Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 39-40 (24.9.1923)
- Date
- 1923-09-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 Nr. 39/40 Der Israelit 24. September 1923 ' Als Schmaje der Melammed ohne Pfennig in :der Tasche, dem Pessachfeste gegenüberstand, schrieb er in seiner Verzweiflung einen Brief an den lieben Gott, des Inhaltes: „Vater im Himmel, habe Mitleid mit deinem Unechte Schmaje und sende ihm die Mittel für das Pessachfest." Ein günstiger Wind wehte diesen Brief aus den Arbeitstisch des Baron Rothschild. Ein Tag vor dem Pessachfeste erhielt Schmaje ein Schreiben mit 50 Gulden. Im Briefe hieß es: „Der liebe Gott enipfing Deinen Brief und hat Dir durch mich den Betrag von 50 Gulden überwiesen." Ms Schmaje hochbeglückt das Geld seiner Frau überreichte, seufzte diese: „Wer weiß, wieviel Rothschild dabei für sich eingesteckt hat ..." ^Jerusalemer Handelslage.) Die flaue Geschäftslage wurde im Juli noch ausgesprochener. Die Kom- '.nissionshäuser und Eroßlaufleute gaben inrmer weniger Order auf Wall- und Baumwollware, Konfektion, Metall und Baumaterial. Der Getreidehandel andererseits war ziemlich rege. Aus Transjordanien wurden große Mengen Weizen eingeführt. Da, wie es heißt, in einigen Teilen von Transjordanien die Ernte dürftig ausfiel, bleiben die Preise fest. Ein neues Produkt auf dem Lokalmarkt bildete syrisches und Haifaer Mehl, letzteres ein Erzeugnis der neuen Grands Mulms de Palestine. Ungefähr 8600 Tonnen Mehl werden jährlich aus dem Auslande importiert. Wenn das einheimische Mehl sich als ebenso gut und billig wie das importierte Mehl erweisen sollte, so würde das dem lokalen Eetreidehandel küirftighin einen sehr starken Impuls verleihen. Gegenwärtig finden mit einer lokalen Bank Verhandlungen statt wegen einer Anleihe zwecks Errichtung von 50 Häusern in Boneh Bajit und Ratisbeneh. Man hofft, daß die Verhandlungen erfolgreich fein werden und daß sie die industrielle Tätigkeit der Zimmerleute, der Ziegeleien usw. anregen und auch dem Kleinhandel beträchtlichen Nutzen bringen werden. Die Preise waren im allgemeinen im Berichtsmonat niedriger und zwar aus zwei Gründen, erstens drückten die Weltmarktpreise auf die lokalen Preise und zweitens wurde die Konkurrenz unter den lokalen Kaufleuten heftiger, und sie unterboten sich gegenseitig. e->o fielen gegen Mitte des ^Monats die Zuckerpreise bis auf Lstr. 42 die Tonne. Folgende im September ^Hamburg resp. Antwerpen verlassende Dampfer der Deutschen Levantelinie legen in Palästina an: ÄleXandria ab Hamburg 4. Sept., ab Bremen 6. Sept. nach Malta, Tripolis i. S., Alerandrette, Beirut, Haifa, Jaffa, Alexandrien; Cairo ab Antwerpen 7. Sept. nach Malta, Tripolis l. B. Alexandrien, Jaffa, Haifa, Beirut, Tripolis u S., Alerandrette; Otranto ab Hamburg 8. Sept. nach Malta, Alerandrien, Jaffa, Haifa, Beirut, Tripolis i. S.-, Alexandrette; Sp a l a t o ab Antwerpen 15. Sept. nach Malta, Tripolis - i. S., Alerandrette, Beirut, Haifa, Jaffa, Alexandrien, S ni y r n a ab Hamburg 15. Sept., ab Rotterdam 21. Sept. nach Malta, Alexandrette, Tripolis i. S., Beirut, Haifa, Jaffa, Alexandrien; Sebenico ab Antwerpen -22. Sept. nach Malta, Eandia, Alerandrette, Tripolis i. S., Beirut, Haifa, Jaffa, Alexandrien; Abeffinia ab Hamburg 22. Sept.. ab Antwerpen 29. Sept. nach Malta, Alerandrcttc. Tripolis i. -S., Beirut, Haifa, Jaffa, Alexandrien; Eerigo ab Hamburg 29. Sept., ab Antwerpen 6. Oktober nach Malta, Tripolis i. B., Alexandrien, Jaffa, Haifa, Beirut, Tripolis i. S., Alerandrette. (Zno.) Uinderecke. Jerusalemer Geschichten. i. Rabbi Chajim und der böse Pascha. Einst herrschte in Jerusalem ein sehr böser Pascha. Er lieh die Juden seine Macht gar strenge fühlen und sie flehten zu Gott, daß der Tod den Grausamen ereilen möge. Nur ein hundertjähriger Greis, Rabbi Chajim, „der fromme Einfältige", betete für des Paschas Gesundheit und sein langes Leben. Während alle Juden ihn verfluchten und sehnlichst seinen Tod erwarteten, sprach Rabbi Chajim nie ein schlechtes Wort gegen ihn, er hörte im Gegenteil nicht auf, zum Himmel zu flehen, dah der Pascha ein hohes Alter erreichen möge. Der Pascha wuhte wohl, wie übel ihm die Juden gesinnt waren, und er erfuhr auch durch seine Häscher von dem greisen Rabbi Chajim, der für sein langes Leben betete. Eines Tages stieg der Pascha auf sein Roh und ritt zu Rabbi Chajim, denn er wollte aus seinem Munde hören, weshalb er für sein langes Leben betete. Rabbi Chajim, der wohl für das Leben des Pascha betete, ihn aber sehr fürchtete, erschrak, als er aus dem Fenster ihn auf dem Roh dahersprengen sah. Als aber der Pascha vor der niedrigen und alteingefallenen Hütte Halt machte, da war Rabbi Chajim ganz fassungslos. Der Pascha ahnte gleich, dah der Alte Rabbi Chajim sei. Er begrüßte ihn freundlich und fragte: „Weiht Du, wer ich bin?" Rabbi Chajim erwiderte: „Ich erkenne an Deinem Gewände, dah Du der Pascha bist." Darauf der Pascha: „Wenn Du von meinen Taten weiht, so staune ich umsomehr über das, was ich von Dir gehört habe. Ich weih, dah die Juden mir fluchen und meinen baldigen Tod ersehnen, Du aber betest zu Deinem Gott für mein langes Leben. Warum tust Du dies? Ich kann mich nicht entsinnen. Dir je etwas Gutes getan zu haben, gib Antwort auf meine Frage, Du wirst es nicht bereuen." Rabbi Chajim fahle Mut und sprach: „Ich will es Dir erzählen: Ich bin, wie Du siehst, ein alter Mann und viele Jahre trage ich schon die Bürde des Lebens. Ich erinnere mich noch wohl daran, dah vor langer Zeit in Jerusalem ein Pascha herrschte, der so schlecht war, dah alle jammerten, Gott habe uns die furchtbarste Plage geschickt, die/ ein Mensch tragen könnte. Wir alle baten Gott, dah er unseren Peiniger von uns nehme. Gott erhörte unser inbrünstiges Flehen, der Pascha ging. Wir bekamen einen neuen Paschazum Gebieter, der noch viel schlechter war als der frühere. Wieder gab es überall Gebete, Gott möge den schrecklichen Mann von uns nehmen. Wieder erhörte der Himmel unsere Bitte, nahm auch diesen Pascha von uns. Was niemand für möglich gehalten hätte, geschah: ein neuer Pascha kam. der noch viel übler ist als seine beiden Vorgänger, das bist Du, mein Herr. Daher bete ich nicht wie die andern für Deinen Tod, sondern flehe zu Gott, er möge Dir langes Leben schenken, denn was werden erst die Juden unter Deinem Nachfolger leiden müssen?" Der Pascha blieb ob dieser Antwort wortlos, entfernte sich, wurde aber seit diesem Tage den Juden ein gnädiger Herr. II. König David und die arme Wäscherin. Vor vielen Jahren lebte in Jerusalem eine arme und von ihrem Manne verlassene Frau. Sie ernährte sich von ihrer Arbeit als Wäscherin für die reichen Leute der Stadt. Unter jenen Leuten, die dieser Frau ihre Gewänder zum Waschen gaben, war auch Osman. der Wächter der Königsgräber, ein schlauer, böser Araber. Eines Tages brachte die Frau für Osman die blank gewaschenen Gewänder. Als er mit ihr im Hofe der Zitadelle allein war, sprach er zu ihr mit freundlicher Stimme: „Du bist eine gute und brave Frau, so will ich Dir eine Freude machen und Dir das Innere der Gräber des Königs David zeigen, was noch kein Mensch Deines Glaubens gesehen hat." Freilich war die Frau von diesem Anerbieten sehr erfreut und sie sprach daher: „Das wird mein gröhtes Vergnügen sein!" Da sagte Osman: „Dann folge mir!" Er schritt voran, bis sie vor einem unterirdischen Eingang anlangten. Er öffnete die Tür und lieh das nichtsahnende arme Weib das Innere betreten. Kaum mber war sie eine Treppe hinuntergestiegen, schloh Osman rasch die Tür hinter ihr und sperrte sie in der stockfinsteren Kammer ein. Indessen lief er blitzschnell zum Kadi, neigte sich tief vor ihm und sprach: „Eine grohe Freveltat ist. geschehen. Eine Jüdin schlich in das Grab des Nabi David ein, meinent wachenden Auge ist es jedoch nicht entgangen und ich sperrte schnell die Tür hinter ihr, um sie dem Kadi zu übergeben." Als der Kadi dies vernommen hatte, wurde er wütend und rief: „Beim Leben des Propheten! Das Weib ist dem Tode geweiht — führt es auf das Schafott!" Die Unglückliche, die plötzlich in eine tiefe Finsternis versetzt wurde, begriff gleich, dah sie der argen List des Wächters zum Opfer fiel und dah sie in großer Lebensgefahr sei; sie warf sich in ihrer Verzweiflung zu Boden, weinte jämmerlich und flehte zu Gott, dah er sie von der furchtbaren Lage erlösen solle. Kaum hatte sie ihr Gebet beendet, als sie vor sich einen Greis erblickte, sein Anblick war herrlich, seine Augen glänzten wie Feuer und die finstere Kammer wurde des Lichtes voll. Er ergriff wortlos ihre Hand und führte sie durch stockfinstere unterirdische Wege, bis sie vor einer Ruine am Ende der Stadt anlangten. Und dort sprach er zu ihr: „Nun eile nach Hause und stelle Dich gleich zum Waschtrog und mache Dich wie gewöhnlich an die Arbeit, dah kein Mensch erfahren sott, was mit Dir vorgefallen ist." Noch hatte sich die unglückliche Frau bei ihrem Lebensretter nicht bedankt, als er ihren Augen entschwand. Indessen zog der Kadi vielen Leuten voran, zu den Königsgräbern, um die Sünderin zu ergreifen. Er öffnete die Pforte, rief das Weib und als keine Antwort erfolgte und tiefe Stille herrschte, lieh er die Kämmet gründlich mit Fackeln nach dem Weibe suchen, alles vergebens. Nun lieh der Kadi den Wächter vortreten und schrie ihn an: „Um uns zu verspotten, hast Du uns hergerufen?" Dieser aber war ganz entsetzt und schwor beim Leben des Propheten, dah er wahr gesprochen habe und nannte schließlich den Namen des Weibes. Darauf entsandte der Kadi einige seiner Diener in das Haus der Frau, und diese fanden sie fleißig bei ihrer Arbeit. Die Frau stellte sich, als wühle sie von nichts und fragte die Diener: „Was ist Euer Verlangen hier?" Die Diener aber antworteten: „Warst Du heute draußen?" Sie gab zur Antwort: „Seit Anbruch des Tages stehe ich beim Wäschtrog und fin^e nicht einmal die Zeit, um die gewaschenen Gewänder an ihre Besitzer abzuführen." Die Diener kehrten zurück und erzählten, dah sie die Frau bei der Arbeit fanden. Nun waren sie alle überzeugt, dah der Wächter ein Lügner und ein Verleumder sei, er wurde daher auf Befehl des Kadi auf das Schafott gebracht. Von diesem Tage an brachten alle Leute ihre Kleidungsstücke zu der frommen Waschfrau, denn sie wollten von ihr erfahren, wie sie denn aus den Gräbern gekommen sei. Sie wollte aber kein Wort sagen. Erst vor dem Tode erzählte sie die ganze wunderbare Begebenheit. Sie vermachte das durch Fleiß und Redlichkeit erworbene Vermögen für wohltätige Vereine und bat, dah einer der Rabbiner Jahr für Jahr an ihrem Todestage das Kaddischgebet verrichten solle, was noch bis zum heutigen Tage geschieht. (Fortsetzung folgt.) Sabbat-Anfang und -Ausgang. D"mn nsw Ort- Anfl Uhr mg Min. D c 1923 ltum 5684 Äu Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 5 45 29. 19. 7 — Berlin .... 6 44 Sept. Tischri 7 24 München . . . 6 — 7 22 Köln. 5 45 7 — . Stuttgart . . . 6 45 7 34 Breslau.... — — — — Nürnberg . . . 6 25 7 25 Hamburg . . . 5 40 6 48