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Der Israelit · 1928-10-18 · Heft 42 (18.10.1928) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 42 (18.10.1928)
Date
1928-10-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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iöem 14 Ht. 42 Der Israelit Max Markus ' Groß ist die Lücke, die der Heimgang einer jeden jüdischen Persönlichkeit in ihrem Kreise hinterläßt, aber wenn der Tod nach dem unerforschlichen Ratschlüsse von n"ap>n einen Menschen in der Vollkraft seiner Jugend von dannen ruft, dann stehen wir besonders tieferschüttert — ja fassungslos — vor solchem Geschehen. Eine solche köstliche Menschenblüte war Max Markus, der nach wenigen Tagen der Krankheit, zum unsäglichen Schmerze seiner verwitweten Mutter und der geliebten Schwestern, der großen Freundesschar, ja der ganzen ni>np, von diesem Leben abberufen wurde. Eine Persönlichkeit — trotz seiner erst 26 Jahre war er bereits eine solche — wie Max Markus ist nur denkbar, wenn sie einem solchen elterlichen Hause entstammt, wie er, wenn man seinen Lebensweg nicht aufbaut auf irdischen Idealen, sondern schon von frühester Kindheit an, nx-rm minn ■o-n erzogen wird. Die Hirsch'sche Schule ward ihm zur Schule seines Lebens, die ru’er> unseres Heimgegangenen 21 zu dessen Lieblingsschülern er zählte und dem er Treue und Liebe über das Grab hinaus zollte, ward ihm der Quell, aus dem er schöpfte, die dort empfangenen Lehren wurden ihm Richtschnur in all seinem Tun und Lassen. Trotz oder gerade wegen seiner beispiellosen Bescheidenheit, wußte er sich bei allen Liebe und Wertschätzung zu erwerben und so ist es nur begreiflich, daß sein leider allzufrüher Heimgang von allen aufs tiefste und schmerzlichste beweint wird. — Ohne ein Wort der Klage, wie es die Nähe des 02s gebot, wurde er von einer großen Freundesschar zur letzten Ruhestätte gebracht. Möge n"2,?n die trauernde Mutter —unbr> new— (der Vater, der in unsrer Kehiloh noch heute in größter Wertschätzung in unsrer aller Erinnerung lebt, wurde ihm in frühester Kindheit genommen), den trauernden Geschwistern und allen, die um ihn trauern, seine nvm spenden. Montag Abend hielt Herr Rabb. Dr. Joseph Breuer im Trauerhause, das schon lange vorher bis aufs letzte Plätzchen gefüllt war, einen ergreifenden Hefped. Schon am Tage der-iw-p hatte er feiner Wertschätzung für den Heimgegangenen durch Verleihung des ->2n-Titels Ausdruck verliehen. Unter Zugrundelegung des pios aus •’bvm (11. 93.,30) 02a ni»3j npVi n^n .f» p’T-j? ns schilderte er — selbst aufs Tiefste erschüttert — die herrlichen Eigenschaften des Heimgegangenen, der trotz seiner Jugend, ein Leben lebte, wie es segensvoller ein 100jähriges nicht hätte sein konnte; Max Markus b"i bleibt uns unvergessen. Jakob Bendix Was nach des Propheten Wort Gott vom Menschen fordert: .'p^x ay raVsmiv non ranxi vov» nwy „Recht tun, Liebe üben und demütig im stillverborgenen Wandel mit seinem Gotte sein," das hat im edelsten Sinne der Mann erfüllt, den wir am rwn-in 'n-n a dtzu Grabe getragen. Er war Mensch und Gottesdiener, von der Art derer, die leicht ungekannt unter den Menschen einhergehen, weil sitz nach Lobesworten nicht geizen, immer bescheiden ausweichen und tun, als gäbe es viele ihresgleichen. t Er war ein Kind der westfälischen Erde, jenes für das gesetzestreue Judentum so harten und steinigen Bodens. In Ahaus stand seine Wiege. Seine Eltern, ausgezeichnet durch wahrhafte Frömmigkeit, hatten nur das eine Streben, den begabten Sohn ausbilden zu lassen für den Dienst der heiligen Sache. Frühzeitig wurde er deshalb nach dem nahen an der holländischen Grenze gelegenen Vreden geschickt, um dort bei einem hochgeschätzten Lehrer, Rabbi Poppert, dem Studium der Thora zu obliegen. lOjährig bezog er das von Dr. Plato geleitete Lehrerseminar, damals noch in Düsseldorf. Nach Beendigung seiner Studien bekleidete er zunächst eine Lehrerstelle in Schermbeck bei Wesel und danach eine solche in Siegburg. Im Jahre 1883 wurde er an die Unterrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. berufen. Ausgerüstet mit hervorragenden Kenntnissen in profanen Disziplinen und insbesondere im jüdischen Schrifttum — er war eine lebendige Konkordanz, seine gediegenen grammatikalischen Kenntnisse hatten ihn befähigt, viele Jahre im p» von Direktor M. Hirsch als üirnp bvi zu fungieren — wirkte er ein halbes Menschenalter bis 1919 in Hingebung und Treue an der Realschule und am Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft, mabei die Wertschätzung seiner Mitarbeiter, die Liebe und Dankbarkeit seiner Schüler und Schülerinnen, das Vertrauen der Elternschaft, die Anerkennung seiner Vorgesetzten sich erwerbend. Bei seiner auf Güte und Milde abgestimmten Natur war er kein Freund der Strafe, der strengen Behandlung. Lange, bevor der Wiener Jndividualpsychologe Dr. Adler die Ermunterungstheorie proklamierte, war es schon seine Art, bei seinen Zöglingen keine Minderwertigkeitsgefühle Auskommen zu lassen, die Schwachen und Schüchternen in erster Reihe zu heben und zu fördern. Seinen Kollegen war er allezeit der liebenswürdige, hilfsbereite Freund, Frieden liebend und Frieden stiftend. In einer Enkelin von S. R. Hirsch, dessen Werke er in'seltener Weise beherrschte, hatte er eine edle Lebensgefährtin gefunden, sein Haus war ein echtes vso onpa Er blieb von den Stürmen des Lebens nicht verschont — drei erwachsene Kinder sah er ins Grab sinken. Aber als echter 'im' ertrug er alle Schickungen mit Ergebung und Gottvertrauen. Wenn man in seine Häuslichkeit kam, fand man ihn stets vor einem "^o, darin suchte und fand er seine Erholung. Von einem stark ausgeprägten Heimatsinn beseelt, zog es ihn jedes Jahr nach der Stätte seiner Kindheit, er vergaß in der Großstadt nicht das Land seiner Herkunft, von dessen Sitten und Gebräuchen er so gemütvoll erzählen konnte. ' Ein reines, fleckenloses Bild hat er uns hinterlassen. Von ihm können wir mit Daniel sagen: -i3?i ni>w5> d-20122 C210 'P'i^vi V'pi.1 'NI2 ii'nr ll'i"3vvni „Die Verständigen werden leuchten wie der Himmelsglanz und die, welche die Gesamtheit zur Tugend führen, wie die Sterne für immer und ewig." Elieser Meier In die Reihe der harten Schläge, die unsere Gemeinde diese Woche erlitten hat, klingt die Klage um Elieser Meier. Einer vornehmen alt-jüdischen Familie in Bayern entstammend, gehörte E. Meier zu den geachtetsten Leuten unsrer Kehilla. Redlich und rechtlich in Handel und Wandel, von angenehmem freundlichen Wesen und von einer tiefen schlichten Frömmigkeit durchdrungen, wie sie in der Familie Tradition ist, so wandelte der stille Mann unter uns, hochgeschätzt und geliebt von allen, die ihn kannten. Vor einem halben Jahre etwa entstand der schwere Riß unter den Geschwistern durch den Tod einer geliebten Schwester. Heute steht trauernd am frischen Grabe neben den Geschwistern eine junge Frau, die nach kurzem Eheglück den Gatten scheiden sieht. Möge '"Dv der Familie und unserem, von uns allen hochverehrten Freund, Herrn Aron Meier, der in kurzer Jahresfrist zum zweiten Male ein geliebtes Haupt aus dem Familienkreis ziehen sieht, seine wahre nanu angedeihen lassen. n"2xm. ♦ A N N O N C E N B ü R O JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRG FRANKFURT-MAIN LAHGESF8ASSE 7 » TEL. HANSA 4641 POSTSCH.-KOMTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE IHSERflTEH-ANHAHME FÜR- FRANKFURTER GESCHÄFTS INSERATE DES »ISRAELIT«!♦ AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN,WOCHEN- UND'FACHBLÄTTER ZU ÖRIGINAL-PREISEN S ANNAHME VON DRUCKSACHEN HANDEL.GESCHÄFTEPRIVATE FÖR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BUNT-DRUCK Henoch Gewürz Am Sontag verstarb Henoch Gewürz, eine bekannte Persönlichkeit von Ansehen und Bedeutung in der Ostkolonie unserer Stadt, hochgeschätzt wegen seiner großen jüdischen Gelehrsamkeit und seiner tiefen Frömmigkeit. Er war aber auch den Westjuden nicht minder bekannt als ein Mann der fleißigen Arbeit und der strengen Redlichkeit und Rechtlichkeit. Wer schätzte nicht die ehrwürdige Gestalt, die in patriarchalischer Erscheinung regelmäßig mit dem Zigarrenkasten erschien, um eine gute Marke anzubieten, richtiger zu liefern, denn er hatte seine feste Kundschaft, die den Mann liebte und seine Ware zu schätzen wußte. Henoch Gewürz war aber noch einer von der alten Sorte, denen Geschäft und Geldoerdienen nur äußerer Rahmen einer höheren Lebenslage ist. Hoch über der Tagesarbeit standen ihm die Stunden, die verklärt waren vom Studium der Thora und vom innigen Gebete. Ein Frommer von chassidischer Einstellung, trug er stets Zufriedenheit zur Schau, die Zeichen einer ausgeglichenen und dankbaren Seele war. Möge '"vtt die Leidtragenden trösten. rraxin- Die Bestattung Oskar Lehmanns V'ST* Am Mittwoch mittag um 3 Uhr füllte sich der Platz vor dem Jsr. Krankenhaus in Mainz mit Menschen. Neben den Mitgliedern der Religionsgesellschaft, die wohl vollzählig erschienen-waren, und großen Teilen der jüdischen Bevölkerung in Mainz, sah man viele Trauergäste von auswärts,, besonders auch aus Frankfurt, der Stadt, mit der Oskar Lehmann durch verwandschaftliche und __ 18 Oktober 1928 freundschaftliche Beziehungen engverknüpft 'war. Auch nichtjüdische Gäste waren anwesend. (Der hessische S t a a t s,p r ä s i d e n t hatte ein Beileidstelegramm an die Familie geschickt.) Ein unübersehbarer Zug folgte der Bahre durch die Straßen der Stadt bis zum Friedhof. Dort hielt zuerst Rabbiner Dr. Ansbacher- Wiesbaden, in Vertretung des wegen Unpäßlichkeit verhinderten Mainzer Raw Dr. Bondi, eine grohangelegte Gedenkrede, in der er, an das psn p ycni anknüpfend, schilderte, wie Gott in seiner Gnade im vorigen Jahrhundert mit Dr. Marcus Lehmann und der Religionsgesellschaft unterder Sturmflut der Reform in Mainz einen Eden gläubigen, stark pulsierenden Judentums pflanzte. Oskar Lehmann war der würdige Sohn des großen Vaters und dessen treure Siegelbewahrer. Der Redner schilderte dynn eingehend die Eigenschaften und Verdienste des Verstorbenen, seine Gottesfurcht und große Menschenfreundlichkeit, sein reiches Wissen und sein sonniges Wesen, mit dem er alle^ Welt zu erfreuen wußte. Er dankte im Namen der Gemeinde, verschiedener Korporationen, insbesondere auch im Namen der C h e wrah, die in Lehmann eines ihrer eifrigsten Mitglieder verliert. Cr schloß das Charakterbild mit Trostworten an die Leidtragenden. Darauf ergriff noch Herr Redakteur .S. S ch a ch - n o w i tz - Frankfurt a. M. das Wort, um für die Frankfurter Freunde, wie im Namen des Verlages und der Redaktion des „Israelit" Dank und letzten Gruß dem Heimgegangenen zu entbieten. Er zeichnete im einzelnen den Menschen Oskar Lehmann, sein edles Menschentum ,das sich in Wort, und Wesen und jeder Handlung, spiegelte; eine Kraft- und Lichtnatur nach den Worten des Festgesanges, der in seine Sterbestunde hineinklang n-nxi iw Dann wurde Oskar Lehmann zur ewigen Ruhe gebettet. Ein Stück Mtmainzer jüdische Geschichte geht mit ihm zu Grabe und wird rbieder von Neuem erblühen in Kindern und Kindeskindern, die in seinen Wegen wandeln. rrnxjn* Die Winterarbeit der Agudas Tisroel-Jugendgruppe. Zunächst tritt die Agudas Jisroel-Jugendgruppe mit einem Programm für den Monat Marcheschwan hervor. Dieses sieht vor: Jüdische Geschichte (Leiter: Herr Redakteur S. Schachnowitz), Jüdische Klassiker (Tur, Rambam usw.) (Herr Zahnarzt Dr. S. Ehrmann), Deutsche Literatur (Herr Stud.-Rat Dr. Weger), Die ideologischen Grundlagen-der Agudas Jisroel (Herr Rechtsanwalt Dr. P. Kulp), Sanitätskurs (Herr Dr. med. Adolf Hirsch), Stenographie (Herr A. Guth). Die S ch i u r i m werden je im Vereinskalender bekanntgegeben. Die Kurse und Schiurim finden, soweit nichts anderes angegeben ist, im Heim statt. Die genannten Kurse sollen 14tägig stattsinden. Im nächsten Monatsprogramm werden dann die festgesetzten Zeiten bekannt gegeben. Die'Einrichtung von weiteren Kursen ist vorgesehen., Neues aus der Aguda-Iugendgruppe. Kommenden Freitag den 19. ds. findet abends 8.13 Uhr im Heim, Schwanenstr. 12, die erste der gemütlichen Freitag Abend-Veranstaltungen statt. Ms Redner ist Herr Jacob Rosenheim gewonnen worden . Ferner spricht der Vorsitzende der Jugendgruppe, Herr Dr. Paul Kulp. Alle Mitglieder — Herren — sind zur Teilnahme herzlichst eingeladen, Gäste können eingeführt werden. Am Schabbos den 20. Oktober (6. Cheschwan) findet eine Viertelstunde vor Mincho, also um dreiviertel Uhr im Heim das Jahrzeitslernen für Frau Clement. Sondheimer statt. Der Angestellten-Ausschuß hat Sprechstunde: Montag und Donnerstag abends von 7—8 Uhr Die Bürostunde der Gruppe ist auf Montag abend 8.30—9.30 Uhr festgelegt. Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose. In der Serienziehung der Wertlotterie zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden fielen Gewinne im Werte von je RM. 10.— auf alle Nummern, deren Endziffern 60 tragen, Gewinne im Werte von je RM. 5.— auf alle Nummern, deren Endziffern 34 oder 37 tragen, Gewinne im Werte von je RM. 3.— auf alle Nummern, deren Endziffern 16, 86, 93 tragen. Gewinnlisten sind bei den Kassen von Kaufhaus Wronker und Kaufhaus Hansa erhältlich. Gewinnausgabe Frankfurt a. M., Holzgraben 2, 2. Montag bis Freitag 9—12 Uhr. „Israelitisches Mädchenheim" <£. V. Dis soziale Frauengemeinschast, die 1908 zur Gründung des „Israelitischen Mädchenheims" E. V. führte, will nunmehr das 20jährige Bestehen dieses Heimes am 4. November 1928, 19 Uhr, mit einer künstlerischen Veranstaltung in sämtlichen Räumen der Frankfurtloge begehen. Der Reinertrag dieses Festes soll für jugendliche, in der Berufsausbildung stehende, verwaiste oder bedürftige Mädchen dieses Heimes Verwendung finden. Erste Künstler haben ihre Mitwirkung zugesagt: Herr Laszlo Szentgyörge aus Budapest, Violin-Virtuofe, Frau Else Ziegler-Fischer und Herr Benno Ziegler von der hiesigen Oper, die Frankfurter Mary Wigman-Tanzschule unter .Leitung von Frl. Henrich, ein hiesiges Streichquartett und erste Künstler der Frankfurter Gesellschaft. Das abwechslungsreiche Programm verspricht einen guten Erfolg der Veranstaltung. Karten zu Mk. 20, 10, 5 sind schon ab heute im „Israelitischen Mädchenheim", Taunusplatz 17, erhältlich. Nach dem Konzert ist geselliges Zusammensein mit Tanz (The Shocking Boys) und Ueberraschun-;en vorgesehen.

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