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Der Israelit · 1924-03-20 · Heft 12 (20.3.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 12 (20.3.1924)
Date
1924-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12 Seite 3 20. Mäq 1W4 Von Seminar-Oberlehrer E. Gut in Äöln. 'x n *]m:r njn lyin Waa '2 „Denn wegen dieser Sache wird dH dein Gott segnest.^ Dazü bemerkt Her *i vn fun LSDÄdos 1516)^« ÄKitzs Mv 'ktrt wj »nh'indüs erinilerl an das Glücksrad, das sich iii bei Welt herumdrehi"; tzie unsere Weisen sagen: drei Machest hängen nicht vorn Verdienste ab, sonderst vom G^ück: Minder, Lehen und Ernährung ‘»itdi "N ■’ia Mährend der Kriegs- und Nachsriegsjühre flüchteten Beanite und Beamtensöhne ins geschäftliche Leben, um eine bessere, einträglichere Wstenz zu erringen. Heute fürchten schon altere Angestellte das Damoklesschwert der Kündigung. Selbst berühmte Welthäuser schränken ihr Personcil auf ein Minimum ein und hie Wohltättgfeichet eine rüsten sich, in größerem Maßstabe Vorbereitungen zur Erwerbslosenfütsorge zu treffen. Während es uns früher ein leichtes war, unseren schulentlassenen Knaben und Mädchen Lehrstellen zü vermitteln, stoßen wir heute auf bedenkliche Schwierigkeiten bei der Geschäftswelt. . Hingegen laufen fortgesetzt Gesuche bei uns ein von Gemeinden, die einey Lehrer und Kult.usbeamten suchen hei Eingruppierung und fester Anstellung. Auf diesem Gebiete aber überwiegt die Nachfrage hei weitem das Angebot,- denn der jüdische Lehrerstand steht auf dem Aussterbe- Etat. Ein großer Teil der Lehrerschaft freut sich mit diesem Ergebnis und fordert: Schließt die Seminare, haltet jeden von Ergreifung dieses Berufes zurück! Die Gemeindevorstände sollen sehen, wohin ihre Kurzsichtigkeit und Hartherzigkeit geführt hat. Diese Desperado-Politik halte ich für falsch, sie gleicht der Logik des Knaben, der ausrief: Geschieht meinem Vater ganz recht, daß meine Finger erfroren sind, warum hat er mir keine Handschuhe gekauft? Ich bin für Ersüllungspolitik und habe vor Jahren als Erster verlangt: Jeder jüdische Lehrer muß mindestens das Einkommen erhalten, das sein christlicher Ortskollege bezieht. Woher die Mittel dazu genommen werden, ist nicht Sorge der Lehrerschaft, sondern der Arbeitgeber. Die meisten Gemeinden, die etwas auf sich halten, haben sich heute diese Forderung zu eigen gemacht und trotzdem sollen die Führer der Lehrerschaft weiterhin die Parole ausgeben: Schließt die Seminare? Können wir es verantworten, daß immer weitere Scharen der jüdischen Jugend ohne Tauroh-llnterricht aufwachsen und der Mission in die Hände fallen? Kleines Feuilleton. Der jüdische Name. Ein Schlußwort. Von Dr. M. Weinberg in Neumartt (Oberpfalz). Ich hatte nicht die Absicht, nochmals auf dieses Thema einzugehen. Meine seinerzeiligen Ausführungen in vorliegender Angelegenheit waren offen und grade, wie ich glaube; jedenfalls aber von dem ehrlichen Bestreben geleitet, nach meinen schwachen Kräften zur Klärung der Angelegenheit einiges beizutragen. Wenn man nun in den mir gewordenen Entgegnungen einfach meine Gedankengänge umgeht, anderes heraus!^est, als ich sagte und von vornherein mit der Absicht an sie herantritt, sie keiner Nachprüfung für würdig zu finden, so ermutigt mich das nicht, von neuem mißverstanden zu werden. Wohlmeinende objektive Leser werden meinen ganz objektiv gehaltenen damaligen Ausführungen Gerechtigkeit zukommen lassen. Nun aber ging ein Anonymus in der letzten Nummer aus dem gesicherten Versteck der Anonymität daran, mir unlautere, verwerfliche Motive unterzuschieben. Ich habe Herrn Dr. B. E. als „Besserwissender" ein Bein stellen wollen (!), ich habe ihn mit der Lauge einer angeblich wissenschaftlichen Kritik übergossen — von anderen liebenswürdigen Epitheta, die er mir und meinen Ausführungen, gibt, zu schweigen. Zum mindesten sollte man von einem Kritiker erwarten, daß er den Artikel, den er beurteilen will, auch mit Verständnis zu lesen sich bemüht und ihm nicht das grade Gegenteil von dem unterschiebt, was er jagen wollte. Ich glaube, ich habe nachdrücklich genug die Sucht lächerlich gemacht, Der Israelit _ Getäde jetzt, hä es sä schwet hält, die Schulentlassenen den geschäftlichen Berufen zuzuführen, da es nicht einmal ratsam erscheint, diesen Beruf zu wählen, wäre es an der Zeit, die jüdischen Väter zu ermahnen, laßt eure Kinder einige Jahre Tauroh lernen, faßt sie Lehrer in Jisroel werden! Dieser Beruf scheint in nächster Zukunft aussichtsreicher zu sein als der geschäftliche. Ich spreche nicht pro domo, denn sollte unser Seminar auch wegen Mangels an Schülermaterial geschlossen werden, ich hätte doch Beschäftigung genug. Mir liegt das Wohl der jüdischen Äugend am Herzen, das nach Lehrern geradezu verlangt. Mancher Erwerbslose, der bald auf Arbeitslosenunterstützung warten muß, hätte hier ein segensreiches Betätigungsfeld. Sollte in einigen Jahren das Glücksrad sich wiederum drehen, dann würde es, wie vor einigen Jahren, den geschäftslustigen Beamten auch nicht schwer fallen, isw wieder mit jiViat zu vertauschen. Für die Gegenwart aber brauchen wir Lehrer für unsere Jugend, Kultusbeamte für unsere Gemeinden. Die Geschäfte hingegen benötigen gegenwärtig weder Lehrlinge, noch Angestellte. Warum sollen wir uns hartnäckig sträuben, die Folgerungen aus diesen Tatsachen zu ziehen? Ist denn der Lehrberuf bei uns derart gering gewertet, daß wir lieber stellenlose Kaufleute als vollbeschäftigte Gemeindebeamte sein wollen? Noch habe ich die Hoffnung, daß idealdenkende Väter und Jünglinge sich diesen Erwägungen nicht verschließen werden. 'K n ^313' mti *mn - Schopenhauers Verhältnis zum Judentum. Von Dr. I. Münz in Berlin. (Schluß.) Schopenhauer, du großer, scharfsinniger Philosoph, war es gerecht und vernünftig, eine so harte und schwere Anschuldigung wie dle der Tierquälerei gegen die jüdische Religion zu erheben,- ohne nur eine blasse Ahnung von dem Gegenstände der Anschuldigung zu haben? Du hast einmal das Wort medergeschrieben: „Was den Argumenten an Stärke abgeht, sucht er durch die Stärke der Ausdrücke des Abscheus, also durch Schimpfen zu ersetzen." Dieses Wort gilt auch von dir selbst! — Doch kann sich das Judentum mit dem Gedanken trösten, daß Schopenhauer auch die andern Nationen, die Franzosen, die Amerikaner und die Deutschen mit seinem scharfen Tadel nicht verschonte. So schreibt er über die Deutschen: „Den Deutschen hat man sich einen recht modernen Namen zu geben. Der Anonymus erklärt, meine „lückenhafte" Beweisführung halte einer strengeren Untersuchung kaum stand. Dieses vernichtende, offenbar sachkundige, wenn auch nicht bewiesene Urteil entwaffnet mich. Gegen diese Kritik gibt es keine Verteidigung. Ich ergreife die Gelegenheit, wenn ich auch das Thema als Ganzes nicht nochmals, wie bereits gesagt, anschneiden will, die Gegenäußerung des Herrn Dr. B. C. flüchtig zu streifen. Ich war jüngst Zeuge eines Konfliktes, der zwischen einem jungen Ehepaar ausgebrochen war. Auf den Mann hatte Ihr Artikel einen derartigen Eindruck gemacht, daß er fest entschlossen war, seinen in Kürze etwa zu erwartenden Knaben Schmuhl zu nennen —, wirklich Schmuhl, nicht Samuel. Die Frau wollte sich höchstens zu letzterem bereitfinden. Zum Glück ging der Streit dadurch zum guten Schluß, daß die Ankunft einer Tochter ihm ein Ende bereitete. Dieser Mann zog aus Ihren wohlgemeinten Ausführungen die letzte und wirklich logische Konsequenz. Wennwir schon jüdische Namen wählen, dann sollten wir sie nicht so gestalten, wie sie uns von christlichen Bibelübersetzern übergeben wurden. Mit welchem Rechte sagen wir Moses statt Moscheh oder gar Mauscheh, Salomon statt Schlomoh, Rebekka statt Rifkah, Ezechiel statt Jecheskel? Diese wirkliche Verunstaltung heiliger Namen sollte eigentlich für einen strengen Sprach-Puristen schwerer wiegen als die Beilegung eines anderssprachlichen vv. Es geht denn doch meines Erachtens zu weit, wenn man leichten Tones allen Trägern eines profanen Namens von R. Tarfon bis Seligmann Bär Bamberger Mangel an jüdischem Gefühl vorwirft (bezw. den namengebenden Ellern) und sie, wie es geradezu der Anonymus tut, der Selbstentmannung bezichtigt. Man sollte mit diesem Urteil etwas vorsichtiger sein. Die Tausende vorgeworfen, daß sie bald den Franzosen, bald den ENgländeck nachahmen. Das rst aber gerade das klügste, was sie tun können; denn aus eigenen M ttem kriegen sie doch! mchls Gescheites zu Markte." — An einer andern stelle zeigt sich Schopenhauer, der Feind der jüdischen Religion, auch als Feind und Gegner jeglicher Religion: „Eigentlich ist alle positive Religion." so urteilt et, „der Usurpator des Thrones, der der Philosophie gebührt. Philosophen werden sie daher stets angreifen." Noch ein Umstand verdient hier hervorgehohen zu werden. Schopenhauer, der Judenfeind, zählte mehrere Juden zu seinen besten Freunden und Genossen. Der eine dieser Freunde war Dr. Julius Frauenstädt, der beste Kenner und Verkünder der Schopenhauerschen Philosophie. Schopenhauer nennt ihn seinen „wahren Treufreund", seinen „alten Apostel" und hat einen großen Teil seiner Briese an ihn gerichtet. Eine für diese Freundschaft charakteristische Stelle aus diesen Briefen sei hier angeführt. Am 2. März 1849 schreibt Schopenhauer an Dr. Frauenstädt: „Ihre Äufmerksamkeit, an meinen Geburtstag zu denken, hat mich ungemein gerührt. da Sie wohl der einzige sind, der daran gedacht hat. Aber offenbar ist ein einziger, aus wahrer Hochschätzung allein entspringender Glückwunsch mehr wert als hundert von Interesse oder bloßer Höflichkeit oder Heuchelei eingegeben, wie sie den Großen und Reichen dargebracht werdest. Erhalte Sie der Himmel, werter Freund, bei Leben und Gesundheit." — Der zweite jüdische Freund des Philosophen war Dr. David Äscher aus Leipzig. Dieser versuchte sogar nachzuweisen, daß em ge berühmte jüdische Denker des Mittelalters, wie Juda Halevi und Salomo ibn Gabirol, ähnliche Gedanken wie Schopenhauer zum Ausdruck gebracht hätten und daß diese Denker gleichsam als Vorläufer des großen modernen Philosophen zu betrachten seien. Dr. Ascher behauptet sogar, daß Schopenhauer seine völlige Verkennung der jüdischen Religion eingesehen und seinen Haß gegen dieselbe als unvernünftig bezeichnet habe. — Seinen dritten jüdischen Freund, Dr. Emden, ernannte Schopenhauer zu seinem Testamentsvollstrecker, während er seinem ersten Freund. Dr. Frauenstädt, seinen literarischen Nachlaß vermachte. Bei den Freunden ließ er noch in seinem Testament besondere persönliche Andenken zurück. — Schopenhauer ging also auch in seinem Judenhaß nicht konsequent und folgerichtig zu Werke, und die Antisemiten treiben daher ein gewagtes Spiel, wenn sie ihn als ihren Gewährsmann anfiihren. Der Zeuge kann auch als Ankläger auftreten. mit schönem deutschen Namen, die im Mittelalter den Scheiterhaufen bestiegen und vem btt?» aus innerster Ueberzeugung waren, sollten doch von dem Vorwurf des Herrn Dr. B. T. verschont bleiben, sie hätten ihr Judentum verstecken wollen. Das. konnten sie garnicht. Der gelbe Streifen auf der Brust dokumentierte sie einem jeden von weiter Ferne als Juden. Ihre Namen sind uns nicht aus christlichen Quellen bekannt, sondern durch die erschütternden Berichte jüdischer Memorbücher, besonders des Mainzer, überliefert. Absurd ist der vorgebrachte Gedanke, die christ.ichen Pei iger hätten die deutschen Personennamen erzwungen. Diese verlangten sicherlich eher die jüdischen. So berechtigt daher auch grundsätzlich das Streben nach rein jüdischen Namen ist, so sehr ist grade in unserer Zeit vor der Ueberschätzung eines solchen Strebens zu warnen; das war das Ziel meiner Ausführungen. Wollte doch der Aufwand der Beredsamkeit, der meine Gegner grade diesem Punkte zugewendet haben, um unser Zeitalter in der Glorie eines besonderen jüdischen Selbstbewußtseins gegen die angeblich diesbezüglich viel tieferstehenden der früheren Jahrhunderte herauszustreichen, aus andere verheerende Schäden unserer Zeit gewendet werden, z. B. auf die mit Füßen getretenen x/vnm hmn Man fuggiere nicht der Menge, mit der Zuleguyg eines jüdischen Namens allein schon einen besonders hohen Grad von jüdischem Empfinden demonstrieren zu dürfen. Ueberlassen wir die Ueberschätzung derartiger (ich möchte fast sagen „völkischer") Formen den Zionisten —, ein Betonen jüdischer Form ohne jüdischen Inhalt. An wen wendet sich denn Herr Dr. B. E.? Doch nicht an die Ueberzahl der zeitgenössischen Glaubensgenossen, für die es keine Speisc- und Sabbatgesetze gibt! Daß ein solcher so geschmacklos ist, sich meinetrvegen Ehristian Lohn zu nennen, ist doch verschwindend gegen sein übriges unjüdisches Leben. Also

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