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Der Israelit · 1925-01-08 · Heft 2 (8.1.1925) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 2 (8.1.1925)
Date
1925-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2 Seite 3 / 8. Januar 1925 Carlebach macht am Schlüsse der Einleitung einige praktische Vorschläge, dahingehend, den Cheder seiner äußeren Unzulänglichkeit zu entkleiden und zu einem echten Schultyp für die Jugend der gläubigen Judenheit auszugestalten. Die Vorschläge erstrecken sich auf bessere Ausgestaltung der Schulräume unter Berücksichtigung der hygienischen Forderungen, Aufstellung von Lehrplänen, Ausbildung von Melamdim, Beaufsichtigung der Chedarim durch die berufenen religiösen und pädagogischen Instanzen usw. Wir halten die Veröffentlichung der mit vielem Fleiß und vieler Liebe zur Sache gesammelten Akten für unabweisbar notwendig, nicht allein zur Gewinnung eines klaren Bildes über den Geist, der in Rußland fortzeugend all die schweren Gewissensnöte gebiert, sondern noch mehr als Waffe und Handhabe zur Besserung,, zur Abhilfe, zur Abstellung einiger kleiner, äußerer Mängel, die den Cheder in seiner hohen Kulturaufgabe gefährden. Man kan sich sogar denken, daß eine solche sachliche, aktenmäßige und ruhige Darlegung, verbunden mit bestimmten Reformvorschlägen, die das Wesen der Ehederschule in unserem Sinne nicht berühren, ja sogar die innere Tragkraft des Cheder noch erhöhen, auch auf die Machthaber in Sowjetrußland nicht ohne Eindruck bleiben und zu einer Revision des Prozesses führen würde. Es wäre daher eine Ehrenpflicht der deutschen Judenheit, die Veröffentlichung dieses Aktenmaterials am Kostenpunkte nicht scheitern zu lassen. Die Hamburger Erziehungskonferenz. Am 29. 12. 24 fand in Hamburg im Zusammenhang mit den Tagungen des B. I. A. und des Deutschen Keren Hatorah auf Veranlassung des Keren Hatorah in den Räumen der Talmud-Thora-Realschule eine Erziehungskonferenz statt. Unter den 46 Teilnehmern sah man Vertreter der jüdischen Realschulen, Volksschulen und Lehrersemin arten von Berlin.. Frankfurt a. M., Köln, Leipzig, Breslau, Fürth, Lübeck, Emden, Würzburg, Halberstadt, Wien, Altona und Hamburg. Als Gäste durfte man erfreulicherweise auch die Herren Dr. Holzberg und Schmuilowitz als Vertreter der jüdischen Schulen im Osten begrüßen. Die Leitung der Konferenz lag in den Händen der Herren Direktoren Dr. Fink, Dr. Joseph Carlebach und Dr. Neuhaus. Die Tagung, die einen recht harmonischen und dank der herzlichen Gastfreundschaft der Talmud- Thora-Realschule, die ihre Gäste reich bewirtete. Der Israelit auch gemütlichen Verlauf nahm, brachte als ersten Punkt der Tagesordnung das Referat des Herrn Rektor Stern Frankfurt a. M. über: „Der jüdische Unterricht in der Grundschule". Redner faßte seine interessanten Ausführungen in fol- .gende Thesen, die der Versammlung vorgelegt wurden, zusammen: 1. Ziel des hebräischen Unterrichts ist nicht das bisher übliche wörtliche Ueb ersetzen, sondern das verständnisvolle Lesen des hebräischen Textes. 2. Grundlage des Unterrichts in der Grundschule und auch in der Volksschule kann nicht die Grammatik, sondern die durch Sprechen gewonnene Sprache sein. Die grammatische Erkenntnis wird aus der Sprache erarbeitet. 3. Vor und neben dem p»in-Unterricht in den ersten Schuljahren sind Hilfsbücher zur Erweiterung und Vertiefung des schon im ersten Grundschuljahr gewonnenen Wort- und Formschatzes notwendig. 4. Auch die Volksschule soll als Lehrstoff pain und Teile von wiiprn mrr'Ii bewältigen. Das Korreferat wurde von Herrn Dr. Lewin- Hamburg gehalten. Die Ausführungen gipfelten in folgende Thesen: a) Die -Methode in ihrer vollsten Konsequenz ist bei der Struktur unserer gegenwärtigen Anstalten abzulehnen. Jene Lehrweise setzt ein ganz anderes Milieu in Haus und Schule voraus. b) Die sogenannte Uebersetzungsmethode ist ganz auszuschalten. Die Übersetzung ist immer mehr und mehr von den Kindern unter der Leitung des Lehrers zu erarbeiten. c) Vornehmlich ist die direkte Methode anzuwenden, bei schon vorgeschrittenen Schülern geht die synthetische nebenher. In der anschließenden Debatte, die sehr angeregt verlief, beteiligten sich die Herren Dr. Blau, Dr. Carlebach, Dr. Ehrentreu, Dr. Halberstadt, Dr. Mos. Auerbach, Mandelbaüm-Hämburg, Lichtenstädter-Hamburg, Dr. Deutschländer, Dr. Rothschild, Dr. Schlesinger, Dr. Fink, Frl. Philipp-Hamburg, Dr. Levy-Berlin, Dr. Breslauer, Dr. Lange, Dr. Neuhaus und Herr Wohlgemuth. Es würde zu weit führen, einen genauen Bericht des Einzelnen zu diesem Punkte Gesagten zu geben. Es sei ausdrücklich auf das demnächst erscheinende ausführliche Protokoll hingewiesen. Hier nur einige wichtige von den Herren Rednern in Thesen Zusammengefaßte Leitsätze der Debatte. Ehrentreu: Die jüdische Geschichte ist an Hand eines Lehrbuches in einer Weise zu unterrichten, daß die, die jüdische Geschichte durchdringenden, religiösen Ideen in höchstem Maß klargelegt werden. Dr. Auerbach-Berlin: Der Unterricht in Mischnoh und Gemoroh ist nicht auszuschalten, sondern dem fakultativen Unterricht zuzuweisen, wie dies in Köln seit Jahren geschieht. Die Schüler werden in Zusammenpassende Gruppen eingeteilt. Der Unterricht in T'nach ist obligatorisch in den Vormittagsstunden. Zu diesen Ausführungen machte Herr Dr. Liepmann Schlesinger folgende wesentlichen Bemerkungen: Die Verjüdischung des allgemeinen Schulcharakters durch das allgemeine Milieu, in dem wir leben, ist begrenzt. Deshalb ist die Hauptsache, die Heranführung der Schüler an unser traditionelles Schrifttum. Um dies zu ermöglichen, bedarf es einer lebendigen Vertrautheit mit der hebräischen Sprache. Daher ist der von Herrn Rektor Stern geplante Frankfurter Versuch zu begrüßen, denn probieren geht über studieren. Redner wendet sich mit Entschiedenheit gegen die Ausschaltung von Mischnoh und Gemoroh als eines vollwertigen Faches der jüdischen Schulen. Es sei unzutreffend, daß das Ergebnis in diesen Fächern bei Schülern mit häuslicher Förderung in diesen Fächern Null oder unerheblich sei, im Gegenteil, könne der Schulunterricht auch den Kindern, die häusliche Schiurim und dergleichen haben, doch vieles bieten, was sie dort nicht finden. Die Frage, ob für solche Schüler Sondercoeten zu bilden seien, sei diskutabel, diese dürfen jedoch in keiner Weise aus dem Rahmen der Schule heraustreten. Dr. Deutschländer-Wien, empfiehlt Ausarbeitung eines Lehrplanes für Kindergärten, Förderklassen für Begabte und Vorgeschrittene im Hebräischen. Für den Lehrer Anleitung im Chummisch-Unterricht und Bearbeitung einer Fibel und eines Lehrbuches in Anlehnung an die Fibel von Gutmann. Ferienkurse sollen die methodische Ertüchtigung der Lehrer fördern. Die Erlernung des Hebräischen als Sprache kann im Golus nicht Selbstzweck sein. i Im Anschluß daran beantragt Dr. Deutschländer: Die Versammlung bittet Herrn Rektor Stern, die Bearbeitung einer Fibel und eines sich daran anschließenden Lesebuches im Verein mit Kollegen zu übernehmen. Dr. Rothschild-Köln hält den Unterricht in Förderklassen innerhalb einer größeren Klasse für schädlich. Man muß so unterrichten, daß die vorgebildeten Schüler auch noch etwas lernen. Für pädagogische Konferenzen wäre die Vorführung praktischer Uebungen, Musterlektionen und Probestunden unerläßlich und für die Zu- Wir wollen sie nicht auszählen, aus dem Westen und Osten, die da die Lichtspender gewesen. Es sind ihrer doch zu viel ... Sie mögen aber alle das Bewußtsein haben, daß sie als die Gottbegnadeten gewürdigt werden,, die hier riK gewesen und mit uns hoffen, daß diese Lichtsaat zum Segen von Israels Gesamtheit aussprießen werde. Dr. M. Lewin. (Das Originalmanujkripk von 7Nax Bruchs „Kol Nidre" für die Jüdische Nationalbibliothek.) Mr. Boswell aus London schenkte der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem ' das Orginalmanuskript des Klavierauszugs von Max Bruchs beühmtem Adagio für Violincello „Kol Nidre" (op. 47). Der Klavierauszug ist im ganzen von Max Bruchs eigener Hand geschrieben und trägt die Widmung: „Seiner lieben kleinen Freundin Alice Rensburg zum Geburtstag 1880." Alice Rensburg war die Frau des Spenders Mr. Boswell. Am Schluffe des Manuskriptes stehen die Worte: „Beendigt im September 1880, leider in Liverpool." Die Worte „leider in" hat Bruch äusgestrichen. Bruch war zur Zeit der Komposition Dirigent der Philharmonischen Gesellschaft in Liverpool. (12 000 Juden in Portugal.) In Lissabon, der c Hauptstadt Portugals, ist soeben ein Almänach er- > schienen, aus dem hervorgeht, daß in Portugal rund 12 000 Juden leben. Im Jahre 1904 wurde in Liffa- * bon die Synagoge „Schaare Tikwah" eröffnet. Im Jahre 1813 gründete Rabbiner Abraham d'Abella die erste Synagoge seit der historischen Judenaustreibung. Die jüdische Gemeinde Lissabons besitzt eine Bibliothek, unterhält eine Schule und beaufsichtigt eine Anzahl Wohltätigkeitsinstitute. — In der Rua Nova da Estrela zu Lissabon befindet sich ein alter jüdischer Friedhof mit guterhaltenen Gräbern. Die Stadtchronik erzählt, daß dieser Friedhof nach dem großen Erdbeben des Jahres 1765 angelegt worden ist. Von früheren jüdischen Friedhöfen befindet sich kein Spur mehr. (Eine unangenehme Entdeckung.) Professor Bahlen, einer der rüdesten deutsch-völkischen Antisemiten in Pommern, der übrigens bei. den letzten Reichstagswahlen durchgefallen ist, stammt zum Teil von Juden ab. Diese Entdeckung wurde vor kurzem gemacht. Prof. Bahlen bestreitet die Tatsache nicht, behauptet aber, selbst von ihr überrascht worden zu sein. Dazu schreibt das „Deutsche Tageblatt" Wulles: „Wenn in seiner Familie jüdische Blutmischung oorgekommen ist, ohne daß unserem Führer Prof. Bahlen deswegen irgendein Vorwurf gemacht werden kann, so sieht.man gerade in seiner Fühererstellung in der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung die schärfste Verurteilung jeder Mischung mit jüdischem Blut." (Ausgrabungen an der Eapernaum-Synagoge.) Die „Franziskaner des Heiligen Landes", die in den letzten drei Jahren Ausgrabungen in der Nähe der Synagoge von Capernaum (Tel Hum) vorgenommen haben, fanden eine zum. Synagogengebäude gehörende Säule, die eine hebräische Inschrift trägt. Wie erinnerlich, entdeckte man vor einigen Monaten an den Ruinen der Eapernaum-Synagoge einen Fries, der das Swastika (Hakenkreuz) trägt, das die heutigen Arier fälschlich als urgermanisches Zeichen verehren. (Eine Leffer Ilry-Ausstellung in der Nationalgalerie.) In der Berliner Nationalgalerie findet gegenwärtig eine Sonderausstellung der Merke des bekannten jüdischen Malers Leffer Ury statt. Zwei große Räume im ehemaligen Kronprinzenpalais sind für die Sonderausstellung der letzten Arbeiten Urys hergerichtet worden. — Der Direktor der Nationalgalerie, Geheimrat Justi, hatte schon vor einiger Zeit drei Werke Urys für die Staatsgalerie erworben. Nunmehr hat die Nationalgalerie eines der neuesten Werke Urys einverleibt. (Das Staatssiegel für Palästina.) Das soeben erschienene Jahresbericht des Königlichen Münzamtes bringt unter anderem auch die Abbildung des Staatsstempels für Palästina. Die Abbildung zeigt eine orientalische Stadt aus einenr Hügel mit der Aufschrift „Regierung von Palästina" in englischer, hebräischer und arabischer Sprache. Familiennachrichten. Barmizwo: Willi. Sohn der Frau Julius Grünebaum, HanauerlandstraHe 4, hat stattgefunden in der Synagoge: Friedberger Anlage, ewi '3. Wochenkalender. 10.-17. Jan. 1925. / 14.-21. Teweth 5685. Samstag Jan. 10 14 nau Sonntag 11 15 Montag 12 16 Dienstag 13 17 Mittwoch 14 18 Donnerstag 15 19 Freitag 16 20 Samstag 17 map 21

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