Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1927)
- Date
- 1927-05-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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5 Mai 1927 Auch üßi risch» Hu allem anderen kommt in Rumänien für die Juden noch die Gefahr der Massenauswei- -ung. Bekanntlich hat der Innenminister Goga eine beschleunigte Durchführung d.er Volkszählung in Rumänien angekündigt. Die Volkszählung hat die Feststellung der „Fremden" zum Ziele, die — wie der Minister sagte — „repatriiert" werden sollen. Dazu schreibt das in deutscher Sprache erscheillflllDO „LMIHMUl MlllMMtNi?? finb r der Rede des Ministers zwei Fragen aufzürverfen: 1. wer wird als Fremder betrachtet? 2. wohin sollen sie repatriiert werden? Es gibt nämlich in den neuen Gebieten Tausende von Menschen, welche, als die Oesterreichisch-Ungarische | Monarchie bestand, in der Bukowina oder in! Siebenbürgen nicht fremd waren. Ebenso gibt es von Leuten in Veßarablen, rvelche vor dsm Änschlutz dieses Landes an Rumänien nicht fremd waren. Diese Leute haben in den letzten Jahren sich um ihr Staatsbürgerrecht und Heimatrecht beworben. Sie haben es getan auf Grund der gesetzlichen Vorschriften. Run heißt es, daß unter diesen Elementen eine neuerliche Sichtung vorgenommen werden soll. Dieses Schielen auf den Fremden ist eine Quelle der Beunruhigung für viele Menschen. Man weiß bereits heute, wie giofj iie «S&fjl jft, DlO ftDÜ) un Hangen und Bangen leben, weil sie noch nicht in die Staatsbürgerlisten ausgenommen wurden und noch immer keinen Paß bekommen können. Werden diese Menschen als „Fremde" aus ihrer eigenen Heimat „repatriiert" werden? Wenn ja, taucht die ^Jrage auf: Wohin mit ihnen? Wohin soll man stnc rrpatrii^n, kU unZ nirgends sonst ihre Heimat haben? Das kann für viele eine tragische Situation ergeben. Rumänien war früher ein kleiner Balkanstaat, jetzt ist es ein großes Reich. Es hat neue Völker ausgenommen. Wenn es sich-darum handeln sollte, mit dieser Volkszählung etwa eine neuerliche Durchsiebung der Bevölkerung vorzunehmen, so man den Zeigefinger hellen und zur Vorsicht mahnen. Palästina als Land der Wirtschaft. Das Departement für Ueberfeehandel der britischen Regierung veröffentlicht soeben einen Beriet ^>es -28- (Üf-ßfli), H!l6kl018 DtS Zoll-, Steuer- und Handelsdepartements der Palästina-Regierung, über die wirtschaftliche und finanzielle Lage im heutigen Palästina. Die Zahl Der Israelit der Bevölkerung, bemerkte er einleitend, betrug arn 30. April 1926 schätzungsweise 752 268 Seelen,?!**»<* 100 000 llöWlldifchö SQtmüißn kämen. Man schätzte, daß es unter dieser Bevölkerung 528 229 Moslemiten, 100 000 moslemitifche Beduinen, 139 645 Juden und 75 936 Christen gab. Der Rest waren Drusen. In diese Zahl sind die britischen Soldaten nicht eingerechnet. Die jüdische Einwanderung ist ein wichtiger Faktor für das Wachsen der Bevölkerung. Das Land selbst leidet noch am Mangel an Bevölkerung, es ist darum auch unterkultimrL m M an Jtapitai Es matocn M unter der städtischen Bevölkerung moderne Geschäftsmethoden geltend, und es besteht aller Grund, auf eine weitere Entwicklung und auf einen guten Fortschritt zu hoffen. Die Handelslage des Landes, die schon 1924 stabiler geworden ist, erhielt im Verlauf von 1925 dank dem Einströmen von Menschen und Kapital einen starken 1025 kamen 24 641 Menschen ins Qanb. 3m ersten Halbjahr 1925 erreichte der Zinsfuß aus Anleihen den niedrigsten Stand feit der britischen Okkupation. Eine Summe von zwei Millionen ägypt. Pfund wurde in Wohngebäuden für neue Siedler investiert, davon 70 Proz. in Tel- Awiw, dem damaligen Hauptzentrum der Bautätigkeit. Die Bedürfnisse des Landes an Nährstoffen, Bekleidung und Maschinen stiegen ziemlich hock). was spekulative Käufe und darum eine 8ap!1a!s? depression zur Folge hatte. Eine Anzahl Bankerotte waren zu verzeichnen, die insbesondere der bestehenden scharfen Konkurrenz und der unsicheren Basis mancher Kaufleute zuzuschreiben waren. Meist leidet die Stadt Tel-Awiw unter der gegenwllMgen LMkssivn, f§fi Paliük seitens der Banken, einem Aufyören der Dodenspekulation und der Beschränkung der Aufträge auf das Notwendigste ist zu erwarten, daß die Depression bald vorüber sein wird. Die passive Handelsbilanz, heißt es in dem Bericht weiter, ist nur eine scheinbare, weil gewisse unsichtbare Posten nicht hineinkalkuliert worden sind wie z. B. Touristenverkehr, Ausoaöen mnistislAr Milnlwnem WlöiMxWk Gesellschaften, religiöse Missionen, Einwandsrerkapital, Weiterexport nach Transjordanien und Syrien und Kapitalsanlage und Geldsendungen von außerhalb. Die moderne Geschäftsentwicklung' geht weiter, die Verbindungen mit auswärtigen Firmen vermehren sich, obwohl 35—40 Proz. Dis DlllMlZ in llkll WMnMill-Kanslenten sind. Während 192 13 auswärtige und 29 palästinensische Handelsgesellschaften registriert wurden, kamen 1925 12 auswärtige und 27 einhei- Nr. 18 Seite 3 mische hinzu. Die palästinensischen Handelsgesellschaften repräsentieren ein Kapital von LE. M.670. Me raancralivk BMMngi sich besondere ln den jüdischen Ortschaften emwillöll, wurde 1920 gesetzlich bestätigt. 1925 wurden 47, 1924 26 Kooperativgesellschaften eingetragen. Kooperativbanken sind in Tätigkeit. Palästina ist vorwiegend Ackerbauland, heißt es im Bericht weiter. Erst seit der britischen Okkupation hat sich hier eine Industrie zu entwickeln begonnen. Produziert werden außer Wein und Olivenöl, die schon vor dem Kriege hier heimisch Qemeni^ Ser^e^ Seide, ßeber, Mehl, 5Baustoffe und Textilien. In diese Unternehmungen sind zweieinhalb Mi,ionen ägypt. Pfund investiert. Noch aber ist die landwirtschaftliche Produktion führend. Die lokale Industrie erhält ihren wichtigsten Impuls durch die Errichtung von Kraftstationen in Tel-Awiw, Haifa, und Tiberias durch die Palestine Electric Company. Der Bedarf an elektrischer Kraft in Tcl-Äwiw unb Swff« fifiged sich rapide, so daß immer größere Maschinen ausgestellt werden müssen. Elektrizität wird jetzt von der Station in Tel-Awiw nach Petach Tikwah, der größten der benachbarten Kolonien, geliefert. Voraussichtlich wird schon in kurzer Zeit mit den Arbeiten zur Errichtung einer hydro-elektrischen Kraftstation am Jordan begonnen werden. Die .erste hydro-elektrische Station wird in der ersten Z-it!»W 81000 W pDiip«. Dlofo qJrDi buftfon kann sich aber im Bedarfsfälle auf 300.000 PS täglich steigern. Man zählte in Palästina 30.000 jüdische Arbeiter, von welchen 7000 in der Landwirtschaft, 7000 im Baufach, 6000 in der Industrie, 2500 im 2500 im 2Srans:porin>ejert, beschäftigt sind. 4ÖÖO meuere Mdeittr sind ungelernte, 1009 in verschiedenen kleinen Fächern tätig. 24.000 jüdische Arbeiter in Palästina sind gewerkschaftlich organisiert. Ihrer Organisation haben sich einige hundert Araber angeschlossen. Nach der britischen Okkupation machte sich in der Industrie ein Mangel an gelernten Arbeitern fühlbar. Dieser Mangel ist durch Zuwanderung in weitem Ausmaße ausgeglichen morden. Vom 1. Januar 1922 bis 30. Juni 1926 kamen 24.283 hnuplsllchlich jüdische Arbeiter ins Land. Im Jahre 1925 zeigte der monatliche Ausweis über Arbeitslose unter Juden (Januar bis Dezember) die folgenden Ziffern: 400, 600, 450, 400, 400, 450, 500, 400, 400, 600, 1200, 3000. Ende Juni 1926 zählte man ^chon 6000 Arbeitslass, non denen strna 2000 sin dis Mei Tage in der Woche defchafirgi wurden. 40 Proz. der Arbeitslosen waren Maurer. Seit Januar 1926 ist die Ziffer der Arbeitslosigkeit eine Freilich läßt diese Antwort noch manchem, der nicht verstehen will, eine Ausflucht offen: niemand, so sucht man sich der hohen Pflicht der Seldstlostg- Ml £U emzlkmilr Mim mm mann Ich meinem DßTetBtiQten Egoismus ©snttgs gftm habe, denn erst dann brauche ich ja nach dem Gesagten an den Nebenmenschen zu denken. Da sperrt nun Hillel einen Riegel vor: „Und wenn nicht jetzt — wann sonst?" WDsr dkt Alsbald, unmittelbar mutz dem berechtigten Egoismus die Richtung des Idealen gegeben werden, von vornherein mutz das selbstische Interesse daraus eingestellt sein, dem Nebenmenschen, der Allgemeinheit, zu dienen, ohne Rüclrstckt auf das Matz des für das eigene Individuum »ich* MMlWn. Uebrigens mutz man dabei, an die Worte etttes Dichters denken: „Gehöre ganz dir selbst, so gehörst du ganz den andern". Für diejenigen, die den Ausspruch Hillels verstehen, ist dieses Dichtermort kein Paradoxon. Meines ^eUtlletüU. Rabbinische Geschichten. Kurz vor Eingang des Pefachfestes kam ein Gemeindemitglied zu Rabbi Akiba Eger mit einer „Schalo", ob man am Sederabend die Pflicht der „Vier Becher" auch mit Milch erfüllen könne. „Seid sor rranr?" mm m „Dss Müde nichl," mmoorme ver Manu etwas verlegen, „aber der Wein ist teuer und meine Geldmittel sind dieses Jahr etwas gering." Da nahm Rabbi Akiba einen Zwanzigguldenschein aus der Kaffe und reichte ihn dem Fragesteller hin. Dieser weigerte sich, anzunehmen. „Ich kam zum Rabbi mit -einer Schals unb nicht um ein Almosen", sprach, -er gelränli. Ölü-etrtj. l-er ÖJafeti r^&lil älls lim ülll. Dlltz er verpflichtet sei, das Geld als Darlehen zu nehmen, um der Vorschrift der „vier Becher" mit Wein zu genügen. Er könne ja das Geld, sobald sich seine Lage gebessert habe, zurückerstatten. Nachdem der Mann mit dem Gelde gegangen war, fragte die Rabbinersfrau, warum er zwanzig Gulden für Wein hergab, den man doch schon für einige Gulden haben könne. „Du hast seine Frage nicht recht verstanden," sagte der Gatte. „Wenn er es erwägt, ob er nicht am Seder- ■ößf 110 fflni statt mit 235ein mit M ilch füllen könnte, so ist es vöch klar, vlltz o ihm auch sonst am Nötigsten fehlt .Wie käme er sonst auf den Gedanken, Milch zu trinken, wenn er Fleisch und Fische und anderes auf dem Tische hätte? Zwanzig Gulden sind in dem Falle nicht zu viel." Alexander ZederbäuM, bSkäNNttz MMNiM NNV Leiter der hebräischen Zeitung „Hamellz" in Petersburg pflegte zu den Sederabenden viele Freunde und besonders junge Akademiker einzuladen und, obwohl zu den Maskilim gehörend, alle Sedervorfchriften in Anwesenheit der vielen der Assimilation ausgesetzten Intellektuellen, genau einzuhalten. Im Jahre 6641, da die große Tausepidemie in der russischen Hauptstadt grassierte, hatte sich der Sederkreis im Hause Zederbairms etroas verkleinert, ba unter b-en früheren bestäntugen Aästrn?iMN? ^änssingrooren[ mehr eingeladen wurden. Während des Essens ging aber plötzlich die Türe auf und herein traten ungerufen drei frühere Freunde, der Dichter M i n s k y , Professor W e n g r o w und Ludwig S l o n i rn s k y , der Sohn des großen Gelehrten und Begründers der „Hazefiroh" in Warschau. Chaim Selig Slonimsky. Alle drei hatten ruri bdi Dim mmm Die Null llngkngmmfll nn? iuawh -ühsv von allen anderen gemieden. Der Gastgeber stand in größter Verlegenheit auf, die Gäste sahen sich verdutzt an. Da erhob, sich der unter den Gästen anwesende berühmte Dichter Frug und rief: „Warum schweigt Ihr? Oesfnet doch die Türe und saget: Schefauch Chamoscho." Und gleich fing er an: „Schefauch Chamoscho el Hagojim ascher lau jedoucho usw. ..." Die Gäste klatschten Beifall und die drei Täuflinge machten sich beschämt aus leisen Sohlen davon. (Ein und ein DicNcl IMllivnen 3hWh im Es sind jetzt 100 Jahre her, seitdem Zar Nikolaus t. seinen bekannten Ukas veröffentlichte, wonach die Juden unter Militärpflicht zu stellen sind. Zahlreiche Häscher drangen nachts in die jüdischen Städtchen ein, holten die jüdischen Knaben aus den Betten heraus und steckten flf in Sit ^^\i>'aten\ctlule- Dom 12. bis 37. Lebensjahre muBien m'ÄMillMW toitcn. sein mm biläums veröffentlicht Herr Dr. Felix A. Theilhaber im „Schild" einen Rückblick auf die Geschichte des jüdiscbe' Soldatentums. Es ist daraus u, a, zu entnehmen, daß z. B. von 1900 bis 1909 170.244 Juden in der russischen Armee dienten. Auf Grund der amtlichen Ziffer waren bei Beginn des Weltkrieges ca. 400.000 gediente jüdische Soldaten, die durch nachträgliche Aushebung auf ca. 600.000 gebracht wurden, (16 Proz. der jüdischen Bevölkerung) im russischen Heeresdienst. In Deutschland waren KMttlllliH im Mßfl iifiöF 100.000 3llDe MlMMN. M Oesterreich Söö.ööö, rm übrigen Surdfiü ÜNd iN där Türkei ca. 200.000, so daß ohne Amerika im Weltkrieg etwa