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Der Israelit · 1925-04-30 · Heft 18 (30.4.1925) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 18 (30.4.1925)
Date
1925-04-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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30. April 1925 »* J Mit Nr. 19 beginnen wir mit der L Veröffentlichung einer neuen Buch- I beilirge für unsere Leser: i Kambam, kjilchoth Teschuwa | (Die Lehren über die Rückkehr), i Uebersetzt von Dr. B. Iaeobson. Korrespondenzen * ßacbrlcbte* 9eut{^e# Rsish Die Wahlen zum Landesverbands-Rat. Berlin, 22. April. lieber die Wahlen zum Rate des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden liegen außer den bisher mitgeteilten (siehe Korrespondenz vom 15. April) noch die folgenden Resultate vor. Wahlkreis 5 (Ost- und Westpreußen): Justizrat Holz, Königsberg. 1. Ersatzmann Geheimrat Falkenheim, Königsberg; 2. Ersatzmann Rabbiner Dr. Rösel, Tilsit. (Wahlkreis 7 (Schlesien): (Ingenieur Max Grünwald, Beuchen o. S.; 1. Ersatzmann R.-A. Dr. Scheyer, Liegnitz; 2. Ersatzmann Paul Cohn, Gleiwitz. Wahlkreis 8 (Schleswig-Holstein, Hannover): R.-A. Dr. Max Schleisner, Hannover; 1. Ersatzmann San.-Rat Jacob, Kiel; 2. Ersatzmann Hermann Jacob, Güttingen. Der deutsche Tierschuhverem und das rituelle Schächten. München, 26. April. Bor kurzem tagte in München die 17. Jahresversammlung des Verbandes Deutscher Tierschutzvereine. Der Schriftsteller Fritz Westphal unternahm einen Vorstoß gegen die Methode der jüdischen rituellen Schächtung und brachte den Antrag ein: Der Verband der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches möge bei den gesetzgebenden Körperschaften vorstellig werden, daß in Deutschland der Betäubungszwang für alle Schlachttiere vorgeschrieben wird. Der Antrag ries eine lebhafte Diskussion hervor. Rabbiner Horowitz (Frankfurt a. M.) wies auf die Gutachten der hervorragendsten Physiologen hin, die bekundeten, daß den geschlichteten Tieren schön nach wenigen Sekunden das Bewußtsein schwinde. Neuere Untersuchungen über den Blutdruck haben die Wahrnehmungen der Physiologen bestätigt: Von einer Tierquälerei könne beim Schächten nicht die Rede fein. Die Juden sind von jeher, schon auf Grund ihrer religiösen Satzungen, Freunde des Tierschutzes. ~ Rabbiner Horowitz, regte an, es solle in den Ausschuß für Schlachtoiehtötung ein Rabbiner ausgenommen werden, damit die Vorbereitungen für die Niederlegung der zur Schächtung bestimmten Tiere möglichst verbessert werden. Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt) erklärte, durch Einführung des Betäubungszwanges würde den gesetzestreuen Israeliten der Flerschgenuß vollkommen unmöglich gemacht werden. Auch Geheimrat Volkmar und Kommerzienrat Fraenkel traten für die Ablehnung des Antrages Westphal ein. Veterinärrat Storch (Schmalkalden) unterstützte Westphal und meinte, würde die Bevölkerung sich einmal das Schächten ansehen, es würde ein Sturm der Entrüstung durch das Land gehen. Krämer (Berlin) erklärte, wenn die Israeliten sich auf einen Gewissenszwang berufen, so bestehe für die Anhänger des Tierschutzes ebenfalls Gewifsen^wang, wenn sie zugeben würden, daß die Tiere durch das Schächten unnötig gequält werden. Schlachthofdirektor Dr. May begründete einen Antrag des Niederrheinischen 'Tierschutzvereins Krefeld auf: „Verbot des Schlichtens der Bullen, da das Rlederlegen und das Durchschneiden der dicken Haut besonders schwierig ist und im Großbetrieb gefährlich werden kann." Es wurde zunächst der Antrag des Düsseldorfer Vereins, der durch Westphal gestellt wurde, mit 35 gegen Stimmen vertagt. Der Antrag Dr. May (Niederrheinischer Tierschutzverein Krefeld) wurde angenommen: Der Israel'' Dadurch erledigte sich der Antrag Dr. Horowitz, daß das Schächten der Bullen nur dort gestattet werde, wo geeignete Sicherheitsvorrichtungen vorhanden sind. Zum Schluß wurde ein Antrag des Vereins Kiel angenommen, das Neichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu ersuchen, eine Verfügung zu erlassen, durch die für das ganze Reichsgebiet Bestimmungen über das Schlachten der Tiere getroffen werden; diese Bestimmungen sollen bei der Novelle zum Strafgesetzbuch berücksichtigt werden. (Wir kommen auf die Verhandlungen in nächster Nummer zurück. Red.) Israelitische Lehrerkonferenz in Cassel. Cassel, 27. April. Im Hotel Meier fand die Konferenz der „Vereinigung israelitischer Lehrer im Regierungsbezirk Cassel" statt. Der Vorsitzende, Lehrer N e u h a u s -Fritzlar, begrüßte die Mitglieder und Gäste. Lehrer R o s e n b u s ch -Bebra hielt dann einen Vortrag über: „Das Arbeitsprinzip im Religionsunterricht". Die ethische und erzieherische Aufgabe der Arbeitsschule sieht er in der Willens- und Charakterbildung durch das Erlebnis und die Tat. An feine Ausführungen knüpfte sich eine sehr ausdehnende Diskussion, an der sich eine Anzahl der Herren beteiligte, teils zustimmend, teils abweisend. Eingehende Besprechung fandet auch die für den an Pfingsten in Köln stattfindenden Verbandstag gestellten Anträge über die Ausgestaltung des Verbandsorganes und die Hilfskassen. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. Lehrer P e r l st e i n - Gudensberg berichtete schließlich über die Hilfskasse „Esra". Vslei». Gegen die Selbstmord-Epidemie. Warschau, 27. April. Zwecks Bekämpfung der überhandnehmenden «Selbstmord-Epidemie unter den unter der Wirtschaftsnot leidenden jüdischen Kaufleuten hat das Warschauer Rabbinat beschlossen, von jetzt ab Selbstmörder nur am Friedhosszaun begraben zu lassen und die jüdische Bevölkerung aufzufordern, an Begräbnissen von Selbstmördern nicht teilzunehmen. Die polnische Pogrom-Propaganda. Warschau, 17. April. Wie alljährlich in Polen wurde auch dieses Jahr vor den Passah-Tagen die übliche Ritualmord-Propaganda betrieben. Die jüdische Tageszeitung „Moment" ist in den Besitz einer Zinkplatte gelangt, die von einer Warschauer Gießerei hergestellt wurde und einen Ritualmord darstellt. Die Ueberschrift lautet: „Mazzot-Fabrikation". Ferner enthält die Platte mystische Zeichen. Es ist nachgewiesen, daß viele Abzüge dieser Platte verbreitet worden sind. Der berüchtigte Pogromagitator „Professor" Jascha Chamiec, der vor kurzem wegen Unterschlagung größerer Beträge aus der antisemitischen Organisation „Rozwoj" ausgeschlossen worden ist, wurde wegen Beschimpfung polnischer Gutsbesitzer zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Trotzdem setzt er seine antijüdische Hetzpropaganda in den Städten und Städtchen fort und verteilt massenhafte Pamphlete, in denen zu Angriffen gegen die Juden aufgefordert wird. rr».tzl«,»d. Das Urteil gegen die Muster rituellen Schächter. Moskau, 17. April Wie wir in Nr. 12 des „Israelit" berichteten, hat das Minsker Kreisgericht die drei jüdischen rituellen Schächter Zaitschik, Rappaport und Swerhanowski wegen angeblicher Mordanstiftung gegen den „proletarischen Schochet" Drojkin zu drei, bezw. zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die drei Verurteilten legten Revision ein. Die Revisiönsverhandlung fand am 13. April vor dem Obersten Appellationsgericht der weißrussischen Sowjet- Republik statt. Das Appellationsgericht verwarf die Beschwerde und bestätigte das erstrichterliche Urteil. Land für die jüdische Kolonisation in der Krim. ' .. M o s k a u, 26. April. Der Oberste Wirtschaftsrat der russischen Regierung beschloß in einer Sitzung am 22. April, eine weitere große Landfläche von insgesamt 31860 Desjatin (etwa 86 000 Morgen) in der Krim für die jüdische Landansiedlung zur Verfügung' zu stellen. Gegenwärtig > Nr. 18 Seite b werden in der Krim 8140 Desjattn Boden von Juden bebaut. Das neue zugeteilte Land befindet sich in den Distrikten Dgankey und Feodesia. Noch in diesem Jahre soll das Land kolonisiert werden. Der gesamte Boden wird nur neuen jüdischen Siedlern, die aus anderen Teilen Rußlands laut dem ausgearbeiteten Kolonisationsplan nach der Krim kommen, zur Bearbeitung übergebew Diejenigen jüdischen Siedler, die von früher her in der Krim wohnen, aber nicht genug Land besitzen, erhalten ebenfalls neuen Boden zugeteilt, aber nur nach jenen Bedingungen, die für die allgemeine, nicht jüdische, Bauernschaft der Krim bestehen. Aus dem neu zugeteilten Lande sind für die fremden Siedler Häuser gebaut worden, die den Siedlern gegen eine 15jährige Abzahlungssrist übergeben werden. Die erste Rate soll fünf Jahre nach erfolgter Ansiedlung geleistet werden. Auch für eine ausgiebige Bewässerung und Brunnenanlagen wurde gesorgt. Die Negierung der Krim wurde verständigt, daß sie eventuelle Einwendungen gegen diesen Beschluß sofort erheben möge, wo dann die Einwendungen von einer höheren Instanz geprüft würden. Sollten Einwendungen nicht sofort erfolgen, so bleibt der Beschluß endgültig in Kraft. Die Odessaer „Broder"-Synagoge abermals beschlagnahmt. Odessa, 16 April. Der Beschluß des Engeren Exekutivkommitees der ukrainischen Sowjets, daß die in einen Arbeiterklub verwandelte historisch denkwürdige „Brodor"-Synagoge in Odessa der jüdischen Gemeinde für ihre religiösen Be: dürsnisse zurückzuerstatten sei, hat unter den jüdischen Kommunisten Odessas eine starke Protestbewegung hervorgerufen. Es wurden zahlreiche Versammlungen abgehalten, in denen gegen den Beschluß des Engeren Exekuttvkommitees lebhaft protestiert und eine Revision desselben stürmisch gefordert wurde. Daraufhin beschloß das Große Exekutiokommitee der ukrainischen Sowjets, die berühmte Synagoge abermals zu beschlagnahmen und sie dem jüdischen Proletariat zwecks Umgestaltung in einen Klub zu übergeben. Der Klub wird den Namen „Rosa Luxemburg" tragen. (I. T. A.) Schlußsitzung des Board os Depulies. L o n d o n, 22. April. 'Der Board of 2)eputies hat am Sonntag seine fefete Sitzung vor Ende der Session abgehalten, da am 21. Juni die Neuwahl stattfinden soll. Den Vorsitz führte noch Mr. Henriques, dessen sachliche Geschäftsführung allgemeinen Beifall findet, der aber dennoch wahrscheinlich in der nächsten Session durch einen anderen Präsidenten ersetzt werden wird. Aus dem Berichte des Gesetzgebung sk o m i t e e s ist die Ankündigung bemerkenswert, daß eine Novelle zur Fabrikakte in Vorbereitung ist. Bekanntlich enthält diese Akte Bestimmungen zu Gunsten der sabbattreuen jüdischen Fabrikanten. Sie gestattet denjenigen jüdischen Fabriken, die am Sabbat geschlossen halten, während der Woche täglich eine Stunde länger zu arbeiten und unter gewissen Bedingungen auch am Sabbat- Abend und Sonntag. Der Vorsitzende der Kommission und voraussichtliche künftige Präsident der Deputies, Mr. Waley Cohen, wies darauf hin, daß die erste der beiden Bestimmungen von größtem Werte sei und unbedingt erhalten werden müßte. Dagegen wird von anderer Seite auch auf das Recht, am Sonntag einige Stunden zu arbeiten, großer Wert gelegt. Man wird in der ganzen Welt gespannt darauf sein, oo diese Bestimmungen, die ein Ehrenzeugnis für die vorbildliche englische Toleranz in religiösen Dingen sind, und die sich manche junge und alte Staaten zum Muster nehmen sollten, aufrecht erhalten bleiben. Einen ausgedehnten Bericht erstattete Mr. Lucien Wolf für das Joint ForeignKomitee. Allerdings hat dieses Komitee leider nicht viel von Erfolgen zu melden. Die neu gebildeten östlichen Staaten lassen sich in ihrer systematischen Verletzung der höchst problematischen Minderheitsrechte, durch die Drohung mit dem Völkerbund in keiner Weife irre machen. Erschütternd wirkt die Mitteilung, daß noch immer 700 000 russische Flüchtlinge an den verschiedensten Stellen des europäischen Kontinents leben, von denen 30(1000 ohne Beschäftigung und Existenzmittel der größten Not preis-

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