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Der Israelit · 1923-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1923) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1923)
Date
1923-09-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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24. September 1923__ rrtub und brachte mit seinen scharfsinnigen Fragen mehr wie einmal seine.Lehrer in Verlegenheit. Sie muhten sich für den Unterricht schon gehörig vorbereiten, um ihm nicht Antwort schuldig zu bleiben. Tarphon konnte stolz auf sein Kind sein und war es auch. . Und Efrajim war kein eigentlicher Bücherwurm. Er hatte außerhalb der Schule auch Freude an Sport und Spiel und war ganz Kind unter Kindern. Da geschah es einmal, daß er im Nachlaufspiel in eine Grube fiel, die voller Wasser war. Er wäre sicherlich ertrunken, wenn nicht im letzten Moment ein des Weges kommender Bauer ihn erblickt und emporgezogen hätte. Als man ihn im halbtoten Zustande nach Hause gebracht hatte, fing Mirjam ein großes Wehgeschrei an, Tarphon aber erbleichte, und blieb wortlos. Es gelang den Eltern mit Hilfe der Aerzte, das Kind wieder zum Leben zu wecken, und bis zum kommenden Sabbat war Efrajim bereits wieder so hergestellt, daß der Vater bei seiner offenen Thorarolle das Gomelgebet für seinen Sohn verrichten konnte. Es war damals der Sabbat, da man das Lied am Meere vorsang. Da, wieder ein neues Unglück. Als Naftali, der Vorleser, am Satze war: „Und es spalteten sich die Wasser," machte er plötzlich Halt. Ein Fehler war wieder entdeckt. Das Schlußmem von „Majim" war etwas ganz Ungewöhnliches, und daß dies einem Meister wie Beinisch passieren konnte, war rein unfaßbar. Viele zeterten schon über den Pflichtvergessenen, der heilige Arbeit gegen unerhört teures Geld so leichtfertig aus der Hand lasse. Beinisch selbst entschuldigte sich, dieser grobe Fehler könne nicht von ihm herrühren. Es sei etwas Geheimnisvolles im Werke, Satan habe seine Hand im Spiele. Er besserte am Sonntag den Fehler aus und Tarphon beruhigte sich ein wenig, als er, nach Hause gekommen, sein Kind wieder wohlauf und munter vorsand. (Schluß folgt.) Den Rosengärten entlang. Von Jaacob Israel de Haan in Jerusalem. V. Bethanien, El-Azarie genannt, ist ganz nahe bei Jerusalem. Und aus dem Wagen heraus, sieht man die große, leere Berglandschaft. Es ist noch früh und kühl. Der Tau steigt von den Tälern aus. Tiefes Atemholen ist hier herrlich. Saied ed Dien fährt sehr vorsichtig. Ein schwerer Bergweg. Wenn wir ins Jordantal hinunterkommen, umfängt uns wieder die Hitze. Die Welt wird klein und beklemmend. Gleich einem bösen Traum, will man die Hitze von sich werfen. Aber überall ist die Hitze. Der Sommer hat das Tal verbrannt und keine Blumen sind mehr da. Nur in der tiefen Verborgenheit des Wadi el Kilt ist Wasser. Jericho. Die Villen der reichen Jerusalemer liegen verlassen und die Gärten sind verdorrt. Lehmhütten im armen Dorf. Wenig Leben. Und träge. Die fürchterliche Hitze. O, überall Hitze. Und durch das flache Land eilen wir dem Jordan zu. Nach Moabs Bergen, wo die Rosengärten sind. VI. Hamid Pascha hat an die Allenbybrücke am Jordan telefoniert, daß wir durchkommen. Und sobald wir durch sind, telefoniert man von Brücke zu Brücke, daß wir kommen, damit, falls etwas geschieht und wir nicht zur Zeit durchkommen, Hilfe uns geschickt werden kann. In Schuni, dem Winteraufenthalt des Emirs, geben uns Soldaten aus ihren Krügen kaltes Wasser. Ja, viele Fremde kommen aus El-Kuds nun nach Amman, um Sidna Feisul zu begrüßen. Aber heute sind wir die ersten. Sie, die Soldaten des Emirs sind zufrieden, weil wir zufrieden sind. Hinter Schuni steigen wir die trotzigen Berge von Transjordanien hinauf. Der Weg ist schmal und gefährlich, rechts die Berge und links die Rosenschluchten. Saied ed Dien muß hier sehr vorsichtig sein. Die Rosengärten langweilen mich. Sie eignen sich höchstens zum Gedicht. Bin ich verdrießlich? oder bin ich glückkich? Ja, ich bin glücklich. Wie herrlich ist es hier Zu fahren. Längs .der Schluchten, wo das Wasser rauscht. Mein Herz ist groß und übervoll. Ich muß etwas Liebes sagen. Und außer Saied ed Dien ist niemand da. . , „Saied ed Dien," sage ich liebevoll: „ich bin zusrieden." „Gelobt sei Allah," sagt Saied ed Dien: „wenn der Herr zufrieden ist, dann wird er mir auch nicht weniger geben, als an Mohammed Saied." Der Israelit — Es-Salt, wo die Christen wohnen, ist hoch auf Hügeln gebaut. Wir müssen hier Ralib Pascha, dem Gouverneur, einen Besuch abstatten, weil wir ihn im letzten Monat beim Emir getroffen haben. Ein paar Tage später ist Ralib Pascha mit dem Scheich Abu Gosch und zwei Offizieren den Rosenschluchten entlang geritten. Allah hat es so gewollt. Sie sind in die tiefe, duftige Rosenschlucht hinuntergefallen. Alle sind dabei ums Leben gekommen, außer Ralib Pascha. Allah hat Ralib Pascha liebgehabt. Er hat nur seinen Schädel gebrochen, seine rechte Hand und eine Rippe. Dumme Zeitungen haben schon geschrieben, auch Ralib Pascha sei ums Leben gekommen. Aber (gelobt sei Allah!) es ist nicht wahr. Wir finden Ralib Pascha in festlichen Kleidern vor der Tür sitzen. Auch er will Sidna Feisul einen Besuch machen. Ob wir zusammen nach Amman fahren? Zwei Aerzte fahren mit. VIII. Viele Menschen stehen draußen auf der Straße, um den Pascha zum ersten Mal wieder ausreiten zu sehen. Auf der Schwelle wird kür Allah ein Schaf geopfert. Ein schönes weißes Schaf. Es weiß von nichts. Mit Rosen und Grünem verziert. Ein Diener hat dem Schaf die Kehle durchgeschnitten und nun fließt das Blut über die Steine, und das schöne Schäfchen liegt mit dem feinen Näschen im Blut. „Allah ist barmherzig," sagt Ralib Pascha. Drei Männer müssen ihn stützen. Schnell verteilen die Diener das Fleisch unter die Arme. Auch Brot und kleine Geldstücke werden unter die Arme verteilt. Denn Allah hat die Armen lieb. Auch die Blinden hat Allah lieb. Und wenn die Armen und Blinden für Ralib Pascha beten, dann wird er bald wieder ganz gesund werden. IX. Von Es-Salt fahren wir mit zwei Wagen nach Amman. Der Pascha und der alte Doktor fahren voraus. Der junge Doktor fährt mit mir. Wir haben die Fahne von Sidna Abdullah auf den Wagen gehißt. Drei große Streifen. Das schwarz von den Massiven. Das weiß von den Omarjäden. Das grün von den Tahaniden. Und im weißen Mittenstreifen ein Dreieck mit einer kleinen Fahne. Die Farbe: rot vom Sheriff von Mekka, der der Vater unseres Herrn Abdullah ist. Nun sind auch die Rosengärten vorbei. Das Land breitet sich aus. Flach, einige Hügel noch. An Soldaten kommen wir vorbei, berittene Polizei, Beduinen zu Kamel, Pferd, Esel , und zu Fuß. Sie alle ziehen nach Amman, um Gelaltu el Milk Feisul zu sehen. Wir fahren vornehm vorder, die Fahne aus unserem Wagen. Und wegen Ralib Pascha fahren wir ziemlich langsam. Das Auto vor uns macht Saied ed Dien ganz nervös. „Wir wollen vorbeifahren," sagt er bittend. „Saeied ed Dien," sage ich: „das wäre dumm. Der Pascha würde sich sicher sehr ärgern, wenn wir so was täten ... ich bin sicher. Mohammed Saied hätte mich so etwas garnicht gefragt . . . und auch Du darfst so eine Frage nicht zum zweiten Mal wagen." Uebersetzt von H. K. Bon Armen, Reichen und Geizhälsen/' Ein fahrender Armer wurde gefragt, ob er sich einen Königspalast wünschte. „Daß mich Gott davor behüte," gab er zur Antwort, „wo sollt ich auch die Messusauth für alle Zimmer hernehmen?" Ein armer Jeschiwohjünger wünschte sich soviel Reichtümer, um sich sieben Häuser zu kaufen. „Warum gerade sieben?" fragte man ihn. „Ich werde sie an sieben reiche Leute verteilen und mir ausbedingen, daß ich bei jedem von ihnen an einem Tage in der Woche essen kann." Der Dubnaer Maggid suchte eines Tages einen reichen Mann auf, der mehr Thoragelehrter als Wohltäter war, um ihn zu einer Gabe für eine arme Braut zu veranlassen. Um aus sein Thema zu kommen, leitete der Dubnaer mit einer Schristerklärung über das Zdokohgebot ein. Der Reiche wollte den Zweck nicht verstehen und antwortete seinerseits mit Thoraworten. Der Maggid wurde deutlicher und trug die Abhandlung des Maimonides über die acht Grade der Zdokoh vor. Der Hausherr zeigte sich aber sehr bewandert und fügte noch die Erklärungen der Kommentare hinzu. Da wurde es dem Rabbi denn doch zu bunt und er erzählte folgende Geschichte: *) Aus dem hebräischen Humorbuch nfP-nfi 1DD TlTTim von A. Drujanow. Omonuth-Verlag, Frankfurt a. M., Moskau, Odessa. _Nr. 39/40 Seite 13 „Ein Reisender fuhr einmal über die See und gelangte auf eine Insel, wo man die Zwiebel nicht kannte. Er zeigte den Bewohnern eine solche und sie waren so begeistert von den Vorzügen dieser köstlichen Frucht, daß sie ihn mit Gold und Silber überhäuften, daß er ihnen Zwiebeln in Menge besorge. Der Mann lieferte, was er konnte und war mit seinem Geschäfte zufrieden. : Ein anderer Geschäftsfreund, der dieses hörte, dachte, mit Zwiebeln seien nun die Leute genügend versorgt, ich werde ihnen jetzt Knoblauch anbieten und werde noch mehr Gold und Silber einstecken. Als er mit seinen Knoblauchvorräten dahin kam, ergötzten sich die Leute an dieser nie gesehenen Frucht gar sehr, lobten sie über alle Maßen und sagten, sie verdiene den höchsten Preis. Sie bezahlten den Knoblauch — mit Zwiebeln . . ." „Es hat keinen Wert", erklärte sich der Maggid noch näher, „wenn wir Knoblauch um Zwiebeln austauschen. Geld muß ich haben für die armen Bräute, die der Ausstattung harren." Als der reiche Geizhals des Städtchens den Besuch eines Armen erhielt, begrüßte er ihn mit einem „Scholaum Alechem." „Ich bin ja hiesig," sagte der Arme, „warum diese Begrüßung?" „Wer zu mir kommt," antwortete der Reiche, „kann nicht von hier sein, die Hiesigen kennen mich . . ." Man fragte Rabbi Eisel Charif, woher es komme, daß viele Reiche, gebrechliche Arme unterstützen, dagegen arme Gelehrten 'von der Türe weisen. „Ganz einfach," sagte der Rabbi, „der Geizhals fürchtet beim Anblick eicks Kranken und Gebrechlichen, auch er könnte einmal krank und gebrechlich werden. Was hätte er dagegen beim Anblick eines Gelehrten zu befürchten? . ." * ♦ * Ein unwissender Pächter vom Lande hörte einmal in der Stadt, wie der Maggid im Beshamidrasch viel von der Barmherzigkeit gegen die Mitmenschen sprach. Und er nahm sich dieses sehr zu Herzen. Als er in dieser Nacht zu Hause im warmen Bette lag, klopfte jemand draußen an der Türe und flehte herzerbärmlich: „Lasset einen armen Wanderer hinein, ich bin halb erfroren." „Ich habe wirklich „Rachmones" mit dem Mann," sagte der Pächter, „mein Herz ist voller Mitleid." „So mache ihm doch auf, wenn Du Mitleid hast," sagte die Frau. „Wenn ich ihn hereinließe, was sollte dann aus dem Mitleid werden? Man muß doch Mitleid im Herzen haben," sagte der Maggid . . . * * * Rabbi Moses Sofer ,in Preßburg hatte einen Diener, über den in der Gemeinde viel geklagt wurde. Der Mann bildete sich viel darauf ein, daß er erstens Schammes des Rabbi Moscheh Sofer war und zweitens einen Bruder hatte, der zwar nicht zu den edelsten ge» hörte, aber ein sehr reicher Mann war. Als es dem Rabbi eines Tages zu bunt wurde, verwies er den hochmütigen Menschen mit folgenden Worten: „Hättest Du meine Thora und das Geld Deines Bruders, so könntest Du stolz sein. Da Du aber seine Gelehrsamkeit und mein Geld hast, so ist die Aufgeblasenheit ganz grundlos." * * * Im Vorzimmer des Chassidimrabbi aus Talnc warteten mehrere arme Chassidim ziemlich lange, bis andere Besuche abgefertigt waren. Als die armen Leute an bit» Reihe kamen, ging es sehr rasch, und sie wurden nacheinander mit kurzen Worten entlassen. Einer der armen Besucher faßte den Mut und fragte: „Macht der Rebbe etwa Unterschiede?" „Tor," antwortete der Rabbi, „Deinen Begehr erfahre ich schon, nachdem Du nur ein Wort gesprochen hast, der „Reiche" dagegen muß schon eine Stunde reden, bis ich es erfahren soll, daß er — ein Bettler ist wie Du ..." * * * Ein reicher Mann wurde zu Grabe getragen, und weinend gingen die Angehörigen hinter der Bahre her. Da schloß sich ein Wildfremder dem Zuge an und fing ebenfalls an bitterlich zu weinen. „Warum weinst Du?", fragte map ihn, „Du gehörst doch garnicht zur Familie?" „Eben darum weine ich ja," war seine Antwort. * » *

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