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Der Israelit · 1930-03-13 · Heft 11 (13.3.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 11 (13.3.1930)
Date
1930-03-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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13. März 1930 Der Israelit Nr. 11 Seite 7 im Zusammenhang mit palästinensischen und sowjetrussischen Angelegenheiten. Zu seinen Ehren fand ein Empfangsabend, veranstaltet durch die Londoner Agudas Jisroel in Verbindung mit dem Rabbinischen Rate der englischen Agudas Jisroel statt. Mr. Goodman begrüßte den Agudaführer und würdigte seine historischen Verdienste um die Organisation der osteuropäischen Orthodoxie. Die Tatsache, daß der Agudismus in Polen der unbestrittene Repräsentant des orthodox-jüdischen Lebens in Parlament und Kommune ist, sei in hohem Maße den unermüdlichen ^Anstrengungen Dr. Kohn's zu danken. Herr Rabb. Dr. Kirzner, Rabbi M o s k a v i tz und Rabbi F e r b e r u. a., schlossen sich den Willkommensgrüßen namens des rabbinischen Komitees an. Herr Dr. Lohn gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er wieder einmal Gelegenheit habe, seine Londoner Freunde zu begrüßen. Wichtige politische 'Probleme; hätten ihn veranlaßt nach London zu kommen, die von vitalster Bedeutung seien. Die Situation in Rußland und im heiligen Lande scheine sehr ernst; ernster vielleicht als je zuvor. Es scheine, als ob nur ein Wunder uns vor Katastrophen schützen könne und in der Tat sei die „jüdische Frage" nur von Gott selber zu lösen. In diesen Tagen kann die Agudas Jisroel nicht passiv bleiben und die Lösung jener Probleme zu interessierc/n, die die Zukunft von Klall Jisroel so stark berühren. Rabbiner Tobias H o r o v i tz aus Wien sprach über die Beth Jakob-Bewegung, als eines der größten Werke des Agudismus. Beth Jakob habe nichts mit Politik zu tun. Beth Jakob wird die Seele der osteuropäischen jüdischen Frauenwelt retten. In wenigen Jahren hat die, Bewegung 147 20iä'Dd;enfd;ulen mit mehr als 20 000 Mädchen organisiert. Mit genügenden Fonds könnte die Bewegung ein mächtiges Bollwerk gegen den Radikalismus und Atheismus werden. Er appellierte an die englische: Judenheit, bei der Lösung dieser Aufgabe mitzuwirken. Frankreich. Die Einwanderungseinschränkung in Südafrika. Paris, 2. Marz. Das Pariser Büro von Hias-Jca-Emigdirect erhielt von zuständiger Stelle in Johannisburg die telegraphische Mitteilung, daß das Gesetz über die Beschränkung der Einwanderung am 1.Mai in Kraft tritt. Wanderer aus den der Einschränkung unterworfenen Ländern werden nur noch bis zum 30. April 1930 eintreffen, außer der Quote ins Land kommen können. Wanderer, die nach dem 30. April eintreffen. ohne über ein Visum auf Grund des neuen Quotengesetzes zu verfügen, werden nicht ins Land gelassen werden. Das Büro von Hicem ersucht alle Wanderer aus osteuropäischen Ländern, die nach Südafriak kommen wollen, ihre Reise so einzurichten, daß sie in jedem Falle vor dem 30. April 1930 in Südafrika eintreffen. Palästina. Revision im Prozeß Hinkis. Jerusalem, 11. März. Das Jerusalemer Appellationsgericht hat am Dienstag, den 11. März, das Urteil in dem Revisionsprozeß Hinkis verkündet. — Das Appellationsgericht hob das vom Jaffaer Distriktsgericht gegen den Tel-Awiwer jüdischen Polizisten Simcha Hinkis gefällte Todesurteil auf und verurteilte. Hinkis zu 15 Jahren Gefängnis. Das Jaffaer Gericht nahm auf Grund von Aussagen arabischer Zeugen und von Sachverständigen-Gutachten an, daß Hinkis während der Unruhen im August 1929, bei welchen eine Anzahl Juden aus Tel-Awiw von Arabern getötet wurde, in das Haus einer arabischen Familie zwischen Jaffa und Tel-Awiw eingedrungen war und fünf Mitglieder dieser Familie vorsätzlich niederschoß. Das Appellationsgericht hat sich der Annahme einer vorsätzlichen Handlung nicht angeschlofsen, glaubte aber, daß die Beweise für die Täterschaft Hinkis hinreichend seien, um ihn zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen. Die jüdischen Kreise Palästinas halten Hinkis für vollkommen unschuldig. Vermischtes. Berlin, 7. Marz. Herr Rabb. Dr. Mejer. H ildes - Theimer, der soeben von seiner siebeNMonatigen Studienreise durch Südafrika zurückgekehrt ist, wird zwei Vorträge über seine Eindrücke zugunsten der llnterßützungskasse des Bachurimverein am Rabbinerseminar halten. Die Vorträge finden statt: Dienstag, den 18. und Dienstag, den 25. März, 20 Uhr, imtz roßen Saale des „Tiergartenhofs". Karten für beide Vorträge zum Preise von RM. 3.— bezw. 5— (reserviert) sind im Büro des Rabbinerseminars, Artilleriestr. 31, von 11—13 und von 17—19 Uhr zu haben oder durch schriftliche Bestellung zu beziehen. Bad Kreuznach. 42. Febr. Rege jüdisches Leben hat sich in den letzten Jahren hier entwickelt. Herr Rabbiner Dr. Jacobs hat es in der kurzen Zeit seines nunmehr dreijährigen Wirkens meisterhaft verstanden, das Interesse der Gemeindemitglieder und besonders der Jugend wachzurufen. Zunächst wurde außer regelmäßigem Abendgottesdienst ein t»m Montag und Donnerstag früh erzielt. Schon nach knapp einem Jahr war es erreicht, daß täglich morgens und abends Gottesdienst stattfand. Hinzu kamen carnivv aller Art. Alle 14 Tage finden in den Wintermonaten Freitag-Abendfeiern' im Hause des Rabbiners statt . Dazu kommen Vorträge usw. in den einzelnen jüdischen Vereinen. Seit einem Jahr wird naw morgens vor dem Hauptgottesdienst nvavn eingerichtet. Diese Einrichtung wird hauptsächlich von der Jugend besucht. Gekrönt wruden alle diese Bemühungen am letzten vw nuv Wa res doch in der Hauptsache der Jugend im nvavn-Gottesdienst gelungen, im Verein mit einigen Gönnern, aus kleinen und kleinsten Beträgen im Laufe dieser kurzen Zeit einen Betrag zusammen zu bringen, der es ermöglichte, ein nso anzuschaffen. Die Einführung dieser min nvv fand am mm mp unter den üblichen Feierlichkeiten und unter starker Beteiligung der Gemeindemitglieder statt. In großangelegter, zu Herzen gehender Art, schilderte Herr Rabbiner Dr. Jacobs mit der Brochc ««mp beginnend, die Bedeutung des Tages für die Gemeinde. Gewürzt mit vielen Midraschim verglich der an die Vorschriften, die uns die Thora gibt, mit den drei Flüssigkeiten, Wasser, Oel und Milch. Zusammenfassend kam der Redner zu dem Ergebnis, daß uns hier gelehrt wird, Bescheidenheit, Opferwilligkeit und Reinheit zu üben, und unsere Hoffnung auf die Jugend zu setzen. .Nicht früh genug können wir hier anfangen zu lehren und den Thorageist einzupflanzen. Wenn das, was in dieser kurzen Zeit hier mit wenig Mühe bei der Jugend erreicht ist, ausharrend weitergeführt wird, ist die Zukunft der Gemeinde sichergestellt. Von diesem bejahenden Geiste getragen, wird trotz aller Not der Zeit eine unzerbrechliche Einheit gebildet, auf welche die Aelteren stolz sein können, und der Spruch wird sich bewahrheiten: mi *’-■>»» na mw Der Abend vereinigte dann bei kleinem Imbiß im Hause des Rabbiners wieder eine große Anzahl Gäste, um die Feier des Tages in würdiger Weife zu beschließen. Goldene Worte und gute Wünsche von Vorstand und Repräsentantenvertretern wechselten mit Dankesworten von Hern und Frau Rabbiner Dr. Jacobs. Auch fast alle Anwesenden versuchten mit mehr oder weniger großem Geschick ihre Rednergabe, teils in humorvoller, teils ernster Art mm man zum Ausdruck zu bringen. Allen aber lag der Wunsch zu Grunde, zur Verherrlichung des Festes beizutragen und so trennte man sich erst in später Nachtstunde mit dem einigen Gefühl eines schön verlaufenen Festes. Die? (Lahn>. 5. Mär?. Das Deutsch-Israelitische Kinderheim in Diez (Lahn) hat in diesen Tagen seine Aufrufe zur Purimspende den Gemeinden übersandt. Die! Purimspende gibt der Anstalt, die sich seit mehr als vierzig Jahren der Erziehung und Pflege von Waisen und Kindern unbemittelter Ellern widmet, den Rückhalt ihrer segensreichen Tätiakeit. Jeder, der zur Linderung schwerster Juaendnot beitragen will, überweise zu Purim dem Deutsch-Israelitischen Kinderheim eine Spende (Postscheckkonto 2871 Frankfurt a. M.). Viberga» bei Wörzburg, 3. März. Ein tragisches Ende fand die seit 1907 geschlossene, später in eine Scheune umgewandelte S'vaaoge. Sie wurde ein Raub der Flammen. Die vollgefüllte Scheune fiel rasch dem verheerenden Elemente zum Ovfer. Leergebrannt ist die Stätte, auf der ehemals sich ein altehrwürdiges Bethaus erhob. Die Snnagoge hatte den altjüdischen Baustil, je drei hohe Fenster auf den Längsseiten, zwei auf dar Ostseite, den Steinalmemor in der Mitte, rückwärts die engvergitterte Frauensrmagoge mit Separateingang. Auch Leherrwohnung und Mikwah, ebenso die Kinderschule waren im Gebäude. Die massiven Steiblöwen des schönen Oraun- Hakodesch befinden sich heute über dem Eingang der .Würzburger Nebensynagoge („Mazzestub"). So ist mit dem Brande zugleich das letzte Wahrzeichen einer ehemals blühenden Landgemeinde erloschen. A. M. Aurich i. Ostfriesland, 10. März. Die Gemeindeversammlung des Jüdischen Jugendvereins Corona bot wiederum ein anschauliches Bild der Einigkeit und der Interessen für den Verein. Nachdem der Vorsitzende, Herr Siegfried David Wolfs, auf die Notwendigkeit, sowie auf die von Erfolg gekrönte Tätigkeit des Vereins hinvewiesen, erstattete Herr Gustav Katz, 1. Schriftführer, einen ausführlichen Jahresbericht, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. Große Anerkennung fand auch der Bericht des Kassierers, Herrn LeoG. Wolff, der es verstand, .avch in.schwerer Zeit den Haushalt im Gleichgewicht zu halten. Festgestellt wurde ferner, daß die neugegründete Turnabteilung sich regen Zuspruchs erfreut und hat dieselbe ihr Können bereits in der Oeffesrllichkeit bewiesen. Herrn Lehrer Moses wurde in Anbetracht seiner Verdienste un; den Verein eine Vereins-Nadel vom Vorsitzenden überreicht. Die -Neuwahl ergab eine.einstimmige Wiederwahl des Vorstandes, für ein ausscheidendes Vorstandsmitglied wurde Herr Jonni Wolff gewählt. Nachdem bereits im vorigen Jahre einige Vorträge gehalten, wurde zum Schluß besonders darauf hingewiesen, noch mehr für das geistige Wohl der Mitglieder zu tun, zu erstreben und zu erwirwirken. Talmud Thora im Derech Erez, religiöse und soziale Bildung in ihrer sich gegenseitig ergänzenden Geltung, zu unserer Erziehung und Lebensvollendung. zum Wohle des Judentums. Berlin. 11. März. Die „Frauengruppe der Agudas Jisroel" veranstaltete am 18. Februar einen Vortragsabends an dem Herr Dr. phil. Harry Abt über „Literatur und Literalurbeirachtungen" (von Hauptmann bis Werfel) sprachL. Der Vortragende verstand es, durch seine geistvollen Ausführungen die Aufmerksamkeit der zahlreich erschienenen Zuhörer zu fesseln. Redner versuchte, die Hauptströmungen der deutschen Literatur von Hauptmann bis Franz Werfel darzulegen, wobei es ihm weniger auf eine Fülle von Namen und Titeln ankam, als auf die weltanschauliche Gebundenheit, die Stilsormen wie Naturalismus, Impressionismus und Expressionismus hervorgebracht hat. Gerade als Juden empfinden wir die genannten. Begriffe Gerade als Juden empfinden wir die genannten Begriffe, die ihre Gipfelleistungen in Thomas Mann, Stefan George und Franz Werfel erfahren, für zu äußerlich, als daß wir ein pro oder contra folgern könnten. Entscheidend bei der Beurteilung eines jeden Werkes ist nicht der Stoff, sondern das das Ethos, das jedem wahren Künstler eignet, und dieses allein ist der Maßstab bei der Beantwortung der Frage, was wir als positive Anregung der zeitgenössischen Literatur entnehmen können und als wahres Lebensgut unserer Jugend reichen dürfen. Norderney, 11. März. Vom Kindererholungsheim Norderney wird uns geschrieben: Die Anmeldung für die Monate April, Mai, Juni bitten wir jetzt vorzunehmen. Aufgenommen werden alle Arten erholungsbedürftiger Kinder. Das Heim ist modern ausgebaut und mit neuzeitlichen Einrichtungen für Hygiene und Kint^rpffege ausgestattet. Warme und kalte Seebäder im Haöse. Den Entsendestellen (Logen, Schwesternverbänden usw.) werden für Wohlsahrtskinder entsprechende Ermäßigungen erteilt. Etwaige Schulversäumnisse können durch unsere im Heim angestellte Lehrerin ausgeglichen werden. Die Leitung des Heimes liegt in den Händen von Frl. Gertrud Feiertag. Anfragen denen stets Rückporto beizufügen ist, sind zu richten an die Verwaltung des Kinderserholungsheims der Zion-Loge 1l. O. B. B. Hannover, Körnerstr. 5. In unseren! Ottohaus in Norderney, das unserem Kindererholungsheim angegliedert ist, werden junge Mädchen im Alter von 16—19 Jahren als Schülerinnen für die Zeit von 5 Monaten (Mai—September) ausgenommen. Bevorzugt werden die Töchter von Logenangehörigen. Es wird gebeten, die Anmeldung bis Ende Februar vorzunehmen da nur eine beschränkte Anzahl Plätze zur Verfügung steht. Leitung Frl. Gertrud Feiertag. Alle Anfragen, denen Rückporto beizufügen ist, sind zu richten an die Verwaltung des Kindererholungsheims der Zion-Loge U. O. B. B. Hannover, Körnerstr. 5. Wüstenfüchsen (Rhön), 11. März. Heber ein Jahr mußten die Kinder der jüdischen Volksschule zu Wüstensachsen die hiesige katholische Volksschule besuchen, da Harr Lehrer Guntersheim wegen Krankheit und späterer Pensionierung das Amt nicht mehr versehen konnte. Nunmehr wurde am 17. Februar Herr Lehrer Iwan Goldschmidt, der seither in Ostpreußen amtierte, im Aufträge der Regierung zu Kassel durch den Hauptlehrer der hiesigen katholischen Volksschule in sein neues Amt eingeführt und vereidigt. — Am darauffolgenden Schabbos fand die feierliche Einführung des Herrn Goldschmidt in der Synagoge statt. Der Kultusvorsteher der Gemeinde, Herr Max bäum I, begrüßte den neuen Beamten im Namen der Gemeinde und.sprach den Wunsch aus, daß sein Wirken nur segensreich für die Gemeinde sich gestalten möge. Dem in den Ruhestand getretenen Beamten widmete Herr Buchsbaum I Worte des Dankes und Anerkennung für seine fast 30jährige Tätigkeit in der Gemeinde, ebenfalls sprach er den Herren Grünspecht und Levy Buchsbaum für ihre ehrenamtliche Betätigung als Vorbeter den Dank der Gemeinde aus. Dann bestieg Herr Lehrer Eoldschmidt die Kanzel. Seiner Predigt legte er folgenden Satz aus der Sidroh zugrunde: „Ermüden mußt sowohl du als auch das Volk, das bei dir ist, denn die Sache ist dir zu schwer, du kannst sie alleine nicht ausführen." In längeren Ausführungen beleuchtete der Redner diesen Satz, bat um Unterstützung sämtlicher Gemeindemitglieder, von jung und alt, denn nur durch gemeinschaftliche Ausübung unseres religiösen Pflichten kann das hochheilige Ziel der Gottesannäherung erreicht werden. Mit einem Gebet um Gottes Schutz und einem Segen für die Gemeinde fand die feierliche Einführung ihren Abschluß. Würzburg, 11. März. Die Vereinigung der Sabbatfreunde veröffentlicht folgende Vakanzliste: 1 Perfekte Kontoristin für Wäschegeschäft in Würzburg. 1 Lehrling für Tuchgeschäft en gros in Würzburg. 2 Lehrlinge für Manufakturwaren en gros, Würzburg. 1 Lehrling für Modeartikel en gros in Würzburg. Stellengesuche. 2 Anfangskontoristinnen. Meldungen sind zu richten an Friedrich.Pfeufser, Würzburg, Domerschulstr. 13. *’ Familiennachrichlen. Verheiratet: Siegfried Bamberger und Meta Bamberger geb. Strauß, Wiesenfeld-Karlstadt a. M. Sonntag, den 16. März, Hotel Katzmann in Würzburg. — Ludwig Bacharach, Seligenstadt mit Gulla Katz, Egelsbach; Trauung Darmstadt, Hotel'Frankfürk, 'i Ühr. Briefkasten. N. B. 18. Ihrem Karte gaben wir dem Verlag weiter.

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