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Der Israelit · 1930-05-22 · Heft 21 (22.5.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 21 (22.5.1930)
Date
1930-05-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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22. Mai 1930 Der Israelit Nr. 21 Seite 3 Tag und Nacht fei zu ihrer Zeit, dann könnte cuch zerstört werden mein Bund mit David, meinem Knechte, daß er nicht haben solle einen Sohn, i er regieren wird ans seinem Throne, und mit den Lewiten, den Priestern, meinen Dienern.^ Oer Liberalismus verleugnet sämtliche Propheten, wenn er die Kehuna verleugnet. Zusammenfasfend haben wir zu sagen: Jahrausend alt ist die jüdische Eheinstitution, sie hat unser Volk rein und sittlich erhallten. Um die jüdische Ehe haben uns alle Völker beNleidet. Sie hat die Achtung der beiden Ehegatten voreinander and der Kinder vor ihren Eltern in einer wunderbaren Weise gewährleistet. Das jüdische Ehegesetz ist aber ein Gesamtkomplex, als Ganzes hat es diese historische Wirkung auf unser Volksleben geübt. Es kann kein Teil vM ihm entbehrt werden. Es ist unbegreiflich, ist eiine geschichtliche Undankbarkeit sondergleichen, wenn man diesetz Gesetz angreift oder gar von einem Bankrott des jüdischen Ehegesetzes spricht. In einer Zeit sittlicher Verwahrlosung, der sich immer häufender! Ehescheidungen, wo das moderne Eherecht sich so beschämend schwach gezeigt hat, in einer solchen Zeit wagt man es noch zu sagen : man mühte die jüdische Oeffentlichkeit unausgesetzt über drn „Bankrott des jüdischen Ehegesetzes" aufklären. Und dabei müssen so ganz schüchtern und leise die Zugeständnisse gemacht werden, wie furchtbar' es in den „guten jüdischen Kreisen" aussieht. Die Berechtigung zu Mesem Sturmlauf gegen die jüdische Ehegesetzgebung will man ableiten aus dem schweren Unglück der Agunoth, der Frauen, deren Männer, durch den Krieg verschollen sind. Erstens übertreibt man wissentlich deren Zahl. Die von den NabbiNen gesammelten Listen der Agunoth umfassen nur an die hundert Namen. Daß ein Weltkrieg schwierige Konflikte, Absonderlichkeiten im Gefolge haben kann, ist nur allzu natürlich. Die eigentliche Schuld daran trägt aber nicht das jüdische Gesetz, sondern seine Mangel n d e Ha n d h a b u n g. Nach jüdischem Gesetz soll jeder, der in den Krieg zieht, feiner Frau einen Get hinterlassen. Maimonides hat wegen der dauerndien Unruhen in seiner Zeit keinen Juden ins Ausland fahren lassen, ohne daß er einen Scheidebrief Hintertassen hat. Bei vielen pflichtbewußten Rabbinen ist auch im Weltkrieg so gehandelt worden. Wenn es nicht durchgängig geschehen ist, so liegt das daran, daß man die Auto rität der Rabbinen, die Achtung vor dem jüdischen Gesetz, den Zusammenhang der Gemeinden g e l o ck e r t h a t, daß man noch .Heute, wie das Beispiel zeigt, statt Me Achtung vor der Ewigkeit des Gesetzes zu erhöhen, es unwir 'wissen es jna mm1-? man -|V pn ö’fippn n '2« Gott hat sie in unsere Lehre tief eingegraben und dafür sind sie uns unverbrüchlich wie die rvvsvv die Rechte, von denen alle voller Übereinstimmung urteilen, sie feien „vernunftgemäß". Uns sind aber auch diese, dem Menschenverstände einleuchtenden nix» nur als Diktat der Gottesweisheü Norm und Gesetz unseres Daseins. Nur diese Erkenntnis verbürgt ihre ewige Geltung und Durchführung. Jemehr wir aber die ganze ungeteilte Thora zur Verwirklichung zu bringen als unsere Pflicht anerkennen, desto mehr ersteht uns die Aufgabe: rhina wuw baß wir uns um die Erfassung der min mühen und überall hetzend und fördernd unsere Kräfte einsetzen, wo es gilt, minn pj? D’mV für die Erhaltung und Stärkung unserer Lehre zu werben. Das werde unsere Vorbereitung und Rüste für umin prs pr# der Wille und das Streben zur Verbreitung der Kenntnis unseres heiligen Sinaierbes. kleines Feuilleton. Thüringens «deutsche" Schulgebete. Von A. Mannheimer in Dettelbach. Gebete sind Erguß der Seele, ein Ausfluß des Bewußtseins menschlicher Schwäche, die der Allmacht des höchsten Wesens in letzter Linie die Erfüllung der Wünsche anheimstellt. Gerade dadurch sind sie das treueste Spiegelbild des inneren Menschen, müssen gewürdigt werden tergräbt und als antiquiert hinstellen will. Würden unsere Gemeinden und Rabbinen in allen Gegenden b>es Kontinents gleichmäßig auf dem Boden des Gesetzes stehen, fo würde man fast alle Konflikte, die sich aus dem Ehegefetz ergeben, beseitigen können. Es darf aber nie einem Gesetz etwas zum Vorwurf gemacht werden, das durch sene halbe Befolgung entsteht. Und das ist gewiß: Auch das Thoragesetz will ganz erfüllt sein. Etwas komisch berührt die ganze Erregung über die Agunothfrage aus. diesem Munde. In den Kreisen des deutschen Liberalismus kommt sie so gut wie gar nicht vor. Brennend ist sie geworden durch die schrecklichen Verhältnisse in Sowjetrußland, in den Staaten großer Ein- und Auswanderung jüdischer Menschen. Die Betroffenen haben sich in ihrkn Röten mit aller entschiedenen Deutlichkeit nicht an die liberalen! Rabbiner als an Wunderdoktoren gewandt. Wenn man das Ausmaß rabbinifcher Gelehrsamkeit, das in diesen Verhandlungen zur Geltung kommt, sich einmal vor Augen führt, dann ist das ja auch nicht weiter zu verwundern. Man braucht nur einmal die vorgeschlagene neue Form der K e - t h u b a zu lesen, dieses Sammelsurium von Aramäisch und Hebräisch, von Vertrag und Phrase, und man kann sich kaum eines Lächelns enthalten. Roch nicht einmal eine einheitliche sprachliche Prägung konnten! sie ihrem Entwurf geben. Man wird den Einbruch nicht los, als hätten die Liberalen sich ein bißchen blamiert gefühlt, daß man sie in dieser Frage der Agunoth gar nicht interpelliert hatte, und wollen jetzt uns wissen lassen, daß sie doch auch eigentlich in der Welt sind. Aber sie müssen es sich bewußt halten«, daß sie mit Schlagworten wie „Rückständigkeit" und „Bankrott der jüdischen Ehe" sich das Vertrauen nicht erwerben können, Wächter und Hüter dessen zu sein, was dem einzelnen Juden als heiliges Gut Gewissenssorgen bereitet. Solche spielerische Art, solche geschichtliche Ungerechtigkeit, wie sie hier gegen die wertvollsten Schätze unserer Lebensordrung gezeigt werden, die werden nicht in der Lage sein,.Verfechter des Liberalismus zu legitimieren. Ein Gesetz brechen ist leicht, Konflikte mit dem Gesetz zu finden noch leichter. Aufgabe der Rabbinen ist es aber, den Menschen die schwere Kunst zu lehren, sich selbst zu beherrschen, dem Gesetz sich zu beugen und aus dieser Selbstdisziplin in sich seelische Kräfte zu erziehen, die zu einem höheren Menschentum emporleiten. als das Charakteristischste für die Beurteilung von Wesen und Geist eines Volkes bezw. einer Glaubensgemeinschaft. Vorausgesetzt muß immer werden, daß es dem Beter ernst ist mit seinen Worten, daß er nicht frevles Spiel treibt mit dem Heiligsten und Höchsten, gemeinen Betrug mit der hehrsten Regung der Seele. >Ppn solchen Voraussetzungen ausgehend, muß man die Frickschen Schulgebete mit Empörung zurückweisen. Es sind einfach Kriegsgebete, wenn es überhaupt gestattet ist, das Wort Gebet in dieser paradoxen Verbindung anzuwenden. Es sind Haßgesänge unter der schlecht Maske eines Gebetes, bei der man sofort das wahre Gesicht erkennt: die häßlichste Form einer Propaganda für die Nationalsozialistische Partei. Es sind Gebete gegen den Völkerfrieden, gegen Völkerversöhnung .und Völkerverständigung. Hier erklingen schrille Töne gegen andersgesinnte Volksgenossen, gegen friedliebende Republikaner, denen Betrug und Verrat vorgeworfen wird. Gottlosigkeit und Vaterlandsverrat hätten das deutsche Volk zerrissen und vernichtet. Herr Dr. Frick muß wissen, daß keine eigentliche Revolution stattfand, es erfolgte eigentlich nur ein Zusammenbruch. Dr. Frick dürfte nicht unbekannt sein, daß kein Geringerer als Hindenburg dies dem amerikanischen Journalisten Georg Selbes offen zu gegeben und es mit dem Hinweis auf die Hungerblockade und das Eingreifen der Amerikaner begründete. Auch Wilhelm II. gab 1929 zu, daß 800 000 — in Worten achthund er" aus end — Menschen in Deutschland den Hungertod starben. Wenn das nichts heißt! Dr. Frick muß wissen, daß General Falkenhayn sagt: die allgemeine Kriegslage war immer ernst, ist seit dem 14. September 1914 nie anders gewesen, bis zum bitteren Ende so geblieben und konnte infolge der vielfachen Ueberlegenheit der Feinde an Kräften und Mitteln nicht anders sein. Nichts hat wahrscheinlich mehr zu dem jammervollen Ausgang des Krieges beigetragen, als der Diätetische Abteilung der Hirsch-Apotheke Zeil111, Frankfurt a.M. DIABETIKER-DIÄT Wochenrundschcru. Die Araber find unzufrieden — wir auch. Die arabische Delegation, die, nachdem sie die ganze moslemrtrsche Welt des nahen und fernen Orientes für die arabischen Interessen in Palästina in Bewegung gesetzt, sich nach London zu Verhandlungen begeben hatte, ist unzufrieden und enttäuscht wieder nach Hause gegangen. Warum? Die Delegation des Großmufti und des Bürgermeisters von Jerusalem teilt in einer öffentlichen Erklärung folgendes mit: „Die englische Regierung hat unsere gerechten Forderungen zurückgewiesen, sie teilte uns nur .mit, daß sie einen Experten nach Palästina entsendet, der die Probleme des Bodens und der Einwanderung von neuem studieren soll, und daß sie in kurzer Zeit gewisse konstitutionelle Aenderungen in der Regierung Paiostinas vornehmen wird. Diese Aenderungen entsprachen nicht den Forderungen, die wir unterbreitet haben, und die darauf hinausgehen, daß die Einwanderung nach Palästina gestoppt werden soll, daß gesetzliche Bestimmungen getroffen werden, wonach im Hinblick auf den Bodenmangel der in arabischem Besitz befindliche Boden nicht verkauft werden dürfe, und daß eine demokratische Regierung in Palästina errichtet werde, an der alle Einwohner des Landes im Verhältnis zu ihrer Zahl teilhaben sollen, nachdem die englische Regierung diese unsere Forderungen zurückgewiesen hat, gerieten die Besprechungen in eine Sackgasse, die Diskussion mußte beendet werden. Wir beschlossen, heimwärts zu reisen. Wir tun dies unter dem Eindruck, daß der palästinensisch-arabische Fall von der britischen Regierung nicht in gerechter Weise gelöst werden wird. Der starke Einfluß, den die Zionisten auf die Regierung ausüben, hindert diese daran, gegenüber den Arabern Gerechtigkeit zu üben, oder Ungerechtigkeit nicht geschehen zu lassen. Die Delegation glaubt, daß nun die Araber alle geeigneten Mittel ergreifen werden, um die jetzige Politik zu bekämpfen." Man sieht, worauf es dien Herren ankommt. Die arabischen Großmuftis und Groheffendis sind geriebene Geschäftsleute und wissen, daß man beim politischen Geschäft ein Maximum ver- Umstand, daß diese Tatsache erst zu der Zeit, da nichts mehr zu reiten war, der Masse des Volkes enthüllt wurde. (&. 241.) Und sjam hält man das Jahr 1930 zeitlich fern genug, um kleine, unschuldige Kinder mit solchen „Gebeten" zu vergiften. Hier sollte vor allen Dingen ein Sturm der kirchlichen Behörden einsetzen und solche „Marsgebete" hinwegfegen. Die haben mit Religiosität und kirchlichem Sinne nicht das Mindeste zu tun. Im Haushaltsausschusse gab Dr. Frick zu, daß unter „art- und volkssremden Kräften" dieses „Gebetes" die Juden gemeint seien. Leider ist hier wieder einmal nicht angegeben, was unter deutscher Art zu verstehen ist. Thüringen und Sachsen ist stark verslavt. Hunderttausende panischer Namen von Familien und Orten bezeugen es. Und kennt Herr Dr. Frick seine Urgroßeltern väterlicher- und mütterlicherseits und wiederum deren Urahnen? Merkwürdig, wie gerade die militaristischen Rechtskreise und Organisationen immer nach christlicher Erziehung und christlichem Geiste rufen — natürlich in ihrem Sinne, weit entfernt von der Devise „Frieden auf Erden". Pazifisten gleich Volksverräter, eine Gleichung ersten Grades. Hugenberg, der mit seinem ominösen Paragraph 4 das Damoklesschwert des Vaterlandsverrates selbst über Hindenburgs Haupt erscheinen ließ, rief 'nach christlicher Erziehung. Der monarchisch-militaristische Stahlhelm gab in München die Devise aus „Kreuz und Schwert". Als ob das nicht alle andern christlichen Staaten genau so tun könnten, sodaß zuletzt soviele Kreuze gegen Kreuze stünden, als Schwerter gegen Schwerter. Und nun haben wir das Thüringer „deutsche" Schulgebet. Da wundert man sich, wenn Menschen°an allem irre werden, wenn Linksradikale Gotteshäuser mit hämischen Aufschriften versehen: Hier werden Kriegswaffen eingesegnet. Kann man ableugnen, was Augen sehen > und Ohren hören? Kann man den klaren Menschenverstand abschaffen, die gesunde Logik töten? Das erkannte Kardinal Faulhaber deutlich, indem

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