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Der Israelit · 1928-09-27 · Heft 39 (27.9.1928) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 39 (27.9.1928)
Date
1928-09-27
Page
– (sequence 31)
Language
German
Belongs to
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Nr. 20 Seite 8 27. September!928 Klub" vorgeht und ich muß aufrichtig gestehen — mit Herzweh. Als Jude verschafft mir das gewiß keine Ehre. Ist es doch bekannt, daß.ein hervorragendes Mitglied dieses Klubs —- ein Zionist — sich gänzlich von der Klubarbeit zurückgezogen hat. Die. Gruppe des Deputierten Reich kann gleichfalls mit Herrn Grünbaum nicht zusammenarbeiten. Die Aussichten für die Zukunft find folgende: mit Herrn Grünbaum ist eine Zusammenarbeit von Personen^ die p r a k t t s ch arbeiten wollen, unmöglich. In der vorigen Sejmkadenz wäre auch dasselbe geschehen, hätte Herr Grünbaum das Präsesamt bekleidet. Ich bekenne mich zur „Sünde", daß ich der „Verbrecher" war, , der Herrn Grünbaum zu diesem Amt nicht zuließ. Er glaubte aus diesem Grunde, daß nach Ueberwindung dieser Schwierigkeit im gegenwärtigen „Jüdischen Klub" nunmehr alles glatt vor sich gehen wird. Aber es scheint, auch jetzt bei einer zionistischen Mehrheit wollen sie ihn nicht als Präses, wie ihn die Orthodoxen nicht wollten, und dies dank seiner Abenteuerpolitik, die nach der Meinung der Juden — nicht bloß der polnischen — für die Interessen des polnischen Judentums überaus schädlich ist. Zum 50. Todestag von Rabb. Seligmann Bär Bamberger. I. Am zweiten Tage Sukkaus jährt sich der Tag zum 50. Male, an dem Rabbiner Seligmann Bär Bamberger von einer wunderbar reichen, irdischen Wirksamkeit als Rabbiner, Jeschiwoleiter und Verfasser hochberühmter Werke abberufen wurde. Bezeichnend für die Bedeutung und noch heute lebendige Wirkung dieses Großen ist die Tatsache, daß man in weitesten Kreisen, zumindest der deutschen Judenheit, noch heute von ihm spricht als „dem Würzburger Raw". „Der Würzburger Raw" lebt in Herz und Gedächtnis auch unserer Zeit — und sein Name tritt hinter diesen Titel — höchster Ehrentitel, den Mit- und Nachwelt verleihen — zurück, wie Abba Arichas Name hinter den Titel, den seine Zeitgenossen chm gaben, und unter dem er in aller Talmudkundigen Mund verttaut ist: Raw (siehe Raschbam Psochim 119b). Was mag dem „Würzburger Raw" diese Volkstümlichkeit bis in die breitesten Masten hinein verliehen haben? Neben den von ihm verfaßten v'isv'die der Welt gehören, wohl vor allem sein Leben, seine Schüler und seine Kinder. Sein Leben: Der schlichte Wiesenbronner Handelsmann wird durch die Gottestreue einer gegen den Abfall in der Stadt sich wendenden Landbevölkerung zum Rabbiner berufen, er tauscht die Maßelle gegen den ppin» des Thoraführers, nimmt aber die Einfachheit und Demut des kleinen Händlers in sein hohes Amt mit,'und mm und mi'2v in ihrer Vermählung miteinander stempeln ihn zum zum nnn der seiner nVnp> seinen Schülern und seinen Kindern das Gepräge gibt. Seinen Schülern: einer von ihnen lebt noch — Dnwpvnx» — und wenn er heute noch, nach weit mehr denn 5 Jahrzehnten, von seinem Rebbe spricht, dann strahlt sein Auge, und wenn er — und er tut es in jeder.Weihestunde seines Lebens — ihm ein niin ^21 nachsagt, so ist ihm dies das höchste Glück. 'So war er seinen Schülern Meister und Freund. Mehr fast noch als durch seine Schüler, die ja die Liebe zur min hinführte in seinen Kreis, spricht aber die Einzigartigkeit seines Vorbilds und Wesens zu uns durch seine Kinder und Schwiegerkinder, seine Enkel und Urenkel. Ex machte seine Familie zur klassischen »'Zain nnsVvin Deutschland, so daß sich an ihm das Segenswort erfüllte: „Wer einvani'^n ist, und sein Sohn ist einer und auch sein Enikel, von dessen Nachkommen weicht die nun nicht mehr". Gott selber ist der Bürge hierfür. •(.T'S XSPX» X23) Von seinen Söhnen: Wer von uns denkt da nicht an die auch den Jüngeren von uns noch persönlich bekannt gewesenen: den „Sennheimer Raw", an dessen wunderbare Frömmigkeit sich D er Israelit Blatter noch während seines Lebens so manche Sage, die aber gewiß voller r>»8 war, rankte, (siehe Schachnowitz: „Der Prophetenbaum", im Novellenbuche „Im Schatten des Weltkrieges", Jüdischer Volksschriftenverlag, Frankfurt a. M.), und an seinen Amtsnachfolger, den er selber seinen "»nsc* Schrank" genannt haben soll. Von seinen Enkeln: Es ziemt sich wohl nicht, Einzelne zu nennen: im Norden wie im Süden des Reiches, wie im westlichen Nachbarland wirken sienninnppnvnn^ — und wenn wir in diesen Blättern von denen, die leider nicht mehr sind, nur Einen nennen: den seligen Hanauer Raw, so deshalb, weil er von Anfang an einer der Führer unserer Agudas Jisroel war und sein Gedächtnis darum besonders stark in unseren dankbaren Herzen lebt. Und Gott ist selber Bürge. Urenkel wirken schon im heiligen Amt oder rüsten sich daraus. Und durch Jeden wird das gesegnete.Gedächtnis des Würzburger Raw neu belebt und vertieft, hv mtn» nun n^D X'Ivarr und das Schild dieser X'wax heißt: „Der Würzburger Raw". II. Daß auch religionspolittsche Momente dazu beigetragen haben, daß der Name des Würzburger Raw noch heute so populär, für Viele zum Begriff geworden ist, weiß man. Hat Agudas Jisroel das Recht, den Würzburger Raw nicht nur als einen der Großen unseres Volkes zu feiern, sondern auch als einen ihrer Wegbereiter? Oder haben die Recht, welche glauben, „ganz im Sinne und Geist" des Würzburger Raw ihr ihre Mitwirkung nicht leihen zu dürfen? Wir haben in der Festschrift unserer Jugendorganisation hierzu bereits Einiges gesagt und wollen dies nicht wiederholen.. Wir sehen, daß von neun im Rabbinerberufe wirkenden Nachkommen acht der Agudas Jisroel angehören. Wir brauchen aber garnicht erst zu folgern oder zu vermuten, wer Augen hat, kann lesen, was der Würzburger Raw selber geschrieben hat! „Agudas Jisroel baut auf der Souveränität der nmn — duldet neben ihr keine Herrschaft im jüdischen Kreise. Es hieße das Andenken des Würzburger Raw schmälern, wollte man behaupten, daß er auf anderem wie auf dem „Hochgebirg der Offenbarungslehre" gebaut, für anderen Boden und auf anderen Boden gepflanzt habe. (S. R. Hirsch, Gesammelte Schriften IV. 542)." Agudas Jisroel will, daß in ihre Organe nur solche gewählt werden, deren G esinnung und Lebensführung anerkanntermaßen der Thora entspricht. Der Würzburger Raw verlangt für die Gemeinde: „Das Ritualgesetz Schulchan Aruch nämlich enthält folgende Bestimmung: Die Verwaltungsmitglieder einer Gemeinde, seien solche für die Mehrheit oder auch nur für Einzelne bestimmt, müssen bezüglich ihres religiösen Wandels ganz so qualifiziert sein, wie solches für die Mitglieder eines Rabbinats-Kollegiums vorgeschrieben ist. Diese ritualgesetzliche Bestimmung ist aus den Werken älterer Autoren geschöpft, welche dieselbe aus dem Talmud selbst argumentieren. Ja, es wurde sogar eine kasuistische Anfrage dahin entschieden, daß der Eintritt eines einzigen irreligöfen Mttgliedes in den Gemeindevorstand unzulässig sei, ungeachtet die übrigen Vorstandsmitglieder makellos dastanden. Hieraus refulttert, daß ein also irreligiöser Vorstand vom orthodoxen Judentums nicht als Vorstand anerkannt werden darf und folglich kein, gläubiger Israelit demselben als Mitglied beitreten darf." (S. 529.) Agudas Jisroel kämpft gegen eine Förderung zionistischer Fonds, aus denen auch Anstalten und Institutionen dernrnsa gespeist werden. DerWürzburgerRawfordertden Austritt, solange nicht die Orthodoxen ausdrücklich von jeder Beitragsleistung für die kulturellen Reformeinrichtungen befreit werden und sie auch hierfür vollkommen entsprechende. Garantien erhalten. (S. 531.) ' Agudas Jisroel kämpft für die Erhaltung des B e w ußtfeins von der Eigenart des jüdischen Gemeinschaf tsbegriffes gegenüber allen Strömungen, die ihm wesensfremd find. Der Würzburger Raw hat entsprechend der seinerzeitigen Situation, und im Hinblick auf die damalige Verirrung und Verwirrung der Geister durch das liberale Judentum es unzweideutig ausgesprochen: „Eine Gemeinde, welche zu einem Systeme sich bekennt, wie jenes, das Sie Seite 7 Ihres offenen Briefes aufführten, „eine Gemeinde" nämlich, die aus Ihrem Gebetbuche alles grundsätzlich entfernt hat, was an einen persönlichen N'V»' an nr»^ pap»-, an Wiederherstellung des 'j?»n mn-, an niivpn ytö in der Vergangenheit und Zukunft, und auch aus man fix ftwn riaia und nii ma ma*?» gestrichen hat, deren Kanzel und Schule die Antiquierung der nnirm ms» rrmpim predigen und lehren, und die diese Grundsätze auch in der Gestaltung ihrer anderen Institutionen betätigt und worüber Sie Seite 7 fragten, wie ich ein solches System nenne, erwidere ich ganz die Ihrigen Worte: Ein solches System nenne ich: das ausgesprochenste mtmp>£HO mr»* ebenso wenn eine Gemeinde durch ihren Kultus, ihre Kanzel, Schule und andere Institutionen sich zu solchem Systeme bekennt, so begreifen unsere Codices ein solches System unter die Kategorie von mtnip'281 rm'». Ein solches System muß jeder Jehudi als unausgleichlichen Gegensatz Mit nsmpn lamm bezeichnen, mit tiefstem Abscheu verwerfen, mit dem bittersten Schmerze empfinden." (S. 526.) Aber Agudas Jisroel ist doch die Organisation der Austrittler, der Würzburger Raw war doch Gegner des Austritts!? Das erste ist so unwahr wie das zweite. Das erste brauchen wir, nachdem wir es so oft getan, heute nicht zu widerlegen, zur Widerlegung des zweiten hören wir den Würzburger Raw: „Die Veröffentlichung dieser meiner Erklärung in der Frankfurter Börsen- und Handelszeitung geschah nicht deshalb, um Ihnen, Herr Rabbiner, etwa Opposition zu machen, davon war und bin ich wie überhaupt, so auch hier, weit entfernt, vielmehr war die Veröffentlichung dieser meiner Erklärung durch den Umstand hervorgerufen, daß in Nr. 62 genannter Zeitung eine Mitteilung sich befand, als hätten Sie mich um einen schiedsrichterlichen Spruch in dieser Angelegenheit ersucht, wobei ich mich entschieden gegen den Austritt erklärt hätte, wogegen ich in Nr. 66 erwähnter Zeitung eine Berichtigung einrücken ließ, daß dies durchaus der Fall nicht gewesen und wobei von mir der wahre Hergang der Sache, wie oben wörtlich aufgeführt, erzählt wurde." (S. 534.) Ferner: „Gleich Ihnen, Herr Rabbiner, erkenne auch ich das Austrittsgesetz vom 28. Juli 1876 als eine große Wohltat für das orthodoxe Judentum an. Denn hierdurch wurde den orthodoxen Israeliten die Gelegenheit gegeben, sich von Reformgemeinden loszutrennen, innerhalb welcher bekanntermaßen die Wahrung der religiösen Obliegenheiten nicht nur verkümmert, sondern nicht selten unmöglich gemacht wurde, welche Trennung auch überhaupt bereits faktisch in manchen Gemeinden zu ihrem Heile und zu ihrem Ruhme stattgefunden." (S. 539.) III. Wenn wir am Jahrzeitstage des „Würzburger Raw" im Dank vor Gott stehen, daß er unserer Gemeinschaft einen Mann wie den Würzburger Raw gegeben hat, dann dürfen wir ganz sicher dies auch als Agudisten tun. Nicht nur, weil die Agudas Jisroel nur in Herzen geboren werden konnte, die bis zum Rand von Liebe zur Thora gefüllt waren, .und weil durch Leben und Leistung des.Würzburger Raw die -Thoraliebe in Deutschland mächtigste Impulse erhielt, durch i

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