Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1928)
- Date
- 1928-10-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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fieeousgegeSen von -der fandesoeganifation dev 9gudas'j!si>oe( in Deuifcfiland. 14- Jahrgang Hamburg, H8. Oktober ^-28/4. Marcheschwan 5689 Nummer 2\ Schriftleitung: Wokf S. Jacobson in Kambürg. N2V7I D^ttTV 1N2V8 DK Länger zu schweigen ist mir unmöglich. In Jerüscholajim wurden mit Hilfe englischer Regierungsbeamter am Jom Kippur an der Koset Maarowi auf Veranlassung der Araber Juden mißhandelt. Der Gottesdienst wurde während der Schemone Esre gestört. Schlimmer wie in der Türkenzeit wurden die heiligsten Gefühle des jüdischen Volkes an seinem heiligsten Tage verletzt. Das Land steht in Flammen. Unser greiser Führer, Rabbi Chaim Sonnenfeld, hat sich in erschütternden Worten an die Regierung gewandt. In, Jerüscholajim, Hebron, Safed, Liberias, Petach Tikwah, überall hat die jüdische Bevölkerung ihrem tiefen Schmerze. Ausdruck verliehen und stürmisch verlangt,' daß Hilfe geschaffen werde. Was hat die Gola getan? Was hat die Aguda bei uns getan? Wo find unsere Ortsgruppen geblieben, wo unsere Jugend? Hier gilt es nicht zu organisieren, hier handelt es sich nicht um Geldsammlungen, auch nicht um kunstgerechte Vorträge, sondern um die eine einzige Frage, ob noch eine Spur agudistischen Fuhlens und Denkens in Euch vorhanden ist oder nicht. Ihr wollt es etwa den Zionisten überlassen, zu protestieren und wollt die „jüdische Einheitsfront", nicht stören? Dann hört gut zu, was sich am 14. Oktober in Berlin ereignete. In Abwesenheit des ehemaligen englischen Ministers und jetzigen Unterhausmitgliedes und Führers der Labour-Partei, des Colonel Wedgwood, tagte im Haufe der Judengemeinde in Berlin die 6. Landeskonferenz der Poale Ziün in Deutschland. Ein Mitglied der Weltzenträle der Poale Zion, Herr Salman Rubaschow, führte u. a. aus: ^Vor zwei Wochen protestierten wir gegen ein Vorkommnis, welches uns alle tief erschüttert hat. Ein englischer Beamter brachte am Versöhnüngstag in unserem freien Land, den Mut auf, vor her Klagemauer alte betende Juden mißhandeln zu lassen. Wir bedauern, daß diese Protestbewegung um eine Sache entstand, die für die Verwriklichung des Zionismus irrelevant ist. Uns wäre eine Protestbewegung gegen die Bodenverteilung oder gegen die Einwanderungsbeschränkung lieber". Ist es verwunderlich, wenn der Zionist es wagt, von den „alten betenden Juden zu reden, die da gestört wurden "und davon, daß die Kofel Maarowi für die Verwirklichunig des Zionismus eine „irrelevante Angelegenheit" ist, ist es da verwunderlich, wenn Colonel Wedgwood darauf antwortet, daß,er noch unter dem Eindruck seines letzten Besuches in Palästina stehe, wo nicht alle Juden an der Mauer klagen, „wo viele Juden des zweitausendjährigen Klagens genug haben" und produktiv an dem Werden ihres Nationalen Heimes arbeiten, „das Ziel der Befreiung vor Augen haben." Klarer kann es unseren Agudisten nicht vor Augen geführt werden, welch ungeheure Gefahr für die Anerkennung der jüdischen Wahrheit dadurch droht, daß wir uns allmählich immer mehr von dem Gedanken einlullen lassen, daß die jüdischen Angelegenheiten Erez Jisroels von den Zionlsten gewahrt werden. Schon kommt die Kunde aus Erez Jisroel, d a ß d i e Araber b e g innen, di e K o se l Maa r ow i z u v e rb a u e n, aber wir schweigen.. Wo bleibt dann unser agudiftisches Klalbewuhtsein?' Wenn: nicht elementar die Erkenntnis sich Bahn, bricht, daß es sich hier um unsere ureigensten. Angelegenheiten, handelt, um jene Kose! .Maarowi, nach der noch dreimal täglich im Gebete die treuen Söhne und Töchter des jüdischen Volkes in allen Himmelszonen sich wenden; jene Kofel Maarowi, nach welcher Jahrtausende hindurch sich jedes jüdische Herz gesehnt, um seine Sorgen, sein Hoffen dort vor Gott auszuschütten. Dort -ist Ruchlosigkeit geschehen und wir schweigen. Wir schweigen und überlassen unsere Vertretung jenen, denen diese Angelegenheit lediglich eine nationale Prestigefrage ist, die aber für die-Verwirklichung ihrer Hoffnung „irrelevant" ist. Wie sollten wir da hoffen, das Ohr der Regierung, des Völkerbundes, der ganzen zivilisierten Menschheit zu finden, wenn Juden es wagen, also zu sprechen, wie es Rubaschow am 14. Oktober im Haufe der Judengemeinde in Berlin tat. Sie sind ehrlich, diese Worte, und wahr. Sie liegen ganz in der Linie zionistischen Denkens und der gradlinigen Fortsetzung dessen, was einst Max Rordau sprach, wenn er das Wort „Zion" nur als Köder für die zurückgebliebenen Volksmassen bezeichnet^, deren religiöse Empfindungen man geschickt benutzen müsse, um den jüdischen Nationalstaat aufzubauen. Für uns aber ist das Wort „Zion" kein Köder und die Kofel Maarowi feine, irrelevante Angelegenheit. Für uns ist es der letzte Rest jener Stätte, auf der die Schechma ruhte. Wenn wir auch jetzt Jerusalems vergessen würden, wenn wir auch jetzt schweigen, wenn auch jetzt unsere Ortsgruppen und die Jugend in ihrer Stagnation verharren, dann fürchten wir für die Aguda die schwere Weissagung des königlichen Sängers: daß wenn wir nicht Jeruscholajims gedenken, man uns vergessen wird. E. (Die agudistische Oeffentlichkeit darf sicher sein, daß die politische Leitung der Agudas Jisroel ihrer Pflicht in diesem ernsten Augenblicke durchaus eingedenk ist. Sie hat, ohne sich die Linie ihres politischen Handelns von zionistischen Protestbewegungen vorschreiben zu lassen, wie uns der G. A. mitteilt, diejenigen Schritte unternommen, die ihr geeignet scheinen, einer Wiederholung der schmachvollen Ereignisse vorzubeugen. Red.) Denket an die Rausch Chandesch-Spende für Cheschwan 5689! Pälästiua-Ctzntrale der Agudas Jisroel Postscheckkonto Nr. 53900, Frankfurt a. M. Die Bedeutung der Landesdelegierken'Versammlung in Polen. Am 14. bis 17. Cheschwan' wird in Warschau die Delegiertenversammlung der Landesorganisation der Agudas Jisroel in Polen stattfinden. Die Vorbereitungen hierzu sind im großen Stile in Angriff genommen worden; in Verbindung mit dieser Versammlung wird eine Tagung der PoaleAgudasJisroel in Polen und wohl auch eine Plenarsitzung des Geschäftsführenden Ausschusses Raum finden. Die Bedeutung der Delegiertenversammlung ist eine große. Man mag sie immerhin als den ersten Auftakt zur zweiten Kenessio G e d a u l o betrachten. Nach dem ernsten Ausgang der jüngsten Wahlen zum polnischen Sejm, ist ein Revirement im der polnischen Äguda eingetreten. Man kam allgemein zur Erkenntnis, daß Wahlerfolge nur dann zu erwarten sind, wenn eine Organisation nicht bloß im aktuellen Augenblick Leben zeigt, sondern wenn sie unausgesetzt an sich arbeitet. Die erste Frucht dieser Erkenntnis zeigte sich sehr bald, indem bei den Gemeindewahlen die Aguda selbst in solchen Gebieten, in denen sie zum ersten Male auf den Plan trat, eine gewaltige Stimmenzahl auf sich und ihre Kandidaten vereinigt. Unter diesen verheißungsvollen Auspizien tagt die Delegiertenversammlung. Man erwartet von chr die wertvollste Anregung für die Kenessio Gedaulo. Man darf dabei nicht aus dem Auge lassen, daß die Judenheit des heutigen Polens gleichfalls aus Trägern der verschiedensten Anschauungen zusammengesetzt ist, so daß sie ein vollendetes Blld der innerhalb der Aguda vorhandenen Strömungen darstellt. Alle Fragen, die in, prinzipieller Hinsicht auf der nächsten Kenessio Gedaulo eine Rolle spielen werden, dürften auch in Warschau zur Behandlung gelangen. Auch äußerlich dürfte die Delegiertenversammlung das Bild einer Kenessio Gedaulo in kleiner Umrahmung bieten, da fast alle Größen des Ostens anröesend sein werden und auch die verschiedenen Sektionen des G. A. dort vertreten fein werden. Wir wünschen der Versammlung guten Erfolg. Gesetzestreue Arbeitslose brauchen sich nicht au Samstagen ans dem Arbeitsamke zu melden. Das Frankfurter Arbeitsamt hatte einem gesetzestreuen Arbeitslosen«, der sich weigerte, an Samstagen sich zur Abstempelung seines Arbeitslosenausweises bei dem Arbeitsamte zu melden, jeweils für einen Tag die Arbeitslosenunterstützung gestrichen. Die Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel veranlaßte hierauf Vorstellungen bei dem Reichsarbeitsministerium bzw. bei dem Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung, und ist nunmehr unter dem 29. September 1928 von letzterem folgender Bescheid eingegangen: „In Ihrer an den Herrn Reichsarbeitsminister gerichteten und an mich abgegebenen Eingabe vom 12. September 1928 haben Sie beantragt,, es grundsätzlich als genügende Entschuldigung rm Sinne des § 114 AVAVG. für die Unterlassung einer Meldung nach 8 173 a. a. O. gelten zu lassen, wenn .ein arbeitsloser orthodoxer Jude an einem Sonnabend oder jüdischen Feiertage die Erstattung der Meldungen aus religiösen Bedenken unterläßt. Dabei haben Sie ausgeführt, daß ein Verstoß gegen das Religionsgesetz nicht nur in einer eigenen Handlung des orthodoxen Israeliten enthalten fein kann, sondern auch darin, daß er einen Dritten zu einer ihm selbst nicht erlaubten Verrichtung veranlaßt. In Uebereinstimmung mit dem Herrn Reichsarbeitsminister habe ich keine Bedenken dagegen zu erheben, daß die Unterlassung der Meldungen an Sonnabend oder an jüdischen Feiertagen als genügende Entschuldigung gemäß § 114 a. a. O. angesehen wird, wenn nachgewiesenermaßen bei dem Arbeitslosen religiöse Bedenken dagegen bestehen und der Zweck der Arbeitsvermittlung nicht darunter leidet." Auf Grund dieses Schreibens können gefetzestreue Arbeitslose nunmehr von der Meldung an Samstagen befreit werden. Entsprechende Antragsformulare sind kostenlos durch die Stelle n v e r m ittl u n gs ze n tr a l e der A. J.> Frankfurt a. M., Sandweg 32, zu beziehen.