Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1929)
- Date
- 1929-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Seite 6. Nr. 13 2. Wir wölben die Schomre-Schabbos-Gereine aller Länder und gleich ger ichtete Vereini gungen zu sammen fassen und ihr« Arbeiten fördern. 3. Wir wollen die Gesetzgebung der Länder^ soweit sie sich auf Arbeitsruhe (Sonntagsruhe, Arbeitszeit, Angestelltenschutz, Lohnzahlung usw.) bezieht. Zu beeinflussen suchen. Auf staatliche und städtisch« Behörden wollen wir emwirken, daß sabbattreue Beamte angestellt werden, die Sonntagsdienst verrichten. 4. Wir wollen selbständige, sabbathaltende Existenzen stützen und Schomre-Schabbos Zu Existenzen verhelfen. 3. Wir wollen Betriebe, die am Sabbat arbeiten, beeinflussen, einen Prozentsatz fabbattreuer Angestellter und Arbeiter zu beschästigen, eventuell bei verlängerter täglicher Arbeitszeit. 6. Wir wollen den günstigen Abschluß von Versicherungen sabbattreuer Kreise gegen Arbeiis- und Stellenlosigkeit erleichtern und ermöglichen. 7. Wir wollen Kreditinstitute zur Förderung von Schomre Schabbos auf streng kaufmännischer Grundlage schaffen. 8. Wir wollen sabbattreue Kaufleute und Handwerker zu Genossenschaften zum Zwecke der Selbsthilfe zusammenfchkießen. 9. Wir wollen durch Austausch von Kräften und Erfahrungen von Land zu Land die Unterbringung sabbattreuer Angestellter -erleichtern. 10. Wir wollen jüdische Organisationen, wie Agro- Joint, Ort und andere im Sinne unserer.Bestrebungen beeinflussen und die Gründung von Schomre-Schabbos- Siedlungen arrregen. . 11. Wir wollen die Wochenend- und ähnliche auf Fünftagewoche zielenden Bewegungen fördern, damit auch der Sabbat neben dem Sonntag arbeitsfrei wird. 12. Wir wollen durch Anregungen geistiger Art zur Vertiefung und Verbreitung der Sabbatidee beitragen. Ubere die endgültigen' Mittel und Wege zur Verwirklichung dieser Ideen und Ausgaben wird, f. G. w., ein zu diesem Zweck ehestens einzuberufender Weitkongreß beraten. Daraus ist zu ersehen, welche Füllet von Aufgaben unser harrt und dem Sabbattdeal Erfülluugsmöglichkeiten bietet. Allerdings -können wir.das Ziel nur erreichen, wenn wir die Unterstützung aller derer finden, denen die religiöse, nationale und soziale Bedeutung des Sabbat Herzensüberzeugung ist. Wir richten daher unseren Appell an die gesamte jüdische Oeffentlichkeit, durch Massenbleitritt zur Verwirklichung unserer Ziele 'beizu tragen. Wir bemerken jedoch, daß die Mitgliedschaft unseres Verbandes keine Ablöfung der Bei trags leist-ung zu den Stellenvermittlung s v e re i nen G-ch o m re - Schab b o s bedeutet, da diese Vereine ihre wertvolle Tätigkeit UN v e rändert we it ersü hr e n. Die Organisierungsarbeit unseres Weltverbandes in allen Ländern ist im Gange. Beitrittserklärungen sind an das Sekretariat, Berlin NW. 40, Thomasiusstraße 7pt., Geldsendungen an das Postscheckkonto 49814 (Abramczyk für Weltverband) zü adressieren. Der Arbeitsausschuß des Verbandes besteht aus den Herren: Dozent Dr. Samuel Grünberg, Vorsktzsnber Dr. Emil Hirsch, Dr. P. Sulzberger, ftellv. Vorsitzende Rabbiner Dr. H. Klein, Alfred Marcus, Dr. Werner Silberstein, Ministerialrat H. Goslar, H, Abramczyk, Schatzmeister. ... Kaufmännische Fortbildung. Berlin, 19. März. Der Verein für Stellenvermittlung- Scho m r e Schabbos, Berlin, hat für die sabbathaktenden Angestellten seit einigen Wochen kaufmän,- nische Abendkurse eingerichtet in 1. Stenographie, Schreibmaschine und deutscher Handelskorrespondenz. 2. Buchführung. Diese Kurse stehen unter Leitung erstklassiger Fachlehrer und erfreuen sich regen Zuspruches. Der jetzt schon sichtbar in Erscheinung tretende Erfolg hat bte. Absicht gezeitigt, die Kurse zu einer dauernden Einrichtung auszugestalten, um ein allen gerechten Anforderungen Genüge leistendes Angestelltemnaterial hervnzuhilden. Außerdem sollen, sobald es die finanziellen Verhältnisse gestatten,, auch fremdsprachliche Kurse eingerichtet werden. Interessenten erfahren Hähetes durch das Büro des Per*. eins^ Bprlin N. 64, Rofenchalerftr. 58, Hof links, (Telefon yjtovben 7436), Sprechstunde Montag bis Donnerstag, 1Ö—1 Uhr^ ' . ■ ' 28. März 1929 Sonnlagsgottesdienst in Breslau. B re sla u,, 20 .März. pni>R weltbekannt und weltberühmtwar und''ist und mit der Jefchrba zu Slabodka nicht identisch ist. Unter Leitung des Gemeinderabbiners Dr. Vogelstein fand am Letzten Sonntag erstmals ein feierlicher Gottesdienst in der hiesigen Orgeksynagoge statt, der mit dem Abendgebet -in Verbindung gebrächt wurde. Männer und Frauen saßen zusammen. Oesterreich. Das Präsidium der Wiener Kultusgemeinde beim Bundespräfldentenl. Wien, 21. März. Der Vundespräsident Dr. Miklas empfingdie Mitglieder des Präsidiums der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde., die ihm anläßlich seiner Wahl zum Bundespräsidenten die Glückwünsche der Gemeinde entboten und -dabei den Wunsch a-ussprachen, der Bundespräsident möge sich beider Bundesregierung dafür einfetzen, -daß den- Forderungen der Kultusgemeinde betreffend eine Staatsdötier-ung für die -kulturellen- und religiösen Bedürfnisse der Kultusgemeinde stattgegeben werde. Sie wiesen darauf hin, daß, während -die jüdische Religion übergangenwird, die Posten für die katholische und die evangelische Kirche im Staatsbudget erhöht worden sind.; - Bundespräsident Miklas erkannte die jüdischen Forderungen, die sich auf der Basis des Gleichberechttgungsprinz-lps bewegen, als berechtigt an, erklärte aber, der österreichische Bundespräsident sei' auf Grund der Verfassung .außerstande, in die Regierungs-maschine einzug-reifen. Er sei nichtsdestoweniger bereit, sich bei «den zuständigen Ministern dafür einzu setzen,, daß die berechtigten Wünsche der Israelitischen Kultusgemeinde erfüllt -werden. Litauen. Hungersnot in Aordlilauen. Tilfi-t, 18. März. Herr Simon Be-ng-is aus Tilftt, der auf einer Geschäftsreise in Litauen weilte, berichtet uns über die große Hungersnot in Nordlitauen, worunter auch unsere Glaubensgenossen stark leiden. Herr Bengis wurde im Ministerium und von der Frau des Präsidenten Smetona in Begleitung des Herrn Advokat N. Meifel, empfangen- und gebeten, sich an wohltättg gesinnte Menschen um Hilfe für Nordlitauen zu wenden. Erforderlich sind hauptsächlich Kleider, Geld und Medikamente, welche Gegenstände an das Litauische Konsulat in Tilsit zu schicken sind. Kowno, 11. März. Der Generalsekretär der American Joint Reconstruction Foundation, Herr Aronvici, hat soeben eine Reise durch das Hungergebtet von Nordlitauen beendet, wobei er festgestellt hat, daß in diesem Gebiet eine jüdische Bevölkerung von 65 000 Seelen lebt, von denen ein großer Teil buchstäblich hungert und der übrige Teil unter starkem wirtschaftlichem Druck steht. Die von den -einheimischen Juden aufgebrachten Summen reichen nicht hin, -um den Hungernden auch nur das trockene Brotzu verschaffen. Hilfe von außen tut dringend not. , Gemäß einer Verordnung des Innenministers hat der Magistrat von Kowno aus dem Stadtb-udg^t sämtliche Positionen zugunstenjüdischer Wohlfahrtsanstalten gestrichen. Dadurch sind viele soziale Institutionen der Kownoer Juden, wie Altersheim, Volksküche, Gesundheitsanalten von „Ose" u. a. m. in eine Existenzkrifis geraten. Die jüdische Bevölkerung Koumos ist angesichts der. schlechten Wirtschaftslage nicht imstande, >den nun ausfallenden- Budgetteil der Anstalten wettzumachen. kolel kowno. Kowno., 24. März. Von der Leitung des „Kolel Kowno" wird uns geschrieben: Im „Israelit" Nr. 9 ds. Js. wurde ein von den Gedolim Wiens zu Gunsten der hiesigen Thora-Akademie „Kol-el" veröffentlichter Aufruf wiedergegeben. Leider->ist darin ein Irrtum enthalten, den wir hiermit richtigstellen möchten. Im erwähnten Aufrufe heißt es nämlich, daß der „Kolel" der Jefchrba zu Slabodka angegliedert sei. Dies aber entspricht nicht der Wirklichkeit. Der >,Kolel Kowno" — letztens mit dem Kolel Veth Jsroek" vereinigt — ist eine längst berühmte Thora-Institution für sich,. dre bereits mehr als fünfzig Jahrennnter-der Leichng des unnex^eUichen Pa^bi - pyr? /»'chs Mm Humönien; Verein „Schomre Schabbos" in Bukarest. Bukarest, 18. März. Unter dem Vorsitz des Landesrabbiners Memirower fand in Bukarest eine Beratung von Rabbinern und Führerndes religiösen Judentumsstatt, in der die Gründung eines Vereins ,-Schomre Schabbos" und dessen Anschluß -an den Berliner Weltverband der „Schomre Schabbos" beschlossen würde. ’ Rußland Der antireligiöse Kampf in Rußland. Moskau, 19. März. Die jiddifch-kommu-niiistifche Zeitung „Eines" veröffentlicht einen Leitartikel gegen den „Wischen Klerikalismus" und klagt darüber, daß „allerlei Rabbiner, Schächter und andere „kle-kaudefch" (religiöse Funktionäre) sich frech hervorwagen und die Arbeiterschaft zu ködern suchen. Die Charkower jiddische Tageszeitung „Stern" fordert Intensivierung der Antt-Peffachkampagn-e in den jüdischen Städtchen. Man müsse den jüdischen Arbeitern klar machen, daß die Religion den Gegnerneine Waffe im Klassenkampf gibt. In Obodowke, Kreis Tulschin, wurde bei Anwesenheit von 30 Delegierten eine Konferenz der jüdischen Atheistenvereine abgehalten in der über Maßnahmen zur Verstärkung des antireligiösen Kampfes in den Kleinstädten beraten wurde. Die jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei (Jewsekzia) haben in der letzten Zeit ihre antireligiöse Kampagne in den Städten und Städtchen verstärkt. Auf Grund der Bemühungen -der Jewsekzia wurden neuerdings mehrere Synagogen in Klubs umgewandelt. Ein erbitterter Kampf wird um die Charkower Synagoge geführt. Laut „Stern" hätten bereits über 10 000 jüdische Arbeiter -ein Dokument unterschrieben, in welchem -die Umwandlung der Solianiko-wer Synagoge in einen Arbeitk-lub gefordert wird. „Stern" wirft denreligiösen Juden vor, daß sie, die ihrerseits Unterschriften für di-e Beibehaltung der Synagoge sammeln, Fälschungen begehen und aus einer Unterschrift zehn machen. — Zwei Mi ns k -e r Wische Arbeite rproduk ti-o nsg-e no ssenfchaf ken haben sich gewaltsam zweier Bothe Midraschim bemächtigt, um sie in Arbeitssäle umzuwandeln. Die religiösen Juden haben Protest eingelegt. Sogar die Zeitung „Emeh" tadelt die Arbeiter und nennt -ihr Vorgehen anarchisch, entschuldigt sie aber damit, daß ihnen keine anderen gegeeigneten Arbeitsräume zur Verfügungstehen. England. Sitzung des Jewifh Board of Deputies. London-, 18. März. In der gestrigen Sitzung des Jewish Boardof Deputies wurde über die Frage der Hi-lfe an die Juden in Rußland in Verbindung mit der Mazzoth-Verso rgun g s akti vn und die Wischen Hungernden in Beßarabien verhandelt. Ernst H. Schiff überreichte hierüber einen Bericht des Committees for Foreign Appeals. Die hieran, sich knüpfende Aussprache nahm zeitweise -einen erregten Verlaus. Das Komitee empfiehlt die Bewilligungvon 50 Pfund für Beßa-rabi-en. A. S. Diamond wünschte, daß das Foreign Appeals- Comitee auch das Hilfswerk der Juden in Rußland übernehmen und -es nicht allein der Föderationder jüdischen- Hilfsorganisationen überlassen solle. Präsident d'Avigd-or G o-ldsmid referier-te über die bevorstehende K o n s e r e-n z. der en glischen Iu - den hei t zur Bildung .einer Dertret-erfch-aft der englischen Juden in der I e w i s h A g e n c y. Die Konferenz wird am 21. April in der Rudolf Steiner Hall stättfinden. Am gleichen Abend findet eine öffentliche Kundgebung im Scala-Theatre statt, wo Lord Melchett und Vertreter verschiedener Richtungen sprechen werden!. Das Rechts- und Parlamentskomitee teilte mtt, daß seitens der Mstriktsgroßloge des Unabhängigen Ordens Vnei Brich für Großbritannien und Irland an den- Board -eine Einladung zur Teilnahme an einer Tagung ergangen ist, in der über eine GegeNivirkung gegen die Missio-n stätig keit uüter den Juden beraten werden soll. Nach einer eingehenden Diskussion wurde mit einer Mehrheit bef-chloffen, ^lch W -di^ser Konferenz nich-t' zu beteiligen«. -' über^ die SchrÜie, di« ergriffen worden' sind ,um den Änsjchten des Joint