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Der Israelit · 1923-03-08 · Heft 10 (8.3.1923) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 10 (8.3.1923)
Date
1923-03-08
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Mb der -orthodoxen MäGmtare in Polen, und gibt der Aeberzeügung Ausdruck, dnß es dem Klub gelingen wird, die Ehre des Mischen Volkes zu heben und für dessen Bedürfnisse mit aller Kraft zu sorgen, ganz speziell aber für die orthodoxe Judenschaft und deren religiöse Forderungen. Nach Anhörung der Ausführungen des Herrn Rabbiner von >L>anok über die Chinuch-Frage beschließt die Versammlung. 2. In Ostgalizien einen Jabne-Fonds zur Er> Haltung der Talmud Thoras und Jeschiwans, durch ständige Sammlungen bei Familienfesten, in de» Bethausern zu allen -Festzeiten, speziell bei dem bevorstehenden Purim zu gründen. Jedes Mitglied der Aguda soll verpflichtet sein, zu diesem Fonos beizutragen, zumindest eine Silber-Krone oder deren Wert. Diese Krone soll den Namen nim nro (Krone der Thora) sichren. ** * 3. Es ist Sorge zu tragen für die Erhaltung^ Entwicklung und Verbreitung der Abend- und Schabbos-Schiurim, die allseits bei der AgUda eingeführt sind. 4. Um die Zugendgruppen aufs engste zusammenzuschließen wird beschlossen, daß alle Mitglieder derselben an einem bestimmten Tage, und zwar den Tag nach Pessach — Jßruchag — in sämtlichen Jugendgruppen anfangen Schaß zu lernen, und zwar jeden Tag ein Blatt. Dies soll mit einer solchen Regelmäßigkeit geschehen, oaß die Tage des jüdischen Kalenderjahres außer ihrer kalendarischen Bezeichnung auch noch in der ganzen Aguda die Bezeichnung des Blattes, das an diesem Tage geleihnt wird, tragen. Beispielsweise der erste Tag Rauschchodesch Jjar wird die Bezeichnung tragen: Berochaus Das ches. 5. Die Versammlung protestiert gegen die Bestrebungen, das altüberlieferte Cheder mit neueren Methoden zu vertauschen. Speziell protestiert sie gegen die „Metat", die Thorainstitutionen einrichtet ohne. Anleitung und Leitung rabbinischer Autoritäten. Ercz Jisroel. Die Versaurmlung nimmt Kenntnis von den Ausführungen des Herrn Pappenheirn und erklärt es für eine heilige Pflicht, hier im Lande eine Filiale der Erez Jisroel-Zentrale! der Aguda zu errichten, um die ganze Arbert zum Besten von Erez Jisroel,' sei es die tätige Arbeite für den Wiederaufbau als auch die Abteilung Bajis venachalo und Keren Hajischuw, besonders aber die< Kräftigung und Stärkung der Thauro-Jnstitutionen in Angriff zu nehmen und die ausgiebige Unterstützung' der Orthodoxie unter Leitung der bewährten Gaonim Diskin und" Sonnenfeld. Ebenso begrüßt sie den Breslauer Beschluß auf sofortige Gründung einer Kolonisationsbank für Erez Jisroel. Chisuk Hadas. Die Versammlung verpflichtet die Zentralleitunq, Sorge zu tragen, daß besonders in den kleinen Gemeinden, die im Kriege zerstörten Mikwoaus wieder aufzubauen und hat sich zu diesem Zwecke mit Warschau ins Einvernehmen zu setzen. Jugend. Weiter beschließt die Versammlung, den Jugendgrnppen das Recht zu geben, ein Jugend-- mnt nach dem Muster des in Warschau bestehenden Jugendamtes zu gründen und gewährt den Jugendgruppen von den Mtgliedsbeiträgen der Aguda 25 Prozent. Ter glänzende Verlauf der Versammlung, der hohe Ernst der Beratungen, fanden ihr Echo in der festen Absicht aller Teilnehmer, mit allen Kräften für die Organisation und die Stärkung der Aguda zu arbeiten. Aguda- Zj-roel in der Slowakei. Als Folge der Breslauer Tagung wird gegenwärtig das Zentralbur ecru der Agudas Jisroel in Preßbnrg unter der Leitung des Herrn Generalsekretärs Braun reorganisiert. Zu diesem Zwecke fairden am 5. Februar unter Beteiligung von Vertretern des G. A. in Wien und des Landesvorstandes für die Slowakei eingehende Besprechungen statt. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten ist von der, Slowakei eine starke Beteiligung an der Kenessio Gedanlo zu erwarten. Tie Leitung der Propaganda und Reorganisierung der Ortsgruppe liegt in Händen des Herrn Braun. Tie Ortsgruppen und Vertrauensmänner wurden um Berichterstattung an das Preßhurger Zentralburoau (Postfach. 140) und ungesäumte Ablieferung der Jahresbeiträge Meten. Sine Geschichte -er jüdischen Reform. Bon Harry 2U>t# Mit ideengeschichtlichen Darstellungen einer gewissen Zeitspänne ist tzs ein eigen Ding. Ganz abgesehen davon, daß sie zumeist unter- 'dem 83!fö«EDitti^ erfolgen, ifc eine Objektivität schon deshalb schwerlich zu erreichen, weil der Darsteller sich zu schr beeinflussen läßt von den Folgen, die dieser Ideenkomplex erst später auf nachfolgende Epochen gezeitigt hat. Diese Gefahr fällt fort, wenn es sich um die ideengeschichtliche Darstellung der Gegenwart handelt bezw. um die einer bis auf unsere Tage hin reichenden Epoche. Nur ist dann ein Mort zu sagen über das Motiv, aus dem heraus diese Schilderung erwachsen kann. Es kann beruhen auf der Erkenntnis, daß die Epoche überhaupt endgültig zum Abschluß gelangt ist, oder in der Erwartung, daß sie durch ein neues, höheres Stadium abgelöst wird. So mag denn inr gegenwärtigen Zeitpunkt eine Geschichte der jüdischen Reformbewegung von Mendelsohn bis zur Gegenwart zu den Arbeiten gehören, denen die jüdische W!elt unserer Tage ein besonderes Interesse entgegenbringt. Es kann zwar im Rahmen der Besprechung eines Buches nicht der Ort sein. Wer die Grundlagen des jüdischen Liberalismus von ihrer prinzipiellen Bedeutung oder auch Bedeutungslosigkeit zu reden; aber man wird zugeben müssen, daß diese Grundlagen seit 1914 erschüttert sind, daß eine gewaltige Wandlung des „religiösen" Interesses innerhalb der Judenheit Westeuropas erfolgt ist. Es bleibt dcchingestellt, in welchen Momenten sie ihre Ursache zu suchen hat. Tatsache ist jedenfalls, daß, nicht zuletzt durch den Nationalismus, die Ideologie eines sich religiös gebärdenden Liberalismus in den Grundfesten wankt, daß man allenthalben die Hohlheit eines „wissenschaftlich fundierten" liberalen Judentums einsieht. So wird von diesem Gesichtspunkte aus die Möglichkeit, ein Buch über die jüdische Refornr zu schreiben, nur freudige Genugtuung wachrufen. Jedoch scheint Dr. Cä s a r S e f i flirr a n n *) etwas anderer Ansicht zu sein: „Die Ueberbrückung der Kluft, die zwischen jüdischer Lehre und jüdischem Leben gähnt,! war durch die Vereinigung für das liberale . Judentum erreicht. Und so entsprach es der natürlichen Entwicklung, daß bald nach Konstituierung der Bereinigung die innere Notwendigkeit sich ergab, in gemeinsamer Arbeit Richtlinien laufzustellen .... So stehen die Richtlinien wie ein Abschluß einer 100 jährigen religiösen Entwicklung an der Schwelle einer werdenden Zeit." Oh wohl diese Schwelle heute, am Ende des Jahres 1922, schon überschritten ist? — In dieser Frage liegt das unlösbare Geheimnis des Seligmann'schen Buches. Es schließt mit dem Abdruck der Richtlinien, aber die Schwelle in das neue Reich ist seit 1912 noch immer nicht betreten, über 10 Jahre sind verflossen, die „neue Zeit" aber, an deren Schwelle wir nach Seligmann stehen, ist uns in keiner Meise näher gekorNmen. Ob vielleicht die von Dr. Dienemann in Offenbach angekündigte Refornr der traditionellen Speisegesetze mit zu den Geburtswehe^ der neuen Zeit gehört, über deren Schwelle er springen möchte in das Land, von dem kein Wanderer wiederkehrt?? — — Das Einleitungskapitel spricht vom Wesen des Liberalismus. Ganz unverkennbar ist der Einfluß Martin Bubers, wenn Seligmann von zwei Urquellen jeder Entwicklung redet, vom Universalismus und Partiknlarrsmus. Die seelischen Wurzeln des Universalismus, der die Reform geboren, sind genährt von der göttlichen Vernunft, die geheimnisvollen Quellen des Partikularismus, der Orthodoxie, entspringen verborgenen Tiefen und dunklen Instinkten (sie!), der Menschenseele. Wie weit nun eine Reform als Auswirkung des universalistischen LebensPrinzipes gehen darf, darüber ist Seligimann sich ebensowenig klar wie je ein anderer Anhänger derselben, schreibt er doch selbst: *) Dr. Cäsar Seligmann: Geschichte der jüdischen Reformbewegung iwn Mendelsohn bis auf dre Gegenwart, I. Kauffmann Verlag, Frankfurt am Main, 1932. |fc* 8 „Liberalismus ist — — weder ein Positives 'Programm noch ein System, sondern eine Stimmung — —", eine Theorie, der die Aufstellung der Richtlinien von 1912 ins Gesicht schlägt. Aber derartige Widersprüche besagen anscheinend nichts. „Nur kranke Kulturen und überwundene Religionen werden sich bis zur Selbstauslösung vergessen." Worin aber besteht nun nach Seligmann das erhaltende Moment, das die Selbstauslösung verhindert? Es ist der Mille zum Judentum!! Mit einer Emphase sondergleichen wird 0 Seiten lang dieser „Mille zum Judentum" verherrlicht, ohne daß auch nur ein einziges Mal angedeutet wird, worauf denn eigentlich dieser Wille beruht. - Mendelsohn gilt ihm als Vorkämpfer der Refornr, eine Behauptung, deren Berechtigung bestritten werden kann. Und wen!n er schreibt, daß mitunter bei Mendelsohn ein Torr durchklingt, der urrs ans den Grund seiner Seele schauen und uns vermuten läßt, daß er sich dem Zeremonialgesetze gegenüber in einem imreren Zwiespalt befand, und daß vielleicht seine überlaute Betonung der ewigen Verpflichtung Ms das Zeremonialgesetz danrit zu erklären sei, daß er eigene Zweifel und Bedenken abtun wollte, so wird es einem klar: -Es fehlt uns eine Arbeit über Mendelsohn, die von orthodoxer Seite und von den Gesichtspunkteil ausgeht, auf die Seligmann hingewiesen hat. Denn es ist rricht zu leugnen: die Geschichte scheint Mendelsohn hart gestraft zu haben, indem sie seinen Namen für immer mit dem der Refornr verband. Der Bericht über die ununterbrochene Kette dorr den Ereignissen seit Mendelsohns Tode bis - zu den Richtlinien v. 1912 zeugt von einer Gründlichkeit des Verfassers, die nur anzuerkennen ist, wie denrr auch das temperamentvolle Buch recht lesbar geschrieben ist. Nur weniges möge ein Streiflicht werfen auf die Einstellung, die Seligmann manchem Geschehen gegenüber notgedrungen einnehmen muß. „Armselig und unwissenschaftlich" nennt er die in dem nnan nm ritr- "idd gesammelten Gutachten der alten Rabbiner gegen den Hamburger Reformgottesdienst, die die Namen eines R. Mosche Sofer, R. Mordechai Beriet und R. Akiba Eger aufweisen! In nicht endenwollenden Lobeserhebungen dagegen Preist er das Buch von L. Zuntz: „Tie gottesdienstlichen Vorträge der Inden". Es bedeute die Geburtsstunde der Wissenschaft des Judentums, der Wissenschaft, die allein unvergänglich aus der Flut der damals sich überhastenden Ereignisse auftaucht. Wie „unwissenschaftlich" ist gegenüber einem Abraham Geiger Rabbiner S.R. Hirsch, der in feiner „originalen Persönlichkeit" dem altsvomrnen Judentum als ein „Wortführer" und Apologet von hervorragender Bedeutung erstanden sei. Eines,muß mau SeligMann zugesteheu, er hat Rabbiner Hirsch wider Willen ein Rnhmeszeugnis ausgestellt, und kaum ist über ihn ein klarerer Satz geschrieben worden als der: „Psychologisch.erfaßt, ist das System Rabbiner Hirschs wohl kaum die Grundlage seiner jüdischen Einstellung, sondern seine jüdische Einstellung ist das Motiv seines Systems." (Schluß folgt.) Au- -er Bewegung. Frankfurt a M. Gesellschaftsreise nach Palästina. Tie bereits avisierte Gesellschaftsreise nach Palästina wird unwiderruflich am 13. April in Triest beginnen. Der ermäßigte Preis für die Hin- und Rückfahrt, einschließlich Verköstigung und Bett beträgt im Expreß-Luxus-Tampfer Triest - Alexandrien und zurück: I. Klasse 63 Pfund, II. Klasse 43,4 Pfund, III. Klasse 25,4 Pfund. Tie Fahrt Alexandrien—Kairo (Besichtigung der

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