Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1925)
- Date
- 1925-01-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 2 Der Israelit 8. Januar 1925 kunft dringend zu wünschen. Redner empfiehlt nur den Gebrauch der Quadratschrift. Die Iwris-b-Iwris-Meth§de kann nur Idealsein, denn es fehlen Lehrer, und auch das vorhandene Büchermaterial ist bisher noch nicht in der richtigen Weise gesichtet und für unsere Zwecke nutzbar gemacht worden. Unser Ziel darf aber vorerst kein Ideal-, sondern ein Normalziel sein. Redner hält den Tesillo-Unterricht und auch den Text unserer Tauroh für den Anfangsunterricht zu schwer. Nachdrücklichste betont Redner, daß pädagogische Vorbildung für Rabbiner, die Religionsunterricht erteilen, sehr wünschenswert ist, ebenso gediegene talmudische Sachkenntnis für die pädagogisch Religionslehrer. Frl. Freimann-Köln bittet die Konferenz, für ein Lehrbuch für Klassen einer höheren Schute zu sorgen. Es gibt drei Wege, nach denen man im hebräischen Unterricht vorgehen kann: 1. die sprachliche. 2. die grammatische, 3. die gemischte Methode. Noch immer herrscht keine Klarheit darüber, welcher Weg nun der geeignetste ist. Dr. Willy Levy von der Talmud Thora in Berlin berichtet über den hebräischen Unterricht an seiner Schule, an der die hebräische Sprache in fephardischer, der jüdische Unterricht in aschkenasischer Aussprache gelehrt wird. Seine Ausführungen gipfeln in folgende Thesen: 1. Die bestehenden Rabbiner- und Lehrerseminare werden aufgefordert, unverzüglich hebräische Sprachkurse durch besondere Fachlehrer einzurichten, und auch ein Examen darüber abzunehmen. 2. Die orthodoxe jüdische Schule hat die Aufgabe, daß die Schüler bis zum 14. Lebensjahre neben dem Chumisch-Unterricht auch zur Fähiggeschulten keit zum Verständnis von Raschi und Mischna ' geführt werden. 3. Die kombinierte Methode der doppelten Ausspracheerlernung sei erforderlich, weil die sephardische Aussprache leicht zur Profanisierung des religiösen Stoffes führe» Ziel des Sprachunterichtes ist auch Einführung in die rabbinische Literatur. (Zwischenruf Dr. Carlebach: „Nur".) Rabbiner Dr. Breslauer-Fürth empfiehlt. Unterricht zu gestalten. Sprachfertigkeit soll erreicht werden. Wenngleich keine Beschlüsse gefaßt wurden, so hat doch die Aussprache die Atmosphäre einmal gründlich gereinigt. Die Teilnehmer an dieser Vormitagssitzung konnten manche wertvolle Anregung aus der auf sehr hohem Niveau stehenden Debatte mit nach Hause nehmen. Und so herrschte eine sehr angeregte, harmonische Stimmung als man die Sitzung unterbrach, um sich im Vorstandszimmer der Talmud Thora- Realschule zum gemeinsamen Mittagessen zusammenzufinden. (Bericht über den Verlauf der Nachmittagssitzung folgt.) Von den ungarischen Jeschiwaus. (Betrachtung zur Hamburger Keren Hakauroh- Tagung von P.) Ich glaube, jeder einzelne, der an der Rednerin ^w7ielilt^ur"Aus^eüuna" des i den jüdischen Ünterricht"in "allen" Klassen 'zur Hamburger Tagung teilgenommen hat, wird dieforderten Lehrbuches sich mit den Neusprachlern! selben Zeit erteilen zu lassen, dadurch ist ein! selbe mit dem, Gefühl der Befriedigung verlassen m vereinen ^s'ü) mit 1P 09 j Austausch der Kinder je nach Begabung und haben, und dies aus zweierlei Gründen. Erstens Direktor Dr. Carlebach regt an. einen Fonds Kenntnissen leich,^möglich. Man solle nicht zu . weil die Tagung non dem einnmtigen Verlangen von 10 000 Mark auHubrinaen um von bert hebräische Facher nehmen: T nach und der deutschen Orthodoxie zu intensiverem Tau- Schulen bie nötiaen erÄitebefreien Kizzur Schulchan Aruch obligatorisch, das Nabrcchrohftudium zurückzukchren, Zeugnis ablegie, bi*b(Gemoroh ufw.) fakultativ. Man lege zweitens aber weil die Hilferufe der litauischen me me gewunschren L.eyroucher upv. yerausgeoe , ' barauf D;er rernen m faffen und habe Iefchiwaus einen so tiefen Widerhall m den aenden" Diskussion^abae^ehnt^ ” i kein unangebrachtes Mitleid mit den Kindern Herzen aller Anwesenden gefunden, und sich 8 " J} civg le) . j in Furcht vor Ueberbürduna Man überschätze allgemein der feste Wille kundgab, mit allen Direktor Dr. Fink drückt in warmen Worten vor “ewwurou^ Wr Ml> krhnUu^n Wnh m flifmt.n seine Befriedigung über den Verlauf der Konferenz aus. Er empfiehlt den Unterricht von Chumisch mit Raschi in oberen Klassen; es sei nicht zu ersehen, daß dieser Stoff den Schülern, die in Privatunterricht und Schiurim vorgebildet seien, bei geschickter Auswahl und lebhaftem Unterricht langweilig werden könnte. Er sagt fernerhin wörtlich: „Kein Buch ist so schlecht, daß ein Lehrer nichts daraus machen könnte, und keines ist so gut, daß man nichts daran aussetzen könnte." Empfiehlt, Klassen nur in toto zu unterrichten und keilt? Qualitätsklassen zu bilden. Diese Ausführungen des Herrn Direktor Dr. Fink fallen umsomehr ins Gewicht, als vorher Herr Direktor Dr. Earlebach-Hamburg in breiter Rede die Nöte des heutigen hebräischen Unterrichts an unseren Schulen dargestellt hatte. Seine Worte besagten ungefähr folgendes: Hauptfehler des hebräischen Unterrichtes ist die ständige Konkurrenz von Schule und Haus. Man aber nicht den Intellektualismus der Kinder. Man versuche, die Kinder mit 5 Jahren zu einem Unterricht zu führen, nicht nur zu einem Kindergarten. These: „Der jüdische Unterricht werde ein wenig „verchedert"! Dr. Lange hält den Gemorohunterricht in der Schule für notwendig und auch für alle Schüler nutzbringend. Wenn man das Interesse allzusehr auf die hebräische Sprache lenkt, wird mehr gelesen als gelernt werden, das gilt besonders von Mädchenklassen. Dr. Neuhaus schildert die sehr verwickelten Leipziger Verhältnisse, die eine dreifache Teilung des hebräischen Unterrichts notwendig machten. Der obligatorische hebräische Unterricht ist vormittags für alle Schüler; nachmittags: 1. einige lernen auch dann Hebräisch usw. in der Schule. 2. andere gehen in den Cheder, 3. ein nicht geringer Teil besucht hebräische Sprachkurse. Kräften für die Erhaltung der Tauroh in Litauen zu arbeiten und alle nötigen Rettungsaktionen zu diesem hohen Zwecke in die Wege zu leiten. Es sei dem Schreiber dieser Zeilen gestattet, zu diesem Punkte noch etwas hinzuzufügen. Nach allem, was wir in Hamburg gehört haben, erübrigt es sich, auch nur ein Wort über die Notwendigkeit der litauischen Aktion zu sprechen. Aber es sei an dieser Stelle noch eines anderen Landes gedacht, von dem auf der Hamburger Tagung eigentlich fast gar keine Rede war, unddas zurzeit zur Erhaltung seiner Jeschiwaus nicht minder der Unterstützung der jüdischen Gesamtheit bedarf. Es ist dieses das Land, in dem vor etwa 100 Jahren der große Chasam Säufer das Thaurostudium zu solch hoher Blüte gebracht hat und ganz besonders die eigentliche Stätte seiner Wirksamkeit, die noch heute sein Gperäge trägt, die Preßburger Ieschiwoh. Was die Preßburger Ieschiwoh bis auf den heutigen Tag nicht nur für die Slowaken und Ungarn, sondern für die ganze Welt, insbesondere für Deutschland bedeutet, braucht nicht erst gesagt zu werden. Allenthalben in ganz Deutschland wirken Schüler der Preßburger Ieschiwoh, sei es als Führer der gesamten Orthodoxie, sei es als _ _ Wohlgemuth betont, daß der Osten es im treibe einen Raub der Zeit an den Kindern, die hebräischen Sprachunterricht nicht leichter habe schon Chumisch usw. können. Die althergebrachte der Westen. Er empfiehlt die Erlernung der „Gulaschmethode" führe zu Gedankenlosigkeit hebräischen Sprache durch Selbststudium, etwa und zur Entweihung des hebräischen Unterauf Grund der Langenscheidtschen Sprachmethode richtes. Die Schule soll eine gewisse jüdisches" fordern. __ .. ... Atmosphäre schaffen, die den Kindern den Ein-- Zn sehr schönen, von hohen Begeisterung ge- FM^er ibrer Gemeinde fei^cs^alfs 'Üaiomrrf tritt in das Leben erleichtert. Milieuschaffung! tragenen Worten legt Herr Lehrer Lichten- Mausrabbinen oder nur als einfache Talmide muß von der untersten Klasse an beginnen. städter-Hamburg etwa folgendes dar: Wir Ehachomim fürbie ^hatonqX SüMfS Schon der Raum muß „jüdisch" gehalten sein.! brauchen die jüdische Geschichte im Unterricht, Und wenn wir auf der Hamburger Tagung das Das Natürliche für uns ist, daß wir den Kindern am unseren Schülern den Sinn für die wundergusae^eickmete Referat des Nüknberaer Raws das jüdisch-religiöse Moment geben; Brocho bare und großartige Entwicklung unseres Volkes übvLZ auk Z Xambbex machen, dawnen, Vorleinen, all das gehört zum j darzutun. Rtan muß für den Durchschnitt der Ieschiwoh ■— über die Neubelebuna des lebendigen jüdischen Milieu und ist am leichtesten i Mischen Kinder im Klassenunterricht sorgen und Thaurostudiums in Deutschland gehört haben, so in den untersten Klassen zu verwirklichen. Die,soll eme eitle Ueberhebung unter den Schülern Lehrstoffe dürfen auf der untersten Stufe nur j energisch bekämpfen. Der Kindergarten muß als synthetisch an die Kinder herangebracht werden.! Vorstufe für die Schule eingerichtet werden. Alle Jede jüdische Schule muß mit dem Kindergarten Kinder müssen gleichmäßig den Stoff der mündbeginnen, wobei weibliche Hilfskräfte mit heran-glichen Lehre gelehrt bekommen. Dr. Halberstadt-Verlin legt dar, wie man mit Erfolg die Methode des Arbeitsunterrichtes in den hebräischen Fächern verwerten kann. Jüdischer Sprachunterricht als Selbstzweck ist nicht zu empfehlen, nur zur Nutzbarmachung für den Gesamtunterricht. Tefillo-Unterricht nicht vordem 12. Lebensjahre einsetzen lassen, da der Gedankeninhalt unserer Gebete für kleinere Kinder viel zu schwer ist. ■' r f Herr Rektor Steru zieht aus all diesen Diskussionsreden in seinem Schlußwort noch einmal das Ergebnis heraus: Die Ziele, die die jüdischen Anstalten als deutsche Schulen haben, sollen in keiner Weise gekürzt werden. Ziel ist, aus der lebendigen hebräischen Sprache den jüdischen zuziehen sind. Man stelle den Zeichen- und Handfertigkeitsunterricht in den Dienst des jüdischen Unterrichtes. Der hebräische Unterricht muß mit dem gesamten Plan der Schule konform gehen. Ein neues Ueberleitungsbuch für die unteren Stufen ist nicht notwendig; man greife getrost zu Chumisch und Tefillo. Die Schulleiterin Frl. Philipp-Hamburg spricht sich entschieden gegen den Kindergarten als Vorstufe der Schule aus. Er entziehe die Kinder der gebildeten Kreise viel zu früh dem Elternhause. Die vier Grundschuljahre geben Zeit und Gelegenheit genug, die Kinder im ersten Schuljahre aus dem Wege der spielerischen Betätigung an das Hebräische heranzuführen. ist das nicht zuletzt das Verdienst der Preßburger Talmidim, die in Deutschland in jahrelangen mühseliger Arbeit diese Renaissance vörbereiten halfen. Bedenkt man schließlich noch, daß unser greiser Führer in Erez Jisroel, Rabbi Chajim Sonnenfeld rr"v^w. der an exponierter Stelleden Kampf für die Erhaltung der Orthodoxie führt und dessen aufreibende Tätigkeit in erster Linie die Erhaltung der Jüdischkeit in Erez Iisrvel zu danken ist, ein Talmid der Preßburger Ieschiwoh ist, so wird man sehr-wohl erkennen, was Preßburg für das gesamte Judentum der Welt bedeutet. Es ist darum eine Hilige Pflicht für Klall IiAoel, sich dieser altberuhmten Stätte für die Verbreitung von nun und ruh* anzunehmen. Und da muß hier ausgesprochen werden. Die Not, die zurzeit an der Preßburger Ieschiwoh herrscht, ist weit größer als man ahnen möchte. Die jährlichen Unterstützungen, die vor dem Kriege aus Deutschland kamen, haben durch