Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1928-09-27 · Heft 39 (27.9.1928) · page 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 39 (27.9.1928)
Date
1928-09-27
Page
– (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450495-2450533--75359-2532877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Veite 2 Nr. 20 chre Anerkennung im Juden- und Menschheitskreise, wir wollen gemeinsam für Gott,,zu Gott streben! Und jede organisatorische Maßnahme, Versammlung und Presse, Diskussion und' Auseinandersetzung, Kampf und Streit auch, sie alle sind nur Mittel — und seien immer reine und untadelige Mittel — zum Zweck, zu diesem höchsten, Zweck: nmiV niü" - V. Von der Menschheit ersten Tagen an ist der Sabbat ihr Begleiter. Seine süße Melodie zaubert Ruhe und Glück hervor. „Bringt Beglückung dem Herzen der gebrochenen Nation, den betrübten Gemütern die nTir» nawi' der bedrängten Seele nimmt allen Schmerz des Sabbats Ruhe!" Zu Gott führt er hin, erzieht das Volk zu Ihm, des Einzelnen wie der Gesamtheit Schicksal gestaltend und veredelnd. Im Geheimen hat Got.' ihn uns einst gegeben (Beiza 16 a), und doch spürte bald die ganze Welt eine Ahnung seiner läuternden Kraft, seiner weihenden, heiligenden Wirkung. Möchte doch Agudas Jisroel zu, ähnlicher Wirksamkeit gelangen. Daß auch sie, im engeren Kreis der Getreuen entstanden, und, weil sie strenge fordert, langsam nur die Geister und die Herzen gewinnend, stetig weitere Kreise in ihren Lichtbann ziehe, immer stärker die jüdischen Massen davon überzeuge, daß sie nicht sich selber meint, wenn sie das jüdische Volk aufruft sich zusammenzuschließen rmsai n-nn 'S *?»' einig zu sein im Kampf um Gottes Wort, daß sie damit nur wecken will, wie der alte jüdische Rufer: irnnsrt»! Mögen wir einzelnen Agudisten mithelfen, daß auch Agudas Jisroel zu bringen vermag: Beglückung den Herzen der gebrochenen Nation, den betrübten jüdischen Gemütern die Heiligkeit, Helligkeit und.Freudigkeit der in sabbatlichen Menschen wohnenden mir haw* — ch. 6.1. Die gegenwärtige Lage in polen. Ein Interview mit dem Sejm-Abgeordneten Etias Kirschvraun in Warschau. Der Herausgeber der in Warschau erscheinenden politischen Zeitschrift „Sämtliche Parteien" hatte mit dem orthodoxen Sejmabgeordneten Kirschbraun ein. Interview und veröffentlicht darüber folgenden Bericht: Wie hat sich die Lage unter den Juden nach den Wahlen gestaltet? Die jüngste Wahlaktion bezeichne ich als Ereignis von historischer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der polnischen Republik und die Erhaltung chrer politischen und wirtschaftlichen Existenz. In bezug auf das Verhältnis zu Juden ist eine radikale Aenderung zu verzeichnen. Manche Vorurteile haben ihre Kraft verloren, was in der einheitlichen Wahlaktion der Polen und Juden zum Ausdruck kam. Ich meine damit die Bildung des Blocks für Zusammenarbeit mit der Regierung. Zum ersten Mal in der Geschichte Polens sind wir Zeugen eines Zusammengehens seitens des besseren. Teiles der polnischen Gesellschaft und der in „ A g u d a s I i s r o e l " organisierten orthodoxen Juden im Namen des gemeinsamen Wohles, sowohl des Staates, als all seiner Bürger ohne Ausnahme der Konfession und Nationalität. Das Zusammengehen äußerte sich in der einheitlichen Wahlaktion zu den gesetzgebenden Körperschaften, die unter der Devise: Freiheit, Gleichheit und Brüderschaft, durchgeführt wurde. Ich fühle mich glücklich, daß meine diesbezügliche Initiative in den maßgebenden Kreisen Verständnis fand. Indem ich das Entstehen gemischter polnisch-jüdischer Listen als Erscheinung von erstklassiger Bedeutung für die Gestaltung der polnisch-jüdischen Beziehungen betrachte, erblicke ich in dieser-Tatsache die Aeußerung des guten Willens der Faktoren, die sich am Regierungsruder befinden. Ganz richtig bezeichnet das Organ der polnischen Reaktionäre „Gazeta Warszawskä" dieses Der Israelit Blatter Ereignis — das Gehören jüdischer Deputierten zu einem polnischen Klub —^als eine Revolution in den polnischen VerhältnissM, womit auch der Chauvinismus GrünbaumMen Schlages sehr unzufrieden ist. Ich dagegen, und mit mir die mächtige orthodoxe Partei, betrachten diesen Schritt als ein neues Blatt in der Geschichte der polnischjüdischen Beziehungen, die zweifellos iw ihrer Konsequenz reals Gestalt annehmen, werden. Innerhalb der jüdischen Gesellschaft wurden die jüngsten Wahlen unter zwei verschiedenen Losungen geführt: des Blocks mit den nationalen Minderheiten einerseits und des selbständigen alljüdischen Blocks andererseits. Der Vertreter der ersten Konzeption war Herr Grünbaum, der zweiten — ich. Abgesehen davon muß bemerkt werden, daß die Tendenz, mit den anderen nationalen Minderheiten aus diesem oder andren Grunde in keine Verbindung einzugehen, in der gesamten jüdischen Gesellschaft als solcher, auch unter den Zionisten Galiziens und anderen jüdischen Gruppierungen, vorherrschte. Daraus folgt, daß Herr Grünbaum hinter sich bloß einen Teil der jüdischen Stimmen, ausschließlich in Kongreßpolen und den Randgebieten, hatte. Das Obige in Betracht nehmend, können wir feststellen, daß die jüdische Gesellschaft für die Idee Grünbaums durchaus nicht voreingenommen war, sondern im Gegenteil von ihr sich lossagte und ihre Stimmen entweder auf die Listen 33 (allgemeine), 17' (Galizien), 4 (Bund) oder aus Liste „Eins" (Regierungsliste) abgab. Die Eroberung von einigen Mandaten durch die Grünbaum'sche Gruppe erklärt sich durch die Abtretung von 2 Mandaten von der Staatsliste (für Grünbaum und Rasner) seitens der Ukrainer, 2 Mandaten für Rosenblatt und Brodt seitens der Deutschen, seitens der letzteren und Weißrussen — einem Mandat in Bialystok für Farbstein und einem Mandat in Wilna für Wygodzki. Das einzige rein jüdische Mandat ist das des Herrn Hartglas in Warschau, dem Liste 33 das Mandat Kirschbrauns gegenüberstellte. Daß ihm, wie bekannt, einige hundert Stimmen fehlten, ändert natürlich die Sachlage nicht. Wäre Herr Grünbaum selbständig zur Wahl gegangen, wie es mit der Liste 33 der Fall war, und hätte er von der Hilfe der nationalen, Minderheiten keinen Gebrauch gemacht, das Resultat wäre dann identisch mit dem der Liste 33, und dies dank der Wahlordination, die im voraus so zugeschnitten wurde, Juden zu eliminieren. Wie wäre es möglich, Herr Abgeordneter, eine gerechte jüdische Vertreterschaft im Sejm wieder herzustellen? Diese Frage habe ich ziemlich ausführlich vor zwei Jahren in den Spalten des orthodoxen Organes „Der Jud" anseinandergesetzt. Der einzige gerechte Ausweg in dieser Frage wäre die Bildung einer speziellen nationalen Kurie für die Juden. Mein Projekt läßt sich in 3 Punkten ausdrücken: 1. Die Juden im ganzen polnischen Reiche bilden einen, Wahlkreis, 2. dieser Kreis bekommt eine der allgemeinen Zahl der Juden im Reiche entsprechende Mandatenzahl, 3. das proportionelle Prinzip wird innerhalb der jüdischen Kurie beibehalten. Haben Sie, Herr Abgeordneter, gewisse Maßnahmen ergriffen, um dieses Projekt zu popularisieren und realisieren? Ganz gewiß. Im Jahre 1926 habe ich eine Reihe Verhandlungen sowohl mit den verschiedenen Klubleaders, als auch manchen Mitgliedern hes damaligen Ministerkabinetts geführt. Den, Eindruck, den ich in diesen Besprechungen gewonnen hatte, kann ich als einen positiven in bezug auf mein Projekt bezeichnen. Ich habe dieses Projekt vor Abschluß der parlamentarischen Kadenz dem „Jüdischen Klub", dessen Vizepräses ich war, unterbreitet, um eine gemeinsame Aktion zu unternehmen und dem Sejm einen entsprechenden Antrag zu unterbreiten. Allein zu meiner Verwunderung traf ich auf den^Widerstand derer, die sich als nationale Juden ausgeben/' und nämlich der Herren Grünbäum 27.. September 1828 und Konsorten. Ich kann es mir nur damit erklären, daß sie erstens ein Fiasko innerhalb der' jüdischen Kurie fürchteten, wo das Blockieren von verschiedenen Gruppierungen keinen Sinn mehrhätte und jede. Gruppe oder Partei selbständig, zur Wahl schreiten würde, und zweitens, daß sie die Erstarkung der organisierten Orthodoxie vermeiden möchten. . . ■ . Ich bin aber bereit, bei der nächsten Gelegenheit meinen Plan zu erneuern. Wie ist die sachliche Beziehung der jüdischen Deputierten im „Unparteiischen Block" zum „Jüdischen Klub"? Man muß so unverfroren sein, wie es zweifellos der Störenfried, Herr Grünbaum ist, um den traurigen Mut zu einer Ansprache zu besitzen, wie er sie in der Budget-Debatte gehalten hat, wo erdas gute Recht der im „Unparteiischen Block" vertretenen jüdischen Deputierten, im Namen der Juden zu reden, in Frage stellte. Es wäre mehr als lächerlich, wenn Herr Grünbaum, der sein Mandat als ukrainisches Geschenk bekam, ernstlich erwägen wollte, wer das Recht hat, im Namen der Juden zu reden. Jedenfalls steht es chm, als Konfessionslosem, nicht zu, die Verteidigung der Interessen des jüdischen Volkes, dasmit dem Glauben seiner Vorfahren unzerreißbar verbunden ist, zu übernehmen. Welche jüdischen Postulate vertreten Sie, Herr' Abgeordneter, im „Unparteiischen Block"? Die Judenfrage ist leider bis heute in Polen, nicht gelöst. Bis heute existieren in Polen gesetzlich verpflichtende Beschränkungen den Juden gegenüber. Das Steuersystem, dank seiner Struktur, vernichtet im buchstäblichen Sinne des Wortes sowohl den jüdischen Handel, wie Industrie und Handwerk. In erster Reihe wird das verursacht durch die ungleichmäßige Belastung des Dorfes und der Stadt durch die Zwangssonntagsruhe, wodurch die Juden gezwungen werden, mindestens 170 Tage im Jahre müßig herumzugehen, wie auch durch den Kreditmangel usw. Das jüdische Schulwesen, sowie die konfessionellen Fragen finden im Reichsbudget keine Berücksichtigung. Das soziale Schutzwesen steht absolut nicht auf der gewünschten Höhe in bezug auf die Juden. Die Engagement-Frage der jüdischen Arbeiter sowie der geistig arbeitenden jüdischen Intelligenz findet absolut kein Verständnis. Um dieses Problem, das „Juden,frage" genannt wird^ zu lösen, habe ich mit den maßgebenden Kreisen, sowohl aus den Reihen der Regierung, als den des Klubs des „Unparteiischen Blocks" eine Reihe Konferenzen abgehalten. Ich muß loyaler Weise feststellen, daß ich Wohlwollen für die geforderten Postulate angetroffen habe. Ich hege die Hoffnung, daß unsere Mitarbeit in den auf dem parlamentarischen Boden stärksten und in der polnischen Gesellschaft populärsten Klub, in einem Klub, der die Herstellung der Ordnung auf allen Gebieten des sozialwirtschaftlichen und kulturellen Lebens im Reiche, sowie die Sanierung der politisch-gesellschaftlichen Beziehungen zu den nationalen Minderheiten anstrebt, die jüdische Frage ernst in Betracht nehmen wird, die ehest gelöst werden sollte im Geiste der demokratischen Prinzipien, der in dieser Richtung, verpflichtenden Konstitution und der Losung, un-' ter der wir alle, die zum „Unparteiischen Klub" gehören, zu den Wahlen gingen: der Gleichheit, Freiheit und Brüderschaft. Wie ist, Herr Abgeordneter, Ihre Beziehung zu den durch den „Jüdischen Klub" im Sejm eingebrachten Anträgen? Vor der Eröffnung des Sejms ist es in unserer jüdischen Gruppe festgestellt worden, daß wir jeder Vorlage, die in Gestalt von dringenden Anträgen, Amendements, Resolutionen üsw. eingebracht, von welcher Seite sie auch kommen mögen, — vom jüdischen oder anderen Kluben — ohne weiteres zustimmen. Als Juden -können wir natürlich keinen anderen Standpunkt haben. Wie beurteilen Sie die im „Jüdischen Klub" herrschenden Verhältnisse? Ich beobachte genau das, was im „Jüdischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.