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Der Israelit · 1926-07-29 · Heft 31 (29.7.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 31 (29.7.1926)
Date
1926-07-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Israelit Nr- 31 Seite 3 29. Juli 1826_■ _ anmütenden Konsequenz ein Schweigegebot hinsichtlich des gefährlichen Gegenstandes erlassen. Wenn die Herren glauben, das Problem damit gelöst zu.haben, so dürften sie aber bald merken, daß sie sich im Irrtum befinden. Die Verschmelzung des Zionismus mit dem Reformjudentum, ein innerlich notwendiger Vorgang, wird der Welt nicht erspart bleiben. Damit in den ernsten Tagen auch die heitere Rote nicht fehle, hat Herr Dr. Caesar Seligmann in der „Frankfurter Zeitung" einen Bericht über Ms Tagung mriMMliGi, Dm wir Freunden ger sund.en Humors, nachdem Tischo b'aw nun vorüber ist, aufs angelegentlichste empfehlen. Herr Caesar Seligmann ist der Ansicht, daß eine innerliche Kontinuität zwischen den n'rmn nojD und den in der Londoner Konferenz versammelten Reform-Rabbinen besteht. Seit Esra und Nehemia hat die jüdische Welt eine solche Versammlung nicht gesehen! Wir mußten bei dieser Erklärung an unseren Heimgegangenen Geschichtsprofessor denken, der die scharfen Definitionen liebte. Er erklärte, Gegenstand der Weltgeschichte sei das, was wichtig ist; wichtig fei das, was „Folgen" hat. An den Folgen der Londoner Versammlung wird die Welt sehr bald erkennen, ob sie das gleiche Maß von Wichtigkeit besitzt wie die Tagungen der Männer der Großen Versammlung. PalSstinafahrk Bon 2Nax Landau (Fortsetzung) ^ST S'fT! MMssU, nprbweftticfy streckt stckf bie mm Siam. Keine Siam eigentlich, sondern ein Nebeneinander vieler Häusergruppen, die ohne Zusammenhang über das unebene Gelände verstreut sind. Ein paar Häuser, dicht zusammen, ein großer unbebauter Platz, ein einzelnes Haus, versteckt in einem hoch ummauerten Garten, ein kleiner Abhang, ein bißchen Gras, irgend ein großmächtiges Gebäude, plötzlich ein Steinhaufen, so. Trotz den oft riesigen imposanten Bauten, die hier stehen, macht das Ganze immer noch einen unfertigen, provisorischen Eindruck, es ist immer noch ein: „Vor den Toren"; man kampiert halt draußen, weil in der eigentlichen Stadt kein Platz ist. Die Straßen — da sie keine Straßen sind, — haben keine Namen. Es wohnt einer in Sichron Mosche oder in Mea Schearim oder in der Musrara; in dem Hause, wo der X sein Büro hat mit dem großen Schild, oder im dritten Haus von der Kirche. Da aber sowas sehr barbarisch und unzivilisiert ist, so hat man neuerdings an einigen Straßenecken hübsche dreisprachige Schilder mit interessanten Namen angebracht, die indessen von niemand beachtet werden, da man sie nicht braucht. Nur die lange Jafsastraße macht eine Ausnahme, denn die hat ein altes Renommee; sie ist — wie sagt man — die Hauptarterie des Verkehrs: die großen Läden sind dort, die Hotels, die Banken, die Büros, auch das zionistische Hauptquartier, die Hanhala Zionit. Nun sie aber für ein modernes Jerusalem etwas \d)äbig getoorbert rst^ bte gute Dcrsterstvcl^s - jte könnte die Hauptstraße einer mittleren Kreisstadt im deutschen Osten sein — so hat man eine neue schöne Prachtstraße angelegt, boulevardartig, mit Steindamm und doppelten Baumreihen, und nannte sie dann zu Ehren des Königs von England Rechow Hamelech Dschordsch. Vorläufig sind da nur zwei Bürgersteige und ein paar dünne Bäumchen; aber die Jerusalemer sehen da die Wolkenkratzer nur so aufschießen. Dann gibt es eine Rechow Bezalel, eine Rechow Ben Jehuda, vielleicht auch eine Rechow Allenby, ich weiß nicht genau, aber warum auch nicht. Eine Straße heißt Rechow Louis Hakadosch. Nach Saint-Louis nämlich, jenem bigotten Judenhasser, der 1240 in Paris sämtliche Talmudexemplare verbrennen ließ, und der Meinung war, die beste Art, mit einem Juden über religiöse Fragen zu disputieren, sei die, daß man ihm ein blankes Eisen in den Leib stoße. Der heißt jetzt also Louis Hakodausch. * Die Häuser sind schwere Steinbauten, fest in die Erde gerammt, stehen trotzig, klobig da, soll-? DlNgsH -i? NNsfi kssp WMb wm. Sie Je!je« aus, miß mßnn stß aus Dem felsigen Boden von selber m die Höhe wüchsen; die Fassaden mit den grobgeschnittenen Steinen erinnern von fern an die Rustika florentinischer Paläste. Jedes Haus ist eine Welt für sich. Mürrisch, verschlossen, spröde, mit halbgeschlossenen Läden wie ein großes Tier mit Scheuklappen, lebt es seine eigene Existenz und ist nicht bereit, sich in irgend ein Gesamtbild einzuordnen. Aber wenn man auf dem Skopusberge steht, vor dem schmucken, sachlichen Neubau des Biochemischen Instituts, das den Keim zu der geplanten Hebräischen Universität bilden soll, gewinnt man so etwas wie ein einheitliches Stadtbild. Da sieht man sie herrlich ausgebreitet über die Hügel, diese merkwürdige Stadt, in lässigen und doch anmutig zuchtvollen Linien, an schroffen Talsenkungen und auf leicht ansteigendem und abfallendem Gelände, man sieht die seltsame Verwirrung der Vauformen, die doch nicht einer zufälligen und ungeordneten Geschichte, sondern dem ungewöhnlichen Schicksal der Stadt entspringt, und ihrer Aufgabe, so vielen Religionen und Völkern Heimat zu sein. Scharf zeichnen sich in der prallen Sonne die Konturen der Gebäude: , die schwere runde Kuppel der Omarmoschee, die das Stadtbild beherrscht, die goldnen Zwiebelkuppeln der Russenkirchen, die flachen Dächer der arabischen Häuser mit dem kleinen kuppelförmigen Aufsatz, die roten fünfeckigen Dächer der europäisch gebauten, die Zinnen des bur-gartigsn italienischen Hospitals, der nüchtsrnkorrekte Turm hrr prvt^stcrntjfchen Er-löfsr-kirche, die genau so tut, als ob sie in Hannover oder Magdeburg stünde. All dieses tolle Durcheinander vermag doch nicht den unerhörten Zauber zu mindern, der immer wieder von dieser Stadt ausgeht, so oft man sie betrachtet; es verstärkt nur den Eindruck des Märchenartigen, Gespenstisch-Unwirklichen, fast Absonderlichen, den man schon drunten empfing: eine verwunschene Stadt ist das, von tiefem Dornröschenschlaf umfangen, und süße Schwermut ist über sie gebreitet: in traumhafter Versonnenheit liegt sie da, ein wissendes Lächeln auf den Lippen. Wenn sie um die Zeit des Sonnenunterganges — der berühmten Sonnenuntergänge über Jerusalem — in ein Meer von Farben getaucht ist, erhält sie leicht etwas Visionäres, und aus irgend einer unsinnlichen Welt, nicht aus der Landschaft und auch nicht aus dem Architektonischen, strahlt eine unenträtselte metaphysische Schönheit hervor, die sie sagenhaft verklärt. An der Peripherie aber ist die neue Zeit im Anmarsch, die langsam, aber kraftvoll und zäh, beri gejurtbert reaüj’ttjdpert SefeertstötUert bes juri« gen Geschlechtes verkimDell Von Süden grüßt das neue Wohnviertel Talpijoth mit seinen im modernen Geschmack erbauten, von Gärtchen umgebenen, kleinen Häusern, ein Arbeitersanatorium ist im Entstehen, ein landwirtschaftliches Museum wird eingerichtet, Krankenhäuser, Schulen werden neu gebaut und neuzeitlich ausgestattet. Es wird langsam, sehr langsam gebaut in Jerusalem, aber was einmal errichtet ist, das steht da, das hat Dauer, das empfängt etwas von dem Gesamtcharakter der Stadt, von dem Festen, Verwurzelten, Uralt-Beständigen. Im Osten erscheint, jenseits der großartig kahlen Kalkfelsenlandschaft, der Jordan als leuchtender Strich und als hingezogener breiter Fleck das Tote Meer; dahinter in geheimnisvoller Bläue die Berge Moabs. Immer wieder wird man von dieser erschütternd großartigen Szenerie ergriffen. Das Biochemische Institut wird es neben seinen sonstigen Vorzügen mit Recht für oder kleinere, ideelle oder humanitäre Aktion für Erez Jisroel, wo er nicht als Frankfurter Raw, bezw. rabbinifcher Konsulent der Pekidim und Amarkalim zu Amsterdam, oder als Vorsitzender des?i3 -Hospitals, in vorderster Reihe mitgewirkt oder in erfolggekrönter Tätigkeit die Fühung hatte. Mit glühender Chibbas Hoorez — das soll heute nicht unausgesprochen bleiben — hat er sich alle Tage seines Lebens auch für Erez Jisroel bemüht und für die Hebung des Thoraglanzes sowohl, wie für die Linderung der Not auf geheiligtem Väterboden unermeßlichen Segen gestiftet. In dieser, der Trauer geweihten Stunde sei es aber auch erwähnt, was auch der deutschen Judenheit zur historischen Ehre gereicht, obwohl nur wenige Zeitgenossen davon noch Kenntnis haben. Es sind nahezu 12 Jahre her, wenige Monate nach Ausbruch des Krieges, als in Erez Jisroel die größte Not herrschte. Die alte Klage, die wir heute und gestern aus dem Propheten gelesen, wiederholte sich damals in herzzerreißender Wirklichkeit. ntf? wmrtt nwy ■?:>• Das ganze Volk seufzte nach Brot. t»? rrmmri cwi VVn; tpyn- Kinder und Säuglinge verschmachteten vor Hunger, t? rvmn-o ^nD^aatu-nrn; Wie 23errDunt>ete frummten fie sich auf offener <5trafte. £5n Jener schweren fltK war unser f°o.tes „Für Erez Jisroel muß nun alles geschehen". Aus seine Veranlassung im Vereine mit noch einigen beherzten Männern, wurde die erste Hilfe telegraphisch überwiesen, und es entstand bald ein großzügiges, wohlorganisiertes Hilfswerk in Erez Jisroel, welches durch drei schwere Kriegsjahre einen ersten Rang in Erez Jisroel eingenommen hatte. Sämtliche Rabbinen, Talmide-Chachamim und Thora-Lehrer in allen Städten und Gemeinden Erez Jisroels erhielten monatlich ihre Notgehälter, und 8000 Personen — unter diesen mehrere tausend Kinder aus allen Schulen und Thora-Anstalten Jerusalems — wurden in den Armenküchen der Deutsch-Holländischen Palästina- Verwaltung täglich gespeist. In der Geschichte der deutschjüdischen Beziehungen zu Erez Jisroel wird unser Rabbi — das weiß man in Erez Jisroel ganz genau — seinen Ehrenplatz finden. Und als der Sohn unseres Rabbi vor einigen Monaten in Jerusalem weilte, hat er es in einer großen Rabbinerversammlung gehört, mit welcher Hochachtung von dieser deutschen Zedokoh gesprochen wurde. "th», '’3i*d?e>i-p msT. Jeruscholajim denkt mit Dankbarkeit an diese Tage des Elends und des Jammers. Teurer Rabbi! Auch im Namen Deines großen Freundes, des Gaon und Zadik, Rabbi Chaim Sonnenfeld, seines Beth-Din und seiner Gemeinde in Jerusalem, entbiete ich Dir innigsten Abschiedsgruß. Du hattest mit ihm, trotz äußerlich scheinbarer Gegensätzlichkeit, manch gemeinsame, in Thora und Midaus abgeklärte Charaktereigenschaften. Und was dieser Gaon und Zadik für Erez Jisroel ist, das warst Du in Chuz Laarez: ein treuer Depositär thoratreuer, richtungzeichnender Tradiuon, aus der Schule des Chatäm Sofer und Kfaw Sofer. Ein historischer Ehrentitel. Auch Deine Freunde aus den alten Heimatländern, die Rabbonim und Gedaule Thora aus Ungarn und den fXtacfr roter eftcxcxtert, mit berten tdb irt ben mngfien Tcrgsn > I Öl ' * O I |< gzj | cimmerr geroejen^ unb beren e^rm. ßanbes^eniraicn, senden Dir ehrerbietige ADschiedsgrüße. In dieser weihevollen Stunde fei es aber auch mir persönlich gestattet, teurer Meister, tiefgefühlten Dank zu sagen, für die vielen Beweise der Freundschaft und des Wohlwollens, mit denen Du mir Jahrzehnte hindurch nahegestanden. Heißen Dank für das große Vertrauen, mit dem Du mir beigestanden. ■ Verehrte Trauerversammlung! Wenn wir unseren lieben Heimgegangenen Erde aus dem heiligen Lande mit auf den letzten Weg geben, so wollen wir damit auch uw. „ "■ ehr zur Mutter Zion, die Verbindung mit Jeruscholajim erleichtern. Nach einem sinnigen Wort der Weisen kann man jedoch in das himmlische Jerusalem nur einziehen, wenn man vorerst im irdischen Jerusalem sich bewährt hat. 2222 virr prr -nt>» bv r.V’nn» 022:1 p dn bv b*»;pw>J> Und nun gar im irdischen neuerstehenden Jerusalem, wo die historisch bekannten Tränen — um mit unserem Klagelied zu sprechen — bis an die Gräber der beiden Thorafürsten, Mosche und Aron, fließen: 'iy msrm mix min Ern ^rrvrri ,^'Lrr mtp nnap ’2t?V um *m33 um isiw po nein und wir vor die unglückliche zeitgeschichtliche Frage gestellt sind: i2iV 722 nenn min srn? Hat denn die jüdische Nation eine neue Thora empfangen? Warum werden die alten Pergamente verbrannt? Als das erste Meyschenpaar aus dem Paradiese verbannt werden sollte, sagen unsere Weisen, war es der Klagelaut no’st' der in dem Worte ns;rr vernommen wurde. Ünd wenn es heute von der alten Gottesstadt in allen Gotteshäusern ertönte: 122 msr ns’K. dann hören wir auch das unheilvolle ns.;»? nachzittern. Wo bist du, mein armes jüdisches Volk? Wann »Uro Sie urtqrucrferiqc <5cfjeiöea>cmö, öle man «»..mm ..... ..0.1 -v - i.I gnnjqjen neuem uns mm MM«? mit fnnjtuüjfn Mitteln aufgeritfjtet hat, niedergerissen werden? Wann wird in der neuen Aera die nationale Verfassung des jüdischen Volkes in ungefälschter Heiligkeit und Reinheit auch im heiligen Lande eine gesicherte Heimstätte finden? Jawohl, teurer Meister! In einer schicksalsschweren Zeit bist Du in den ewigen Frieden eingezogen, in einer Zeit, da Zion und Jerusalem nach dem wahren Frieden schmachten, und Erez Jisroel auf die großen Vorzüge von nninn N2 und N2 so ernstlich angewiesen ist. Mögest Du im Vereine mit den Gaonim und Zadikim im himmlischen Jeruscholajim, auch für Erez Jisroel ein

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