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Der Israelit · 1927-06-02 · Heft 22 (2.6.1927) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 22 (2.6.1927)
Date
1927-06-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 22 £ i * g b r a c i i r misston zur Weiterführung der Angelegenheit ernannt wurde. Abermals Numerus clausus-Debatke im ungarischen Parlament. Budapest, 13. Mai. Im Rahmen der Beratung des Kultus- und Unterft$!slu&gsls fnm es ijeule im Ä^geordneteuHaufe nach längerer Zeit wieder einmal zu einer Auseinandersetzung über den Numerus clausus, dessen Abbau der Ministerpräsident und der Kultusminister schon wiederholt in getan haben. Abg. Fabian führte in längerer Rede den Nachweis, daß das Weiterbestehen des Numerus clausus nur Dom Willen der SKegierung abtjänge . müsst lich mit der Legende aufgeräumt werden, daß Graf Bethlen den Numerus clausus aufgeben möchte, nur könne er dies, wie er behaupte, derzeit nicht tun. Vor einigen Monaten, z. Zt. der Wahlen, habe man die Abschaffung zum Zwecke des.Wählerfanges versprochen, heute wolle aber niemand etwas davon wissen. Abg. gcibicill reichte einen Bejlhluhcilitrag ein, der Reichstag möge aussprechen. daß der Numerus clausus. dsr non glieder der israelitischen Konfession als ungültig erklärt werde. l!ü8 ntäjl von j$on{e|j{onen jprikhi, sür Ile aller Wahlberechtigten, schritten zur Urne. Die jüdische Wählerschaft macht fast 40 Prozent der Gesamtwählerschaft aus, dennoch haben die Juden infolge der eigentümlichen Aufstellung der Wahlliste, auf welche zahlreiche jüdische Wähler einfach nicht gesetzt worden sind, van den vorhandenen 120 Sitzen nur 27, also 22 Prozent erhalten. Zahlreiche jüdische Wähler warteten den ganzen Tag vor -den Wahllokalen, bis sie endlich erfUflTHI, W D ffllj M LP fpfl. Illf jüdischen Liften entfielen; Rechte Poale Zion: 689 Stimmen, kein Mandar; Jüdische sozialistische Arbeiterpartei „Bund": 19 873 Stimmen, kein Mandat; Hitachduth: 939 Stimmen, kein Mandat; Jüdisch-nationaler Block: 39 392 Stimmen. 13 Mandats; Paale Emuneh Disrael /Ägu^ah-Ärbeiterfchllft): 5822 Stimmen, 2 Mandate; Folkisten jPrilutzki-Liste): 2104 Stimmen: kein Mandat; Linke Poale Zion: 7882 Stimmen, 3 Mandate. Außerdem wurden auf verschiedene jüdische Listen Stimmen abgegeben. Im Ganzen wurden rund 100 000 jüdische Stimmen abgegeben, d. h. 50 Prozent der jüdischen Wählerschaft, während von den Nichtjuden 70 Prozent ihr Wahlrecht ausübten. Von den abgegebenen rund MM Bmmn mm 353m für MW MN; m auf die nicht anerkannte kommunistische Liste abgegebenen etwa 65 000 Stimmen wurden für ungültig, erklärt. Tsehechsslsrvate». Zionistenführer auf der Anklagebank. Preßburg, 15. Mai. Nach längerer Verzögerung gelangte am 4. Mai dis von!??n ^rrcn Dhcrradbincr chtrschlcr und Weber gegen die bekannten Zionistenführer in Prag, Dr. Ludwig Singer und Dr. E. Margulies, angestrengte Klage wegen Ehrverletzung durch die Presse vor einem Prager Gericht zur Verhandlung. Gegenstand der Klage waren Aeußerungen von Dr. Singer und Dr. Margulies, in welchen sie nach der Niederlage der Zionisten bei den letzten Parlamentswahlen in der Slooakei die Leiter der orthodoxen Landeskanzlei der Käuflichkeit und anderer ehrenrühriger Dinge MM M Skr Verhandlung hat der eine Angeklagte Dr. Singer überraschender Weife die Verantwortung für die ihm zur Last gelegten Aeußerungen abgelehnt. Er habe solche Behauptungen, wie sie ihm in der „Selbstwehr" — in dem offiziellen zionistischen Organ — in den Mund gelegt murbett, niemals ausgestellt unb auch niemals geglaubt, Vl^stM NÜckgUg Dl. SMgktS VMb VkN Klägern nichts übrig, als den auf Dr. Singer bezüglichen Teil der Anklage zurückzuziehen. Dr. Margulies bat aus formalen Gründen um Verschiebung der weiteren Verhandlungen. Diesem Verlangens mußte das Gericht trotz Widerspruch der Kläger entsprechen/ Das UvUll im RilüüimoröPrvzef; von Dobriyn. Warschau, 15. Mai. Das Gericht in Rypin hat soeben das Urteil in dem Prozeß gegen etwa 20 Juden und Christen, die der Teilnahme an Tumulten in Verbindung mit der Ritualmordhetze antisemitischer Agitatoren beschuldigt waren, gesprochen. 16 Angeklagte, 11 Christen und 5 Juden. würben zu jt Drei Mmmn (Soranonis mit MnMrungsfrrst verurteilt. Es handelt sich um die bekannte Ritualmordaffäre in Dobrzyn, zu der die Auffindung eines ermordeten Zigeunerkindes in der Nähe des jüdischen Friedhofs Anlaß gab. Antisemitische Agitatoren und die Zigeuner versuchten eine Nitualrnarbschulb zu konstruieren. Die jübijrfp ^<pv?{f?v«ng vvu DvbiWn unD Umgebung lebte tagelang unter beispiellosem Terror. Es kam zu schweren Angriffen, die von den Juden abgewehrt wurden. Schließlich stellte es sich heraus, daß das Zigeunerkind von eigenen Familienmitgliedern wegen der Verbrennung einer Geldnote tödlich mißhandelt und — um den Verdacht von sich abzulenken — auf den jüdischen Friedhof gebracht toorben mar. Das Endresultat der Warschauer Stadtrattvahlen. Warschau, 24. Mai. Das Endresultat der am Sonntag durchgeführten Wahlen zum Warschauer Stadtrat liegt, wie schon kurz berichtet, nun vor. Rund 400 000 Wähler. 68 Prozent Das Dürgerfchaftsgeseh im lettländifchen Sejm. Riga, 22. Mai. Der fertränbtihe f? j ffi Ms m MMlMM zu dem bereits bestehenden Vürge-rschafisgesetz, die von den jüdischen Abgeordneten gefordert wurden, endgültig angenommen. Diese Bestimmungen besagen, daß alle jene Personen, die am 1. August 1914 bereits ein volles Jahr auf lettländifchem Territorium gewohnt hatten und seit 1. Januar 1925 wieder in Lettland wohnen, lettländische Bürger werden können. Somit erhalten die sehr zahlreichen jüdischen Familien Lettlands, die zu Beginn des Krieges von der zarischen Armee ins Innere MWM MMM murDon, Dis lMlMAMu rechte. Das reaktionäre Sejm-Zentrum hat nach Annahme der neuen Verordnung kundgetan, daß es die Initiative zur Veranstaltung einer Volksabstimmung gegen das Inkrafttreten der neuen Bürgerschaftsverordnung ergreifen werde Das Fazit der Ioink-Unterfuchungen in den russischen Kolonien. Moskau, 23. Mai. Herr Felix M. Marburg, der Präsident des American Joint Distribution Committee und Herr James Becker, der eimpige Setter des jfj Anrüsiü' triteBm slllgMvö KuullWvMg? Obwohl will d.M mündlichen und schriftlichen Berichten unserer Dertreter, die das Kolonisationswerk leiten, aufmerksam gefolgt sind, haben wir erst jetzt einen rechten Eindruck von der Größe und dem Geiste dieses Werkes gewonnen. Wir haben die Arbeit in allen drei Kolomsationsdistrikten gesehen und mehr als 40 von unseren 139 Kolonien besucht. Im Oktober merken es ^vn 180 Kolonien jejT|[ si)h§n ötcDlungen in allen Stadien Sek Entwicklung, angefangen von den in diesem Frühjahr begründeten bis zu jenen, die bereits ihr drittes Jahr hinter sich haben. Wir verfügen über 5 tätige^ geschäftliche und technische Organisationen, die die unerfahrenen Stadtbewohner empfangen, sie belehren und im landwirtschaftlichen BstriQÖ UiltßPtöijif'BH, Ihnen Hauser tauen, 2Be-!ngärte^ «Trlegen, Felder bebauen, Molkereien errichten und kooperative Bauernbanken begründen helfen. Unsere Organisationen bleiben mit den Siedlern solange in Kontakt, bis sie unabhängige Bauern geworden sind. Es ist dies der große historische Augenblick, da wir noch mehr Boden erlangen und sortfahren können, deklassierte, beschäftigungslose. entmutigte Menschen AU unabhängigen tüerrt aus eigenem Srund und gy NMitzLN. T0 kühn diese Behauptung klingt, so ist sie nichtsdestoweniger sehr akkurat. Von den Summen, die uns zur Verfügung stehen, hängt die Zahl derjenigen ab, denen wir helfen können. Wir können die absolute Notwendigkeit, die eingegangenen Verpflichtungen amerikanischer Spender zu realisieren, nicht stark genug betonen. wÜs' __3. guut IBS sen uns die Summen zur Verfügung gestellt werden, die uns in die Lage versetzen, unser Programm zu verwirklichen und unser Werk zu vollenden. CUauen. Plan der Mündtotmachung der Minderheiten in Litauers Kowno, 24. Mai. Die Regierung verbreitet eine von sämtlichen Ministern Unterzeichnete Kundgebung an das Volk, in der eine scharfe Tonart gegen die nationalen Minderheiten angejchlM lind g«jogi wird, dies« diirsen nicht weiter eine ausschlaggebende Rolle.im Parlament spielen. Die Negierung wolle durch Verfassungsänderung ein neues WM, m Die WMMg m ID: geordnetenzahl aus mindestens die Hälfte vorsieht. — In eingeweihten Kreisen weiß man, daß das neue Wahlgesetz die nationalen Minderheiten praktisch mundtot mache, da ihre Abgeordnetenzahl von 14 auf 5 vermindert wird. (I. T. A.) Me ZMalenlMihungs-AeMbnuiig in Litauen (etftoetfe anfgeljofceii, Kowno, 21. Mai. In Verfolg der Intervention der Abordnung der litauischen Rabbiner unter Führung des Oberrabbiner Schapiro beim Finanzminister wird seitens des Finanzministeriums folgendes mitgeteilt: Die Verordnung, daß sämtliche jüdische Schankwirte und Sprithändler an den Sabbath- und jüdischen Feiertagen ihre Geschäfte offen halten müssen, damit der Steuerfrskus nicht geschäbigb m«te, mir!? fp(gt ahgeänVcNi Wo m einem Ort auch nur ein einziger von einem Christen gehaltener Schnapsladen besteht, dürfen die jüdischen Schankwirte ihre Geschäfte geschlossen halten. Wo kein christlicher Sprithandel besteht, wird ein Ausweg gefunden werden müssen, daß mindestens ein Schnapsladen geöffnet bleibt. Ein Landesrabbiner für Litauen? Kowno, 29. Mai. üi UM gSi Mal MM in iDirniD W Mmm sttzung des Rates des litauischen Rabbrnerverbandes unter Teilnahme von fünfzehn Rabbinern abgehalten. Es wurde über die Schaffung eines Zentrums für die jüdischen religiösen Angelegenheiten Litauens beraten. Dabei wurde mitgeteilt, daß der Referent für religiöse Angelegenheiten beim SnTTenrmrrijt'eri'um 'etn 5projeTt aus" «muet, wouach Der Kownmr RavMmr als ÄanDeMbbiner für ganz Litauen fungieren und die oberste Entscheidung über Rabbinerernennungien und andere religiöse Fragen haben soll. Gegen dieses Projekt machte sich unter der Führung des Rabbiners von Telcze eine Opposition geltend, die eine Wiedereinsetzung der einstigen Institution des rabbinischen Rates wünscht. Zu leinen! Beschickst fiam es nicht. Eine 316orbnung bes Nabtinernertantes, bestehend aus n>es^ vvu DE Vau und Ianew, besuchte-den Referenten für religiöse Angelegenheiten Weitekeitis und sprach mit ihm über die Angelegenheit des in Vorbereitung befindlichen Religionsgesetzes für Litauen. Sic Liga Der vrikiWn jhiDon für Die in Rumänien. London, 20. Maü Die Liga der britischen Juden nahm in ihrer gestern abgehaltenen Jahresversammlung eine von ihrem Präsidenten Lionel de Rothschild vorgeschlagene und von .Queren W als unterstützte Re^alutian vik orU\ftt)tr öuutn M mit Msslsr EmpökMg vsn den Drangsalierungen Kenntnis genommen, die ihre Glaubensgenossen in Rumänienseitens ihrer Heimatgenossen zu erdulden haben. Die jüdische Religion wird öffentlich verhöhnt, der Patriotismus und die persönliche Ehre der Juden geschmäht, der Pöbel wird zu Pogromen und Morden aufgehetzt, und das Ergebnis ist, daß Gernalttätigkeit und Ausbreitung Ex MfUrkN; MV DfC öuöen soweit tziugesMHMt rmHSN, däß sie bürgerlichen Rechte nicht ausüben können. Die Liga proteitiert dagegen, daß die rumänische Regierung nichts unternimmt, um die Unordnung und die gefährliche Agitation zu unterdrücken und die Heimattreue jüdische Bevölkerung zu schützen, worauf diese laut der rumänischen Sürfanuna unD Mt Don von Rurnörmu titer.

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