Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1928)
- Date
- 1928-05-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 11 Sette 3 27. Mai 1928 sich versprachen, während, bei uns Gesinnungsgenossen, voll ehrlichen Unmuts über die Zerissenheit der Geister und Seelen im heutigen Judentum, Unglück trunken genug sind, um die Schuld an diesem unserer Zeit nicht den unglückseligen Gestirnen des liberalen zionistischen Judentums, sondern der selbständigen Orthodoxie und ihren Gemeinden und Organisationen, vor allem der Agudas Jisroel zuzuwälzen, s p i e l e n s i ch a u s demheiligenBodeninErezJisroel zur Zeit Dinge von solch unglaublicher Frivolität ab, daß selbst der tiefste bis zur völligen Bewußtlosigkeit fortgeschrittene Rausch zu schreckhaft auffahrender hell und klar blickender Nüchternheit erwachen müßte. In einer jüdischen Krankenkasse, welche von der zionistischen Organisation mit Lst. 13.400 unterstützt wird, ist die Anftaltsküche t r e f o! Wurden die Kranken an den Pesachtagen mit Chomezkost verpflegt; wird an jüdischen Kindern die Miloh, wenn überhaupt in traditionswidriger Weise, mit Weglassung der Mezizah, lediglich aus nationalen und hygienischen Gründen vollzogen. In einer Protesteingabe der Gesetzestreuen und in einer Prozeßhandlung, die im Anschluß daran vor jüdischen Richtern in Tel-Awiw stattfindet, weifen die in ihren heiligsten Gefühlen verletzten Kläger darauf hin, mn mr i22v m uw* q'8 pari r^'28 bw nviKn nos bw D’Vrwa D’ff’iatzo nosa was ein gesetzestreuer Kranker empfinden muh, wenn man ihm am Pesach in einer völlig unjüdischen Atmosphäre, in einer Umgebung, die sich am Pesach mit Chomezspeisen nährt, Pesachspeisen reicht; wie durch die Handhabung der Brismiloh in diesem von zionistischen Geldern finanzierten Krankenhaufe!?8Mp'2 D'^nv D'2-ma die Zahl derer, die über-das Gebot der Brismiloh sich hinwegsetzen, sich immer mehr und mehr vergrößern werde in Israel. Und während der in Tel-Awiw erscheinende „Haarez" in spaltenlangen Berichten von den Einzelheiten dieses Schandprozesses berichtet, erfahren wir gleichzeitig aus einem Artikel des „Haolam", daß einer der konsequentesten Wortführer des religionslosen Nationalismus im heiligen Lande, Jtmar Ben-Awi, allen Ernstes die Idee propagiert, auch christliche Iuden als a'-mi d’ut vollwertige Glieder des jüdischen Volkesanzuerkennee. 'jittaa mn p« '2 denn das jüdische Religionsgesetz habe schon längst ausgehört, das Kriterium des Judentums, des jüdischen Volkes, des jüdischen Mensch e n s zu sein. „Wachet auf ihr Trunkenen und weinet!" Heuschreckenschwärme überzogen das Land, als Joel, der Prophet, seinen Weckruf an die Trunkenen'seines Volkes erschallen ließ. „Was der Gasam übirg ließ, fraß der Arbeh, und was der Arbeh übrig ließ, fraß der Jelek, und was der Jelek übrig ließ, fraß der Chaziel!" Heuschreckenschwärme überziehen auch in unseren Tagen das Land. Die Hirfchowitz und Ben-Awi ergänzen einander. Was die einen übrig lasten, vernichten die andern, und was diese übrig lassen, werden deren Kinder und Enkel vernichten. Und die Trunkenen der Golah stehen dabei und lassen es zu, ja, ermöglichen es erst mit ihrem zionistischen und misrachistischen Schekelzahlungen, daß der Gasam und der Arbeh, der Jelek und der Chaziel sich gütlich tun im Lande! — jarnm 'a'2 D8i D2’a*a nm nnvn Ist wohl solches in euren Tagen geschehen oder in den Tagen eurer Väter? Also fragt Äoel, der Prophet. Und sind wir selber so ganz ohne Schuld daran, daß das Unerhörte, Unglaubliche in Erez Jisroel Ereignis werden konnte? Wer wars denn, der zuerst denamn m-nsn in der Sphäre der Thorawahrheit unmöglichen Gedanken konzipierte und propagierte, daß diese Thora- Der Israelit Blätter Wahrheit dort, wo abtrünnige Söhne des jüdischen Volkes sie zu einem Parteibekenntn i s degradieren, im Interesse und zum Wohle des Ganzen mit dieser bescheidenen Rolle sich zufrieden geben müsse, sich gedulden müsse, bis ein parlamentarischer Majoritätsbeschlußihren Einfluß erweitert und sie aus einer Religion der auf sie Eingestellten, der auf sie Reflektierenden gemäß ihrer eigenen Verfassung zur magna charta der jüdischen Gemeinde, der jüdischen Gemeinschaft, des jüdischen Volkes erhebt? Ist die zionistische Krankenhauspolitik, in einem trefo geführten Krankenhause nüx an orthodoxe Reflektanten rituelle Speisen zu verabreichen etwas anderes als eine konsequente Durchführung jenes unseligen Zwittersystems, aus dem die Ideologie Vakanzliste der Stellenvermittlung der Agudas Jisroel Jugendgruppen Berlin. 1835 Metalle 1 perfekte Stenotypistin mit englischen und französischen Sprachkenntnissen 1858 Kurzwaren engros 1 Lehrling 1874 Felle und Rauchwaren 1 perfekte Buchhalterin mit Stenographie und Schreibmaschine 1879 Konfektion 1 Lehrling 1880 Metalle 1 perfekte Stenotypistin mif englischen und spanischen Sprachkenntnissen 1906 Schuhmacherbedarfsartikel 1 Lehrling Volontär 1905 Textil und Futterstoffe 1 Anfängerin 1921 Strümpfe Engros 1 Anfängerin 1914 Kindergarten 1 Kinderfräulein zur Aushilfe 1920 Metalle 1 perfekte Stenotypistin 1923 Haushalt 1 Stütze 1925 Damenkonfektion 1 selbst. Zuarbeiterin 1926 Kurzwaren und Scheuertücher 1 Reisender 1927 Rohwolle und Wollabfälle 1 junger Mann aus der Branche 1927 Jugendhein im Harz 1 Köchin (streng gesetzestreu} 1805 Hotel in Eisass 1 perfekte Köchin für die Sommersaison 1898 Wein u. Spirituosenhandlg. j Oberpfalz. 2 Provisionsreisende Reflektanten wollen sich bitte an die Stellenvermittlung der Agudas Jisroel Jugendgruppen, Berlin N. 5-1, Rosenthalerstraße 58 wenden. all jener Trunkenen erwuchs, die in liberal oder zionistisch geführten Gemeinden und Organisationen die Fahne der Thora , entrollen und dieses Moratorium der Thoramonarchie gar noch als ein wundervolles ovn tzmp empfinden? Und ist diese Forderung, D'NXii B'Tirp als Volljuden anzuerkennen, etwas anderes als eine logisch durchaus haltbare und berechtigte Fortführung des Gedankens, daß im neutralen Rahmen eines allumfassenden, begrifflich ausgehöhlten Judentums da's Maß der Verpflichtungskraft des Thoragesetzes dem religiösen Belieben, der religiösen Einstellung jedes Einzelnen in Israel überlassen werden muß? Was heute an Schmähungen und Schändungen der Thora im zionistischen Palästina geschieht, das Unglaubliche Niegehörte, was im Lande die Hirfchowitz und Ben-Awi tun und treiben, schreiben und fordern: — Giftsamen sind es, die aus der trunkenen Golah der Wind nach Erez Jisroel verweht hat, die dort in einer von tausend Gegensätzen, Leidenschaften, Fanatismen überhitzten Atmosphäre einen fruchtbaren Boden finden, wo zu den widerlichsten, abstoßendsten n'P’iTBK -Blüten gedeiht, was sich bei uns im Galuth — in unserem vonm^ und mmx triefenden Milieu — als harmloser „Kampf der Geister" plakatiert. Wäre es nicht an der Zeit, daß wir alle, alle aus unserer Trunkenheit erwachen, weinen und — handeln? Unsere Gesinnungsgenossen in Erez Jisroel, die einen Kampf kämpfen, einen solch großen, harten und schweren Kampf, wie wir ihn niemals zu kämpfen hatten, sie schauen aus uns und sie erwarten von uns, daß wir ihnen aus den gleichen Ländern, aus welchem die ihnen vom Wind herübergewehten Giftsamen stammen, Saaten der Hilfe, der Stütze, der Heilung senden. Wahrhaft ergreifend und erschütternd ist es, mit welch tiefer Innigkeit, mit welch rückhaltsloser Ehrlichkeit die palästinensische Orthodoxie ihrer Schicksalsgemeins ch a ft mit u n s e re r deutschen Orthodoxie in diesen Tagen der Not sich bewußt geworden ist. Die aus dem Waad Leumi Ausgetretenen, die O’SSY» wie sie sich nennen, die anrer* unrnbte im Strahlen der Frühlingssonne zur Freiheit Auferstandenen, veröffentlichen ein Schreiben des Chofez Chajim, in welchem diesen heilige Greis, iwip 8no dieser i'nua Vnan jrD im Geiste priesterlicher Reinheit und Wahrheit jene Brüder in Erez Jisroel mahnt, auszutreten aus der Gemeinschaft des Waad Leumi ibip WnnnV rn mson mpaa pmnrfti 'D*p bv ‘pnrr sich fernzuhalten aus einem Kreise, wo sie als Mitglieder nun mitverantwortlich wären für die Entweihung des göttlichen Namens, die dort geschieht. Im Anschluß an dieses Schreiben des Chofez Chajim wird ein Brief des Rabbiners Elchanan Wassermann in Baranowitsch veröffentlicht, der folgendermaßen lautet: qv'Z H ,T3 fsn* byn irm p'o oy vna*7 orn rmsV binm nsa ’nsrac? *W8 r>8 r\"db spts aasi 'X"ü->bw "D^n ibizns 'b"xr wn nin nm niv ’D 'b"sn irm lunp DA 'ini'naa nv'^sn D8 V*»sn nm 'D’tpsnna •pXP '8"S?’T TP8 83’py ll'Dia 2N2a N81ll> 'b “1D8 •D’wsnna ^nann1? „Gestern sprach ich mit dem Chofez Chajim. Da will ich denn mitteilen, was ich aus seinem heiligen Munde hörte. Er sagte, daß Rabbiner Hirsch b"M mit seinem Austritt recht gehandelt habe, damit habe er die Rettung des der Thora verbliebenen Restes in seinem Lande vollbracht. Ferner sagte er zu mir, daß er ein Schreiben von R. Akiba Eger V'XT gesehen habe, worin er den Austritt als eine Notwendigkeit erklärt." Wachet auf, ihr Trunkenen und weinet! Weinet über die Trunkenheit, die auch das Selbstverständliche in ein Problem verwandelt hat. Weinet über den Haß und die Verblendung, die euch seit einem halben Jahrhundert die Klarheit des Blickes trübt und euch hindert, einzusehen, es zu verstehen und darnach zu handeln, was dem reinen Gemüte eines heiligen Geistes als eine bare Selbstverständlichkeit erscheint. Weinet über die Kluft, die unsere eigenen Reihen in zwei Parteien auseinanderreißt. Weinet über die verlorene Zeit, die ihr ungenutzt verstreichen liehet, ohne das eurige zu tun, das heilige Land vor dem Vernichtungszug der Heuschreckenschwärme zu bewahren; über die verlorene Kraft, die ihr an Kämpfe der Selbstzerfleischung verzettelt habt, statt sie für den gemeinsamen Aufbau des heiligen Landes im Geiste der Thora zu verwenden. Ueber das verlorene Geld, das nichtigen Zwecken zugeführt wird, statt es für die Stärkung der agudistischen Arbeit in Erez Jisroel zu verwenden. Weinet, weinet — handelt und laßt eure Brüder