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Der Israelit · 1927-10-10 · Heft 41 (10.10.1927) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 41 (10.10.1927)
Date
1927-10-10
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 2t Nr. 4L Der! Israelit 10 Oktober 1927 mäß. Die Transzendenz der Offenbarung rverst der wmiansntön VöWWst nur? Zen Weg über sich selbst hinaus, beschwingt ihren Fuß, daß sie die unbekannte Straße in die Unendlichkeit einen Schritt weiter gehen kann. Uber niemals werden wir, zur großen Reife in die Geheimnisse Gottes und söttm OffSNbMttZ, Vernunft Valet sagen. Auch der Ausgangspunkt für die Notwendig-/ keit einer Offenbarung, ihr „Ort", wie sich Brunner ausdrückt, ist für den Juden ein anderer. NW Öle LMWML als ZHuWMWssin, Zit Sühne- und Erlösungsbedürftigkeit macht uns das Licht und das Eingreifen des Himmels zur Notwendigkeit, sondern die Frage vom Sinn und der Aufgabe unsres Daseins, von unfein gegen Gott und ffiUTlftQ; s. v. v. den Plänen, die der Schöpfer mit unsrer Schöpfung verfolgte, zu entsprechen, die sind uns der „Ort", die Stelle für die Unentbehrlichkeit einer absoluten Antwort, weil wir sonst in den Möglichkeiten der Vernunft immer hin- und kjkkschMMn mllWir in ftßtor IUWWiMz den Wert unsres Tuns und Lassens blieben. Noch so gute Absichten würden uns nie über die Gottgefälligkeit unsres Tuns versichern. (Kusari I, 1.) Die Sühnebedürftigkeit und Lebensnot Slltstsht IMs eH m bxr TrEsnntnls von der größeren oder geringeren Unzulänglichkeit gegenüber dem Ideal unsrer Seinsgestaltung, und die Sühnegewährung hat für uns nur und lediglich den ßinn, daß wir nicht wegen begangener Jrrmm in unsrer LMnngsfgWkmt für die Aufgabe unsres Lebens eine Einbuße erleiden. Einen Kompaß brauchen wir für unser Leben, eine religiös-ethische Orientierung, nicht ein Quietiv. So ist für uns das Wesen und das Ziel der Offenbarung ein andereg als für. Bia RaliziMWrfsM Brunners, und bleibt es selbst gus die Hesahr Hin, daß wir vor Brunner als verweltlicht" gelten sollten. Aus der Auffassung Brunners vom Charakter der Offenbarung folgt auch für ihn, daß die Religions^hilosophie nur gl§ „Mlinmöglichkett" feines Maudens, gelten darf. Der Nellgionsphilosoph weiß grundsätzlich nicht mehr als jeder.einfache. Gläubige, nur weiß er es in begrifflicher Schärfe und im Zusammenhang mit dem Bernurrftrvisten seiner Fest. Bis NM meinen. «not voem vergimrst,ist, aufZUsteigett auf den Stufen der Weisheit, daß sein Herz es erfaßt und fein Auge es sieht in unwiderleglicher Beweisschgrfe, daß sein Glaube Wahrheit und Klarheit ist, nur der hat des Glaubens Gebot richtig erfüllt. Heil. wer Bazu fähig ist" Mrftr Ächmu-l, GcB->t . In nicht ganz so scharfer Gegensätzlichkeit zu uns steht die Art her katholischen Religionsbegründung. Das Buch von Przy w ar a, das zwar sehr schwer lesbar ist gegenüber der klaren DarjMimg SrimnoM, ist in stimr? LmlinsGrung sehr mteressant. Es redet von einer „natürlichen religiösen" Begabung neben einer übernatürlichen — deren Inhalt allerdings für uns nicht übernatürlich sondern widernatürlich, nicht supra rationern, sondern contra rationern ist — gesteht zu, daß „Gott durch das natürliche Licht der Ratio, sicher erkannt werden kann" (S. 31), und will die Gegensätzlichkeit von beiden Erkenntnisweisen nicht zuspitzen, sondern ineinander allmählich übergehn lassen, indem letzlich ja auch die nnttirMo als ilUmalwlify Hin? durch die aus seiner Transzendenz heraustretende Selbsterschließung Gottes möglich ist. Das Meisterhafte der ganzen Architektur bei Przywara ist die einheitliche Ableitung aus einem Grundprinzip, der sogknsnnten snoloLs m isi Gott, noch Wirkttchkste und WöföN von der Welt unterschieden und über alles, was außer ihm ist, unendlich erhaben, hat zur Offenbarung seiner Vollkommenheit im Gleichnis geschöp flieh er Vollkommenheit die Schöpfung erschaffen. Gott und Geschöpf find naher Männer ähnlich, absv in dieser Aehnlichkeit völlig unähnlich." Aus diesem Obersatz folgt die ganze religiöse Auffassung des Katholizismus. Man" sieht, daß diese analogia entis, vom Judsnturn aus gesehen, eine Verkennung- )§§ grifts der GottesebmHÜdlichkeit, darstellt — siehe zu dessen Verständnis More Newuchim I, 1^.^ Die Schöpfung ist für uns wohl eine Gottesosfenbarung, die Himmel rühnren des Ervigen E^re^ aber nrernals ss^ g^- schopfliche VoMvmmeuyeu ein Gleichnis, der göttlichen. , ’th nov 'rf? ‘P'UP PNV3 '2 Denn wer in den Himmeln mag sich Gott als Gleichnis zur Seite stellen, sich als ähnlich Ihm hWichmn mm ösn Mächte? Wef^n ist der Mensch ein Zelem Elokim, insofern er im Gegensatz zur übrigen Schöpfung ein sittlichgeistiges Wesen, ein Beseeltes ist, in nichts mehr. Przywara vermag nun durch die Formulierung der MRLgis knttZ ÄLk Pronleme M katholischen Auffassung, alle „Spannung" von Immanenz und Transzendenz, von Individuum und Gemeinschaft, von Leib und Geist, von Gott und Welt, von Natur und Uebernatur ,wie von Freiheit und Gnade zum Ausgleich zu bringen. Aber es ist völlig klllk, WSSUN die Gefolgschaft verweigern müssen. Wir können die analogia entis uns nicht zu eigen machen, trotzdem sie „nach oben offen" ist, d. h. Gottes Freiheit und alleinige Aktivität gegenüber aller Kreatur, seine Unäk^n- W der Aehnlichkeit betont wird. Für uns gibt es keine analogia entis; die Welt ist nicht ein Gleichnis der göttlichen Vollkommenheit, sondern nur ihre Wirkung, ihre Ausstrahlung, so wenig wie das Blattgrün ein Gleichnis Deriöome, ein öaua ain lölmchniL dsv msttschlichen Vollkommenheit seines Erbauers ist, ja sowenig ein Schüler ein Gleichn.is der Vollkommenheit seines Lehrers ist. Und wenn auch alles Vergängliche zum Gleichnis und Symbol werden kann, so doch nie zum Symbol und Bilde Gottes, f8 Witter nur für den Ä^enflften zum Symbol seines Erlebensferner Hoffnungen, Strebungen, und Ideale. , . Wie Pzywara mit Hilfe der analogia entis dem Reichtum der seelischen. .Einstellungen, der Fülle der Wirklichkeit Mkcht WMllkN will? so wm Brunner in Analyse jener. Erstellungen ihr relatives Wahrheitsmoment, feststellen, um aufzuzeigendaß in der echten religiösen Auffassung sich alle Einstellungen zu einer --paradoxen" Einheit ^usammensiuden. Di^sx Gjuhkil erscheint llllZ zwar gar nicht paradox, sie hat in sich animomistische Elemente, sie ist aber so .wenig paradox, wie unser Seelenleben selbst,'wo Beharrung und Entfaltung, Treue üitö Wandlungswillen, kritischer Verstand und gefühlsselige Schwärmerei, CUfuchi imB EsWOjM cintrachtiM zufammenwohnen können. In . diesen Darstellungen der verschiedenen Richtungen und ihrer Berechtigung liegt für uns der Hauptwert beider Werke, wenn wir auch hierin im einzelnen manches nicht akMtmgn. Für Leser, dieser Zeitung kommt ein andres Werk viel mehr in Betracht: der IX; Band der philosophischen Handbibliothek I. P. S t e s f e s Religio ns philos ophie. . Kösel und Puste i , M ü n ch e n 1 9 2 5. Das ist das Buch eines abgettärten ruhigen Denkens, das den Außenstehenden in. das Wesen.der Religion einführen will. Es verzichtet zumeist auf. spezielle konfessionelle Färbung. Es untersucht „die religiöse Funktion", die Phänomenologie der Religion. Es will ksm rstisrrrUs Schema, bas bU „geheimnisvollen Momente der Religion verletzt und ihr Leben ertötet". Und dennoch soll „im Interesse, der religiösen Wahrheitsfrage" sie streng logisch fundiert werden. Es ist ein Buch von um- Mlenöer' Kenntnis der GWsslogs Dop SsZsn- *) Z. B. Brunners Auseinandersetzung mit dek Orchodoxie und der Bibel. Für ihn ist die. absolute I n - kongruenz zwischen dem Wort, und dem m ihr enthaltenen Offenbarungsinhalt ausgemacht. Dadurch w.ill er sich die Freiheit der Bibelkritik sichern, der Bibel, die „von Wrderf^rück-en roimrnele.^ Wif fflfl JlWt um Uefe Ülusfusiung, möchten ihm nur dekenmn, daß es in unsrer Bibel nicht von Widersprüchen wimmelt, sondern von Problemen, die sich.aber aus ihr selbst lösen, und sich grade deshalb, als Probleme darbieten, weil sie so erst die Problematik die Lebens in rkchtige Licht setzen und zur Ueberwindung bringen. WSttr Me M Mömungsn und EMWgen. selbst die der Neligionsfeindlichkeit, kommen zü Wort und erfahren eine , kluge, leidenschaftslose Wertung, Einschränkung oder Zurückweisung. Ein edler zurückhaltender Stil macht die Lektüra genMM nie UMisichtlichkM m Up GPnÄiZ- Positron sowie die Register machen die Benützung handlich und bequem. Einige. Sätze zur! Illustrierung seiner Eigenart: (^.14.) Die Rel^ivn P gM M M MWM ■<*m »lvhs Denksunmon oder ein Wissen, sondern sie ist eine neue Lebenswirklichkeit, eine Formung der menschlichen Totalität von einem überirdischen Kraftfelde aus. (S. 14.) In der allmählichen Ueberwindung des radikalen Positioismus oollführt dsr msnfchNch^ Sinn kim immanente Msisttnrmttnr. ösh« m «J Metaphysik bedeutet eine intellektuelle Ermattung, nicht Gesundheit und Selbstbehauptung. (S. 19.) Daß der religiöse Mensch jede rationalistische Trübung der Religion ablehnt, ist sein gutes Recht. Aber der völlige Ausschluß der Philosophie von der Religion entzieht letzterer zugleich auch den kritifchsn Wertmaß. st«?: mt WWM trennt m VM AgM MZ m\m Dem Irrationalen. Hier aber gibt es keine allgemein gültige Scheidung'' mehr des Wahren und Falschen, des Wertvollen und Wertlosen. Es rücken alle religiösen Jnnenphänomene aus die gleiche unkontrollierbare Stufe. Es löst sich die Religion ins Ehno tische auf. (st: §p:) Die Siröinöunfl von Mieten w& Phil-,. lophiö wird gsforderl von der Einheit des menschlichen Geistes und damit vonder Ernheit der Kultur.. Jedoch „Nur soweit sind sie in Verbindung zu bringen, als die Religion' rationale Seiten hat." (S. 256.) Der Glaube ist eine Funktion des Subjekts. mit der es . sich den Zuguns zurrr veligiöseu Qebeu llög (BfiniQiriöß ßffÄll rnI » überr h ißt , f f i TI Auge in die Richtung der religiösen Tradition l e n k e n, um durch deren Bermittlung zu den großen Gottes e r f a h r.u n g e n der G e m e. i n d e oder der Genien zu gelangen, die nun in der eignen Seele zu per.fönlicheTr.Selbstb e zi e h u ng en zur Gottheit merds n. (Won un3 oefperrtj - - 1 Diese Proben mögen genügen. Eigenartig ist, wie der Verfasser bei der Theorie vom Bösen durch die Lehre von Erbsünde und Sündettfall seinen eignen Standpunkt' als den allein möglichen betrachtet, und das mv jid^ jd^toiertge blem baijer für unlösDctt erklären muß. Dabei wollte er doch die Religion nicht in „dieser oder jener Form", sondern als Menschheitsfunktion in all ihren Gestalten behandeln.! Wo blieb der Standpunkt des Judenturns^ das' von der Erd- (ünbe nichts weiß und 'sie leugnet? ' ' - ' ' Das führt uns zu einer traurigen-Feststellung, die wir von neuem haben machen inüffen: alle Religionsphilosophen und Denker der Welt, die entlegensten und fernliegendsten führt fein LitersMnWweis ans/ nur M gmaltigm WchWW jüdischer Religionsphllosophie, Saadiü,' M a i - m o n i des, Jehuda Halevi, ja selbst aus neuerer Zeit Hermann Eohen, Lazarus, Franz Rosenzweig, sie existieren für ihn nicht, so wenig wie M Münnkk. nnn MZnwam. Wohl orwäynon sis Cohen beiläufig als Kantinterpreten, aber sonst kennt man ihn nicht. Ich will ihm und Przywara nicht unrecht run. Bei den typischen geschichtlichen Formen der Religion gibt Stesses eine kurze, aber gerechte Jtel 8üöenlums; es versteht sich allerdings von selbst, daß dann beim Christentum, das sich „ausreifte, was im Judentum sich andeutete", und die „erdhaften Trübungen" verschwanden, „denen das Judentum erlag". (S. K.) Lner .MZvwam wenn er anfangs dis snslügtü entis des alten Bundes (die gar nicht darauf angewandt-werden kann), als Gottes unbeschränkte All-Uebermacht darstellt, der aber dann sich „Bund — Liebe — Frömmigkeit" der Propheten geselle, sagt; „sg stgtz KZ nur wenig Schritte .zur aualvgia entis des mmvi Vündes." Cs ist das ja immerhin doch,'gegenüber der sonst üblichen Anmaßung der Theologen, eine gemäßigte, vom Willen zur Gerechtigkeit getragene Beurteilung. Aber unsren gxxßku jüdischen NettnwnWhilor ophen gm das Psalmwort: nbnn nwi 7V daß nan von euch schweigt, euch nicht nennen und kennen will, das ist euer Ruhm. Es muß doch in euch eine große Kraft des Gedankens stecken, daß man kein andres Mittel widereuch kennte

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