Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1930)
- Date
- 1930-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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31. Juli 1930 Der Israelit Nr. 31. Seite 3 Juden zumuten, dieser Partei als solcher, der auch noch ein gutes Stück „Kulturkampf" gegen alles Religiöse in den Knochen sitzt, Wcchlhilfe zu leisten, was aber nicht ausschließt, daß einzelne Männer auf der Liste der Volkspartei in dem -inen oder anderen Wahlbezirk den Dank der Judenhoit verdient haben und diesen auch mit dem Wahlzettel attestiert bekommen. Und die Demokraten? Unvergessen wird uns das Eintreten der großen Männer der deutschen Demokratie für unser Recht und unsere Bürgerfreiheit gegen jede Art von Druck und Gewissenszwang bleiben. Es bleibt außer Zweifel, daß eine große Anzahl jüdischer Wähler ihre Treue zur Demokratie aus Tradition, politischer Einstellung und Dankbarkeit am 14. September wiederum bekunden werden. Unter praktischen Gesichtspunkten kommt leider dabei nicht viel heraus. Die Demokratie ist in den letzten Jahren aus jedem Wahlkampf neu geschwächt hervorgegangen, sie ist im Niedergang begriffen, was sie gewiß nicht verdient hat undganz gewiß nicht ihre Schuld ist. Es liegt an einer naturnotwendigen Entwicklung in den Nachkriegsjphren, da die Menschen, und besonders das große Heer der jugendlichen Wähler, von der sogenannten goldenen Mitte hinweg nach rechts oder links drängt. Es ist schade darum. Aber wir Juden sind nicht stark genug, um das Schicksal der deutschen Demokratie als Partei aufzuhalten. Unsere Wahlhilfe kann höchstens eine lobenswerte Demom stration der Dankbarkeit sein, Nützlichkeitsrücksichten weisen aber wo anders hin. Es zeigt sich mehr und mehr, daß die S o - z i a l d emokratie, die im Ganzen an ihrer in der Republik errungenen Kraft nicht verliert, sowohl weltanschaulich, als in der Praxis und in der Technik der Politik die Traditionen und auch die Aufgaben der früheren Demokratie übernimmt. Die Sozialdemokratie ist, nachdem die destruktiven Elemente in den Kommunismus abgeflossen sind, längst kein Schreckenswort mehr für das Bürgertum, also auch nicht für die Juden. Wir finden es begreiflich und natürlich und vollkommen berechtigt, daß heute viele Juden mit den Sozialdemokraten, die sich zu einer Partei der Staatserhaltung entwickelt hat, im Interesse der Staatserhaltung, Zusammengehen. Wir sind der Sozialdemokratie, trotz des bedauerlichen, aber programmwidrigen Seitensprungs der Partei in Bayern, viel Dank schuldig, 'und die Judenheit wird diese Dankesschuld nicht vergessen. Eine Stimme für die Sozialdemokratie bedeutet keineswegs ein Bekenntnis zu Karl Marx, sie bedeutet keine weltanschauliche Vermählung mit dien Lehren eines Bebel von den gedruckten Texten abweichendes Zitat weiß der Herausgeber in scharfsinniger und dennoch jeder pilpu-. listischen Ueberspitzung abholder Weise auf die Konse-, -quenzen zu überprüfen. Es würde den Rahmen einer J kurzen Besprechung sprengen, wollte Schreiber dieser Zeilen auf Einzelheiten eingehen. Aber er kann es sich doch nicht versagen, auf einige besonders markante Stellen in den Noten hinzuweisen, die ihm schon bei der ersten Durchsicht des Werkes aufgefallen sind, wie auf S. 14 Nr. 1, S. 107 Nr. 14, S. 114 Nr. 7, S. 116 Nr. 9, S. 123 Nr. 4, wo in treffender Weise Meiri's Erklärungen zur Lösung von Fragen, die spätere o’itibö iaufwerfen, herqngezogen werden. Der Anhang des Werkes bringt unter dem Titel «"pinn rivwip Bemerkungen zu rrnrno 'on von dem Urgroßvater des Herausgebers, Rabbi Akiba Eger, in der Art des v"vn Es sind durchwegs bisher ungedruckte Glossen aus einem nachgelassenen Manuskript R. Akiba Eger's, aus dem auch die im v"vn bereits «bgedruckten Glossen geschöpft sind. Der gelehrte Herausgeber, der auf vorgerücktem Posten in Südeuropa in vorbildlicher Weise für das thoratreue Judentum wirkt, hat mit diesem Werke ein bedeutsames Zeugnis tiefgründiger Gelehrsamkeit und hingebungsvoller Forschungsarbeit geliefert. Die Verlagsbuchhandlung hat das Werk mit besonderer buchtechnischer Sorgfalt ausgestattet. Dr. P. Sch. (Eine vergrößerte Sondernummer der Iawne-Zeik- Ichrift zur Eröffnung der Lubliner Jeschiwo.) Im Zusammenhang mit der Eröffnung der Jeschiwas Chachme Lublin ist eine spezielle Doppelnummer der rühmlichst bekannten Lemberger hebr. Zeitschrift Jawne erschienen, die einen genauen Bericht über die offiziellen Feier¬ oder Liebknecht. Sie bedeutet heute nichts anderes, als eine Bejahung d e s S t a a t e s, eine Bejahung der Republik und eine Willenskundgebung für den gerechten Ausgleich der sozialen Gegensätze, für den die Sozialdemokratie heute Schulter an Schulter mit der Demokratie und dem Zentrum einsteht. Ja, das Z en trum! Als wir vor Jahrzehnten als erstes unter den jüdischen Blättern den Mut hatten, ein Wort für das Zentrum zu reden, wollten uns Freunde nicht verstehen, Gegner fielen über uns her. Bei den letzten Wahlanlässen regnete es, als wir die gleiche Parole ausgaben, Z u st i m m u n g e n , die gegnerischen Stimmen verstummten ganz. Und viele im jüdischen Kreise, die nicht zu unseren Gesinnungsverwandten gehören, plädierten jetzt, getrennt von uns, mit ähnlichen oder anderen Argumenten, ebenfalls für ein Zusammengehen mit der Partei der katholischen Kirche. Wir bilden uns nicht ein, die öffentliche Meinung überzeugt zu haben, nur daß wir vielleicht, mit den Augen des religiösen Juden, der mehr auf seine vitalen Jneressen bedacht ist, etwas früher gesehen haben, was andere und Kurzsichtige, erst später erblickten, erst als sie schon mit der Nase auf die Gefahr stießen. Das Zentrum, so sagte in des Reichstags Scheidestunde der Reichskanzler Brüning, hat sich als der ruhende Pol im politischen Leben bewährt. So ist es auch, und man sieht daran die Kraft einer Idee, die im Geistigen und im Glauben begründet ist. Es ist — konfessionell betrachtet — nicht Geist von unserem Geiste, was die Zentrumspartei beseelt, aber grundsätzlich ist sie Schützerin aller Ideen, Belange und Bedürfnisse, die im Geistigen und im G 'ttl i ch e n wurzeln. Sie ist stark und mächtig und kann ihren- Willen, da sie Rückgrat einxr jeden Koalition bleibt, durchsetzen. Sie hat den Willen undauch die Kraft, an der Wahrung und Verteidigung unsres k o st b a r st en Gutes, der r e - ligiösen Freiheit, uns zu helfen, und wir helfen uns, indem wir dem Zentrum helfen. Was man uns entgegenhielt undauch heute noch von unbelehrbarer Seite entgegenhalten wird, wissen wir genau. Mansagt erstens, es gebe innerhalb des Zentrums Konventikel, katholische Jugendvsreine ufw., die antisemitisch angehaucht sind, zweitens, der Clerus sei ein sonderbarer Verbündeter für die Abkömmlinge eines Menschenkreises, der unter der spanfchen Inquisition und den ReliFionsverfolgung-en des Mittelalters so schwer gelitten hat, und man weist endlich daraus hin, das Zentrum denke, wenn es für unsere Interessen eintritt, an die seinen. lichkeiten, alle Reden und Begrüßungen und eine Reihe interessanter Artikel enthält. Der feuilletonistische Teil gibt in fesselnder Form Eindrücke von den Lubliner Festtagen wieder. Mitarbeiter der Nummer sind: Rabbi Tobias Horovitz, Rabbi Dr. Leo Jung, Rabbiner S. D. Laski, Rabbiner Schickler, Jacob Landau, M. I. Guttmann, i/iabbt Selig Krämer u. o. a. Die Nummer ist reich illustriert. Der Versand erfolgt gegen Vorauszahlung der Gebühr (Einzelnummer 85 Pfg., Abonnement jährlich Doll. 2.—, jährlich Doll. 1.—) an die Adresse der Redaktion in Lemberg, Zolkiewska 25. (Wichtiger wissenschaftlicher Fund: Die Medizin der Allhebräer.) Aus Nitra in der Slowakei wird berichtet: Der Nitraer Rabbiner Markus Vorhand, der, wie die ITA. seinerzeit berichtete, zum Zwecke von Studien mit Bewilligung des Papstes durch einige Monate die Bibliothek des Vatikan benützt hat, hat einen wertvollen Fund gemacht, dem man in wissenschaftlichen Kreisen große Bedeutung beimißt. Er entdeckte die Handschrift eines medizinischen Werkes in althebräischer Sprache, das noch aus den Zeiten datiert, da die medizinische Wissenschaft bei den Juden und Arabern in hoher Blüte stand. Da ein Abschreiben des Werkes unmöglich war, ließ Rabbiner Vorhand Seite für Seite photographieren. Eine deutsche Uebertragung des Werkes dürfte in der nächsten Zeit erscheinen. (Sodom aufgefunden?) Durch die neuesten Grabungen des römischen Bibelinstituts in Transjordanien bei Tel Gaiiul, etwa 6 Kilometer nordöstlich vom Toten Meer am Wadi el Jorfeh, soll nun die Stätte des geschichtlichen Sodom festgestellt worden sein. Es wurden Häuser, die Reste von Oefen, Kornspeichern und Mühlen zusammen mit menschlichen Ueberresten freigelegt, daneben eme große Menge von Messern, Pfeilen, Tonscherben, Halsketten, Alabasterkugeln ufw. Weitere Grabun- Es meine sich selber, denn es brauche die Gewissensfreiheit, die es gegen ein Schächtverbot ausspiett, für seine Prozessionen und seinen Jesuitenorden. Es lohnt sich, einmal ein für allemal darüber ein klares Wort auszusprechen. Wenn gewisse Verbände und Gebilde unter dem Schutze der katholischen Kirche nicht frei von Antisemitismus sind, so wirft das einen Schatten auf die Struktur des Zentrums, aber ferm Politik und feine Taktik bleiben davon unberührt. Die Männer an seiner Spitze sind kaum dafür verantwortlich zu machen. Jos^.f Wirth ganz gewiß nicht, aber wahrscheinlich auch Brün i n g nicht, und man wird besser dabei fahren, bei. den führenden Männern auf eine Bereinigung der inneren Atmosphäre hinzuwirken, eine bindende Verpflichtung aller Glieder der Partei auf die Seele ihrer Weltanschauung. Der Clerus! Es wäre unrecht und unjüdisch, wollte man der katholischen Kirche von heute, zumal in Deutschland, Sünden der Väter und Urväter ankreiden. Kenner der Geschichte wissen, daß sogar hinter Inquisition und Scheiterhaufen im Mittelalter andere Faktoren standen, als die eigentliche Kirche, nur ihre Fahne und ihre Priester dazu hergab, dieweil eine degenerierte weltliche Macht das Bedürfnis hatte, ihren scheußlichen Taten die Sanktion und den Segen der Kirche zu sichern. Wer die bessere Zentrumspresse liest, wer die Katholikentage der letzten Jahre verfolgt hat, weiß, daß die katholischen Interessen dienende Zentrumspartei in Deutschland eine Höhe erreicht hat, die vom Brandgeruch der Scheiterhaufen gründlich gereinigt ist. Daß das Zentrum, indem es uns dient, sich selber dient, stimmt vollkommen und das wollen wir ihm auch gar nicht verdenken. Wir wollen es aber auch nicht bedauern, denn ist es so, daß das Zentrum aus ureigenstem Interesse Anwalt unseres Rechtes sein muß, dann liegt darin eine Gewähr, daß es dies auch mit voller Kraft, aus tiefster Ueberzeugung und mit Einsetzung feiner ganzen Autorität tun wird, denn es geht um fein eigenes Leben. Aber kann man feine Stimme einer einer fremden Kirche dienenden Partei geben? Ja. Wir sagten vorhin: Wer seine Stimme den Sozialdemokraten gibt, hat sich damit nicht zum Marxismus bekannt, sondern deckt nur die kluge und staatserhaltende Taktik dieser Partei. Auf das Zentrum übertragen heißt das: Wer der deutschen Zentrumspartei Wahlhilfe leistet, hat damit ganz gewiß dem dogmatischen Inhalt des katholischen Glaubenssystems keine Zusttmmung gen wurden nach dem Norden und Süden vorgenommen. Man hat ein Gebiet durchforscht, in dem die Fundamente von Steinmauern zutage traten. Es ergab sich, daß die Ruinen von Tel Gafsul bis etwa 3000 v. Ehr. zurückreichen und die hier gelegene Stadt, die eine große Blüte erreicht hatte, um 2000 o. Ehr. zerstört wurde. So ist man zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Stätten von Sodom und Gomorrah im Norden des Toten Meeres lagen, nicht im Tale Siddin am Südende des Toten Meeres, wie man früher angenommen hat. Briefkasten. D. Bon Ihrem Wunsche haben wir Kenntnis genommen. Soweit möglich wird er erfüllt, doch verbietet sich dies manchmal im Interesse der einh itlichen aesthettschen Wirkung. Wochenkalender. o 2 — 9. August 1980 v. 8. — 15. Ad 5690 Samstag 2 8 ■ptn N2v o’-in Sonntag 3 9 axn nyzm Montag K e CO 4 10 Dienstag 5 2K 11 Mittwoch e 6 12 Donnerstag 7 13 Freitag 8 14 Samstag 9 15 ■wy ntyan mm mzr pnnni