenten weitergeleitet worden. Men. Der Goethepreis der Stadt Frankfurt ist Prof. Sigmund Freud verliehen worden. — Der Vertreter eines jüdischen Handelshauses hat angeblich in Jemen ein vollständiges Manuskript der Jad Chasaka des Rambam gefunden. Am Schluß soll sich eine eigenhändige Nachschrift des Nambam befinden, die die Genauigkeit der Textniederschrift bestätigt. Genf. Die britische Regierung hat dem Generalsekretariat des Völkerbundes mitqeteilt, daß sie ihre Bemerkungen zu dem Bericht der Mandatskommission über Palästina am 6. August liefern werde. Der Bericht wird alsdann gleichzeitig mit dem Berichte der Mandatarmacht der Septembersession des Völkerbundes vorgelegt werden. Bukarest.. In Anbetracht der außerordentlichen Notlage der rumänischen Juden hat die Joint-Foundation beschlossen, in den vier Hauptstädten Großrumäniens Mittelstands-Kreditbanken zu errichten. — Der Sekretär des American Jewifh-Committee, Morris D. W a l d m a n hat als Ergebnis seiner eingehenden Studienreise in Rumänien veröffentlicht, daß die Preßberichte über die antisemitischen Exzesse in Rumänien nicht übertrieben sind. Auch hinsichtlich der Ursachen bestätigt Waldmann die bisherigen Berichte. Oxford. Die Jahreskonferenz des internationalen Studentendienstes hat beschlossen, eine Konferenz von Vertretern jüdischer und nichtjüdischer Universitätshörer zur Herbeiführung eines besseren gegenseitigen Verständnisses für das Jahr 1931 nach Locarno einzuberufen. Warschau. Das jüdische Warschau bereitete den Mitgliedern des Makkabi, die bekanntlich auf ihrer Motorfabrt durch Eurova bei Avolda in Thüringen 30 Personen vor dem Tode retteten, einen begeisterten Empfang. Derselbe wurde durch antisemitische Provokationen leider schwer gestört. Tel-Awiw. Die südafrikanischen Exporteure, Gebr. Landau aus London, wollen ein Palästina-Exporthaus mit einem Kapital von 100 000 Pfund gründen, vorausgesetzt, daß sich palästinensische Industrielle daran beteiligen. Pailliere, zum Präsidenten des Zentralkomitees Schramme? (Straßburg) gewählt. Dem Zentralkomitee gehören u. a. an: Alfonso Pacifici (Florenz), David Prato (Alexandrien), Frau Schwöb, Frau Netter. Die Schlußsitzung des Kongresses war ausgefüllt von einer Debatte über die Bedeutung Palästinas für das jüdische Bewußtsein im allgemeinen und das der jüdischen Jugend im besonderen. Mehrere Redner schilderten den hohen moralischen Wert des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina für die Bildung einer Weltanschauung der jüdischen Jugend. Das Wort ergriff als Gast der Rabbiner von Baltimore, Dr. Coblenz, der über die Rolle Palästinas in der jüdischen Geschichte sprach und die jüdische Jugend beschwor, die jüdische Seele aus dem Galuth befreien zu helfen. Es sprach auch der Rabbiner der sephardischen Gemeinde in Newyork, Dr. Pereira Mendes, über jüdische Ethik und Tradition. In seiner Schlußrede erklärte Aime Pailliere, daß die Verhandlungen mit Vertretern der verschiedenen Jugendorganisationen den Erfolg gehabt haben, daß dev Grundstein gelegt wurde zu einer „Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugendorganisationen", deren Zweck es ist, einen ständigen Kontakt zwischen den einzelnen Jugendverbänden zu unterhalten und deren Tätigkeiten zu koordinieren. Vorläufiger Sitz dieser Arbeitsgemeinschaft ist Genf. Rußland. Wahlrecht für Deklassierte. — Antwortschreiben des Sonmarkom aus eine Eingabe des Verbandes ..Ort". B e r l i n, 12. August. Wie erinnerlich, haben die Vertreter der Zentral-Verwaltung des Ort-Verbandes, die Herren Dr. A. Singalowski und Agr. I. Zegelnitzki seinerzeit der Sowjetregierung ein Memorandum unterbreitet, in dem die äußerst kritischen und anormalen Verhältnisse, in denen sich ein beträchtlicher Teil der deklassierten juoychen Bevölkerung infolge ihrer Wahlrechtslosigkeit befindet, erörtert worden waren. Es wurde u. a. darauf hingewiesen, daß infolge der formellen Einschränkung der Arbeitsmöglichkeit der Deklassierten (zum größten Teil ehemaliger Händler und Kleinunternehmer) erhebliche Schwierigkeiten für die jüdische Aufbauarbeit, entstanden sind. Anfang 1930 wurden dann von der Sowjet-Regierung und den zentralen Organen der russstchen Genossenschaften verschiedene Verordnungen herausgegeben, die Zeugnis davon oblegen, daß die Sowjet-Regierung dem Schicksal der Deklassierten ihr lebhaftes Interesse zugewandt und günstigere Bedingungen für einen bedeutenden Teil ihrer Masse geschaffen hat. > In der Juli-Nummer der „Ort-Jedioth" (Nachrichtenblatt des Ort-Verbandes) wird nun der Wortlaut dev Antwort der Sowjetregierung auf das erwähnte Memorandum veröffentlicht. Die Antwort ist vom Geschäftsführer des Rates der Volkskommissare (Sownarkom- und des Rates für Arbeit und Verteidigung (Sto), Gotbunow, gezeichnet und lautet: „Auf Veranlassung des Vize-Vorsitzenden des Sownarkom der Udssr, Gn. W. Schmidt, wird Ihnen hierdurch mitgeteilt, daß die Fragen, die in Ihrem Schreiben an Gen. Schmidt vom 7. Januar ds. Js. angeschnitten worden waren, in einer Reihe Verordnungen der Regierung der Sowjet-Union und Regierungen der Verbandsrepubliken ihre Lösung gefunden haben. Auf der Grundlage dieser Verordnungen werden jetzt die Listen derjenigen, denen infolge ihrer ehemaligen Bechäftigungen das Wahlrecht entzogen worden war, einer eingehenden Prüfung unterzogen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der Jugend zugewandt. Den Informationen der Weißrussischen Regierung gemäß sind dort beträchtliche Teile der deklassierten jüdischen Armen in ihr Wahlrecht bereits wiedereingesetzt worden. Dadurchsind die formellen Schwierigkeiten für die Einschichtung: dieser Bevölkerung in die Industrie und ihre Vorbereitung durch die verschiedenen berufstechnischen Kurse des (Zit) (Zentrales Arbeits-Institut) beseitigt." (Und die Alten und Geistesarbeiter? Red.). Rumänien. Nachrichten aus Rumänien. Bukarest, 7. August. Der Prozeß gegen Codreanu und seine Anhänger ist verschoben worden. Prof. Cuza läßt sich in seiner antisemitischen Propaganda vorläufig nicht einschüchtern.

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