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Der Israelit · 1926-07-29 · Heft 31 (29.7.1926) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 31 (29.7.1926)
Date
1926-07-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gelte 4 Nr. 31 Der Qiraegtf 29 Juli 1926 sich buchen dürfen, an einem der schönsten Punkte der Welt gelegen zu sein; die schöne Lage ist ja auch bisher das Hauptaktivum der neuentstehenden Universität. Eine rührige, von den Erfordernissen der Neuzeit durchdrungene deutsche &lcz&lz>evix>aUitncj ^äUe tjiev fshpn längst kiNkN Aussichtsturm hingebaut, mit 'n seines Restaurant dran. So weit sind wir hier allerdings noch nicht. Aber das kommt noch, trösten die Jerusalemer. Ueberhaupt, man kommt nicht um hier bei uns, sagen die Jerusalemer. Es gibt ein symphonisches Orchester, eine Oper- und Schauspieltruppe gastiert ab und zu, Vorträge und literarische Abende werden abgehalten, und im Allenby und im Bristol ist zweimal in der Woche Dancing. Auch ein Kino ist da, das — wie denn anders? — „Zion" heißt. Jetzt geben sie gerade: „Die Gräfin von Paris. Erschütterndes Drama in sechs Akten." „Viurim beiwrit!" („Hebräische Zwischentitel!"), kündet stolz das Programm. Auch sonst braucht sich inbezug auf großstädtischen Anstrich, — wenigstens soweit die schon rühmlichst bekannte Jaffastraße in Betracht kommt — das neue Jerusalem gar nicht zu schänden. Es herrscht ein sehr lebhafter Verkehr auf dieser Straße, viele Autos rasen durch, Geschäfte mit üpi&laiattiteln, wlö fle Touristen ksufstt, sind bä, Läden voll unnützer Dinge, die aus Gimpel warten, Konditoreien, ein Eafe mit Musik und intensiv betriebenem Kartenspiel, fast elegante Buchhandlungen. In deren Schaufenstern liegen aus: Landkarten, Journale, Sprachführer, technische Lehrbücher, eine populäre Darstellung der Relativitätstheorie, Vorlesungen von Freud, ein Stybelroman von Dostojewski, alles hebräisch. Fast überall an sichtbarer Stelle ein schmales weißes Bändchen mit blumig verziertem Umschlag, darauf mit schön geschwungenen Lettern der Titel: „Flirt Jwri". Der wirtschaftliche Zusammenbruch der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa. Das Juli-Heft des Weltwirtschaftlichen Archivs bringt eine größere Abhandlung über die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Ostjuden nach dem Kriege, in der der Verfasser, der bekannte jüdische Nationalökonom Jakob Lestschinsky, die Wandlungen im Wirtschaftsleben der Juden in Rußland, Polen, Litauen und Lettland skizziert. Die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen die ostjüdischen Massen ihren Existenzkampf in den Nachkriegsjahren führen müssen, charakterisiert Lestschinsky folgendermaßen: 1. Infolge des Staaten- und Bürgerkrieges, der 'Zerrüttung "der Landwirtschaft, des Ausfalles oder Rückganges der Agrarausfuhr ist die dfs ygllMlAkll Müssen für flämische Erzeugnisse stark gesunken. 2. Die Zerrüttung der Industrie hat der Nachfrage nach städtischen Erzeugnissen noch mehr Einhalt geboten. 3. Das Steuersystem ist überall zugunsten des Bauerntums abgeändert worden und belastet insbesondere das städtische Element. 4. Das im Verhältnis zur Vorkriegszeit kulturell und politisch stark vorgeschrittene Bauerntum hat durch ein verzweigtes Genossenschaftswesey eine Art ökonomischen Selbstschutzes aufgebaut. Zirka eine Million Juden lebte vor dem Kriege im Ansiedlungsrayon vom Agrarproduktenhandel. Diese Masse wurde infolge der Veränderungen in der osteuropäischen Wirtschaftsstruktur an den Bettelstab gebracht. In ihrem wirtschaftlichen und sozialen Gesundungsprozeß sind die Ostjuden auf Jahrzehnte zurückgeworfen worden. Der Prozentsatz der werktätigen Elemente ist gesunken; der ungesunde Kleinhandel nimmt zu. So oblagen z. B. unter den Juden in Lettland i. I. 1897 35,4 % dem Handel, i. I. 1920 schon 50 °/o, i. I. 1923 53,6%. Dagegen ist öiy Ppt4zsntfcktz &er tn ler Äntzustrfl beschäftige ten Juden von 49,2 7o i. I. 1897 aus 32,4 % i. I. 1920 gesunken. In Litauen waren i. I. 1897 30,9 % der Juden im Handel, i. I. 1923 schon 40 °/o, in der Industrie aber i. I. 1897 38 %, jetzt nur 33 7». Unter den Juden in Weißrußland sind 60°/« Handels- und Luftmenschen, bloß 7% leben von Lohnarbeit und nur 20 °/o vom Handwerk. In der Ukraine leben vom Handel 54°/« der Juden, von Lohnarbeit 6,3"/», vom Handwerk nur 18"/». Die jüdische Arbeiterklasse hat überall harte wirtschaftliche Schläge erlitten, die sie dazu gezwungen haben, viele schwer errungene Positionen aufzugeben. Unter den jüdischen Arbeitern in Osteuropa herrscht eine schon konstante Arbeitslosigkeit. 30°/» aller jüdischen Schneider in Ukraine und Weißrußland sind monatelang arbeitslos. Die Arbeitergeneration der Vorkriegszeit ist fast völlig verschwunden. Ein großer Teil ist zu Händlern geworden. — Sehr traurig ist die Lage des jüdischen Handwerks. Lestschinsky vergleicht dabei die Ergebnisse der von ihm i. I. 1914 in Wilna durchgesührten Betriebszählung mit den Ergebnissen der Joint'schen Betriebszählung im Jahre 1921 und kommt zum Schluß, daß die Zahl der jüdischen Werkstätten in Wilna um 32°/», die der Werkstätten mit Lohnarbeitern um 42,3°/°, die Zahl der Lohnarbeiter um 63,7 °/», und die der Lehrlinge um 92,7°/° zurückgegangen sind. Auch Meliz Jauscher sein, daß n"3pn fein heiliges Erbe, das teure Heim seines armen, schlaffen und müden Volkes beschütze, «nV’Vn Vai ovn Va mimv vnpan oVvii' -]vrinin by ns mv' nyi piy “s? iV ’m unn Vsi nsV ->m Vs 'i ns D’TOTttn •pxa nVnn aVen-p „lieber deine Mauern Jeruscholajim habe ich Wächter bestellt". Ihr Gottesdiener seid doch die wahren Wächter an den Mauern Jerusalems. Gönnet euch keine Ruhe v> nnn Vsv un& gebet auch Ihm,rin keine Ruhe, bis Er nVenn' gründet und zum Ruhme bestimmt auf Erden. yVn nrmVaVynnyaTD’pVs'-innn'inxjVniKiivbts der Tod für ewig schmmdet und es löscht Mp jM LiMt vllll fcQS uäjem p« '7rm irs'7 naT II. Schreiben von Rabb. Dr. IN. Lehmann V"st an den Vorstand der Kultusgemeinde Papa (Ungarn). Mainz, den 12. Dezember 1875. An den löblichen Vorstand der autonomen, orthodoxen Kultusgemeinde zu Papa. Eines löblichen Vorstandes gefällige Anfrage betreff des Rabbinatskandidaten Herrn Salomon Breuer '"J beeile ich mich zu beantworten. Seit zweieinviertel Jahren habe ich die Ehre und das Vergnügen, Herrn Breuer zu kennen, und zwar genau zu kennen, da derselbe nicht allein im Hause meines Schwagers amtiert, sondern namentlich deshalb, weil ich tagtäglich Gelegenheit habe, mich seiner strengreligiösen Richtung und seines edlen Charakters zu freuen und sein tiefes, umfassendes Wissen zu bewundern. Herr B. ist ein junger Mann, der mit eminenten Fähigkeiten einen unermüdlichen Fleiß vereint und beide — Talente und Fleiß — in hervorragender Weise dem Studium unserer heiligen Gotteslehre widmet. Durch die Fülle seiner Kenntnisse auf dem Gebiete unserer heiligen Religionswissenschaft — niaivni mpvisi c"v — würde er selbst im vorigen Jahrhundert unter den größten Gelehrten damaliger Zeit als bedeutender anerkannt worden sein, ebenso durch seinen Scharfsinn ma'nn: aber auch in der Agadah, in Deraschah oder Predigt, ist er nicht minder groß, reich an schönen und fruchtbringenden Ideen. Dabei ist Herr B. bescheiden, anspruchslos, für das Subentum begeipert und von d^gf Wuafckxo bejeelt, in Qetjve NN- Hs-m QUtS2 zu Mrkkll. Aucy in pähagogischer Beziehung hat er hier Bedeutendes geleistet, so daß anzunehmen ist, daß in seinem künftigen Wirkungskreise der Unterricht der Jugend einen gedeihlichen Aufschwung nehmen wird. Demnach kann sich die Gemeinde, die Herrn B. acquirieren wird, glücklich preisen — sie kann die Sorge für die höchsten Güter der Welt in keine besseren Hände legen. Genehmigen Sie die Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung gez. Dr. Lehmann Rabbiner der (orthodoxen) israelitischen Religionsgesellschaft dahier. Stempel. in den großen Fabriken in Polen machen die jüdischen Arbeiter einen viel geringeren Prozentsatz als vor dem Kriege aus. In Sowjetrußland bilden die jüdischen Arbeiter in den großen Fabriken Ml eMN gkMMN WüMtsatz. Ein stchöt'er uttb rationeller Weg gur Verhütung einer weiteren Degradation und Degeneration der Ostjuden kann nur in der Richtung der wirtschaftlichen und sozialen Gesundung der Wirtsvölker gefunden werden. Vor allem in der freien Entwicklung der Industrie, des Handels und des Verkehrs. m__M Korrespondenzen « ßaebriebten. Ss«»L?«hrs Asish. Reichsversicherung für Angestellte. Frankfurt a. M., 15. Juli. Die Stellenvermittlungs-Zentrale der Agudas Jisroel, Frsrrkfuvt a. 9Ji., Utjlarcbpjrcijje 4S^ teilt MÜS rpi^ Jfljj fj? ihr grlungrn ist, in Fällen von offener Tuberkulose beim Retchsversicherungsamt die Einweisung in ein Heim mit ritueller Verpflegung zu erlangen. Die Stellenvermittlungs-Zentrale ist in diesen sowie ähnlichen Fällen bereit, vermittelnd tätig zu sein. Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden. Berlin, 26. Juli. Das Nachrichtenblatt der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden von Juni-Juli enthält wiederum eine große Reihe von Mitteilungen und Notizen, die für jeden an der Wohlfahrtspflege interessierten Juden von Bedeutung sind. Besonderes Interesse verdient die in einer Beilage behandelte neugeschaffene Pensionskaffe der freien Wohlfahrtspflege. Sie gewährt gegenüber den sonst üblichen Versicherungen, insbesondere auch gegenüber der Reichsversicherung für Angestellte, bedeutsame Vorteile. Bei Schwesternversicherungen ist die Pensionskasse in der Lage, Ermäßigungen von 25°/» zu gewähren. Die nächste Nummer der „ Z e d a k a h " wird den ausführlichen Bericht der Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden in Düsseldorf enthalten. Landesverbandsversammluug des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden. H a l b e r st a d t, 22. Juli. Der Landesvorstand hat die Mitglied-Gemeinden zur ordentlichen Landesverbandsversammlung, auf Sonntag, den 22. August ds. Js. nach Fulda eingeladen. Die Verbandsversammlung beginnt dort nachmittags 2 Uhr im Schulsaal der Israelitischen Volksschule. Die Tagesordnung sieht den Tätigkeit«- und Kassenbericht, die Aufstellung der Richtlinien für die zukünftige Tätigkeit des Landesverbands, die Festsetzung der Beiträge und die Neuwahl des Verbandsausschusses vor. lieber die Vertretungsberechtigung und die Wahl der Vertreter geben § 10 und 11 der Satzungen Auskunft. M 5{f HksMmluiig ms LliMsoer-- vllllvs flnvel lllllli Lim Tagung vssVui, rsLzäsetzes- Itäuer jüdischer Gemeinden Deutschlands (Neichsbund) statt. Näheres besagt die Einladung. Der Vorstand des Preußischen Landesverbandes sowie des Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands tritt vormittags 10 Uhr am gleichen Orte zu einer Sitzung zusammen. Verband der Staatenlosen. Köln, 1. Juli. Man schreibt uns: In erhöhtem Maße wird jetzt von der Presse und in Einzelberichten die Staatenlosenfrage aufgeworfen und allenthalben endlich eine einheitliche Regelung dieser unerwünschten staatesrechtlichen Erscheinung gefordert. Wie zu erwarten war, haben die auf die Friedensverträge folgenden Regulierungen der Ost- und Westgrenze ihre Folgen auf die Staates-Angehörigkeit der ehemaligen Ge--

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