Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 41-42 (9.10.1924)
- Date
- 1924-10-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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djeV^arf lileraris E.D-fi. Die <Einc kalendarische Betrachtung von s. Kuttner in Berlin. Das nun beginnende Jahr 5685 seit Erschaffung der Welt ist in mehrfacher Hinsicht ein äußerst bemerkenswertes, da in ihm zwei Merkmale zusammentreffen, die an und für sich schon allein sehr selten eintreten. Wenn auch in der Praxis heute im Jvto keine ^ai' -Jahre mehr gefefert werden, so sind sie dennoch theorensch auch jetzt noch von Bedeutung; man sollte sie also wenigstens formell zählen. So war es auch schon zur Zeit des zweiten Tempels, weil schon damals nicht ganz Israel im heiligen Lande vereinigt war (ttnpl irfonv 122). Ueber das Verhältnis zwischen und ^21' besteht bekanntlich eine Kontroverse zwischen den Weisen und A. Iehuda (Rosch Haschonoh 9a). Nach R. Iehuda nämlich ist das 50. Jahr als Jubeljahr zugleich auch das erste Jahr des folgenden Sübbatjahrzyklus und steht nicht als ein Jahr für sich außerhalb der Sabbatjahr- Zyklen. Für die Zeit des zweiten Tempels nun folgen die Gaonen der Ansicht des R. Iehuda (Maim. ’ni'i nv'»V X, 5). Auch wir tonnen uns nur, wie auch Hoffmann Vst in Teinem Kommentar zu Leviticüs 25, 8—10 bemerkt, letzterer Ansicht anschlietzen, zumal sie auch historisch begründet ist. Es handelt sich nunjNehr noch üm die Bestimmung des Anfangspunktes der Zählung der Joheljahre, nachdem hoA wie traditionell feststeht, mehrfach Unterbrechungen im Zählen derselben stattgefunden haben. Unter den verschiedenen Meinungen, die hierüber obwalten (siehe Zucker- Münn, Ueber Sabbatjahrzyklus und Jobelpetiode), scheint uns die Ansicht des Abraham Bar Chija (Sefer Hai'bbur IH. 6) recht einleuchtend zu sein. Er läßt die Jobelperioden bis Zur Erilierung der transjordanisHen Stämme -aus 56 Jahren im Sinne der Weisen bestehen, schließt sich aber dem Systeme des R. Iehuda won dem Zeitpunkte dieser Erilierung, welche er im Jahre 3037 ansetzt, an. Um also ein Jahr a in der Jobelperiode zu bestimmen, subtrahiere man von der gegebenen Jahreszahl a die Zahl 3037 und dividiere diese Differenz durch 49; die ganze Zahl des Quotienten gibt die Anzahl der seit dem Jahr 3037 abgelaufenen Jobelperioden, und der Rest das Jahr der laufenden Jobelperiode an, wobei zu bemerken ist, daß der Rest Npll das 49. Jahr der Jobelperiode, d. h. ein 7. Sabbatjähr, und der Rest Eins ein Jobeljahr und zugleich ein erstes Jahr der neuen Jobelperiode andeutet. Hierbei ist aber noch folgendes zu berücksichtigen: Die ynter den Juden jetzt übliche Weltschöpfüngsaera hat die Epoche Ti Ta, d. h. der Eintritt des Schöpfungsjahres wird mit dem Neumonde des Tischri angesetzt und zwar für Montag 5 204 1080 Stunden, also Sonntag nachts 11.11 Uhr 20 Sek.; Abraham bar Chija aber nimmt die Epoche T’ 'l an. d. h. nach ihm war der erste Neumond des Tischri am Schlüsse der 14. Tagesstunde von Freitag, also am Freitag 8 Uhr morgens. Die erstere Ansicht zählt nun die 5 vorhergehenden Schöpfungstage proleptisch als ein Jahr, nach ihr gilt der 6. Schöpfungstag schon als zweites Jahr der Schöpfung: Abraham bar Chija aber setzt mit noch anderen für den ersten Neumond gleich das Schöpfüngsjahr Adams an. Um also diese einjährige Differenz auszugleichen, dürfen wir nicht die Zahl 3037 subtrahieren, sondern müssen vielmehr 3038 abziehen. Wenden wir diese zu führen und der Welt den schon lange von ihr ersehnten Frieden zu bringen. Wenn wir einerseits an Gott, den Weltenschöpfer, glauben und Seine heilige nun, die Er uns als dem vp anvertraut hat, mit vollernanu zu begreifen und auszuführen suchen, andererseits aber unseren Mitmenschen keinen vin ngav, keinen unbegründeten Hatz entgegenbringen, sondern sie alle und ganz besonders unsere Glaubensbrüder mit werktätiger Liebe umfassen (bekanntlich wurde gerade wegen der Sunde des G ö tz e n d i e n st e s der erste und hauptsächlich wegen oan der zweite Tempel zerstört), dann wird sich' der jam *|Va unserer erbarmen und wird uns ein npiV'i nVm niv schenken, es wird dann das Prophetenwort sich erfüllen: .w»rrK nnsra, zur bestimmten Zeit werde Ich es beschleunigen, prr pn *,t pi Vim ivxV mv Formel nun auf das bevorstehende Jahr 5685 an, dann erhalten nur:-4Q - - -gg- ----- 54 Rest 1, was also besagt, daß das Jahr 5685 nach der Ansicht des Abraham bar Chija ein Jobeljahr wäre. Das Jahr 5665 ist aber auch ferner das erste Jahr eines neuen Sonnenzyklus, der immer 28 Jahre umfaßt. Mit dem Beginne eines solchen Zyklus tritt wie im Jahre der Erschaffung der Welt das Frühlingsäquinoktium wieder am Dienstag Abend 6 Uhr, also am Anfänge des Mittwoch, an welchem Tage die Sonne geschaffen wurde, ein. Deshalb wird auch in diesem Jahre an dem der pn naipn folgenden Mittwoch, heuer an nvs nitf, vormittags bis 9 Uhr der Segensspruch nvpa mm rpffioa gesprochen. Dieses geschieht alle 2 8 Jahre nür einmal. Die Seltenheit aber eines solchen Jahres, in dem die beiden geschilderten Fälle zusammentreffen, ergibt sich' daraus, daß es alle 196 Jahre nur einmal eintritt. Wie nun letztere Bestimmung auf Gott, den Weltenschöpfer, und die ewigen Gesetze, die der Allmächtige in die Natur hineingelegt. sowie im Zusammenhänge damit schließlich auch auf die Ewigkeit unserer heiligen NUN und die Ewigkeif des Volkes Israel und des ihm von Gott auf ewig geschenkten Bodens und Tempels hinweist, bekundet die Einsetzung des *7 2 v Jahres, das ja auch ivnn nw» Jahr der Freiheit genannt wird, eine soziale Fürsorge höchsten Grades, eine unbegrenzte Liebe des einzelnen zu seinen Mitmenschen. In Malbim's Kommentar zu toran wird gerade für die nun kommenden Jahre auf den Wiederaufbau von fix und besonders der iznipn vy und des srrpön N'2 hingewiesen; auf der anderen Seite soll im nächsten Jahre endlich die Abrüstungskonferenz zustande kommen, die dazu geeignet erscheint, die Völker einander näher Franz Rosenzweigs Halevy-Buch. Franz R 0 s e n z w e i g, der vor wenigen Jahren in seinem gewaltigen philosophischen Lebenswerk „Der Stern der Erlösung" (Frankfurt, I. Kauffmann) den Erwählten, die seine Sprache verstehen, seinen individuellen Weg zur alten jüdischen Wahrheit, den Heimweg eines europäischen Philosophen ins Vaterhaus der Thora offenbart hat, schenkt mit seinen soeben bei Oskar Wöhrle in Kon stanz erschienenen „Sechzig Hymnen und Gedichten des Iehuda Hole oy" der deutsch-jüdischen Literatur eine Gabe von köstlichstem Duft. An diesen 100 Seiten hat ein Matz von Liebe und Andacht, eine geistige Konzentrationsfähigkeit von so unerhörtem Ausmaße gearbeitet, daß man das Buch voll Ehrfurcht aus der Hand legt und den Dichter beglückwünscht, der einen Ueberfetzer von solcher Selbstentäußerung gefunden hat. Denn das ist das Merkwürdige an Rosenzweig, dem Ueberfetzer, daß er nichts sein will, wie der getreue Interpret des dichterischen Gedankens nicht nur, sondern auch der Wortprägung, des Rhythmus, des Reimes, der unscheinbarsten metrischen Nuance, die oft mit eben diesen unscheinbaren Mitteln den Aufbau und die Gliederung des Kunstwerks bedingt. Die the 0 retis che Möglichkeit solchen Uebersetzens, das, soweit nicht Prosa in Frage kommt, wohl keine Vorbilder hat, sucht Rosenzweig in seinem Nachwort (auch in diesem feinen Zug des Respektes vor dem Dichter verrät sich des Uebersetzers Eigenart) aus der Tatsache zu erweisen, daß es nur „eine Sprache" gibt. ».Auf diefer wesenhaften Einheit aller Sprache und dem darauf beruhenden Gebot der allmenschlichen Verständigung ist die Möglichkeit wie die Aufgabe des Uebersetzens^ ihr Kann, Darf und Soll begründet." Aus diesem Empfinden heraus habe Luther mit seiner Bibelübersetzung, me das „Zyklopische" des hebräischen Satzbaues nachahmte, das Bibeldeutfch als dauernden Besitz der deutschen Sprachentwicklung geschaffen. Ähnliches schwebt Rosenzweig nun in seiner deutschen Wiederspiegelung Halevyschen Dichtens vor. Ist ihm das Wagnis gelungen? Man kann die Frage, ohne unehrlich zu sein, nicht vorbehaltlos bejahen; denn es gibt Stellen in diesen sechzig Gedichten, die man nur nach langem, angestrengtem Nachdenken überhaupt verstehen kann. Aber man wird diese Gezwungenheiten gern in den Kauf nehmen um des vielen Herrlichen, das die gelungenen Wiedergaben bescheren. Das Herrlichste dabei ist die Sehnsucht nach dem hebräischen Original, die durch die geglückten Stellen unfehlbar geweckt wird; bequem darf;V.i Z -’i M : .•? < )k 'i % Ä I 1 I * sä