Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1926)
- Date
- 1926-07-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450419--73337-2530741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 31. Der Israel»i Gebote, sondern auch in bezug auf die eindringende Behandlung des Rechtslebens, sowie in bezug aus die Lehre von den Charaktereigenschaften,. Gebiete, die ja beide, wenn der große Sühnetag uns Versöhnung bringen soll, mit dem äußersten Ernste von uns beachtet werden müssen. Wer aber über diese Dinge nicht nachdenkt, sondern sie als gegeben und abgeschlossen gewohnheitsmäßig hinnimmt, dem können die Anforderungen der Thora auf dem Gebiete des Mein und Dein, ja selbst wenn es sich um die Rettung von Menschenleben handelt, nicht in dem hohen Ernst erscheinen, wie er ihnen in Wirklichkeit ihrem ÜBejett nadj innexvoijrtt. FpjY doch, daß oft das Sagen eines Kapitels Tehillim dem Individuum wichtiger erscheint als irgend eine Tat, mit der letzten Endes die Rettung eines Menschenlebens verknüpft ist, geschweige denn, wenn es sich bei dieser Tat um eine Einbuße an Geld, Ehre oder um den Verzicht auf persönliche Wünsche handelt. Darum wird an uns die Forderung gestellt, daß uns das Gottesgebot an jedem Tage neu sein möge, daß tief eindringendes Denken die Thora uns von Tag zu Tag erneuere, auf daß sich m i t d e r Gewöhnung aus der Jugendzeit die immer sich erweiternde Erkenntn i s verbinde, und diese beiden Momente, zusammen mit der gewissenhaften Erfüllung der Mizwaus, den dreifachen Faden bilden, der unser sittliches Leben umschlingt. Das vielleicht ist der Sinn des Psalmenwortes: „jnm ’ampn 'n- „Du hast mir Verstand gegeben, um zu forschen und zu erkennen, denn Du kennst meine Gedanken." Nicht auf das überlieferte Wissen habe ich mich beschränkt, sondern ich bin mit meinem forschenden Erkennen immer tisser emgebrungen, um Gsttesevhnninxz gn Z?P?MN?N. D«S w«! tUIÖJ dN Weg unserer Väter, die sich nicht mit dem fertigen Wissen der Ueberlieferung begnügten, sondern immer weiter in ihre Tiefen eindrangen. Rur auf diese Weise gewinnen die Eindrücke und die Vorstellungen die nötige Frische und Lebendigkeit, je nachdem der Verstand die Fähigkeit hat, in die Gedankenwelt der Mizwoth einzudringen. Zu diesem Zwecke ist von unseren Weisen auch die Institution der Brochaus, auch der Genuh- Brochaus geschaffen worden, damit der Mensch auch beim Genuß zum Denken erzogen wird, und darum sind auch die Brochaus m i t immer neuer Energie, als seien sie uns heute gegeben, zu sprechen. (Schluß folgt.) Zum Wochenabschnitt. Von Isak Zoller in Berlin Die Erwähnung des Todes Aharons im Zusammenhang mit den Berichten über das Zerbrechen der Bundestafeln durch Mosche Rabbenu wird von Raschi und Baal Haturim in etwas verschiedener Form erklärt. Während Raschi sagt: „Der Tod der Gerechten erscheint vor Gott so hart wie der Tag, an dem die Tafeln zerbrochen wurden", bemerkt der Baal Haturim geradezu: „Der Tod der Gerechten ist hart wie das Zerbrechen der Tafeln". Vielleicht wollte Raschi nicht eine unmittelbare Gleichsetzung des Todes der Frommen und des Zerbrechens der Tafeln bringen, sondern nur einen Vergleich mit dem Tage. a« berrc bie L«fslrr ger&roc^eTl xourDerij Weil 3$8t iSIß' fL, mü ber er bie SCa^lrx Qfffffläjj' '«imH scwcr llllltz den Worten des Talmud (Sabbat 67) dankbar anerkannt wurde. Es fragt sich, wie alsdann der Baal Haturim aufzufassen ist, der über dieses berechtigte Bedenken hinwegfieht. Vielleicht entbehrt folgende Erwägung nicht der Wahrheit. Große Männer, Zadikim im Sinne der Thora, stellen an ihr Lebenswerk so hohe Anforderungen, daß sie es immer als unvollendet und mangelhaft betrachten, und noch im Angesichte des Todes sich darnach sehnen, durch ein weiteres Leben der Tat IVochenrundschau. Die Weltwanderungskonferenz. Wir haben über die Ende vorigen Monats in London stattgehabte, vom Internationalen Gewerkschaftsbund einberufene Konferenz für Einwanderungsfragen seinerzeit ausführlich bsrichtst. Ez ist jä sicherlich kein Äoft auf an dem Problem der Bevölkerungsverschiebung durch Auswanderung so gewaltig interessiert, wie wir, denen seit 2000 Jahren das bittere Geschick der Wanderschaft über die Erde beschieden ist. Schon allein die ungeheure Tatsache der Verpflanzung von Millionen osteuropäischer Juden nach der neuen Welt, eine Tatsache von ganz beispielloser Bedeutung in der ganzen Weltgeschichte, zeigt, wie sehr der Sinn der jüdischen Geschichte von dem Wanderungsproblem bestimmt wird. Leider kann man nicht sagen, daß das Bedürfnis, das subjektive und objektive Motiv der Auswanderung aus Osteuropa, heute wesentlich geringer geworden ist als vor dem Kriege. Allein nach einer anderen Richtung hin haben sich die Verhältnisse in katastrophaler Weise verschlimmert: die meisten Einwanderungsländer sperren sich ab und suchen, wenn nicht durch eine rücksichtslose Quotengesetzgebung wie in Nordamerika, so doch durch administrative Mittel den Zuzug von außen unter Berufung auf das Heer der inländischen Arbeitslosen zu verhindern. Man hatte gehofft, daß der Londoner Kongreß, weil er Don Der s. öntirnatiDnolß außflinfl, hmsjchtliO b& Cmmanderuttg^srage von liberalem Geiste beherrscht und von wirtschaftlicher Engherzigkeit frei sein würde. Einsichtige und tiefer schürfende Nationalökonomen haben längst erkannt, daß die Einwanderung keineswegs unter allen Umständen eine Verschärfung der Arbeitslosigkeit herbeiführen muß, sondern daß, wenn ein durch Findigkeit und Anpassungsfähigkeit ausgezeichnetes Volkselement zuströmt, im Gegenteil auch neue Arbeits gelegenheit geschaffen wird. Man hat insbesondere in England in den letzten Jahren eine Fülle von Beispielen für diesen wohltätigen Einfluß der Einwanderung geltend machen können. Von dieser Auffassung war aber auf dem Kongreß nichts zu spüren. Die Arbeitervertreter der Einwanderungsländer erklärten einer nach dem anderen, sie müßten schon im Interesse des Kulturunterschiedes zwischen der ansässigen Arihre Mängel sühnen und das Unvollendete welterführen zu können. Sagte doch selbst Rabbi Jochanan ben Sakkai vor seinem Tode weinend: „Ich weiß nicht, auf welchen Weg man mich führen wird." In ihrer Todesstunde noch betrachten sich diese großen Männer, wie die Tafeln des Gesetzes, die zerbrochen wurden, noch ehe sie ihre Bestimmung erreichten. Das ist es, was der Baal Haturim meint, indem er einfach sagt: „Die Zadikim sterben so wie die Tafeln, die zerbrochen wurden. .Sich selbst betrachten sie als zerbrochene Tafeln und beweinen die Mangelhaftigkeit ihrer Lebenserfüllung. Mit demPsalmisten beten sie zu Gott: ’ps?» nsosi rrns '2 vivrr rr> Uleines Feuilleton. I» memoriam. i. Worte der Trauer. lll m SFaHEFffloßt um dtöDD. Dl Ukölisp im Von Nabb. T. Horooicz aus Jerusalem. Die Trauer um unseren unvergeßlichen Rabbi, sie ist vereint mit dem unendlichen Schmerz der jüdischen Gesamtheit. Und wie die Schechinah — nach einer Ueberlieferung der Weisen — beim Verlassen des Beth-Hamikdosch in schwerer Stunde, am 9. Ab, die Wände küsend, die Säulen umarmend, innigen Abschied von der Schwelle des „Hauses" genommen — ins« byn 'n 1122 821 29. Jull I92b beiterklasie und den Zuwanderern sich diese vom Leibe halten und könnten nicht mit zusehen, wie eine Masse von ungelernten Arbeitern ihren Genossen Konkurrenz mache. Der Kongreß ist im ganzen also vom jüdischen Standpunkt aus als eine Enttäuschung zu bezeichnen. Um so mehr ist man verpflichtet, dem s 0 w j e t r u s s i s ch e n Ansiedlungsprojekt, trotz aller zionistischen Gegnerschaft, die wir durchaus begreifen und würdigen, die ernsteste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Immerhin werden die Hunderttausende, die dort einem produktiven Erwerb zugeführt werden, eine starke Entlastung darstellen für den hoTMpanMsn Druck bw Aickeitslosigkell und des Elends, der das östliche Ghetto beherrscht. Wir müssen uns darüber klar sein, daß I i s ch ü w Erez Jisroel zwar in seiner idealen und religiösen Bedeutung durch kein anderes Projekt berührt werden kann, daß aber, soweit materielle Faktoren in Frage kommen, umgekehrt eine Lösung des wirtschaftlichen Judenproblems durch Erez Jisroel in absehbarer Zeit überhaupt nicht zu erwarten steht. Man braucht nur die geradezu erschütternd wirkende Ratlosigkeit festzustellen, mit der man den palästinensischen Wirtschaftsproblemen nach dreißig Jahren des Experimentierens gerade in diesem Augenblick gegenübersteht, um sich von der Gefahr der zionistischen Hypnose, Erez Jisroel bedeute eine materielle Erlösung des jüdischen Volkes, zu befreien. .Jede einzelne jüdische Familie, die in Erez Jisroel angesiedelt wird, bedeutet eine ideale Errungenschaft, die der äußersten Hingabe wert ist, aber von der ungeheuren Verpflichtung, den Massen im Osten die materielle Lebensexistenz zu sichern, kann die jüdische Gesamtheit sich durch eine noch so ausgedehnte Erez Jisroel-Arbeit nicht be^veiznf Der liberale Weltkongreß. Der Liberale Weltkongreß in London hat im allgemeinen den erwarteten Verlauf genommen. Es sind ausgezeichnete Reden gehalten worden, reich an fesselnden, wenn auch nicht gerade neuen Gedanken und noch viel reicher an fein abgeschliffenen, manchmal durch ihre nebelhafte Unbestimmtheit ausgezeichneten Redewendungen. Im übrigen ist hinsichtlich des Grundproblems, das den Kongreß eigentlich hätte beherrschen müssen, nämlich die inneren geistigen Beziehungen des liberalen Judentums zum Zionismus, kein Fortschritt erzielt worden. Man hat das gefährliche Thema, als es von Stephen Wife angeschnitten wurde, auf Grund allgemeiner Verabredung schleunigst unter den Tisch versteckt und mit einer geradezu komisch v'2v „Die Herrlichkeit der Schechinah zog aus von der Schwelle des „Hauses", so kehrt die heilige Neschomoh unseres Zadik in der Trauerwoche immer wieder in sein Heiligtum zurück, mit der Schechinah gleichsam sagend: ■np’ rra abv in /»mpai ,jva nbv 'in, sei nochmals gegrüßt mein Haus, sei gegrüßt, mein Heiligtum, Stätte meines Wirkens, abv 'in 112 p. Ihr alle, meine Kinder, meine Gattin, meine Freunde, meine Talmidim, meine Ge-' meinde, seid nochmals innigst gegrüßt. In diesen Räumen lebte unser mjun p’ns sein gottgeweihtes Leben. In diesem Heiligtum entzündete er das heilige Licht, unterhielt er das ewige Feuer, lernte und lehrte er Gottes Thora. Von hier aus wurden die reichen Saaten ausgestreut, deren Früchte noch die. spätesten Geschlechter genießen werden. Dieses Streben und Wirken ist von verschiedenen. Seiten bereits gewürdigt worden. Unser Gaon und Zadik ny’”u nnw ’nn, war aber nicht bloß der geistige Führer seiner Gemeinde, sondern einer von jenen, welche n"2pn zu Führern seines Volkes einsetzt, einer der mm»n 'Vna, die mit ihrem Wirken und Schaffen der Gesamtheit angehören; einer der Manhige Hadaur, die ein wankelmütiges Zeitalter auf ihren Schultern tragen; einer jener göttlichen Sendboten, auf die das Auge Israels in schweren Zeiten gerichtet ist. Srx Ue Sriuer brejes jjau|es( Munk» fuvier ftefjUIot}, der deutschen Judenhett, mischt sich deswegen von weither kommend noch eine ganz besondere Wehklage, das alte, erschütternde, dreifache „E'cho" aus dem heiligen Lande. nVy;nn o^wm rosn nna yi's- .gion weint bitterlich, Jerusalem erhebt seine Stimme. Es., ist die Klage der Rabbonim und Talmide Chachomim von Erez Jisroel, der Armen und Kranken, der Witwen und Waisen, der pn v'2 bv nipim.der Talmud-Thora-Schulen und Jeschiwaus von Erez Jisroel, denen unser teurer Rabbi Helfer und Retter gewesen. Es gab keine größere