Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1924)
- Date
- 1924-12-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 Nr. 51 Der Israelit 18. Dezember 1924 Jugendpflege in der Jsr. Volksschule Bei der Gartenarbeit Schüler eine Verabreichung warmer Milch eingerichtet worden. Diese Einrichtung wurde erweitert und auf eine größere Zahl der Schüler ausgedehnt. Natürlich reichte eine Taffe Milch keineswegs aus, um -Lesen unterernährten Kindern die erforderliche Nahrung zu bieten, vielmehr trat eine größere Mahlzeit aus Brei. Suppen, Kakao mit Brötchen an ihre Stelle. Es ist bekannt, daß auch an allen höheren Schulen in den letzten Jahren sich die Notwendigkeit ergab, solche Frühstücksfpeifungen einzurichten. Es ist daher begreiflich, daß an der Israelitischen Volksschule eine erhebliche Zahl der Kinder an dieser Schulspeisung teilnahm. Um auch in unseren Kindern die Liebe zur Natur zu wecken und gleichzeitig eine Stählung der Muskulatur und Förderung des Blutumlaufs zu erzielen, wurde eine Anzahl Knaben. und Mädchen aus den höheren Klassen der Volksschule zu leichten Gartenbauarbeiten herangezogen. Auf einem Grundstück, welches die Verwaltung des von Rothschildschen Hospitals zur Verfügung stellte, wurde ein Gemüsegarten angelegt, welcher von Knaben- und Mädchengrupppen abwechselnd in den Nachmittagsstunden bebaut wurde. Da das Grundstück nur von geringem Umfange war, so konnten nicht alle Kinder, welche sich hierfür gemeldet hatten, zur Bearbeitung zugelassen werden. Die Früchte ihrer Arbeit durften die Kinder für sich beanspruchen und ihren Eltern mit nach Hause bringen. , Wenn auch nun zu hoffen ist, daß die schwersten Zeiten überwunden sind, so dürfen wir doch keineswegs bereits darangehen die Wohlfahrtseinrichtungen der Anstalt nunmehr fortfallen zu lassen. Noch sind die Kriegsfolgen nicht verschwunden, welche gerade an der Schuljugend sich am deutlichsten manifestieren. Sind es doch gerade die in den letzten Kriegsjahren, den Jahren schwerster Entbehrung geborenen Knder, welche jetzt die unteren Klassen der Schulen besuchen. Ihnen muß die Schule besondere Füsorge widmen, um den angeborenen Mangel durch erhöhte Nahrung zu beseitigen. Die Schulverwaltung muß darauf bedacht sein die vorhandenen sozialen Enrichtungen auszugestalten und zu erweitern, um die ihr antigung nach Kräften zu fördern. Die Inschriften vom Sinai. Von Dr. Joseph Carlebach in Hamburg. Die Gebirge der Smaihalstiusel, reich an Kupfer, Malachit und Türkisen, sind seit den Pharaonenzeitcn um ihrer Minenschätze wegen ausgebeutet, vielbesucht und berühmt gewesen. Seit 1868 ist man aus Spuren altägyptischer Tempel und Kulturreste gestoßen, vor allem' aus der Berglerrasse von Serabit, dem Berge der Standsäulen (v'v'2iv -in). Hier wurde von Herrn und Frau Pettie eine Anzahl von Inschriften mit siiaitischen Schristze'.chen aus Felstafeln entdeckt. Ihre Entzifferung ist vielfach versucht worden, in ossenbar erfolgreichster Weise von Prof. Grimme in Münster. Dieser stellte ein Alphabet der dort benutzten Schrift, einem Mittelding zwischen Hieroglyphen und altsemi ischen Buchstaben, auf, das eine ganz originale Erfindung des alten Sinaigebietes, des geistigen Zentrums für die ganze Umgebung, darstelle. In der wissenschaftlichen Welt erregten die Inschriften wie ihre Deutungsversuche großes Aufsehen, man hoffte durch sie auf neue Einblicke in die Urgeschichte Israels und seine Zusammenhänge. mit dem Aegypterlande geführt zu werden. Grimme trat mit einer überraschenden Meldung hervor: er könne die Mosesgeschichte genauestens bestätigen. Eine der Inschristen handle von einem hohen Beamten nra-nra (vgl. Richter 18, 30) den die Königstochter aus dem Nil gezogen habe. 18' ]» '3N1VV0 nöjtt „Du warst freundlich, hast mich gezogen aus dem Nil." so liest Grimme. Als wissenschaftliches Kuriosum mag das immerhin verbucht werden. Großen Wert und überzeugende Kraft besitzt die Lesung nicht. Die Methoden der Entzifferung jedes einzelnen Buchstabens und jedes Zeichens ist hypothetischen Charakters, voll Unbestimmtheit und Willkür. Und ob nenn identisch ist mit mr», ob dieser Moses irgend eine Beziehung zu unsrem Lehrer Moses hat, alles das schwebt völlig in der Luft. . Aber selbst wenn die biblische Erzählung' wortwörtlich sich ick solchen Aufzeichnungen wiederfände, so würde es uns vielleicht beweisen, daß die Inschrift zuverlässig ist, aber nicht umgekehrt zur Bestätigung der Bibel dienen könne; un^er Verhältnis zum Gottesbuche, das die ganze jüdische Geschichte und wir als. seine lebendigen Zeugen bestätigen, würde nicht davon betroffen; die Wahrheit wird nicht wahrer, das Feststehende nicht feststehender. Aber den Amsterdamer Professor D. Völker ließ die Entdeckung Grimms nicht ruhen. Er chatte'bereits durch phantafkereiche Hypothesen sich einen großen' Namen Zn aller Welt gemacht, vor allem durch die ÄsihÜtternche^ Aufstellung, daß der unaussprechliche Gott Jsrüels -identisch fei mit dem ägyptischen Sopd. Denn Söpdn, Säpdn — Sapdai Säddai Schaddai; und von diesem sagt die Bibel ja selbst, daß' unter, ihm sich' Gott den Erzvätern offenbart e habe- Im Gegensatz nun zu Völker, der selbstredend. den ganzen Bericht über Moses im Erodüs nicht akzeptieren kann; stammt nun. Prof. : Grimme und will den biblischen Bericht neu fundieren. Das geht nicht änl So. wird denn in der .Schrift: „Die althebräischen Jnsch-i ten vom Sinai und ihre historische Bedeutung? (Leipzig bei Hinrichs) das ganze System Grirnmes. in Zweifel gezogen, viele der Buchstaben anders gedeutet, und neue „Beweise" für die Theorien Völkers beigebracht.' Der Manasfe, angeblich gleich Moses, sei nur ein Mgnasse und nicht aus dem Fluß gezogen— beileibe nicht! — sondern ->«' bedeutet nichts anderes als wie/in Jjob 23, 10 Gebirgsstollen oder Schacht. Der Manaffe war also, ein Sklave und Bergarbeiter gewesen und durch die Gnade seiner Gebieterin aus dem Stollen herausgezogen und mit Freiheit beschenkt worden. Damit erledigt sich Enmmes gefährlicher Versuch, den biblischen Bericht verifizieren zu wollen. Wir haben bereits betont, daß vom jüdischen Standpunkte wir an dieser wissenschaftlichen Kontroverse völlig uninteressiert sind. Wir wollen deshalb auch kein Urteil darüber fällen, ob ..die Einzelkritik Völkers berechtigt ist oder nicht. Sein Gegenbeweis aus Jjob — und darin sind wir eher zuständig- — ist mindestens fraglich; ob rpa nnw. fimxa heißt: in die Felsen schlägt er „Stollen" ist unbeweisbar, da an allen biblischen Stellen ->is' Fluß und Flußarme bedeutet; durch die Parallele im folgenden Vers snn rvnm »saa wird sie höchst zweifelhaft; es soll dort offenbar der Gegensatz herausgestellt werden: aus den Felsen holt der Mensch Wasserströme heraus, und Flutzläufe bringt er zum Vertrocknen, um Schätze zu gewinnen. Aus solch zweifelhafter Stelle also ein Argument abzuleiten, ist wieder nur im Geiste der hypothesenliebenden Moderne Bölkerscher Richtung. Das höchste aber, was Uns je zugechut.et wurde, ist dre eigene Ansicht des Verfassers über die Mofesgefchichte. Mirjam ist die Ueberfchwemmung des Meeres, ihr Aussatz der schneeweiße Schaum an seinen Ufern. Sie rettet Arubis, das Kind der Nephytis, der mit seinem Bruder Thot aus Versehen verwechselt ist. Dieser Thot ist aber der am Sinai heimische Gott. Soviel als Kostprobe über die „wissenschaftliche" Arbeitsweise Völkers. Sein Buch fei 'Aeronauten, liberalen Theologen und allen Leuten sonst, die gern den Boden unter den Füßen verlieren, wärmstens empfohlen. Jüdische Altertümer. Ein seltenes Altertum von hohem Kunstwert befindet sich im Besitz der Synagogengemeinde Brilon i. W. Es ist dies ein Löwe aus Bronze, der etwa 25 Zentimeter hoch und 30 Zentimeter lang ist. Auf seinem Kopfe befindet sich ein mit einem Klappdeckel versehenes Eingußloch und in dem Maule ein Röhrchen für den Ausfluß. Ein Drachen, der. dem Löwen auf dem Rücken sitzt und ihn in die Mähne beißt, dient als Griff. Dieser Jugendpflege tu der Jsr. VoNsschule Im Schulbad