Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1926)
- Date
- 1926-04-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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29. SWE 1928 Ser 0 a t a elit Uli. 18 mit g gegenüber auftritt, die, wie keine zweite in der Welt, ein weitverzweigtes, bis ins einzelne gehendes System von Gesetzen zum Schutze der Tiere aufweisen kann. Nur auf dem Boden des Judentums konnte eine Frage erwachsen, wie es zu halten sei, wenn Mensch und Tier in gleichem Maße unter Qualen von Hunger und Durst zu leiden haben, wem in diesem Falle das Vorrecht einzuräumen wäre? Auch die peinliche Gewissenhaftigkeit, welche bei Vornahme des Schächtaktes zu beobachten ist, ist offenbar von der gleichen Tendenz getragen. Genüg, das Judentum erblickt in ihm einen religiös qualifizierten Akt besonderer Bedeutung, den es nur Männern anvertryut, die in ihrer gesamten Lebensführung jener Zucht sich unterwerfen, wie sie von jedem gefordert wird, in dessen Hand priesterliche Funktionen gelegt werden. Wie sonderbar muß es berühren, wenn die Bekenner einer solchen Religion sich von den Tierschutzoereinen zur Pflicht der Barmherzigkeit gegenüber dem Tiere in ihrem Gewissen öffentlich aufgerüttelt sehen sollen! Es sollte durchaus nicht schwer halten, diese Aufforderung mit der gleichen Eindringlichkeit an die Stelle zurückzugeben, von der sie ausgeht. Auch in der gewaltsamen Zertrümmerung der Schädeldecke liegt jedenfalls ein Akt, der aus dem Grundsatz der Barmherzigkeit weder begründet noch hergeleitet werden kann. Es ist daher nxdji afcgit|ef>en, mti »»sich ethischen Gründen sie veNeidigl und deren Bvrnnhm? tart gemutet werden könne. Da für die Mitglieder der Tierschutzvereine irgend eine besondere Pflicht zur Fleischnahrung ebensowenig nachgewiesen werden kann, wäre "es doch an ihnen, zunächst einmal für die strenge Folgerichtigkeit in den eigenen Grundsätzen ein vorbildliches Beispiel zu liefern. Anders liegen die Dinge nach Auffassung des Judentums auch hier. Das Recht, eine von Gott geschaffene Kreatur zum Zwecke der Nahrung chres Lebens zu rauben, besitzt der Mensch von Hause aus überhaupt nicht (1. Moses 1,29). Schon Bismarck sagte gelegentlich der Verhandlung des Preußischen Landtages wegen Abschaffung der Todesstrafe: „Gelte es nicht für die Obrigkeit als ein Ausfluß göttlicher Ermächtigung das Recht, das Schwert zu handhaben, so wüßte er nicht, aus welchen menschlichen Erwägungen heraus, sie es für sich in Anspruch nehmen könnte." Das Judentum geht in dieser Hinsicht nur noch einen Schritt weiter. Diese Ermächtigung, ein Tier zu töten, ist dem Menschen erst später verliehen worden (9,3 das.). Die hier verliehene Befugnis darf von Juden nur in Form des Schächtaktes vollbracht werden (5. Moses 12,21). Zwei Gesichtspunkte sind hierbei maßgebend. Zunächst die möglichst schonende Behandlung des hiervon be- Talmud in Schule und Lehrhaus zu unterrichten. In keiner Gegend Deutschlands wurde damals dank der hingebungsvollen Tätigkeit Akiba Egers der Talmud mit solcher alle Schichten der Bevöl- Körung umfassenden Liebe studiert, wie in der Provinz Pass». AM leine Anregung mmm sSjährlge Salvtttvn Pletzner seine durch gründliche Gelehrsamkeit ausgezeichnete Schrift: »Wort zu seiner Zeit oder die Autorität der jüdischen Traditionslehre" nebst einem Auszuge in hebräischer Sprache unter dem Titel bxiV'b nvw Breslau 1825, zweite Auflage, Breslau 1860. Zugleich mit dieser Schrift verfaßte er ein der königlichen Regierung in Berlin zu überreichendes Gesuch um Aushebung jenes Verbots. Schrift und begleitendes Gesuch wurden von Akiba Eger dem Kultusministerium in Berlin übersandt. Der Erfolg war die überraschend schnelle und uneingeschränkte Freigabe des Talmuds. Nach Empfang der Schrift richtete Akiba Eger folgenden Brief an Salomon Pletzner. p"ps i"vpn oa» nn ma nbyan nin ty'N niaab am bai nanai nbty an n"D nnan ty'Ni mbyoa nnaio nbnn mw ib /TT>Gy niDybD nobtf nny deo aipj mnano. mp’ Dy tanaD ntyN nioisyn mnnon nm uyun brnsyb uky Dityb ■omnttf Nb nwss by iby unntyn mn arm l'nanan o’ynb rnpndb dn »a vnana tpn“) o i’nnDK hy n;N m n&D Nnp ’mbn Donbi nNöb ny wabn iDyöb n nn bnnty ttnanoi’ nbn yim nt *0 *]N niDbnn ‘Tin’»*? nbyo mint« nay nsyDai n rnina u»dnd ba aba vidji troffenen Tieres. Sodann die Ermöglichung einer restlosen Ausblutung. Denn der Genuß des tierischen Blutes gilt nach Auffassung des Judentums für alle Menschen als unzulässig (1. Mose 9,4). In der Entsagung hiervon sieht es eine Vorkehrung gegenüber jenen Exzessen zur Vernichtung des höchsten sittlichen Gutes, des menschlichen Lebens nämlich, (das. Vers 5.) Das Apostelkonzil zu Jerusalem war derselben Auffassung. Andere Religionen mögen sie nicht teilen. Wie die Statistik erweist, hat das Judentum die hierauf bezüglichen Verbrechen in seiner Mitte fast vollständig überwunden. Es darf keiner, wie immer er darüber denken mag, schon aus diesem Grunde allein sich für befugt erachten, ihm dabei in den Arm zu fallen. Durch Zertrümmerung der Schädeldecke und Verletzung des Hirns erfolgt aber, wie bereits gezeigt, die Lähmung des motorischen Nervensystems. Die Ausblutung wird dadurch zur Unmöglichkeit gemacht. Von gegnerischer Seite wird den Juden behufs Vermeidung aller Weiterungen die Zumutung gestellt, zur Pflanzennahrung überzugehen. Dem ist folgendes entgegenzuhalten. Unter unseren klimatischen Verhältnissen und bei den schwierigen Anforderungen unseres gesellschaftlichen Lebens bedeutet Fleisch nicht sowohl neben vielen anderen ein Genußals vielmehr wichtiges Nahrungsmittel. Mehr als jede andere hat die Kriegszeit gelehrt, wie untragbar die Versagung der richtigen Nahrung für ÄU Msttschsn aus Die Dauor AMiM. Gill es für einen Familienvater, fern Leben in vallSV Leistungsfähigkeit für die Versorgung und Betreuung seiner Schutzbefohlenen zu erhalten, so kann ihm mitunter Fleischnahrung als dringende Pflicht erscheinen. Der Jude aber hätte in allen diesen Fällen die Norm für sein Verhalten nicht auf seinem Gewissen und nicht aus der ihm verliehenen göttlichen Befugnis herzuleiten, sondern sie äußeren fremden Einflüssen zu entlehnen. Dies liefe auf einen Gewissenszwang hinaus, wie er schlimmer kaum gedacht werden kann. Ohne Aenderung der Reichsverfassung ist eine derartige Vergewaltigung der Gewissen kaum denkbar. wochenrundschau. Der Kampf um die Thora. Oft genug hört man im Lager der bewußt zu Gott und seinem Gesetze Stehenden die verwunderte Frage, warum denn gar keine Aussöhnung nn» ntabityoi niDNnio md byaw mint anansy nniaan »öd bam nnö» Nbi nmnx ha ntyN ntbba nnain noyoa n"y u»an ntyob not« nn ö"ya ib nooj {mmöi. p»tyn»öi anan nitson Bist BPil niünV nenpn «naio« DJZ5PD i:vd n>t Dm« nobbi nwybi niDLlbi rfrbi' nnnso oi»pi n naiöN Daba ty»ntynbi Dbm nyt i:nm "ipso nn»pnp»m D.n»Dn& baa on»»tyy »jöini »öd ty»N nbap »n» hy y"j mobnn »oan u»rnan bnjyi ntynnj nmnnty nno »n» byi ty»N min aiöi Di»n ainn b'un mina niD»ba omN naabo ot»a' D»ntyi nyjya amtt lohb jntt pn dy ’wntya uya^ d'Vjid upün myNa )ia»nm na'nan Dn’j’y int» mwi nn» uihn »nonD ntsfNai n'oyo a"Dy^ nta nnyy^> why id»i nt hy 'na^na no^yj m’D^a mann n»mr6 n^y am nj dd1? nty a^>a D’pnno Dnty» nnana nanm idd1? lann hidinh ’ddh nirnnbi lmiawoi i*?yD n )h uhvn .niobnn n^yoi natya ^n tnyi i^ 'n d»d^d rpnn ontsnND Dnana ntn nana nanai j.na niann^ mböiD ns’n:a ania nND mnoi n^ennn fvna ty"N& tj’j Na’py Der zweite Brief betrifft das ihm zur Durchsicht und Unterzeichnung vorgelegte Gesuch und lautet: ]tiö p"p& iDpn »"dd*? n"’ ’z D^tyion ibDicn ’työa dihn ’n’n’b nanaa '»n’ty. n:Dyhz no^tv n"a naa Nan joddi oan möglich je J . .m zionistischen Volksgedanken u . i? sen Ueberzeugungen der Orthodoxie^ warum nicht mindestens Aguda und Misrachi (deren Bekenner doch individuell dem gleichen religiösen Ideal zustreben) in enge Gemeinschaft zu treten vermöchten. Die Antwort ist an dieser Stelle wiederholt gegeben worden. Aber es mag manchem einleuchtender sein, wenn er diese Antwort aus gegnerischem Munde vernimmt. Wir geben daher die bemerkenswerten Ausführungen wieder, die einer der führenden zionistischen Geister, Dr. M. Solow e i t s ch i k, in der ganz der „Ideologie" gewidmeten Nr. 29/30 der „Jüdischen Rundschau" veröffentlicht. Sie charakterisieren sowohl das Wesen des Zionismus als dasjenige des Misrachismus in großer Klarheit und verdienen daher auch von uns gewürdigt zu werden. Sotoweitschik schreibt: „W'.r (d. h. der Zionismus Red.) erheben somit den Anspruch, nicht eine Geistesrichtung innerhalb des modernen Judentums zu sein — wenn wir es auch parteimäßig sind —, sondern die neue, die moderne Judenheit im Werden zu repräsentieren, und zwar einen Mikrokosmos der Gesamtjudenheit, mit allen in ihr vorhandenen Richtungen. In diesem Sinne gibt es innerhalb der Judenheit nur noch eine, auch recht zahlreiche, Schicht, die einen ähnlichen — aber inhaltlich diametral entgegengesetzten — Anspruch erhebt, das ist die Orthodoxie, und zwar die Orthodoxie, nicht als Gesamtheit der Gesetzestreuen verstanden — auch in unseren Röihm QiBt 05 huMMauscim ©ncßcstreuer —j ssn ÄdMi Oethü Sorte als historische Weltanschauung, als Geschichtsphilosophie, als die das Bestreben des Judentums zum Volkwerden negierende und negieren müssende Geistesrichtung, als« die exklusive Orthodoxie, die Trennungsorthodoxie. Die Gesetzestreuen, die die Gesetzestreue nicht als Gegensatz zu den nationalen Zielen des Judentums empfinden, die durch die Wucht des neuen Lebens sich veranlaßt 'sahen, ihre religiöse Empfindungswelt in das System der nationalen Güter einzuordnen, die — wenn auch noch nicht theoretisch, so wenigstens praktisch — die Suprematie des nationalen Prinzips anerkennen — die alle fanden und finden Platz inunserer Mitte. Ganz anders aber die gegen das Nationale kämpfende Orthodoxie: sie erhebt, wie wir es tun, den Anspruch, nicht eine Richtung im Judentum, sondern das Judentum zu sein,^ünd nach unserer — zionistischen — Auffassung ist dieser Anspruch berechtigt gewesen, sie war das Judentum, sie ist aber jetzt das zu überwindende, das nicht mehr lebensfähige und daher — das abzulösende Judentum, und zwar das durch uns abzulösende: wir sind berufen, die Erben der Orthodoxie zu'sein. Wie die Orthodoxie nach dem Zusammenbruch des alten klassischen jüdischen Gemeinwesens die historische Mission hatte, den Organismus des Judentumsdurch ein kompliziertes System religiöser Gebundenheit vor der Auflösung zu bewahren, so ergeht an uns heute der Ruf der Geschichte, an Stelle des zusammenbrechenden und nicht mehr aufzurichtenden Gebäudes des alten Judentums e i n mna& nuti6 "N' mann •»jy’in ianav mp' □noiN Dm Nnoi niD’^a D'niDty mo» hy ’ua »a niD'to nruD.n mysya pn o'tftn na nannte s^ty D’Sin un ntPN np'ym moa nob' D.nbty jniMi nbjnn noi böta mtyyb iTTP omm ’INB' fa'bb'iH*) □s ncynpn umin mo'bb perm a?i cyin orfr bNity’ mbbab dn mb lonoben vm »di »d mDD nsp lanao nutyb bino' mncb luisn □'»□»DD ban n' "n »a »hn itn [brnty» mny] mmn Nb^y ny r.‘ nnN nt udd n&D ihNtyi mnpb nbsy» uisn dni namnhta i'nbNty 'vb ynn u»ni 'b nDDD »b nbtyb bia' nain ny»D3 'm byi nnnN 'b n"ayc nawb dhin maob nsdn dni D'ntyy ^ny nw»m m’n’ 3wba y^DN Nb tyND tju ND’py pitn Nnpj nDD nboynaa Nmsty »ny&t? 'biN D.nbty nu'D man by a'^nb novo nmv )i»bai nayn ptyba DiDna mibynb vond» dn aio onbiy jöiNai ouionm D'Bfi lNnp'ßf »na lyb m' Ttyn ntyNa D'nan «fDinb n"ayo nsd' ’biNi Zu diesem Postskriptum sei mitgeteilt, daß Salomon Pletzner die ihm von Akida Eger gegebene Anregung an David Deutsth, Rabbiner zu Sohrau. werrerleitete. der das Werk später mit deutscher Uebersetzung herausgab. vom