Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 41-42 (9.10.1924)
- Date
- 1924-10-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 Nr. 41/42 Der Israelit 9. Oktober 1924 man es sich dabei allerdings niemals machen. Man muß schon ein einzelnes Gedicht herausgreifen, sich Zeile für Zeile und Wort für Wort darein vertiefen und dann nachzufühlen versuchen, auf welchen Wegen Rosenzweig zu seinen Wortbildungen und oft wuchtigen Satzgefügen gelangt ist. Als kleines Beispiel mögen die ersten Strophen eines jsis dienen, den Rosenzweig unter dem Titel „Der Fern — und — Nahe" wiedergibt. Wir setzen zum besseren Verständnis das hebräische Original voran, das im Buche selbst — leider — nicht enthalten ist: fs'irr! nbyii nbgj ^yipy iabiy sb» sjalas ,D’pn fTjtpp?« zD’pnab naaan ,o’pnip |5i? nns -Dbbng tfsa'by flS} JüblS H*]n '3 t]« ,oai ssw 03-by zvavam nnna itnr zTjnba 7’s-’3 /Dby ^nob» bjn Jnbas |nia nyrr? ms xb ms? zD’aapa ssy?n /D’a'apb aafpan ,a’ana av' nnx - 7)sa:?a bbnn.n ,?|£&'.-Sb baba on'by?[8fc’|ria!i on'bs aiaj? nns ,nna a'y on-s — tjsv sb nr’a — Tjsap’ sb '» is Der Fern — und — Rahe. Ja Gott wo wirst funden Du, Herzensgrund := Bewohner Er, und stellt Erd — Gränzen. des Raums hülln Aetherweiten, Und wo nicht wärest funden Du, des Saum füllt Erdenbreiten. Nahen Crzbastion er, Fernen Hoffnungsglänzen! Heerscharliedumwunden Du Es lobt Dich Benedeiten. Sprengest Sphärenrunden Du — Wie erst Tempels Seiten! Und hast Dich erhoben hoch in Dunkels Hehle, Ihnen bleibst verwoben mehr als Leib, als Seele Hör', wie sie geloben: » Er nur uns befehle. Wann hältst furchtenbunden Du den Deinem Joch Gefreiten? Wolltst sein Flehn selbst stunden Du — sein Brot mußt ihm bereiten! Oder ein anderes: jnsps p'ai sitf «n? 73-by JnsnyK ribi. inba fags sb zns’ps sbi Dbiy-rn?? ftf’S inyn vpnb 'Tv ibstf sb .nsaas aas ’»n aipa nsapb ,aab 'yaay »sba 'as nixab - Dibna inirnb -»aajpi—»» - nma 'ZbI via n.M ib Sehnsucht! . Zu ihm, des wahren Lebens Quell, Hintracht' ich. Das Leben drum, das schal und leer, mißacht' ich. Schaun meines Königs Antlitz — was begehrt' ich noch! Nicht kenne andre Macht und andre Pracht ich. O dürfte ich ihn schauen doch, wärs nur im Traum! Gern schlief' ich ewgen Schlaf und nie aufwacht' ich. Und säh' sein Antlitz ich in meines Herzens Schacht, Nicht gab' dem Aug', hinauszuspähn, noch Macht ich. So sind, in vier Gruppen. gegliedert, unter dem Gruppenwort „Gott", „Seele", „Volk", „Zion" sechzig Gedichte Jehuda Halevys wiedergegeben. Rosenzweigs Nachwort und seine Anmerkungen zu den einzelnen Gedichten, Anmerkungen, die sich oft zu ganzen Exkursen, z. B. über modernes Heidentum, die biblische Lohn-Lehre, die Messias-Erwartung, das Gebet umWiederherstellung der ivnaap u. a. auswachsen, funkeln von tiefen, mit der Frische prachtvoller Ursprünglichkeit gesegneten Gedanken, die immer aus dein Urgrund einer ganz in der Gotteswahrheit wurzelnden Seele aufsteigen. Wir möchten nur wünschen, daß der Verfasser seinen Verleger zur möglichst raschen Herausgabe eines Heftes veranlasse, das hintereinander die hebräischen Originale der Uebersetzungen enthält — und das auch den bisherigen Käufern des Buches als Beilage dazu zu einem billigen Preise zur Verfügung gestellt wird. Wie die Dinge heute liegen, werden die meisten Leser nicht die Möglichkeit haben, den großen Divan in der Brodyschen Ausgabe oder selbst die kleineren Sammlungen zu erlangen, nach denen Rosenzweig übersetzt hat. Und es wäre schade, wenn ein Buch, bei dem jede Zeile von vollendeter Hingabe zeugt, nicht Leser fände, die dem Autor diese Hingabe an seinen Stoff durch gründliches Versenken in Original und Wiedergabe lohnen. .nann »VTp Von Rabb. Dr. H. E h r e n t r e u in München. nana vrrp kehrt im nächsten Jahre nach einer Pause von 28 Jahren wieder. Die Grundlage dafür ist die Gemarastelle in Berachoth 69a, wo es heißt nviy iiaa aais 'iai nnsipna nan nsian Ompsaa „Wer die Sonne zur Zeit ihrer Tekufah sieht, macht die aaaa usw." Das ist, sagt Abbaji, nach Verlaus von 28 Jahren, wenn der Planet 'snav (Saturn) am Dienstag abend in der Stunde von 6 bis 7 Uhr regiert, eine Konstellation, wie sie bei der Schöpfung vorhanden war und stets nach 28 Jahren wiederkehrt. Raschi gibt dazu die nötige Erklärung. Wenn man die ganzen Wochen abzieht, beträgt der Jahrsüberschuß nach der Tekufah des Mar Samuel 1 Tag und 6 Stunden. Die nächste Tekufas Nissan rückt um 6 Stunden vor, so daß sie in vier Jahren wieder auf die Stunde von 6 bis 7 eines anderen Tages fällt. Erst nach 4.7 gleich 28 Jahren fällt sie wieder auf die Stunde von 6—7 des Dienstag Abends. Aus verschiedenen Anzeichen ergibt sich jedoch, daß die alten Geonim an unserer Stelle eine andere Lesart vor sich hatten. Das bemerkt bereits R. Akiba Eger im D"va ]r>ba zur Stelle, wo er beweist, daß der Aruch unsere Lesart nicht kannte, denn er bringt zwei ganz verschiedene Erklärungen für das nnsipna aan , woraus sich ergibt, daß er die Worte 'i3i 'in na’si nicht vor sich hatte. Herr Dr. Bondi in seiner Arbeit „der Siddur des Rabbi Saadia Gaon" S. 21 bringt aus diesem Siddur eine interessante Stelle folgenden Wortlautes: „Und über die Sonne am Tage der Tekufat Tammus spricht man wiederum n'vsaa rau?" (vgl. obige Anmerkung). Der Verfasser führt zur Erklärung aus dem *1iay Yia’b )es Sennheimer Raw b"r ein sehr bemerkenswertes Zitat aus einer Handschrift an, wo es heißt: nan nsipna ans 's. Das ist wiederum ein schlagender Beweis, daß R. Saadia unsere LA nicht kannte; denn die Annahme, daß er sich aus anderen Gründen, die wir noch anführen werden, eigenmächtg über die Erklärung des Abbaji hinweggesetzt hat, ist nach 'meiner unmaßgeblichen Meinung vollständig ausgeschlossen. Wir legen deshalb besonderen Nachdruck darauf, daß diese LA nicht feststeht und zu bezweifeln ist, weil sie eine alte, längst bekannte, bei den alten Chronologen — a'aaya genannt — stets aufgeworfene Schwierigkeit in sich birgt. Die 28 Jahre des Abbaji stimmen doch nur nach der Tekufah des Mar Samuel, der zu den 365 Tagen des Jahres noch volle 6 Stunden hinzuzählt * 2 *) Unser ganzes Kalendersystem ist aber auf der Tekufah des Raw Adda aufgebaut, der keine vollen 6 Stunden — genau 5.246.. . St. — den 365 Tagen des Jahres hinzuzählt, so daß die 28 Jahre für die Wiederkehr der Tekufath Nissan gar nicht stimmen. Die älteren Bearbeiter unseres Kalenders helfen sich mit einer Sentenz, die irgendwo geprägt wurde: nsipn s’onasa bsiaw nsipn syasa sas aa „Oeffentlich hat man der Tekufah des Samuel ihre Geltung zugestanden, die Tekufah des Raw Adda galt für die Eingeweihten." Eine befriedigende Erklärung ist das nicht. Der asio ann zu Orach Chajim Nr. 56 beschäftigt sich ebenfalls mit dieser Frage. Er konstatiert diesen halachischen Widerspruch in unserem religiösen Brauch ohne eine Lösung zu finden und schließt mit y"3- Mich wundert nur, warum er gerade auf diesen Widerspruch hinweist, der in 26 Jahren einmal zu Tage tritt und nicht auch auf denselben Widerspruch des Tages der nbs» aufmerksam macht, der doch alljährlich wiederkehrt. Die nbss? soll 60 Tage nach der Tekufath Tischri beginnen (nach Taanith 10 a) auch da richten wir uns nach Tekufath Samuel und sind jetzt bereits mehr als 13 Tage im Rückstand gegenüber der Tekufath Raw Ada! Als ich im Jahre a"aan bei meinem Schwiegervater b"sr V->'.a naay 'aaaa 'a a"iaz dem späteren Hamburger aa weilte, bekam er von einem Herrn Friedländer eine Tabelle, wleche den Tag der nbsv nach dem jüdischen Datum auf ein Jahrhundert im voraus berechnete, zugeschickt, mit der Bitte um seine naavn. Ich sagte zu ihm damals, es sei mir zweifelhaft, ob man berechtigt sei oder ob es angezeigt sei, sich auf ein Jahrhundert im voraus darauf festzulegen. Es könnte doch eine Zeit kommen, daß die maßgebenden man 'aisa einsehen werden, daß es nicht richtig sei, mit der nbsv immer weiter im Rückstand zu bleiben, immer tiefer in den Winter hineinzukommen und die asai b» 7m nbsn um noch mehr Tage zu verkürzen. Es ist doch möglich, daß man dann die Einrichtung treffen wird, zu der alten Uebung, wie es im Abudarham und im *pi’ ma Nr. 117 steht, zurückzukehren und die nbsv auf den 22. November zu verlegen. Mein Schwiegervater b"i erteilte dennoch die naavn , fügte aber den von mir gemachten Vorbehalt hinzu. Friedländer druckte darauf seine Tabelle mit der naavn,, hat aber den Vorbehalt weggelassen. Genau so hatte ich es meinem Schwiegervater vorausgesagt. Ich erwähne das hier aus folgendem Grunde. Die Agudas Jisroel hat sich das in meinen Augen sehr große Verdienst erworben, den Rabbinischen Rat ins Leben gerufen zu haben. Ein Forum von s'aam mairra aus allen Ländern der Golah, wie es seit Jahrhunderten nicht vereint gewesen. Ist es allzu kühn, die Hoffnung auszusprechen, daß diese Körperschaft sich in absehbarer Zeit einer unbestrittenen Autorität allüberall erfreuen wird, 1) So hat es auch Rif und Rambam, der Rosch aber zitiert n’wsaa nt?ya nmy. 2) Vgl. Erubin 56 a sbs nsipnb nsipn pa 7’x bsiav aas nsnai myc 'i dt k"3. und dann in der Lage ist an die Lösung dieser Frage heranzugehen? Ern Beschluß des Rabbinischen Rates, die nbsff im obigen Sinne zu regeln, evtl, die Tekufah des R. Ada statt der des Samuel zur Grundlage zu nehmen, wäre dann kein gewagtes Unternehmen und würde in der ganzen Diaspora anerkannt werden, vgl. 's '’o p’P D"ana n'asn aoa ''o naaa »aro «701» 'aaa In der Gemara steht nur nsipna o'Ptp ay nbiaav welche Tekufah gemeint sei, das steht nicht ausdrücklich, eskönnte ganz gut die Tekufah des R. Ada damit gemeint sein. Logischerweise müßte man es annehmen, denn wie läßt es sich sonst erklären, daß man einerseits sagt, wer einmal aaai ba 7m vergißt, muß noch einmal beten, und andererseits sagen wir das aast ba 7m in jedem Jahhundert um einen weiteren Tag später als es sein sollte! Andes liegt der Fall bei nann pinp* Dort heißt es ausdrücklich, daß es jedesmal zu 28 Jahren an einem bestimmten Tage wiederkehrt. Daran müssen wir uns Hallen. Mögen auch die Geonim eine andere LA vor such gehabt haben, für uns sind die großen Poskim aiznt Dn’by pM bsaw ma maßgebend in halachischer Hinsicht. Wenn wir durch die Gnade des Allmächtigen den kommenden nvs aay erleben und die Frühlingssonne in gewohnter Pracht und Herrlichkeit leuchten wird, so wollen wir bei ihrem Anblick Ihm, der den Himmelskörpern ihre Bahnen weist, Lob und Preis spenden mit den Worten mvsaa vVya nam 7m-— Wir wollen uns dann erinnern an die Worte waiain vmn nsxa T'amsi! (Aus dem soeben erscheinenden 16. Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft in Frankfurt a. M.) Astronomisches. Auf dem Titelblatt unserer nimb findet sich eine: rätselhafte Angabe, die Jahr für Jahr wieder erscheint. Bekanntlich beruht unsere Kalenderrechnung auf Mondmonaten; der Ausgleich mit dem längeren Sonnenjahr erfolgt durch Einschaltung von je 7 Monaten in 19 Jahren, gezählt nach dem Monde mabb 70p awia Die Division von 19 in die Jahreszahl (5685:19 — 299 Nest 4) ergibt, daß bisher 299 Zyklen verflossen sind. Wir sind jetzt also im 300. Zyklus und das kommende Jahr ist das vierte darin. Neben diesem „kleinen Zyklus nach dem Mond" gibt es einen „großen Zyklus nach der Sonne" gerechnet nanb biaa airna Dieser umfaßt 28 Jahre. Nach je 28- Jahren fällt die 70’a nsipri, wieder — wie beim Beginn unserer Zeitrechnung nach der Weltschöpfung — auf den 3. Wochentag abends 6 Uhr. 6685: 28 — 203 Rest 1, es sind also bisher 203 Zyklen verflossen. 5685 ist das erste Jahr im 204. Zyklus.^ Am Morgen nach nsipn, diesmal am nos aayz werden wir — als nann enap — beim Anblick der Sonne den Schöpfer als iwsaa nwya niz?iy preisen. Nun besagt das Titelblatt unseres Kalenders vnb /s 1 das 1. Jahr im großen Zyklus, p"ab 7adas 4. Jahr im kleinen Zyklus. Was heißt aber das folgende: naabb a? nanb a"a? Hier ist ein Fehler. Es muß heißen: nanb a"a baaa mrnab s naabb ’v 70p mtnab 'a Offenbar hat ein Drucker folgenden Text (auf unser Jahr übertragen) vor sich gehabt: nanb a"a f Dazwischen \ r'ab 's naabb 'u v ein Bild J p"»b 'n und hat ihn falsch zusammengelesen. Die Durchsicht einer alten mm? -Sammlung (im Besitze des Herrn Kant. B. Oppenheimer-Treuchtlingen), die bis 6550 zurückgeht, ergab, daß ursprünglich die Angabe lautete: P"ab 'a n:t? yn(!)bt? usw. (seit 5562 (Fürths mit dem Zusatz, naabb)* Im Sulzbacher mb 5581 finde ich zum erstenmal unsere falsche Angabe, dann merkwürdigerweise wieder die obige richtige Fassung, und zwar sowohl im Fürther mb (5582) wie im Sulzbacher (5583—89). Ebenso in 2 Wandkalendern (Fürth) für 5610 und 5611. In den mir von später vorliegenden Kalenderausgaben Rödelheim (seit 5691) Mainz, Frankfurt erscheint unser Fehler: aber nicht in denen von Berlin, Breslau,. -D'horn' Dr. M. Bemerkungen zu einer Talmudübersetzung. Von Dr. 3. Münz in Berlin. Zu den hervorragendsten christlichen Gelehrten, die auch auf dem Gebiete der talmudischen-rabbinischen Literatur Bedeutendes geleistet haben, gehört sicherlich auch August Wünsche. Sein großes Werk „Der Babylonische Talmud in seinen hagadischen Bestandteilen" erfüllt uns noch heute mit Bewunderung für das umfassende talmudische Wissen des Verfassers und für den unermüdlichen Fleiß, mit dem er sich der Bearbeitung dieses weitschichtigen, schwierigen Stoffes gewidmet hat. Dem Studierenden, der keine genügenden Kenntnisse im Talmud besitzt, kann diese Uebersetzung sehr wertvolle Dienste leisten. Bei all seiner Gelehrsamkeit hat Wünsche jedoch viele Stellen in der talmudischen Hagadah mißverstanden und falsch übersetzt. Auf einige dieser Fehler sei hier hingewiesen: Lhagiga sb: mnab’aamn’a’saaapy 'aaa mas’a's 'a aa ’a aa jaaa mb iap mm aa ’aa sbt am snaisa 'na' snbn b'is: •n’ns myab pvm n’wsss ’ap mnya vbn sai' ana Wünsche übersetzt: R. Jdi, der Vater des R. Jakob bar Jdi pflegte drei Monate und einen Tag unterwegs bei Rab zu fein, und die Rabbiner pflegten ihn Sohn des Hauses Rabs zu nennen. Als eines Tages sein