Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1927)
- Date
- 1927-05-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 9ir. 18 ■P.WMH.» lVochenrundschau. Glaube und Heimat. Awei Herren von ber ({geraten $cihtfläl, Sr. Bruno Weil, Berlin und Justizrat Dr. Cohn- Dessau bereisten Palästina und hielten, nach Berlin zurückgekehrt, die schon geradezu unvermeidlichen großen Referate über ihre Beobachtungen im heiligen Lande. Die „Jüdisch-Liberale Zeitung" bringt diese Referate unter dem Gesamttitel „Palästina" einer größeren Oesfentlichfoit zur Sßnntnia. Die Jäßrren haben mantößs richtig gesehen und vieles falsch beurteilt. Für beide Herren wie für die Partei, deren Wort sie führen, ist Palästina ein Land der verehrungswürdigen Vergangenheit, aber weniger der hoffnungsreichen Zukunft. Höchstens sehen sie in Palästina ein Symbol für eine bessere Menschenzukunft, „die erlösende Tat kann es nicht werden", so sagt Herr Justizrat Dr. Cohn, der, mmm fmrfii in?rr »*ren Hajessod" ist. „Aber — und damit hat er vollkommen recht — auch als Symbol kann -uns das moderne Palästina nicht dienen, denn es will, abgekehrt vom jüdischen Gedanken, lediglich im Wege eines neuen interessanten Völkchens im Orient der großen jüdischen Not helfen, ohne daß Die MWWM mm CrsaWß geneben wäre/ Der Herr Justizrat halt die hebräische Sprache für unpraktisch, denn „wer versteht sie denn mit ihrem Hebräisch? Unsere Rabbiner sind nicht dort". Er hält also das Hebräische für eine Geheimsprache der Rabbiner — weil er und seine Freunde vom liberalen Judentum es nicht verstehen. Von der Jerusalemer Universität erzählt er: „Die Ullwersilät besteht aus vier aber fünf Zimmern mit chemischen Instrumenten. Ein Professor ist da und 70 oder 80 Schüler, die man bei uns kaum alle als Vollreife Studenten ansprechen würde. Dann gibt es noch ein paar Zimmer in der Stadt, in denen gelehrt wird. Viel anderes ist nicht da. Die Universität ist 20 bis 28 MillMkll mm BBÜ Öft ftHfit kMMMj fein Namen Universität verdient sie heute noch nicht." Weniger kann uns gefallen, was er von T e l - A w i w sagt. Er bezeichnet die erste jüdische Stadt in Palästina als größte Gefahr für bas Judentum und trifft sich somit in diesem Punkte mit Naumann vom deutschnatio- Die Sprache des Kleides. Von Rabbiner Dr. Ausbacher in Wiesbaden. Und das vierte der vi'nn pa -ma ta^n iimnV» nsa» t»as Der Gurt sühnt unreine Gedanken. Der Mensch ist wohl «in Geschöpf, das auch dem Irdischen feinen Tribut zu zollen hat, steht er ja mit den Füßen auf der Erde nv'vvn ya» iipsn nx-w axi» aber seine Sinnlichkeit iwlf nllht Dit töten seilt anorcifen. inni mm mi wt sw. Jd trennt schon äußerlich ein Gurt Me Organe des -Geistes und der Seele, Hirn und Herz von den übrigen, um diese Scheidelinie einzuhalten und nicht mit unerlaubten Gedanken jene zu -entweihen, denno-vpniavi-ivii mayn- Gedanken sündhafter Art können den ganzen Organismus noch mehr zerstören als eine Tat, die einmal begangen Entspannung bringt, und zur Teschuwoh ruft, während nicht in die Tat umgesetzte Gedanken fortgesetzt den gesunden Bau zu unterwühlen und zersetzen drohen. linv so Hoven auch Die Klemer tte& Hohepriestern ihre Sühnekraft zu üben, B'i'-n by isav pn „Das Vrustschild sühnt wegen der Rechtsprechung" wie es heißt „Aron soll das Recht der Kinder Israels auf seinem Herzen tragen." Vielleicht dürfte es uns sagen: Die Stimme des Herzens könnte den Menschen gerade zur Rechts- Der SsraeLii HäUtt JuSöttvörbättde, let kürzlich ttt öittör öffentlichen Versammlung Tel-Awiw als „Schieber- und Schacherstadt" verleumdete. Dr. Bruno Weil denkt in Palästina, wo die Autostraßen am Toten Meere miserabel gepflegt sind, an den schönen Asphalt in den Ber- Itner Straßen und löst das Problem folgendermaßen: „Uns legt die Zugehörigkeit zum Judentum religiöse, die zum Vaterlande, in dem uarr etngeglteberf |trtb, nationale langen auf/' Die religiöse Jbee würbe, seiner Ueberzeugung nach, die nationale Zusammenschweißung der Glieder verschiedener Völker, als welche er die Juden Amerikas und der mittel- und westeuropäischen Staaten ansieht, nie und nimmer zuwege bringen. Wir halten Herrn Dr. Bruno Weil beim Worte: Die Zugehörigkeit zum Judentum legt UNS rSligiösS Pslichtsn auf, [8 MS dis Zum Vaterlande uns nationale Ausgaben zuweist. Wird sich aber das Vaterland mit einigen schönen Phrasen zu seinem höheren Ruhme von uns abspeisen lassen? Verlangt und kann es nicht von uns verlangen: treue Pflichterfüllung in der konkreten Form von Steuerleistungen und in Einordnung in die von ihm, dem Staate, zum Wohle des Staatsganzen eingeführten und geheiligten TkfkSkf Warum staunt man Bann unter Den Freunden der Herren Cohn und Weil, der Religion gegenüber sich mit der Erklärung einer platonischen Liebe begnügen zu können, mit einer schönen Verbeugung vor der „Religion der Väter", ohne im übrigen das Religions g e s e tz als verbindlich für sich und seine Kinder zu erachten, fa Diofos mit öor bobrälschm ltzstrachö — bßn Herren Rabbinern zur „weiteren Bearbeitung" überlassen zu können?! Daß Herr Dr. Bruno Weil den Teil seiner Ausführungen, der die Grenzlinie Zwischen Palästina und Berlin zieht, mit „Glaube und Heimat" betitelt, mutet wenig geschmackvoll an. Denn, wie man sich auch zum neuen Palästina stellen mag, die Heimat unseres Glauüens ist unD bleibt lnsr miß Dort Ereg Jisroel. Jude und Freimaurer — die Zerstörung einer Legende. In einer der unzähligen Verhandlungen vor 8km LkWigtr Ltaatsgtristnsbvf m ber Angelegenheit des Verbotes der Rechtsverbände „Wiking" und „Olympi a" verlas Ministerialdirektor Schoenner ein Rundschreiben der Bundesleitung des „Wiking", in welchem Aeußerungen General Lud endo r f f s zitiert wurden, daß Reichsminister ßßUQimo vmührsn, ein Urteil zu sMHs» ist rst Ui Hevßle , schwerste Opfer, bas von unserem Ee - fühl verlangt wird, aber -o-ia -nnn ab Vn ich darf selbst dem Armen nicht aus Mitleid Recht geben, wo das Mischpot es nicht zuläßt, so trägt der oberste Diener des Rechtes auch sein Choschen über dem Herzen nb bv. die Stimme des Rechtes muß selbst die Regung des Gefühls überwinden. nir ytk „Der Ephod sühnt Götzendienst". Es ist das Gewand, das ihn an der Stelle der Regungen des Herzens umschließt und f e st h ä l t. Das leichteste Nachlassen jen-es „Anschlusses" ist ^ir »erbäten, denn könnte uns vom reinen EinheitZgrdankcn der Sphäre der nähern. *) ans ruy by 'aan rs dürfte wohl am nächsten liegen, nachdem die „Stirne" stets als die Stelle der Frechheit bezeichnet wird, was ja bereits Talmud a-s wnar ausspricht. Und nun zuletzt: sin rwV b->vn Der Mantel mit seinen läutenden Glocken sühnt die Uebelrede. Wollte jei»er Mensch vedenten^ twjj sedes von MsprvHsnr Wort durch Molle unv Twllc immer Mtlcr getragen werden kann und wird, bis es an die „große Glocke", schließlich auch zumeist an das Ohr des B e - t r o f f e n e n gelangt, vieles •'“nb würde unterbleiben, und a-»ao I'si» N'w nst? wir würden eine Schutzwand um den Mund errichten. — So gehen von jedem der -*na navia Lehren aus, die nur verstanden und erfaßt werden müssen, um fühnende, läuternde, veredelnde Kraft auszustrahlen. *) Cvensä K/tstt^ich wie schwierig ist Malbims Bemerkung, die 50 Buchstaben der 12 Stämme auf den beiden Ephodstetnen entsprächen den 50 Buchstaben, die das nnnx ausdrücken! ynv und v'*>nat?a Ersterer hat wohl 25, letztere nur 24, es müßte fein, daß als ^ia noch einer zählt. _5. Mal 1927 Skrefentann Freimaurer [ei und baß auch bie Deutschnationale Volkspartei „jüdis ch-r ö m i - s ch e n und frei maurerischen Einflüss e n" erlegen sei. Der Bericht verzeichnet große Heiterkeit. Nichtsdestoweniger gibt es Menschen, die die Sache mit den Juden und.Freimaurern ernst nehmen. So ist in diesem Zusammenhangs ein Stückchen Geschichte von großem Interesse, das vor kurzem der bekannte russische Historiker und ehemalige QCrdjivar ber ^jarenfcmglet^ ss)rosessor W. Stroj ew, in einem Berliner Vortrag aufdeckte: Nach der französischen Revolution von 1789 suchte man in den Kreisen der französischen Emigranten und Jesuiten nach verschiedenen Sündenböcken. Der erste Anlaß, die Juden zu beschuldigen, bot sich nach dem Bekanntwerden des Plans Napoleons l., das Synhedrion zusammen- Allöllsätis bis KtlNb^ebllU^ er[<ä)ten bekänntlrH crill 17. September 1806. Unter den glühenden Hassern Napoleons ragte besonders Joseph de Maistre hervor, der damals berühmte Schriftsteller, der zusammen mit dem sardinischen Offizier Michot die Legende von der „judeomaconnerie" erfand. Beide hatten in Petersburg Unterkunft gefunden. Am 15. November 1806 schreibt de Maistre an Alexander l. anläßm lener funDgeDuno von M«nn: „Wie weit erstrecken sich die verbrecherischen Pläne des frechen Gendarmen von Korsika! Jetzt hat er ein jüdisches Synhedrion zusammenberufen, um ein Bündnis zu schließen zwischen den Feinden der Christen und den verbrecherischen Banden der Jlluminaten, die schon längst bemüht sind, dis Gl-llMggsn dsv bsftshsndstt Ordnung zu unterwühlen. Mit ihrer Hilfe hofft er, die Welt zu beherrschen." Unter dem Einfluß dieser Denkschrift verfaßte die russische Synode sogar ein Sendschreiben an die westliche Geistlichkeit, in dem diese aufgefordert wurde, Napoleon, der im Begriffe stehe, sich als Messias auszurufen, noch rechtzeitig zu entlarven! Nun griff aber auch Mickot die Jnfimmtmn Mnistres auf. 1811 richtst ss sn Bssruel einen zweifellos auch von den Jesuiten inspirierten Brief, in dem er darauf aufmerksam macht, daß alle Juden Freimaurer seien, und daß die Freimaurerei ihre Waffe sei. Die-Giftsaat erhielt sich und trug eine spätere Frucht in den „Protokollen der Weisen von Zion", ver- Wt von dem rnssWen TWiüWsr Mus (oDor richtiger nach einem französischen Pamphlet gegen Napoleon Hl. abgeschrieben.) — Professor Strojew hat schon recht, wenn er meint, Geschichtsforschung sei das beste Mittel gegen Lügen. Aber die Herren wollen so wenig von der Geschichte wie von der Wahrheit wissen. Än scheinbarer Widerspruch und seine Lösung. Don Lehrer K. Zlnikorver-Spangeuöerg. Zu der Forderung von 121V V'rr diii'virr n in rvok daß unser Dienst für Gott ein selbstloser sei. zitiert 21V av> nsom u. a. als Beleg den Ausspruch Hillels: '2rr n» ■’JKttOi »Wenn ich |ür mtd? selbst bin — roos bin ict^? Dieses QUfil beginnt mit den Worten 1 iz« pk ok »Wenn ich nicht für mich bin — wer ist für mich?' Mancher erblickt in diesen beiden Aussprüchen Hillels einen Widerspruch. 'irr 7»k öS heißt in einer getreueren Ueüertrvguna zu deutsch: „Wenn sch nicht rnir ge» dörs — wsr gshöÄ Nir?» Sich selbst gehören, das bedeutet durchaus noch keine Selbstsucht, -keinen Egoismus. Im Gegenteil: es ist eine unerläßliche Forderung, insofern wir das natürliche Bestreben jedes unserer Nebenmenschen» vor allem im Interesse der Seibsterhaltung zu leben — nur die Mutter will von diesem Rechte keinen Gebrauch machen — als unbestrittenes Recht anerkennen müssen. Wieweit soll unser selbstisches Streben geben? Darauf antwortet Lillel. datz in dem sgoiftUffion öDtrßößn turn üllMWMs WinM U& Ettsfür den Nedenmenflhen, für die Allgemeinheit, nicht übersehen werden, ja: jenes diesem nur untergeordnet sein darf. Diese seine Antwort kleidet Hillel wiederum in die Form! einer Frage: »Insofern ich mir als Individuum gehöre — was bin ich?" 'irr ns 'assrt» 'irrvni.