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Der Israelit · 1924-03-20 · Heft 12 (20.3.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 12 (20.3.1924)
Date
1924-03-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 12_ Hand sich, wenn auch aus dem Verborgenen, uns schon entgegenstreckt, bevor noch des Frevlers Hand zum Schlage ausgeholt hat. n£b ’aaaion ’:n ’ansn nsa nav nn« „Indem du im Verborgenen bleibst, da du mich vor dem Bedränger bewahrst, so umringt und umrauscht der Sang der Errettung mich allezeit ..." Nehmen wir diese Erfahrungslehre aus der Purimgeschichte der Estherzeit in die sich ewig wiederholende Purimgeschichte der jüdischen Zeiten hinüber. Wochenrundschau. Friede i« Jerusalem? Aus der heiligen Stadt hat die soeben heimgekehrte, unter Führung Rabbi Abraham MordeHar Alters von Ger stehende Agudas Jrsroel-^elegatiön eine Nachricht mitgehracht, die man mit einem lauten a’vam aivn begrüben dürfte, wenn sie sich rn den von der Delegation offenbar erwarteten Auswirkungen als zuverlässig erweisen möchte: die Nachricht' von einem die Parteien Sonnenfeld und; Kuk einigenden und beide Teile befriedigenden ITmä pos. In unermüdlicher, von der glühenden Sehnsucht nach echtem v'bvm'mbv getragener Arbeit haben die Rabbiner von Sokolow und Pendin, unterstützt vom Gerrer Rebbe, wochen-' lang an einer Annäherung der gegnerischen, Gruppen und an einem Ausgleich in der Rich--' tung gearbeitet, die auf der Kenefsio Gedaulo vom Rabbinischen Pate aufgezeigt worden ist. Es ist ihnen dank ihrer rührenden Geduld gelungen, die beiderseitigen pan '»na. das ]n wa Oberrabbiner Kuks und dasjenige Oberrabbiner Sonnenfelds, auf ein Friedensinstrument festzulegen, das in groben ZAgen — die Deröffent-.; iichupg des Wortlauts behalten wir uns nach^ Ermächtigung vor — etwa folgendes besagt: Zur finanziellen Verwaltung des Schechitaw.esens wird eine zwölfgliedrige Kommission gebildet, in die jedes der beiden Bothe-Dim'm fe sechs Mitglieder entsendet. Die religiöse Aufsicht führen die Bothe-Dinim gemeinsam, wobei die nnaw jeder Seite matzgebend sind. Die Gesamtheit der Gesetzestreuen Ierusa-, lems ist verpflichtet, ihre gemeindepolitische Unabhängigkeit zu erstreben und damit ihre Einheit wiederzuerlangen. Solange die unter Rabb. Kuk stehenden gesetzestreuen Kreise noch keine Möglichkeit sehen, Per Israelit diese ihre Unabhängigkeit zu erlangen, sind sie dennoch verpflichtet, sich innerhalb der Gesamtgemeinde zu organisieren und mit der Sonnenfeldschen Gemeinde in allen gemeinsamen Angelegenheiten der Orthodoxie zusammenzuwirken. Zu diesem Zwecke wird ein paritätisch zusammenzusetzender Ausschutz beider Gruppen gebildet, der mindestens einmal jynerhalb zwei Wochen zufammenzutretey ustd für die innere Annäherung lriiaabn labpk'D zu sorgen hat. Für die beiden Pretzorgane, Kol I i s r o e l und Kol Jaüfauw, setzt der pvv Zensurbehörden aus bekannten Persönlichkeiten beider Parteien ein. Es fehlt nur eines: Die Zustimmung Rabbrner Kuks, der nach Amerika abgereist ist, ohne zu erklären, wie er Aber die Entschließung seines fn n'a denkt. Daß nunmehr mit ungeheurem Hochdruck der politische, organisatorische und — finanzielle Apparat der zionistisch-palästinensischen Liberalen einsetzen wird, um den Frieden unter den Gesetzestreuen — noch dazu am Vorabend der jüdischen Wählen — zu vereiteln, datz man Rabb. Kuk bei seiner Ehre packen, ihn zu überzeugen silch'en wird, der Ftiedenspakt trete der Würde des „nationalen" Oberrabbinats zu nahe, datz auch gewisse Misrachtstifche Kreise, die nichts so sehr fürchten wie die gesetzestreue Einheitsfront in Jeruscholaiim, bei der Bearbeitung Rabb. Kuks nicht untätig i bleiben werden, das alles unterliegt leider MneM Zweifel. Auch in der Umgebung Oberrabbiner' .Sonnenfelds wird man kein restloses Be- Hagen bei dem Gedanken an den erzwungenen Friedenszustand empfinden. Darum müssen wir vor allzugrotzem Opti-' mismus warnen, so großen Dank die jüdische' Gesamtheit auch den wackeren Männern schuldet, die sich nun das Zustandekommen des Friedens; erfolgreich gemacht haben. Um die Mische Agentur. Wie aus den im Nachrichtenteil enthaltenen Berichten hervoxgeht, hat das zionistische Aktionskomitee in außerordentlich stürmischen. Tage und Nächte währenden Debatten eine Resolution zur Jewish A^oucy-Frage zur Welt gebracht, die, wenn man sie aus der Sprache der Diplomatie in diejenige des täglichen Lebens übersetzt, nichts anderes bedeutet als eine vollkommene Verleugnung des Führers Dr. Weizmann, während er im Schweiße seines Angesichtes in Amerika um die Mitarbeit der leistungsfähigen Finanz- _20. März 1924 kreise ringt. Die Kommission, die soeben von der sogenannten Marshall-Versammlung in Newyvrk gewählt Morden ist, um über die UmsMaltung der jewish Agency zu ejnex unp axt$\ifchtzn, lediglich den wirtschaftlichen 2nter t j ff n des jüdischen Volkes dienenden Jnsiatzz zu beraten, wird sehx ßrsiaynj: sein, wenn sie plötzlich erfährt, dah yM W Einräumung der züerst an^hy^nen M Prozent der Sitze in det Agency stzlber an die Nichtzioniftey Abexhaupt keine Mde mehr ist, daß Hatz vielmehx tzeHtz und uMr der Agency als Äne Art IWratWsstück Wn sogenannten Iewish Council schaffest will, iWrhalb dessen die Herrey Finanzleute über die redliche Verwaltung ihrep Gelder wachen können und der — schon Mtzetz seines völkerrechtlich jn!kejner Weife anerkaMtetz Charakters — gegenüber der ziMMDst Aechish Agency vollkommen einflußlos hleivM Huß. Dfe Mehrheit des Aktionskomitees, M hiD lution beschlossen hat, müß eiW Wr hphe Auf> fassung von der Gutmülrakeir M MMipM losigkeit der amerikanisch-lüdischen WnäMWte Msitzey, WW sie -es wagt, sich Aber diese KMe so öffenkundlg lustig zu machen in demfeWh Augenblick, da man sie als Geldgeber heranzieW will. ' " Angesichts dieses Geelenzustandes der Zionistischen Leitung braucht man sich nicht darüber zU wundern, daß üyn dem versuche, den eigentlichen Kertz des jüdischen Volkes, die Orthodoxie, für irgendwelche gemeinsame Arbeit am Aufbauwerke zu gewinnen überhaupt keine Rede Mehr war. GäH M Gegenteil hat Herr Sokolvrv den unglaublichen Versuch unternommen, 6 Mbnate nach der Kenefsio GedauW, die Vertreter der organisiert^ Orthodoxie der Welt, an ihrer Spitze Oberrabbiner Sonnenfeld, als „unverantwortliche Personen" zu beschimpfen, die „zu Ungunsten des jüdischen Volkes" Sonderpolil.ik treiben. Auf diese Beleidigung, die nicht an die Schuhsohlen der im Namen des thoratreuen jüdischen Voltes vor König Hussein erschienenen Delegation hereinreichen (siehe den Bericht), auch nur ein Wort zu erwidern, scheint uns der Würde der Thora und ihrer Träger zu widersprechen. Möge sich Herr Sokolow, der ehemalige Ieschiwa-Bachur. merken, datz rrma n« ri^pa n«iv oätz Hatz und Aerger schlechte Berater in der Politik sind. Die zionistische Organisation wird aus der geschichtlichen Erfahrung noch lernen müssen, daß die sittlichen Mängel eines Teiles ihrer Führer, die leider unfähig sind, die Fragen des Prestiges denen der Sache unterzuordnen, ihr eigenes Wert letzten Endes zur Unfruchtbarkeit verurteilen. „Eine schwierige „Zeenoh-nrenoh"-Stelle. Von Dr. M. SrSbach. Unter dieser Ueberschrist machte fix. in Nr. 4 des „Israelitauf die Frage aufmerksam, wie es möglich war, datz Bileam, der nur; 3 Jahre alt wurde, schon zu den Ratgebern Pharaos gehört haben konnte. Fr. macht darauf aufmerksam, daß nach Chiskuni der Ratgeber Bileam der Vater des .Propheten" Bileam gewesen sein soll. Fr. halt dieses für unwahrscheinlich; tatsächlich wird Beor immer als Vater Bileams bezeichnet: yfr> *m»a jedoch heißt es iva 12a asrVa. S. R. Kirsch V'xt übersetzt diese schwierige Stelle mit: ..Bileam, den Beor seinen Sohn nennt" — im Geaensatz zur Auffassung der rnTütj Nn&j, wo es heißt rrin 13a i'an m*ran •£>, daß der Vater des Bileam in Bezug aus das Proohetentum dem Bileam so unterleqen war, wie ein Sohn seinem Vater unterlegen ist. Datz Beor auch mit zu den heidnischen Propheten gehörte, erfahren wir aus dem Midrasch zu dem Vers: ,3 trtoan na«’ und zwar feien darunter verstanden: i’a«i D&ba, dem — so heißt es weiter — aiva av?a laa iV^aa xanna- Die oben gestellte Frage von Fr. wird schon vom >mna gebracht, der auf diese Schwierigkeit aufmerksam macht, daß es tatsächlich zwei sich widersprechende Auffassungen gäbe, einerseits, daß Bileam mit 33 Jahren getötet wurde, andererseits, daß er sehr alt geworden sein muß. Wer sich näher mit den einschlägigen Stellen besaßt hat. wird bemerken, datz die Frage Fr.'s — es sei doch bei dem damaligen Durchschnittsalter von IM bis 120 Jahren nicht ganz anzunehmen. Bileam habe 210 Jahre gelebt — noch mit einer unwahrscheinlicher klingenden Tatsache zusammenhängt, daß der Vater Bileams von der Zeit Isaaks bis zur Zeit der Richter gelebt haben mutz- Man vergl. die ny p-imo '"vn z. St. «in as^a bv ra« M’M-, ’rip na§v ... ’an«n «in 'Q’njnzn wia in«? ..Q’üsw ’a’a nn«i apv' ’a’a nn« v«n^’a l^ia i'a ain’i ^«n^’a n *]« an’i a’na*T §ViN’ arpa a’NVvn d. h. der Vater Bileams war identisch mit a’JW) w». der zur Zeit der Richter lebte, und auch mit dem aus rp^aoa '0 bekannten Laban. Daß Bileam ein Sohn Labans gewesen sei, wird noch an verschiedenen anderen Stellen erwähnt, so 7«d an^’ai m mns ^iv *ra ferner im v"’ o Va: Bileam sagt: aViya ’i« ’N”N «^ arm« ap»’ ’*?*£« apv' aiara «^« ü’ia n«n «^ ..ohne Jakob wäre ich nicht auf der Welt, denn Laban hatte Söhne nur durch Jakobs Verdienst". Es ist anzunehmen, daß der Midrasch auch an dieser Stelle der Ansicht ist, datz Laban der Vater Bileams war, denn um seine Nachkommenschaft von Laban herzuleiten, hätte Laban nicht gerade Sohne haben müssen, da er ja Töchter hatte, von denen Bileam hätte abstammen können. Eine etwas abweichende Ansicht—datz Bileam der Enkel Labaus war — hat der juna fllina: ••’a-wn |aV bw nai nn asr*?a So wäre die Frage von Fr. noch verstärkt durch andere Fragen und Widersprüche, wie z. B. der letzten, datz Bileam nach der einen Midraschstelle der' Sohn, nach der andern der Enkel Labans war. Doch ist es fraglich, ob wir an derartige Aussprüche der Midraschweisen denselben historischen Maßstab anleg en dürfen, wie wir es bei den Berichten des *pn tun müssen. Vielleicht haben die Midrascherzähler die historische Persönlichkeit nur dazu benutzt, um an Hand einer derartigen Erzählung uns eine Lehre, einen Muffargedanken oder dergl. auszusprechen. So auch wohl in der vorliegenden Frage: Der Geist eines Bileams, der bemüht war in die Entwicklung Jisroels störend einzugreisen, den sittlichen Stand Israels herabzudrücken, war dem Volke schon während der ersten Zeit seiner Entwicklung, als es noch als apsr vj2 in Aegypten wohnte, hinderlich. Es war dieser Geist, der Pharao zu seinen ersten Maßnahmen gegen das Volk veranlaßte. Dieser Geist entstammte der Geisteswelt eines Laban, der npiv ^>an n« sein wollte. Es ist daher gleichgültig ob Bileam an der einen Stelle als Sohn, an der anderen als Enkel des Laban bezeichnet wird. Es kommt dem Midrasch auf das Prinz-pielle an. Die Anschauung eines Laban, der Wille zum Kampf gegen die wahre Gottesauffassung Jisroels — das war es» womit Israel von feiner ersten Entwicklung an bis zur Erreichung feines Zieles zu kämpfen hatte. Es war dies der Widersacher des Volkes Israel bei seiner Konsolidierung zum Staate zur Zeit der Richter. So kann man es wohl verstehen, daß ti’rmn nvia mit Laban identifiziert wird. ■

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