Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1927)
- Date
- 1927-10-10
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Oktober 1927 Der Israelit Nr. 41 Sitte 23 a?s euch gu ignorieren. Äöer festgeste!lf sei es, daß Maimon i d e s nicht genannt worden, von dem die Scholastiker insgesamt, speziell aber Thomas von Aquino gelernt haben (s. Guttmann über die Spuren des Mairnonides in der philosophischen Literatur im Sammelwerk über den Rambam, Ausgabe der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Wissenschaft) oder G a b i.r o l, dessen ^1j?ü ' als fvns -Vitae ein - scholastisches . Werk geworden ist. - llMrmlDt Ul uns bWs ToWwMM De jüdischen Denker nicht. Wer das Werk von Stef fes liest, soll den Eindruck haben: die Juden ha ben zur Aufklärung des Wesens der Religion nichts getan. Was sollten auch Juden von der Religion ver^te^en? Sv las ich jüngst ein Buch von Eduard K ö nig (Hermeneutik des alten Testaments, Bonn 1916). Es gibt zuerst eine Geschichte der Auslegung des Tnach und dabei als erstes Kapitel: Geschichte seiner Auslegung bei den Juden, m wird von taimuöifcfier, midraW scher Deutung gesprochen,^ Raschi, Jbn Csra und Kimchi genannt, dann die philosophische und kabbalistische Auslegung. Nun kommt die neuere Zeit feit Abarbanel, der zuletzt genannt ist. Welche Ei?§lärsr hättsn die und staune! A. B. Ehrlich mit seinen „Randglossen zur hebräischen Bibel" und Ludw. Levy „das Buch Koheleth" 1912. Das ist alles! Kein Malbim, kein Mecklenburg ^nukein S. R MM ttin Lugöttvi trn Stur, lein L. iyvff? mann! — um nur einige zu nennen. Dabet ist Ed. König ein hochstehender Mensch und Gelehrter Wir verlangen nicht ,daß er jüdische Kommentare goutiert. Er mag sie wissenschaftlich in Grund und Boden verurteilen. Das wäre sein gutes Mlhi. Wer Mö EWchtö dök AuMMg'dök Bibel bei den Juden mußte zunächst die uns gebräuchlichen Erklärer nennen. In jeder jüdischen Buchhandlung hätte man es erfahren können, welche Kommentare heute bei den Juden gelesen und studiert werden, -sicherlich nicht Ehrlich oder Levy. Un. her nefigerr Literatur, die von Juden für Juden auf bibelerkltzrerischem Gebiet geleistet worden -ist, geht ein Ed. König mit .Stillschweigen vorbei. Das kann . kein. Zufall sein. Selbst bei Franz- Delitzsch 'hätten er/ irn Jesajaskornrnentar Leipzig 1878 WM) Malbim und Luzatw genannt, und als feinsinnig, gelehrt und überall anregend charakterisiert finden können: Aber er glaubte offenbar,. Schweigen ist Gold, besonders wo es jüdische Erklärer betrifft: Was verstehn wöPiuk Men MH von Der mtl? Das ist nicht ihr Gebiet; das ist lediglich Sache der protestantischen Theologen. (Fortsetzung folgt.)- van der Mbslttilik. Man kann der Bibelkritik der Gegenwart keineswegs den Vorwurf der Ungründlichkeit machen, nämlich des zu flüchtigen Eingehens auf Einzelheiten: eher würde man das Entgegengesetzte bemängeln, das zu starke Haften an Nebendingen und das zu weitgehende Folgern Ms WM: : . . .. . .; . Wenn Kürt Wiese *) in der „Literarkritik des Buches der Richter" sich von der' Vierquellenkritik Wellhausens, also von-einem Prokrustesbett losmacht, in welches die gesammelten biblischen Geschichtsbücher eingespannt werden, so kann man ihm für diese Kühnheit nur dankbar sein. Aber was tauschenwir dagegen hei ihm «in? SCn Qfllgentetrt-artsc^nuting irlü nun der Kampf um die Einzelheit und das Zerdehnen eines jeden Bestandteils in die weitgehendsten Erwägungen. Dabei gewinnt der Kritiker Raum, fast jedem Satze gegenüber seine Zweifel und Bedenken auszusprechen und dennoch die dadurch angegriffenen Bestandteile mehr als ft M UE ZU kMStM. MltzM 12 Mb 15. halt Df. für M®. UißeftcmöMlB des Buches, für einen Roman — ohne Empfindung dafür, daß ■ man hier, gerade dichterisch betrachtet, stets das Heldenbuch Israels gesehen hat, 'das der jüdische Volksgeist in seiner Fülle mit dem kräftigsten Inhalt versehen hat. Und in dieser Vollkraft liegt der prophetische Inhalt und die prophetische Gläubigkeit. Da kornint mint Mit tiöertzrö^eb ssleinlichkell leicht jur SeTn>u|i«n0 ppj» völligen Verkennung des Inhalts. *) Studien zu Ezechiel und dem Buch der Richter. Von Lic. theol. Kurt Wiese und Lic. theol. Siegfried Sprank. IV und 74 und 61 S. 1926. Kohlhammer, Stuttgart. Äenn die Frau des Manoach sagt; „Ich habe ihn nicht gefragt, wer er sei, und er hat mir seinen Namen nicht gesagt", hält dies Bf. für eine überflüssige Ueberleitung und vergißt dabei, daß der Stempel des Geheimnisvollen und Wunderbaren hier auch in Nebenzügen dsrn Ganzen nicht verloren gehen darf. Sirnscirr ruft in stiMW ihm nM iWimal zu Helsen." „Als wenn er gewöhnt wäre, sich immer an Gott um Hilfe zu wenden." Hat er gar keine Empfindung-für den Helden, der inffeiner Erniedrigung, in seiner tiefsten. Not' sich an seinen Gott wendet, und "et will dem Ganzen dies erschütternde Bild als im Widerspruche damit rauben, unb Betet <Stmfon nicht, da es ihn dürftet uni Wr auf fein <3sbst yeroorörichi? Wenn Vs. alle Hinweise aus das Nasiräergelübde darum für späte Einschiebsel hält, weil mit-Ausnahme der Einleitungsmahnungen an Manoachs Frau und an Manoach selbst weiter auf das Gelübde nicht eingegangen wird, so müssen wir vergessen, daß dies Gelübde mit seinen EingMMll iM W gkgkNMkk MkjkiMiZ Bteffifll Mll: sonst wäre jo die Schürzung des Knotens in der Geschichte selbst gär nicht möglich. Nasirbezeichnungen muß auch gerade der Bibelforscher als alt und echt anerkennen können. Amos selbst tadelt die Gegner des Nasiräertums, das er dem Propheten gleichstellt; in Echa wird um das Schicksal der jungen Nasiräer geklagt — also stk kssEn den Zntzalt der Mbes ggflß, Wir wollen Dem Bf. durchaus zugeden, daß er große Mühe, Geist und Scharfsinn angewandt hat. Aber es ist der Scharfsinn, der durch seine Geistreicheleien dem Text seine Färbung nimmt und diesen alten und einfachen Gebilden den Geist eines ihnen fremden Zeitalters ein- WUKk. Was MöMMs Tpmuks MuMn zu Ezechiel *) anbelangt, so veranlaßt ihn schon sein Gegenstand, nicht über Einzelheiten hinwegzusehen, und so kommt er dazu, sie in aller Breite zu' behandeln. Wir müssen sagen, in zu großer, ermüdender Breite, die kaum ein bescheidenes Ergebnis trotz aller Bemühungen zuläßt. Run könnte MMMr uns lurufßii: BMW such doch, mix auf Meinem einsamen Wege zu folgen. Da kommt über ein zweiter, größerer Fehler hinzu: Die Bibelsätze werden hier nicht in ihrer Reihenfolge behandelt, sondern in buntem .Durcheinander, und dabei wird verlangt, daß wir die auf diesem Wege erlangten Ergebnisse anerkennen. Das werden wir nicht zugeben, son- Mn WM dM vWllch vMMMN MMl WIM. wir besonders geklärte Kommentare wünschen oder lieber — gar keine. Rabb. Dr. L. A. Rosenthal. Rabbinische Zeitschriften. Lik hslESk.und «gadischk DiZMWn. kin Mir verstundlichös Lövensdedurfnis Uy thvrarundigsu Krsiss des Ostens, hat sich in einer ganzen Reihe von mehr oder minder .regelmäßig erscheinenden Zeitschriften einen literarischen Ausdruck geschaffen. Leider setzen , alle diese Zeitschriften einen starken Idealismus bei ihren Herausge&ern voraus; meist jtecten sie i^r (Jeltz hinein und mahnen vergeblich zur > pünktlichen und regelmäßigen Abonnementszahlung. Bon der im dritten Jahrgang Gehenden Zeitschrift a->m" -ran (Herausgeber Rabbi Jgn. Klein in Satu-Mare (Szätmar), Rumänien) liegt uns das 2r.--Heft oyr; es enthält ausschließlich aga disches Material zu den Wochenabschnitten, auch eine ^üdif^-deutst^e" Erklärung. — Navbi djlttim § 3 Ti dau in Geini '(Rumänien) gibt"'unter"dem Titel B'-is« ’siap eine Zweimonatsschrift heraus, die zum Teil Halachisches behandelt, zum größeren Teil ebenfalls homiletisches Material bringt. — Reichhaltiger und von gediegenem Inhalt ist die Monatsschrift ^ns (2. Jahrgang, Sirvan-Tarnus-Hsft, Herausgeber N. Pin- Häs Her st st m Pvienj, Äk Iringi U, unveröffentlichte Anmerkungen von Rabbi Akiba Eger zum 'ibbi auch halachische Erörterungen und Fragen von Jefchiwa-Bachurim und jüngeren Lernbeflissenen. Originell ist eine Art halachischer „Rätselecke", die viel Anregung bietet. In Deutschland abonniert man bei S. Bengis in Lappienen (Ostpr.). grehung-en gesunden, wenn auch noch so entfernte, von den ältesten Zeiten, bis auf die Gegenwart. Vielleicht geht der Verfasser in der Liebe zu seinem Gegenstand etwas zu weit, wenn er jede Büste eines römischen Kaisers erwähnt, der irgend etwas mit den Juden ' zu tun hatte, oher die Apostelstatuen und die den Aposteln ^e^er^len Kirc^en^ »»eil die erflen B^-stren^r ' stes Christentums dem jüdischen Stamme angehörten. Dafür find aber die daran anknüpfenden Anmerkungen und Erläuterungen so belehrend, daß man auch diese Hinweise nicht missen möchte. Ueberhaupt ist das Buch, ganz abgesehen von den überaus fesselnden Einleitung, so geschrieben, daß auch derjenige es mit Genuß nnd Imterqfe lrftn wirb, brr noch nicht in Nom war, für den jüdischen Romreisenden sollte es aber zu den notwendigen Reiseutensilien gehören. Druck, Papier, Einband und Abbildungen sind vorzüglich und vor allem handlich für die Reise und es ist nur zu wünschen, daß bald andere Städte und Bezirke einen ebenso gelehrten miß MMUss MMklkr Mkk LkzikßMW m Dm Juden finden. S. Schw. ovn lovi ,mio»n iD’swm 'ai 'vi's ns? D'a-csv Budapest 5687. Selbstverlag des Verfassers Rabb. Jonathan Steif, Dohani utc. 28II em. 21. Das vorliegende erste Heft des groß angelegten Worfts umfGit MO mtm unD Doimßt sich ikvOm nu? rnik die ersten 34 Verse der Thora bis bvi>» -r->a- Hieraus schon läßt sich die Reichhaltigkeit des Inhaltes ermessen. Es werden nicht nur die^Talmude und älteren Midraschim ausgeschöpft, sondern auch der Sohar, Sefer Jezira und eine Reihe kabbalistischer Werke, alles mit ZlMllch Mgöhgnklüm KüMMLkffsx. Mr> «sch taiüs!» schürfen will, findet in den reichhaltige Quellenangaben. Das erste Heft kostet broschiert 3 Pengö (etwa Mk. 2.20) und ist vom Derfasser zu beziehen . Das Ehe-Buch. Eine neue Sinngebung im Züsammenklang der Stimmen führender Zeitgenossen. An- PFfgt «ne ßktkilZskgkßkll Don Graimrmailll Keyserling. Niels Kampmann Verla g , C e l l e. Es bedürfte einer ganzen Abhandlung, wollte man die sich kreuzenden, negierenden, ergänzenden, bekämpfenden Anschauungen dieses 428 Seiten umfassenden Bandes nur skizzieren, geschweige denn gar mit zustimmenden oder avle^nenden Nanvbeinerkun^dsi Wir müssen uns hier daraus beschränken,'kurz den Tdtaleindruck wiederzugeben uzM wenige Einzelheiten herauszuschälen. — Das Buch^lst..ein Zeitdokument ersten Bücherbesprechungen. Roma Israelikica. Wanderungen eines Juden durch die Kunststätten Roms. Von Ermanno Loevinf ott, Frankfn r t <t. M., I. ® f m o.n n D3eri«8( imx L«. I Hf., sö? G. «. 16 Abö. Als sich vor etwa 20 Jahren zum ersten Male eine ausschließlich aus Juden bestehende Gesellschaft in her Art einer modernen Reisegesellschaft nqch Erez Jisroel begab, war einer der Gründe für dieses Unternehmen, daß Cook und die anderen Veranstalter non Gesellschaftsraim Den jüdiMn TkilMdmem mm das' SotM/ maß iL tzsMüsrs inisrsssisrtö. Auch M Michr» Misthändlücher erwähnten von jüdischen Dingen nur das, was eder Reisende gesehen haben mußte. Wie nun jenes erste reinjüdische Reiseunternehmen bahnbrechend wurde Är spätere ähnliche Reisen, so wird auch das vorliegende Werk zweifellos den Anstoß geben für eine neue Art Reisehandbücher, roie sie jeder jüdisch Interessierte ans VW 9WiW miinkhmkn wWb, unh. jeVer noch nicht so weit Interessierte mitnehmen sollte. Dem Verfasser schwebt ein jüdischer „Baedeker" vor und er beginnt die Reihe mit dem ihm lieben und vertrauten Rom. Mit einer.erstaunlichen Fülle von Wissen um Jüdisches und Römisches begleitet das Buch den Wanderer durch die Ewige Stadt. Ueberall werden SSe= Ranges von bleibendem Wert. Jtz ihm unterhalten sich in freier Aussprache, zu der Äei weise und' gastliche G ras Keyserling sie eingeladen hat,' Gelehrte der vers^iedensten Gattungen — PhilofoEen, PsycholllllllyMer, KulkurhistoNkei, MWlylsforMr llsm. — und selbstschöpferische Persönlichkeiten, über eines der brennendsten und zukunftsträchtigsten Probleme der Zeit: die Ehe. Die Mannigfaltigkeit, - Erlefenheit und Jnternationalität der Mitarbeiter ermöglicht eine vielsett^ge, teils auf Tatsachen, teils - auf Wunschbilder <jefi»VW Us PrvöWms, bie bU vom Herausgeber verfaßten zuweilen etwas ffchwerkälibrigen umrahmenden Abschnitte vorteilhaft durchbricht. Alle Beiträge sind edelgedacht und edelgeformt — mit Ausnahme des doch wohl etwas zu burlesk geratenen und auch ethisch stellenweise anfechtbar seltsam zugespitzten von Thomas Mann, der den oon |eXb|t befürcijtieteii Ordnungsruf verdient. Allen Aufsätzen eignet auch das ernste, und pflichtbewußte Bestreben nach Erfassung, Vertiefung und Lösung der; Ehefrage. Auch hier muß eine Ausnahme konstatiert werden, und zwar mit besonderem Bedauern, weil sie den Referenten betrifft, der vom jüdischen Gesichtspunkte aus berichten ffllüfl. Uns dünkt sSM MftndlUttZ ÜbZr Me He als Geheimnis und Gebot" mehr ein Stück Spiegelfechterei und Spiel Mit Worten, die um das Wesentliche herumschleichen, als eine doch wahrlich nicht zu scheuende freie und offene Darstellung des jüdischen Eheideals und der jüdischen Ehegestaltung. Es ist schade, daß die selten günstige Gelegenheit verpaßt wurde, diese einem zwei MmisphäkM umsüssMdL» üsssskttir —> m Amerika sind in kurzer Frist allein 8000 Exemplare des „Ehe- Buchs" abgesetzt worden — vorzuführen. Außerdem hätte sie vielfach klärend, schlichtend, befruchtend, ja erlösend auf die Wirrnisse der Gegenwart einwirken könnend Nebenbei bemerkt, ist Keyserlings Meinung, her Äntor dieses Artikels fei der Veffa^er der besten mvbkrnsn Tchriston über ben Geist des Alten Testaments, eine irrige, dieser Ruhm.Kbührt, wenn er auch als Mitarbeiter nicht in Frage, kam, da er nicht mehr unter den Lebenden weilt, unstreitig Samson Raphael Hirsch, was ein nichtjüdischer Popularphilosoph und Jurist, C a r l H i l t y. in seinem vormals vielgefeierten, Mt leider zu Unrecht ziemlich osrschollsmtt Luchs „Glück" äüch öfl stärk tzelonl hat. -Für eine zu erhoffende zweite Auslage wäre wohl Josef Wohlgemuth in Berlin der richtige Mann. Der Keyserling stets durchpulsende Drang nach Höherzüchtung der Menschheit führt ihn manchmal zu einer gewissen Unduldsamkeit, zu einer mangelndeü Beoücksrchtignn^ deo bock/ immerhin oor^«Ndenen mensk^- lichcni Schwäche und Unzulänglichkeit. Wohl ist das der Fehler einer Tugend, bleibt aber Fehler. Adligste Menschlichkeit läßt sich nicht im Handumdrehen auf Flaschen ziehen und unantastbar robuste physische Kraft darf nicht unerbittlich alleiniger Maßstab für. die Ehechließung sein, wenn geistig-seelischer Hochglanz sie ausgleicht.