Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1928)
- Date
- 1928-09-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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27^ September 1929 D e.-r g^s r7« e l i^t Nr- 39. Sette-3 aber Won gar nichts, mit, gar nichts anderem^ zu tun,- als damit,' daß' sich in diesem Handeln Eigenschaften zeigen, zudenen verurteilende Wortes wie bübisch, besttalisch, viehisch, nicht hinreichen: hier stockt wirklich das menschliche Wort, dasder Anfang und' das Ende ist- — das ist das' Endejeglichen-- aucht nür^- HMMMgE Dier- oder- MMchMns. Dys, ist, das Ende; die, Verdammung, der. umgestürzte Gipfelpunkt ddr Äermabedeiung., Ich bitte alltz^großen ZÄtüngen aller Mchtüngen des Menschseins, in Mutschland,' alle Eltern, Lehrer-Geistlichen, jeden,'der irgend sich auch nur einer Spur Mitverantwortung - der Gesamtheit gegenüber bewußt ist, sich aus der stumpfen Gleichgültigkeit des Zusehens bewußt zu werdendaß sich in, diesen systematisch betriebenen nächtlichen Friedhofsschändungen eine Verwilderung^ zeigt, gegen die jedes Verbrechen anderer Art gering erscheint.- Sind die Gräberbesudler, die Grabstein-Zertrümmerer Kinder oder Halbreife, wie in den meisten Fällen, dann tragen in noch höherem' Maße die Schuld die „Erwachsenen", für die es erst recht kein Wort gibt, das verdammend genug wäre, für solche, die jugendliche Seelen derart durch Verhetzung in den letzten Gestank und Schlamm, der Selbst-Entmenschung, und dadurch Selbst-Verdammung, hinabschleudern. Sprecht jedes, das diese Zeilen liest, zu allen, über die Friedhossschänder, es darf kein Aber und Doch heimlicher oder offener Art geben! Macht euch: und jedem klar, daß Tollwütige durch unsere Nächte streifen, die für jede Seele größte- Gefahr bedeuten, vernichtet die, tollwütigen Seelen der Schänder durch einen Sturmwirch eisiger Verachtung." Bedenkt man, daß dfestz Fdiedhofsschändungen eine rein d e u t s ch e Spezialität bildenniegenörvo sollst vorkomrNön, in. Rumänien nicht- Nicht in Pülen und nicht in Ungarn, nicht einmal in Persien und Marokko, daß nie in der Geschichte des Altertums oder des Mittelalters Aehnliches zu verzeichnen war, daß diese traurigen Heldentaten einzig dem j u,n g e n.D e u t s ch l a n d n ach dem Kriege Vorbehalten blieben, bedenkt man das, so begreift man schon den Schmerz der' Besseren und Tieferen, deren Wortführer hier spricht, vollkommen. Nicht Liebe zum Judentum spricht aus dem Munde dieses Mannes, es ist die tiefe S o r ge um da s j u n ge ne u e Deutschland, für das aber, wie wir gerne hoffen, nicht die feigen Friedhofsschänder typisch sind, sondern die Männer von der Geistesart eines Walter von Molo. Wann aber werden sich diese durchsetzen? Das ist die bange Frage. Rabbi Seligmann Bär Bamberger 7"XT- Von Dr. Moses Auerbach in Berlin. Am zweiten Tage des Sukkotfestes ist ein halbes Jahrhundert vergangen, seit Rabbi Seligmann Bär Bamberger der „alte Würzburger Raw" im. 71. Lebensjahre deM deutschen Judentum entrissen wurde. Er war einer der Großen, die es verstanden, in den schweren Jahrzehnten des mittleren neunzehnten. Jahrhunderts der damals so selbstbewußt siegesficheren Reform entgegenzutreten. Das thoratreue bayrische Judentum verdankt ihm in erster Linie seine Erhaltung. Fast sein ganzes Leben verbrachte ex in Bayern und sein ganzes Wesen ist nur aus dem urjüdischen Milieu des eillfach frommen, so hingebungsvollen bayrischen Ldndludentums zu verstehen, dessen Frömmigkeit damals Mit Thoralernen und Thorawissen aufs innigste verwebt war. Am 5.' Marcheschwan 5568 (6. Nov. 1807) wurde Seligmann Bär in deM kleinen unterfränkischen Dorf Wiesenbronn geboren. Seine Eltern lebten in einfachen Verhältnissen, waren von gleicher strengen Gewissenhaftigkeit in ihren Pflichten zu Gott Und zu den Menschen. Die Mutter war eine Tochter des R. Mose Löb Hatzfeld, des Heidingsfelder Landrabbiners. Die Grundlage seiner talmudischen Bildung verdankte er dem Ortsraboiner von Wiesenbronn, R. Gerson Lepi. Mit noch nicht 15 Jahren konnte er hie berühmte Fürther Jeschiwa R. Wolf Hamburgers (des Verfassers von f'S'-lq aufsuchen. Bald erkannte R. Wolf Hamburger den auf wahrster Frömmigkeit beruhenden Fleiß und die besondere Begabung des jungen Bamberger. R. Seligmann Bär dachte damals nicht daran, Rabbiner zu werden. Reinv'M a.w^' aus Liebe zuGott und seiner Thora, vertiefte sich der Jüngling Tag und Nacht in dis Gotteslehre, Unter größten Entbehrungen darbten die frommen Eltern, um dem Sohne das Lernen zu ermöglichen. Nach fünf Jahren, kehrte R. Seligmann Bär nach Wiesenborn zurück. R. Wölf Hamburger hatte ihm beim Verlassen der Jeschiwa die rabbimsche Autorisation nrriin nnyn erteilt. Doch wollte der junge Gelehrte nicht als Rabbiner gelten. Er eröffnte in seinem Heimatsdorf ein kleines Geschäft, um sich zu ernähren. Seine Hauptzeit und -kraft widmete er weiter dem Thorastudium. Als Zweiundzwanzigjähriger heiratete er: Mit rührenden Worten dankt er nach Jahren noch der Gattin, die die Sorgen des Erwerbs und die größten Einschränkungen gern auf sich nahm, um chm das Lernen zu ermöglichen. In Wrefenborn wurde er zu einem der größten Jawelen-Goldwaren FRITZ LANG RdSmaf kt I chdiwj jtaisetslrJi K Alpina r Gruen-ührea JUmna. DASrKNNWORTßUTtKBKRC* Tälmudgelehrten Deutschlands. Hier schrieb er sein talmudisch. vielleicht, bedeutendstes Werk: über. Chaliza, das bereits im Jahre 1839 von R. Wolf Hamburger und R. Mendel Kargan in Fürth, und R. Salman Trier in Frankfurt approbiert war, aber erst 1867 gedruckt wurde. Schon in Wiesenborn hatte er eine kleine Jeschiwa. Hier lernten, bei ihm u. a. der spätere Hamburger Oberrabbiner Stern und Rabbiner Fromm, der später in Hamburg und Frankfurt wirkte. Im Jahre 1836 trat R, Seligmann Bär Bamberger zum ersten Male an die Oefsentlichkeit. Auf Veranlassung der Anhänger der Reform hatte die bayrische Regierung eine Versammlung einherufen, um. „antiquiert^" Religionsporschriften abzuändern. Dem Auftreten des. gelehrten Vertreters der. Wiefenborner Gemeinde war es zu verdanken, daß die, Regierung, die Forderungen der Reform zurückwies.. Im Jahre 1837 erhielt R. Seligmann Bär von dem bekannten Würzburger Raw, R. Abraham Bing, ein Rabbmatsdiplom, und gleichzeitig forderte Rabbiner Bing, die Gemeinden. fernes Bezirkes auf, wenn, er selbst durch Krankheit verhindert, sei, sich,, mit Anfragen an den Wiefenborner Gelehrten, zq wenden. Als im nächsten. Jahre, der Meise RaMner Bing sein Amt niederlegte, entbrannte, ein. heißer Kampf um die Wiederbesetzung des Rabbinats. Die Anhänger der Reform, die in den meisten größeren Städten Bayerns gesiegt hatten, suchten den wichtigen Würzburger Rabbinatssitz zri erobern und hierdurch auch in. Ünterfrankem die Herrschaft zu erlangen. Seitens der Thoratreuen erkannte man rechtzeitig die Gefahr; man mußte eine Persönlichkeit gewinnen, die durch ihre überrqgende Größe die emstußreichen Reformfreunde Würzburgs zurückdrängen, konnte. Es gelang den Bemühungen der bayrischen Orthodoxie, ganz besonders dank der Aufklärungsarbeit R, Mendel Rosenbaums in Zell, die Wähl R. Seligmann Bär Bambergers durchzusetzen. Trotz aller Gegenarbeit der Reformfreünde konnte er im April 1840 sein Amt, als Rabbiner des Würzburger Bezirkes KOHLEN BRIKETTS HOLZ 6 m. b. H. Neue Mainzersirasse 16 Telefon: Hansa 8068*8069 Gegründet 1 8 4 8 1’niSöni zu hinausbeziehen und zu das auch sonst absolut steht, — vgl. II. 93. M. 15,9 und Klagelied 3,66 - das Objekt aus dem Vorhergehenden ergänzen könnte, wie es an diesen Stellen der Fall ist. Vielleicht wäre es auch nicht zw kühn, rjiTln als 2. Perf. masc. aus Gott zu beziehen und als Objekt zu nehmen — vgl. Pf. 7.7 — wodurch dann der Parallelismus der Glieder, die voranstehen, vollkommen ergänzt würde: — PINN miö' es wäre dann an ein Einkreifen der Seele mit Geboten .zu denken. Vielleicht, will die Prägung unserer Weisen gräde im Hinblick auf das nor N'VKNB des N3^ in dem ^,2^ den Gegensatz zu wwn Bi' mit der von ihnen hierfür gegebenen Begründung in Erinnerung bringen? In den meisten unserer Gebetbücher eä. Rödelheim, so auch in dem von S. Bär edierten, findet sich das W am Ende des ^n-Gebetes nicht metzr/wenngleich auch hier eine Bezugnahme auf die Subjekte omt u’rsn und nnavn n1?™ als Subjekt zu dieses möglich wäre. Sehr merkwürdig ist es. aus dem Tischgebet zu eliminieren, nur weil es sonst nirgends vorkommt, — trotzdem es durch alle unsere Gebetbücher belegt ist und es durchaus statthaft ist, Gott, der gesprochen hat: •»ja tmj? ’B — (3. 93. M. i9,l) — und den wir heilig preisen — wnj? nna — eine n»npn i’ zuzuschreiben —, und - dafür die Lesart NV1TA.T »vorzuschlagen". Wer entscheidet über den Vorschlag? Zumal auch rwma sonst nirgends vorkömmt, sottdertt NM in einem Einzigen Göbetbüch m Klammern erscheint. Kleines Feuilleton. Einkehr des Sabbat. Don Ksaac Schönöerg. Rastlos ist der Pfad durchschritten düstrer Tage, dornbesät; mühevoll der Berg erstritten, der ins Land des Friedens späht. Sprenge, Seele, deine Bande ird'scher Schwere, dumpfer Enge! Freier schwebe! Kür'die Lande sanfter Lüfte, sonn'ger Hänge! Sieh', der Täler lichte Welle wogt, müder Wandrer, dir entgegen; Freudig winkt der labenden Quelle glitzernd Auge, erquickender Segen. Lieblich dringen Harfentöne zitternd an dein lechzend Ohr; trunken lauschst du himmlischer Schöne beschwingter Kehlen jubelndem Chor Und ein Lied quillt, dankerfüllt, auch dir aus der gepreßten Kehle;] und in rosigen Hauch gehüllt steigt empor die läutre.Seele ..... - Lin Besuch in der Montreux. Es 7 gibt doch.. nichts Herrlicheres als,: die nwrrpn mm Das ewig lebendige Gotteswort ist weiter als das Meer, tiefer als der Tiefen Grund, erhabener als der Berge Höhen. Die Quellen dernviipn mm laben das Herz, erfreuen' das Gemüt, erleuchten das Auge, erweitern den Blick, stärken den Geist, veredeln den Menschen. Je weiter man sich von diesen Quellen entfenrt, um so mehr entfernt man sich von der Wahrheit, um so mehr Fehler entstehen und Mißverständnisse machen sich breit. Wohl dem, der nach der mm Lehren sich richtet. Diese Lehren bedeuten Glück und Frieden, Trost und Labsal selbst in den Tagen des Leids und eine Quelle des Heils in allen Lagen des Lebens. Um in die Kämpfe und Gefahren des Lebens hinauszuziehenist Kunst, sogenannte Mlidung und Wissenschaft ein zu schwacher Schutz für des Jünglings Herz. Da ist es erst das ewig Leben spendende Gotteswort, welches der Jünglnig studiert haben muß, um allen Stürmen und Anfechtungen des Schicksals trotzen zu können, so daß alle Verlockungen des Lebens ihm nichts anhaben können. „Gras dorrt und Blume welkt, das Wort unsres Gottes blüht ewiglich." Am.6. mem wurde in dem ' paradiesisch gelegenen wunderschönen neuen Heim der na'v' Montreux Prüfung ab'gehMen, die phänomettale Leistungen seitens der Schüler und — last, not least!-^- seitens der Lehrer aufwies. Es wurde der Inhalt einiger cpis aus tw’xn xan und i'v-np durchgenommen. Schon die unterste Klasse bewies, daß dort,' wo echter Thorag^ist herrscht, auch in kurzer-Zeit Grättdioses erzielt wird. Mnder, die noch vor Kurzem kaum über die Anfangsgründe hinaus waren, entpuppten sich als kleine die nicht nur mit gutem