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Der Israelit · 1930-05-30 · Heft 22 (30.5.1930) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 22 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 22 Der Israelit 30. Mai 1930 mit dem Beschluß des allindischen Moslem-Kongresses, den 16. Mai als Tag der Kundgebung'der Solidarität mit den Palästina-Arabern zu proklamieren, auch die Palästina-Araber an diesem Tage feiern werden. Heber die Formen der Kundgebungen ist ein Beschluß noch nicht gefaßt worden. Zwei Hebron-Araber zum Tode verurteilt. Jerusalem, 16. Mai. Das Gericht in Jerusalem hat das Urteil in dem Mordprozeß gegen vier Araber aus Hebron, die beschuldigt werden, an der Ermordung von 24 Juden im Hause Slonims zu Hebron beteiligt gewesen zu sein, gesprochen. Jsa A l a r a f i, ein reicher Kaufmann und Mitglied des Munizipalrates von Hebron und der Chauffeur Khalif K a t t i s wurden zum Tode verurteilt. Abdul Muni erhielt wegen Plünderung sieben Jahre Gefängnis. Der vierte Angeklagte, Mohammed I u m j u m, wurde von der Anklage der Beteiligung an diesen Morden freigesprochen; er war aber schon früher wegen Teilnahme an der Ermordung der Familie Abushdid zum Tode verurteilt worden. Das Gericht lehnte es ab, über die Entschädigungsansprüche der Zivilbeteiligten eine Entscheidung zu treffen und verwies die Zivilkläger an das Zivilgericht. - Während der Verhandlung sprach der Gerichtsvorsitzende sein Erstaunen darüber aus, daß zwei im Regierungsdienst befindliche Männer, ein arabischer Polizist und ein Angestellter des Obersten Moslemitischen Rates, falsche Aussagen machten, indem sie versuchten, für einen der Angeklagten ein Alibi nachzuweisen, das sich nachträglich als erfunden herausgestellt hat. Der Jude Joseph Silbermann aus der Jerusalemer Vorstadt Bajith Wegan, der unter der Anklage stand, einem Juden, der während der Unruhen auf Araber geschossen hat, zur Flucht verhaften zu haben, wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, aber gleich auf freien Fuß gefetzt, weil ihm die dreimonatige Untersuchungshaft. in die Strafe eingerechnet wurde, ^rlbermann sagte vor Gericht aus, er habe den Juden, die die Vorstadt gegen den arabischen Angriff verteidigten, nur zugerufen, daß Polizei tm Anmarsch sei. Personalien. Dr. Berthold Lohn V'et* Straßburg. 26. Mai. In der vormals jüdisch weit- und hochberühmten Stadt Rawitfch, in der neben anderen Größen ein Rabbi Akiba Eger gewirkt hatte, wurde Berthold Cohn im Januar 1870 geboren. Sein Vater war eine wahrhafte adlige Natur, dabei aber bieder und schlicht. Ueber die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus in der ganzen Provinz geachtet und geehrt, ein Großkaufmann vom besten Schlag, der Weitblick und Energie mit strenger Redlichkeit einte, galt, ihm das Judentum als Krone und Richtschnur seines Lebens. Die Mutter war eine hervorragend begabte Frau, die die zärtliche Innigkeit und Hingegebenheit einer jüdischen Mutter besaß, sich aber nach dem Tode ihres Gallen zu nahezu männlicher Kraft und Lebensbewältigung aufraffte. Im Hause Cohn, das man nur mit Ehrfurcht betrachtete und nannte, hallte vom frühen Morgen bis in die späte Nacht Tauröh, waltete vom Tagesanbruch bis Tagesschlust reines und'feines Gemilus Chefed. Der Sohn wuchs heran, leicht beeinflußbar für alles Gute, tief empfänglich im besonderen für r-ninn ii»> Hier war vörgebildet, was ihm bis ans Ende seiner irdischen Tage über allen Wandel der Zeiten treu blieb: Die unendliche Liebe zum göttlichen Gesetz, die Freude an der selbstlosen Teilnahme an fremdem Leid. Der Gymnasiast sagte der Heimat Valet und wayderte zur benachbarten Universität Breslau, den jüdischen Glanz seines elterlichen Hauses als Sonnenwegweiser im Herzen. Dieser führte den etwa 22jährigen dann zu der Stätte, die späterhin sein Lebensdomizil wurde, an der er mit einer gleichgesinnten Gattin sein Haus zimmerte, in der sich feine jüdisch-menschliche Persönlichkeit groß und fei entfaltete, die seines Lebens besten Inhalt einschloß: nach Straßburg. Astronomie wars, die er sich zum Fach erkor. Sic bildete für ihn die Brücke vom Wissen um göttliche Dinge zum Weltwissen, den Aufwärtspfad zum Weltwissen um Göttliches. In mancher einsamen Nachtstunde mag er bewegt den Wandel der- Gestirne beobachtet haben, im klaren Sinne des Psalmenwortes eingedenk: „Wenn ich Deinen Himmel sehe, das Werk Deiner Hände, Mond und Gestirne, die Du gegründet — was ist der Mensch, daß Du Dich seiner erinnern, der Menschensohn, daß Du seiner gedenken solltest?" Seine Fachwissenschaft machte er aber auch dem Jüdischen öffentlich dienstbar mit der Herausgabe seiner berühmt gewordenen astronomischen Tabellen, die die Grundlage der jüdischen Zeitenberechnung für alle Länder wurden. Er sonnte sich nicht im Glanze dieser Berühmtheit, nicht in der Anerkennung der Universität für ihren geschickten Mitarbeiter an der französischen Sternwarte. Die Demut, vielleicht noch gefördert durch seinen Beruf, wenn nicht unlösbarer Naturbestandteil seines Wesens, ließ kein Bewußtsein des eigenen Wertes in ihm aufkommen, hieß ihn jede Ehrung fliehen und in der Zurückgezogenheit seines Hauses das Glück erblicken. Aber er kapselte sich dennoch nicht darin ein, tat vielmehr Haus und Herz jedem weit auf, der die Kraft und den Reichtum seines jüdischen Wissens, die Gastfreundlichkeit feines Herzens, die stete ihn nie verlassende kristallreine Kindlichkeit üüv lautere Unberührtheit seines Gemütes suchte. Nie spann sich der Buchmensch nur in die ob auch noch so erhabene Größe seiner geliebten Talmudfolianten ein, er wurde zum Tatmenschen, wo es galt, für die Tauroh zu wirken/ Zu erzählen weiß davon vor allem die E z C h a j i m - Gemeinde in Straßburg, die er aus unscheinbaren Anfängen zur Blüte emporführte, zu erzählen die Kinderschar dieser Gemeinde, in der der Tauroh ein neues Geschlecht heranwächst, zu erzählen auch der Kium-Emunoh-Verein, in der die Väter und Jünglinge nach des Tages Mühen und Nöten Geist und Herzen erfrischen und stärken im „Lernen". Zu erzählen die Vielen, die er, der im ganzen Elsaß bekannte und gesuchte Mohel, in den Abrahamsbund aufnahm. Der selbstvergessenen Opferwilligkeit Berthold Cohns gesellte sich der Hang und Drang zur Gerechtigkeit. Unrecht konnte ihn entflammen, mochte es im Einzel- oder Völkerleben sein. Er verkörperte das Wort der Tauroh: Der Gerechtigkeit, ja, der Gerechtigkeit sollst du nachjagen. Nun ist er entschlafen, an einem Sabbat, zum ewigen Sabbat entschlafen, die Worte der nachgedachten Gottesgedanken des Kiddusch noch froh in sich aufnehmend und mit Amen bekräftigend. Nun ist dieses Prototyp des jüdischen Voll- und Edelmenschen in die Unendlichkeit und Unsterblichkeit eingebettet, beweint und beklagt allüberall. Eine Sefer Tauroh hat man ihm in die Gruft mitgegeben, ihm, der selbst ein wandelndes Stück dieser Tauroh war. Mit beredten Zungen hat man ihm vor einer unübersehbaren Schar aus allen Kreisen gepriesen,— ihn, für den kein Wort der Anerkennung zu viel war und der doch kein Wort der Anerkennung je wollte. Kinder führen fort, was er erstrebt. Kinder werden die trostheischende Mutter aus ihrer Versunkenheit aufrichten. Und Gott wird verbinden, wo Er verwundet hat. Hamburg, 27. Mai. Gleichsam wie wenn er es geahnt hätte, daß ihm nur eine kurze Lebensdauer beschieden, hat Israel Schlesinger, den wir nun doch nach Wochen tiefen Bangens und dann wiederum zagendem' Höffens hergeben mußten, in die knappen-38 Jahre seines Daseins den ganzen Reichtum vollendetster Leistung^ : bis ins Letzte getreuer jüdischer Pflicht hineingepreßt. Als Sohn eines in vorzeitiger Frömmigkeit vor un& wandelnden Vaters, als Enkel der beiden Großen in Israel, Rabbi Getfch Schlesinger und Rabbi Israel Ga- - brielowitfch, wollte er nichts Anderes als die lebendigen Worte Gottes, die seinen Vätern und Vorvätern das lebengestaltende Prinzip waren, in sich selbst erlebenum sie so seinen Kindern, dem, was nach ihm kommt, bis in die fernste Generation, ungeschmälert und unverkürzt weiterzugeben. Er war, wie Sachkundige bezeugen, trotz seiner jungen Jahre ein Talmid Chochom, scharfsinnig im Lernen, in der ganzen Mischna zu Hause. Und sein Lernen trug das Gepräge der Größe, denn es brachte ihm zu treuestem Erfüllen bis ins Kleinste; es brachte ihn zu einer heutzutage selten gewordenen von Juden wie Nichtjuden gerühmten gewissenhaftesten Redlichkeit im Berufsleben. Er war — wir deuteten es schon an — ein von heiligem Fanatismus durchglühter Wahrheitskämpfer. Jede Konzession, und galt sie auch nur dem kleinsten, unscheinbarsten Familienbrauch, war ihm unerträglich und seiner aufs Ewige gerichteten Seele fremd. Und doch lag auf dem Grunde seines Wesens so viel Güte, Hilfsbereitschaft und Opferfähigkeit, daß er Tieferschauenden, auch aus andern Lagern, zum Vorbild wurde, sie in seinen jüdischen Kreis hineinzog, so seinem Gotte, Abraham gleich, Seelen warb. Und so wurde das' Haus, das er vor zehn Jahren mit der adeligen Gattin, Enkeltochter des alten Halberstädter Raws und Rabbi Jizchok Langes, gründete, ein reines jüdisches Heiligtum, ein in jeder Beziehung leuchtendes Vorbild. Der Gattin, dem Vater, den Familien, ihnen, deren Seelen ganz eingewurzelt sind in durch nichts zu erschütterndes pnvs, ihnen brauchen wir keinen Trost zu sagen. Nur ein Gebet möchten wir aussprechen: Möge der Vater der Waisen, möge der Richter der Witwen seiner jungen Witwe die Kraft geben, -daß sie, im mar ihres Mannes, die 8 Kinder, diese zarten kleinen Kinder, zu jüdischen Menschen nach dem Willen und dem Bilde des Vaters heranerziehe, daß einst diese achtgliedrige Menorah leuchte in Hellem, strahlenden Glanz, in einem Glanz, welcher der Frau, den Kindern und uns Allen die ca'K-mn o'öv Israel Schlesingers Leben, zu ständiger, gesegneter Erinnerung bringt. rraxan* Alsfeld. 27. Mai. In einem Alter von nur 58 Jahren wurde seiner Familie und unserer Gemeinde am Samstag, den 10. Mai (ni»n n»*® r-os?) Herr Hugo R o t h - schild durch einen plötzlichen Tod entrissen. Was , feine Familie und unsere Gemeinde durch den Tod dieses trefflichen Menschen und aufrechten Jehudi verliert, ist gar nicht mit diesen wenigen Zeilen, die eine kurze Würdigung des Verstorbenen darstellen fallen, wiederzugeben. . Auf streng gesetzestreuem Boden stehend, hat der Hemgegangene ein der Tauroh und den Mizwaus geweihtes Leben geführt. Jede freie Minute, die sein Beruf ihm gab, verwandte er zum Studium der hl. Lehre, und er hatte es zu einem überaus großen Wissen auf diesem Gebiete gebracht, zu einem Wissen, das überall die größte Bewunderung heroorrief. Mit feiner Gattin, die ihm 7 Jahre im Tode vorangin'g, hat er ein echt jüdisches Familienleben geführt; das den" Idealen des orthodoxen Judentums' gewidmet Äar. Trotz schwerer Schicksalsschläge und-großer Heimsuchungen blieb , sein: Gottvertraüen unerschütterlich, weil bt 'ein wirklich gläü- ' > Pelz aufbewahrting gj Maßanfertigung und Umarbeitungen j§ jetzt zu billigsten Sommer-Preisen TH. 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