Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1930)
- Date
- 1930-05-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 21 Der Israelit 22. Mai 1930 Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! EUGEN OCHS Spezialist dafür Mosels<r.16 » Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten mmmmmmimmmm Der Staat kann etwas als Ehe anerkennen, dem gegenüber wir um der Ethik willen und des Geheimnisses wegen sagen müssen: das ist nicht Ehe, es ist höchstens Konkubinat. Und wir können dort, wo der Staat Che nicht anerkennt, als Juden, als Rabbiner sagen müssen: Um unseres Judentums, um der Ethik willen: das ist Ehe, wir erkennen es als Ehe an- (S. 54). Das ist die große Leistung der zweiten Generation der Reform, daß sie Berechtigung und Notwendigkeit der Reform theologisch begründete. Darin vor allem beruht die Bedeutung von S. R. Hirsch (sic!) und Abraham Geiger, von Zacharias Frankel und Samuel Holdheim. Daß die genannten vier -Theologen ihre theologische Erundanschauung nicht umfassend dargelegt haben, ist aus der gesamten Situation der damaligen Zeit durchaus erklärlich. (S. 43.) Eine Generation von Rabbinern, die gewohnt ist, nur traditionell zu denken, nur Autoritäten älterer Zeit cnzu erkennen, wird auch die neue der älteren unterordnen i >llen und unfähig sein, grundsätzlich zu bessern. (. 26.) Von sachverständiger Seite wird uns dazu geschrieben: Mit erfreulicher Klarheit haben die Sitzungsberichte die tiefe Kluft zwischen dein Dudenturn der Geschichte und der liberalen Auffassung zur Geltung gebracht. Es handelt sich um eine neue Konfession, um die Aufhebung der Grundprinzipien, auf dem das Judentum als Gesetzesreligion sich aufbaut. W i r fühlen uns historisch gebunden. Ein Eid der Ewigkeit bindet das jüdische Volk. Niemand vermag die Gültigkeit dieses Eides der Treue gegen das Religionsgesetz aufzuheben, so wenig wie die Menschheit jemals ihre Gebundenheit an die Grundlagen der Moral aufgeben kann, mag immerhin von unzähligen Philosophen die Absolutheit ethischer Bindungen angezweifelt werden. Ohne Moral ist Menschsein ein Unding, ohne das Religionsgesetz ist Judesein ein Unding. Es ist also wirklich eine neue Konfession, die ohne die ewige Geltung des Religlionsgesetzes auskommen will. Es ist daher nicht zu verwundern, daß diese neue Konfession eine neue Auffassung der Ehe mitbringt, daß sie dementsprechend neue Ehegesetze formen will. Nach jüdischer Auffassung ist die Ehe eine Bindung, die zwischen Mann und Weib geschlossen wird. Andere haben nur die Rolle von Zeugen, daß diese Bindung vollzogen worden ist. Diese andern, die ganze jüdische Gesamtheit, die Rabbinen, stiften nicht die Ehe und können sie infolgedessen auch nicht lösen. Ein Vertrag aber, der lediglich und allein Zwischen Mann und Weib abgeschlossen ist, kann auch nur von diesen Vertragschließenden wieder ausgehoben werden, und unter den Formen, die mit der Schließung der Ehe als die allein maßgeblichen angenommen worden sind. Dieser Ehebegrifs, wie ihn das Gesetz der Thora schafft, ist der einzig sittliche, weil nur der innere freie Wille die Beiden binden darf, weil die Ehe der höchste Ausdruck gegenseitigen Vertrauens der Menschen ist. Von diesem Gesichtspunkt aus ist es Widersinn, daß die Todeserklärung eines Gerichtes irgendwelche Bedeutung haben könnte, oder daß die vom Staat ausgesprochene Scheidung, jemals das geknüpfte Band rechtmäßig aufheben könne. In diesem Zusammenhang muß auch die ganze Oberflächlichkeilt jener Deduktion gebrandmarkt werden, die sich zu der Ausrede versteigt: „Es gibt keine Orthodoxie, weil im modernen Staat von> den Juden allgemein der Zwilkodex bürgerlichen Gesetzbuches anerkannt ist." Welch eine Torheit liegt in diesen Worten! Jeder Vertrag, der gegen das Gesetz der Thora verstößt, ist ungültig. Nur soweit er finanzielle Abmachungen betrifft, mag er gegen das mangels anderer Abmachung geltende Thoragesetz verstoßen; denn jeder hat das Recht, auf sein Geld zu verzichten und über sein Geld zu verfügen. Daher alle vermögensrechMchen Abmachungen zwischen Ehegatten, trotzdem sie dem Thoragesetz widersprechen, Rechtsgülttgkeit haben. Jede andersartige Abmachung aber als auf wirtschaftlichem Gebiet .nacht die Ehe ungültig, kann vertraglich niemals R e ch t s k r a f t b e k o m m e n. Es hat also die Orthodoxie n a ch d e m G e s e tz der Thora das Recht, dem BGB. zu folgen, und sie bleibt doch Orthodoxie. Ein Verzicht aber auf die sonstigen religiösen Grundlagen der Ehe ist sinnlos und hinfällig. Und weil das innerlich genau begründet ist, mußte derselbe Mund, der behauptet hat: „es gibt keine Orthodoxie, weil der Choschen Mischpat nicht allein vermögensrechtliche Fragen regelt," gegen sich selbst zeugen und bekennen, daß der Erven Hoeser etwas ganz anderes ist als der Choschen Mischpat, daß hier das Verborgene und Heilige eingreift Und keine andere Handhabung als eben nach dem Gesetz des Judentums zuläßt. Es ist überhaupt interessant, zu beobachten, wie der Liberalismus die Ehe gewaltsam unter den Gesichtspunkt eines vermögensrechtlichen Vertrags bringen und dadurch das Sekundäre zur Hauptsache machen will. Selbstverständlich ist die Ehe gleichzeitig ein Vertrag, der auch wirtschaftliche Fragen regelt. Aber das ist ein Akzidenz, ein nicht Notwendiges. Einen Bruch nur wirtschaftlicher Abmachungen würde die Bibel Von den Grundbedingungen des Menschheitsglückes. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Die Zeit, die alljährlich für das neue Leben und Werden in der Natur von entscheidender Bedeutung ist, hat durch ihre Stellung im jüdischen Kalender auch für das Pflanzen des Ewigen und Heiligen in den Kreis unserer Lebensführung ihren besonderen Wert. Ein jeder Tag der n-pso, die uns im Geiste den Weg von Aegypten zum Sinai durchmessen und uns neu durchleben läßt, was da unsere Väter einst erschaut und zu ihrem Heil und Segen erfaßt, ist, recht begriffen, ein immer neuer Ausruf an uns zur Anspannung all unserer Kräfte und Fähigkeiten behufs Wahrung und Stärkung unserer Treue und Hingebung an der Väter heilige Traditionen, immer neues Saatgut für Blüte und Frucht am Baume unseres Judentums .— und dann auch Kraft- und Läuterungsquell unseres jüdischen Selbstbewußtseins ... In diesen Wochen und Tagen, die uns vom nvs zum niyinp geleiten, lernen wir voll verstehen, was unsere Weisen ausgesprochen haben: „ Lo'övn p i’D-naa vrn isom rpon Das Schwert und d as Buch sind aneinander gebunden vom Himmel gekommen. 1202 21712p na mis» dk rrapn oni> 12« oam mn rrinp qio it6 orri epon p 0^22 dtik -nn m Gott hat zu Israel gesprochen: „Hütet ihr, was im Buche niedergelegt ist, so sollt ihr vom Schwerte verschont bleiben, wo aber nicht, werdet ihr ihm zur Vernichtung hingegeben . . Unsere Geschichte, die wir mit dem Zählen der Tage und Wochen überdenken, lehrt uns die Wahrheit dieses Wortes und weckt auch unser Verständnis für jenen anderen Weisheitsausspruch: 711210 i>'2V2v riimrm pvni' im lim!>xir'v nnrri ins bib m anV prw» T>n ppH an imis" mr d’“i»pb 0 virrn ■pst? i"i rri>i irrvn' nimn rin in»p v na flisan p pn? p iw rrim 5>n*ip> „R. Josua b. Levi hat gelehrt: „Wüßten die Völker, daß die Welr wegen Israels Sünden zu leiden hat (daß also Israels Verhalten das Heil der Menschheit bedingt), sie würden für einen jeden in unserem Volke zwei Aufseher bestellen, die ihn von jedem Fehltritt gegen sein Judentum abhielten. Aber weit gefehlt: sie legen ihnen noch Hindernisse in den Weg und erschweren ihnen die Treue gegen die heilige Lehre." Ein kühnes Wort dieser Satz, der unsere Gemeinschaft zur Hüterin der Glückseligkeit der Menschen bestellt und damit uns eine Bergeslast der Verantwortung auferlegt . > . Wer kann aber den Zusammenhang bis zum letzten ergründen, der zwischen Erfüllung der nun und dem Glücke der Menschheit besteht, wie. ihn auch das Schriftwort lehrt: mpnu dk cams Lun'Vvi inuvn mis» rum 12771 „Wenn ihr meinen Satzungen nachwandeln und meine Gebote hüten und sie üben werdet, - > - pta nuiinrr '71021 . . dibd o2'i2v2 'Jirm so werde ich eure Regen in ihrer Zeit geben . . . und ich gebe auch Frieden im Lande". . . Wir haben es doch wohl oft genug in unserer Geschichte erfahren, wie Israels Leid zum Leid der Menschheit geworden, — sein Abfall häufig Unheil nicht nur Israel allein, sondern der ganzen Menschheit gebracht hat. Wir brauchen da nicht zu weit zurückzugreifen, — die jüngste Vergangenheit des großen Weltgeschehens bietet der Beweise genug . . . Ist nicht die Menschheit in unseren Tagen krank Und elend nicht mit dem Tode bestrafen; Ehebruch ist ihr! aber Todessünde. Und solange die andern Völker Ehebruch nicht als Todessünde betrachten, solange der moderne Staat den Ehegatten das Recht gibt, einen Treubruch zu verzeihen, solange fühlen wir einen unüberbrückbaren Abgrund zwischen der sittlichen Auffassung, die das Judentum von! der Ehe hat und der anderer Völker. Nicht anders ist die falsche Argumentation! betreffs der Chaliza zu beurteilen. Auch hier wird fälschlich immer angegeben, daß die Institution des Jibbum lediglich vermögensrechtliche! Motive habe. Das ist sicher falsch. Denn die! Mischna (Jebam. IV, 7) kennt sogar eine tannaitische Ansicht, daß der Jabam'bei Lebzeiten des Vaters überhaupt nicht erb vorberechtigt ist. Die rechtlichen Folgen treten auch hier nur sekundär in die Erscheinung. D e r Zusammenhang der F a m i l i e N>, d i e Pflicht, dag ein Bruder als Goel des a n d e r n a u fz u t r e t e n hat, das ist der Gr u n d g e - danke dieser J'nst >ituti0n, wie es das Buch Ruth in so wunderbarer Weise uns zeigt. Darum bleibt die Chaliza selbst als Symbol, als ewiger Ausdruck der Verbundenheit der Söhne eines Vaters, immer ein tief sittlicher Akt. Bezeichnend ist, daß im ganzen Gesetzestexte (Deuteronomium 25, 5—10) kein ausdrückliches Wort von Vermögens- und Erbschaftsrechten gesprochen wird. Gerade die Einzelformen, die etwas Beschämendes haben, sollen zeigen, daß derjenige im jüdischen Volke gerichtet ist, der nicht für den Bruder eintreten will. Mag also immer die Chaliza als ein Unglück für beide Seiten empfunden werden, aber immer wird sie in unserer religiösen Gemeinschaft den Gedanken von der Zusammengehörigkeit und' Einheit der Familie in Erinnerung bringen. Daß der Liberalismus, statt auf den Sinn dieses Symbols eingugehen, es lieber der Lächerlichkeit preisgeben will, das beweist eben nur, wie man es erfreulich klar ausgesprochen hat, daß sie auf die Chaliza als ein Propagandamittel Nicht verzichten können. Endlich geben die Diskussionsredner einmütig der Meinung Ausdruck, daß priest erliche Eheeinschränkungen für sie nicht gelten, denn für sie gibt es keine Hoffnung auf einen Messias, auf eine Wiederaufrichtung dos Heiligtums. Das wahre Judentum ist aber gerade in dieser Frage besonders empfindlich. W i r k ö n n e n a u f das Priestertum nicht verzichten, weil d i e f e r V e r z i ch t d i e A u f g a b e u n f e r e r ZukunftsHoffnung wäre. Der Prophet Jirmija spricht in Kap. 33, Vers 20: „Wenn ihr zerstören könnet meinen Bund! mit dem Tag und meinen Bund mit der Nacht, so daß nicht mehr 22 Tag euch rem ier len Oer im, aus hat i and bare ist < aeül den. daN setz jüdi liche Ehe so r chen die „Bc Und die es i die aus Fro len Zal der mei Abs allz abe me hat keü das nie! krik gär m ( di se m < her genug, blutet sie nicht aus Hunderten von Wunden, brauchen wir erst zu fragen nach dem „Warum"? Allenthalben wird dem Volke der Bibel die Betätigung seines Judentums erschwert, — nicht allein im Osten, wo die Gottes- und Lehrhäuser geraubt werden und jedwede Unterweisung im Thorawort mit höchsten Strafen geahndet wird. Man hüllt sich auch bei uns in den gleißnerischen Mantel der Liebe, die man nur für das Tier kennt, und macht dem thoratreuen Juden seine Lebenshaltung zu einem neuen schweren Opfer. Da hofft man auf den Weltfrieden, während man ganze Klassen im eigenen Volke verfolgt oder doch ihrer Lehre, der Bibel, den Stempel der Minderwertigkeit ausdrücken möchte. Umsomehr ist es unsere Pflicht, unserer jüdischen Aufgabe uns bewußt zu bleiben und damit auch die große Verantwortung zu fühlen, die wir für die Gesundung der Welt tragen. Unser Bestand, unser Dasein ist ein ewiges Zeugnis der Allmacht und Allweisheit dessen, der es gesprochen: „t-ikt 02 -pi» Und dennoch!" Diese Verheißung gilt für die Ewigkeit. Israel wird auch die Nöte der Gegenwart überdauern. An ihm und seiner Thora soll die Welt genesen. Darum kann für uns immer nur das eine, das gleiche Streben den Weg uns vorzeichnen: Zur Sinaihöhe! Nicht aber nur eine platonische Liebe und Begeisterung, eine Verehrung und Hochschätzung nur der jüdischen Gedanken und Wahrheiten. 12^71 '7ipn2 mm „daß ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte hütet und sie übt!" Beides die 7-117N und die ll'vvvv, jene sogar an erster Stelle, sind die Grundlagen unseres Judentums. So wenig wir die Gesetze des Seins-von Himmel und Erde zu ergründen vermögen, können wir den Sinn der 711pn restlos uns erschließen. Und mag hundertfach von ihnen gelten, psup P’Vy 2'v» daß sie dem Satan (der. eigenen Klügelei oder fremder Kritik immer neue Angriffsflächen darbieien, um wir Go fini um feie Mi Go die füh t e Le me >as Äbl es uch uu bei erl wi chö ge