Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1930)
- Date
- 1930-03-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450611--76778-2534373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 11 Der Israelit 13. März 1930 und Haararbeiten ist Vertrauenssache I E II GEN OCHS Spezialist dafür Moselstr.16 ♦ Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten durch eine Darstellung der nationalsozialistischen Bewegung und wies darauf hin, vor wie schwere Aufgaben der Zentral-Verein bei der Begegnung der nationalsozialistischen Agitation gestellt sei. Er forderte entschlossenes Zusammenstehen, um der nationalsozialistischen Hochflut einen Damm entgegensetzen zu können. Die Versammlung, die von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Ortsgruppe Hamburg, Rechtsanwalt Dr. Urias, geleitet wurde, hinterlieh bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck. Die neue Claus-Synagoge in Mannheim. Mannheim, 7. März. Einen Festtag von historischer Bedeutung beging die Klaus-Gemeinde, und mit ihr die gesamte Mannheimer jüdische Bevölkerung, am Donnerstag, 'den 6. März. Die Klaus, seit Jahren eine Stätte der Andacht und des Thorastudiums, Urzelle des thoratreuen Judentums in Mannheim und Umgebung, zuletzt etwas eng und düster und altverblaßt in der äußeren Form, entstand, wie durch ein Wunder, in neuer Pracht und Schönheit. Sie erweiterte ihre Mauern, um, gemäß ihrer Entwicklung, neue Beter und Lernende aufzunehmen. Der altneue Bau, ausgeführt von Architekt S e i bemann, ist ein Prunkstück der Bautechnik, eine Kombination von neuer Sachlichkeit und gesammelter Schönheit. In der Mitte das geräumige Almemor in grauem Marmor glitzernd. In gleichem Stile die heilige Lade, zu der liebende Hände prachtvolle Vorhänge gestiftet haben. Ein schöner, grüner Teppich deckt den Boden des Almemor und ist eine Liebesspende der Frauen der Klaus-Synagoge. Die Bänke und Sitze, dunkelgrau, sind gut und zweckmäßig verteilt. Die Galerien rundherum tragen der religiösen Vorschrift wie auch dem Schönheitsgefühl derer, die hinter ihnen beten, Rechnung. Lehrhaus, Schule, Tauchbad schließen sich dem Vau harmonisch an, nicht minder die Vorplätze mit Garderobe usw. Für 5.30 Uhr war die Einweihungsfeier in »der Synagoge angesetzt, aber schon um 5 Uhr wogte die Menge vor dem neuen Hause, und bald war es angefüllt von Betern und Gästen. Ein Chorgesang eröffnete die Feier, und nach dem Mincho-Gebet, wie die anderen Sologesänge mit festlicher Weihe von Herrn Oberkantor E p - st e i n vorgetragen, wurden die Thorarollen ausgehoben und die üblichen Umzüge vorgenommen. Nach dem Einheben folgte die F e st p r e d i g t des Herrn Rabbiner Dr. Unna, der heute mit voller Genugtuung auf den Erfolg eines jahrzehntelangen emsigen Wirkens im Dienste der Thora Hinsehen darf. An das Heiligtum in der Sidroh anknüpfend, erläuterte er geistvoll die Dreiteiligkeit des M i s ch k a n symbolisch als Vorbild des jüdischen Lebens. Sodann gedachte er in ehrenden Worten des Mannes, der vor zweihundert Jahren mit seiner großherzigen Stiftung das Fundament für dieses Bollwerk des Thorajudentums gelegt hat, Lemle Moses Rheinganums W. Im Namen des Badischen Oberrates und des Synagogenrates von Mannheim entbot, in Vertretung des leider erkrankten Herrn Prof. Dr. Moses, Rabbiner Dr. Oppenheimer der Klaus-Gemeinde Grüße und Glückwünsche. Er begrüßte die anwesenden Behörden, deren Schutz er die Synagoge anoertraute, „dem Schutze, den heute, in einer Zeit der Sinnesverwirrung und politischen Verhetzung, unsere Synagogen und Friedhöfe nötig bedürfen." Den Gedenkworten des Herrn Rabbiner Dr. Unna für Lemle Moses Rheinganum schloß sich sehr harmonisch und stimmungsvoll das wdt des Synagogenchors, und mit weiteren Psalmgesängen und dem Maariwgebete fand die schlichte und zugleich erhebende Einweihungsfeier ihr Ende. Gegen 9 Uhr abends fand sich eine nach Hunderten zählende illustre Festgefellschaft im großen Saale der Lamey-Loge zusammen, um das historische Ereignis auch in froher Geselligkeit, bei Speis und Trank und guten Reden, zu feiern. Unter der flotten Leitung des Herrn Löffler wickelte sich alles wie am Schnürchen ab. Bei erlesenen kulinarischen Genüssen und einem guten Tropfen, wie ihn nur das zu liefern vermag, bekam man manch schönes liches Wort zu hören, das über den Tag hinaus seine Bedeutung behält. Ein sinniger Prolog aus der. Feder von Prof. Dr. Darmstädter wurde von Frau Dr. Ascher wirkungsvoll vorgetragen. Begrüßt und gefeiert wurde der Senior der Gemeinde, der weißbärtige Patriarch Simon, sowie die Herren Otto Simon und Bernhard Kaufmann, die sich in der Baukommission ewige Verdienste für die Synagoge erworben haben. Herr Rechtsanwalt Dr. I e s s e l s o h n, Mitglied des Synagogenrates und der Klaus-Kommission, schildert den erzieherischen Einfluß der Klaus auf die Gesamtgemeinde zur Stärkung des jüdischen Selbstbewuhtseins. Herr Oberrat Dr. Pfälzer schildert die drei Ziele einer Die Woche. Berlin. Wie die ITA. berichtet, ist das Eingreifen des amerikanischen Senator B o r a h zugunsten der Rabbiner in Minsk auf einen Schritt führender jüdischer Persönlichkeiten in Berlin zurückzuführen. Der russische Bots ch a f t e r in Berlin, Herr Krestinski, habe sich den Wünschen der jüdischen Führer sehr geneigt gezeigt. Das Verfahren gegen die Rabbiner in Minsk wird eingestellt. — Die Deutschnationalen beantragen in einer „Kleinen Anfrage" eine Beschlagnahme von Vermögen nach dem Kriege eingewanderter Ostjuden, um das Notopfer zu umgehen. Notopfer auf Kosten fremder Taschen! — In einer hier stattgehabten Sitzung wurde der Provinzialverband brandendurgischer Synagogengemeinden konstituiert. Zum Vorsitzenden des provisorischen Ausschusses wurde Stadtrat Hugo N o a ck - Landsberg, gewählt. Frankfurt a. M. Vor kurzem fand hier eine Protestvers a m m l u n g der drei Konfessionen gegen die Religionsverfolgungen in Rußland statt. Neben Kirchenrat Kübel und dem katholischen Stadtpfarrer Dr. Herr sprach von jüdischer Seite Rabbiner Dr. Lazarus. Prag. In sämtlichen Gemeinden der Tschechoslovakei werden Gottesdienste, snnagogale und gesellschaftliche Feiern für M a s a r y k abgehalten, Jüdische Zeitungen geben Festnummern heraus. Amsterdam. Auf einer interkonfessionellen Kundgebung gegen die Vorgänge in Rußland wurde ein Beschluß gefaßt, in dem die Niederländische Regierung ersucht wird, sich mit anderen Regierungen über Schritte in Sowjet-Rußland zu einigen. Warschau. In einem Aufruf des Jüdischen Clubs an die jüdische Bevölkerung, heißt es, die Regierung nehme keine Rücksicht auf die jüdische Minderheit und lasse die angekündigten Steuererleichterungen nicht in Kraft treten. Die jüdische Bevölkerung wird aufgeforderr, am'11. März einen allgemeinen jüdischen Protesttag abzuhalten. — Aus dem Wege von Melava nach Warschau verunglückte ein Autobus, wobei vier angesehene jüdische Kaufleute den Tod fanden. Andere Juden wurden mit schweren Verletzunoen ins Kra"kenba"s verbracht. Rwa. Hier traf die Nachricht ein, daß der in Rußland sehr populäre Oberrabbiner von W i -- t e b s k , Rabbi M e d a l j e, plötzlich aus Witebsk geflohen ist, weil er andauernd schwersten Verfolgungen seitens der lokalen Sounetbehörde ausoesetzt war. — Rabb. Nurok in Riga wurde der Posten eines M i n i st e r s ohne Portefeuille angeboten. Die Verbandlungen sind noch im Gange. Kowno. Offiziell wird mitgeteilt, daß die Untersuchung über den Tod des Tierarztes Amschenis in Scheimel, Bezirk Schaulen, festgestellt hat, daß Avischenis, den man in einer Nacht, in der Glatteis war in einem niedrig umfriedeten Brunnen ertrunken anfgefunden hat, infolge verschiedener zusammenfallender Ursachen verunglückte, und daß man es hier nicht mit einem Mördfall zu tur hat. Die unter Mordbeschuldigung verhafteten 5 jüdischen Schlächter wurden auf freien Fuß geletzt. Moskau. Die jüdischen Kolonisten in den Krim-Kolonien wurden für 10 Jahre von Schuldenrückzahlunqen befreit. Madrid. Die spanische Regierung bat an alle ihre Konsulate im Auslande eine Zirkularnote gesandt, in der sie ersucht werden, die Rückwanderung der „spax niolischen Juden", der Nachkommen einst aus Spanien vertriebener Juden, nach Spanien zu begünstigen. Gemeinde, Thora, Awoda und Gemillus Chesed, wie sie von der Klausgemeinde in mustergültiger Weise erreicht seien. Herr Dr. Würzburger feiert in ehrenden Worten seinen und der Gemeinde ersten Lehrer, Herrn Rabbiner Dr. Unna und findet damit ein be- Herr Bernhard Kaufmann begrüßt Herrn Seidemänn, und weiht sein Glas neben dem Meister auch der Baukommission und dem unermüdlichen Herrn Otto Simon. Rabbiner Dr. Lauer wendet sich mit gutem Humor an Schule und Jugend. Auch Herr Rabbiner Dr. Unna kommt noch einmal zu Wort, ermahnend, daß das heutige Fest, im Gegensatz zu den früheren, ein Fest der Zukunft sei, dessen Erwartungen die kommenden Tage zu erfüllen hätten. Von auswärtigen Gästen ergreift, aus Wunsch, Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M, das Wort, um nach einer humorvollen Einleitung zu betonen, daß all die Erfolge, die heute gesetzestreue Kreise da und dort fast ohne Kampf ernten dürfen, das mittelbare Verdienst von S. R. Hirsch V-sr, die Folge seines Ringens, sei. Man hörte zwischendurch ein paar hübsche Klavierstücke. Kuplets, besonders die Glorifikation des Zylinderhutes (Verfasser Pros. Dr. Leoi) fanden großen, verdienten Beifall. Lange nach Mitternacht ging noch eine Groteske über die Bühne, womit der Festtag seinen Abschluß gefunden hatte. Bet- und Lehrhaus der Mannheimer Klausgemeindc sind eingeweiht. Mögen ihre Räume stets gefüllt sein, daß Lehre von diesem neuen, schönen Hause ausgeht ynd neue jüdische Impulse sich ergeben für die badische Judenheit in Stadt und Land. * Eine Sonderausgabe des Mannheimer Israelitischen Gemeindeblattes bringt gute Aufsätze zur Geschichte der Klaus und anderen Inhaltes von Prof. Dr. Moses. Prof. Dr. D a r m st ä d,t e r, Prof. Dr. L e v i, Otto ' Simon und dem Bauarchitekten Seidemann. Polen. Vom Sejm, Warschau, 3. März. Während der Aussprache über die auswärtige Politik der Regierung in der Sejm-Kommission für auswärtige Angelegenheiten am 26. Februar ds. Js. hob der Abg. Thon (Jüd. Klub) die Verdienste des Außenministers Zaleski hervor, der nachdrücklich und konsequent eine überzeugte Friedenspolitik betreibe. Des weiteren ging Abg. Thon auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Juden in Polen ein und gab seiner Dankbarkeit für die Tätigkeit des Generalkonsuls Zbyszewski Ausdruck, der während der Araberunruhen mit Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit sich der Juden in Palästina angenommen habe. Rußland. Keine Verbrennung von Gefehesrollen in Rußland. Moskau, 10. März. Der JTA-Vertreter hatte Gelegenheit, festzustellen, daß die in der ausländischen Presse verbreitet gewesenen Nachrichten, wonach in Charkow und in Bachmut von Atheisten auf öffentlichen Plätzen Sifre-Thoras (Gesetzesrollen) verbrannt worden sind, der Wahrheit nicht entsprechen. Nirgends in Sowjetrußland wurden Gesetzesrollen verbrannt. Es werden wohl Gefetzesrollen, Talmudausgaben und andere religiöse Bücher gesammelt und nach dem Ausland exportiert, wo sie verkauft werden; der Erlös geht zugunsten des Jndustrialisierungsfvnds. England. Um die 3 «triff) Agency. London, 7. März. Wie Jewish Chronicle aus Amsterdam meldet hatte Oberrabbiner Onderwyzer in Amsterdam gegen die Ernennung eines holländischen Vertreters zur Jewish Agency durch die Oberbehörde der jüdischen Kirchengenossenschaft in Holland aus religionsgesetzlichen Gründen Einspruch erhoben. Die daraufhin mit dem Oberrabbinat geführten Verhandlungen haben zu einem Kompromiß geführt. Es lautet dahin, daß die Ernennung eines Vertreters erfolgt, der verpflichtet ist, in der Agency für die Bildung eines Rabbinischen Rates einzutreten, dem die Kompetenz zur Entchseidung religionsgesetzlicher Angelegenheiten . der Agency zustehen soll. - Daraufhin wurde der Antrag auf Ernennung eines Vertreters mit 18 gegen 3 Stimmen angenommen. Rabbiner Dr. Piuchas Kohu in London. L o n d o n, 10. März. Rabbiner Dr. Kohn, Vorsitzender der politischen Erekutive der Agudas Iisroel, besuchte vorige Woche London Rhein-Neckaf-Gebiet geistertes Echo. und treff- , den Architekten, 906594