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Der Israelit · 1922-08-03 · Heft 31 (3.8.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 31 (3.8.1922)
Date
1922-08-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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$ev L-raekN. fix. Bi Sette B Z August 1VS3 es zu Wissen und zu Herzen, zu benschen und ihm das beste Stück Brot zu geben. Auch 'die Mvlamdtrn haben damals den Ernst der Zeit begriffen. Ihre Anstrengungen waren tibermenschlich, 'ihre Frauen spannen oft eigenhändig Zißis, die schwer zu bekommen waren, um die Binder mit Arba kanfans zu versehen. Einzelner Persönlichkeiten, wie des Rabbi Hillel Reicher irr Nikolajew muß mit besonderer Ehrfurcht gedacht werden. Er hat Unvergängliches für die Talmud Thaurv geleistet, bis ihm die .Kräfte ausgingen und er dem Hunger zum Opfer siel. Schließlich erschienen die „Jewsekies" mit einer behördlichen Verfügung in der Talmud Thora, wonach alle Talmud Thora- Kinder verpflichtet sind, den ganzen Vormittag ihre Schulen zu besuchen. Wir haben daraufhin den Beschluß gefaßt, die Kinder lieber jeden Tag bis 12 Uhr in die christl i ch e U schulen zu schicken, in keinem Falle aber in die Anstalten der jüdischen Bolschewisten, die keine andere Absicht im Sinne führen, als die völlige Entjudunq der Kinder. Uns schwebte der Leitsah unserer Weisen vor: xdwöi nu'D i:x8\ (Tie „Leugnung hat eine anziehende Kraft"). Unhaltbar wurde die Lage erst, als der bittere Hunger einsetzte und uns die Waffen aus der Hand schlug. Tie Kinder pflegten ohne einen Bissen Brot, ausgehungert und zerschlagen, geschwächt und verschal achtend ins Cheder zu kommen. In üeit Schulen der „JewsekieS" bekam das Kind ein Stück Brot, auch einmal ein Kleidungsstück und zwar mir Hilfe der amerikanischen Gelder, welche die JewsekieS in ihre Hand zu bringen, verstanden hatten. So begannen denn die jüdischen Kinder in die Schulen des Abfalles überzugehen. Verzeichnet werden muß aber die Tatsache, daß auch damals diejenigen, die in der Talmud Thauro schon etwas gelernt und schon eine Ahnung vom Geiste der Thora hatten, i m mer nochbei un» blieben und der Lockung widerstanden. Für diese Kinder, die morgens in die christlichen Schulen gingen, richteten wir einen besonderen Nachmittagsunterricht ein. Wie aber der Hunger noch stärker wurde, die Melamdim zusammen mit den Kindern hungerten, die Kinder schon mit halberloschenen Aeuglein da saßen und der Körper des Melamed bereits die charakteristische Schwellung des Verhungerten zeigte, da tarnen Tinge vor, die ich kaum erzählen kann. Ich habe einmal gesehen, wie ein „glückliches" Kind ein Bröckchen Brot ins Cheder brachte und kleine Krumen wie ein Vögelchen davon abpickte. Ein Krumen Brot fiel auf die Erde und der geschwollene .Melamed ließ sich nieder, um das Bröckchen Brot mit Andacht im Munde zu vertanen. Herr der Welt, wie kann man ein solches Bild vergessen! Nun setzte die Külte ein. Ein jüdischer Klall- Thuer, Elieser Friedmann, sein Andenken sei gesegnet, opferte sich aus, um die große Talmud Thaurv zu beheizen. Auch er ist später ein Opfer des Hungers geworden. Tie außerhalb der Stadt befindliche Tal'- mltti Thaurv wurde dann in der Nacht allmählich ihrer L-chulbänke beraubt. Man brach ein und schleppte die Bänke fort, mn sie als Heizmaterial zu verwenden. Schließlich hat man zuin gleichen Zwecke die Leisten von den Türen gerissen, womit der völlige llntergang unserer Talmud Thauro eingeleiter wurde. A u f d e n T r ü m mernderTal m ud Thv r a feierten die Jewsekies ihre Triumph e ü b e r d i e grausam n i e d e r g e t r e t e n e jüdische Seele. Wvinit? Mita in erikanis ch cm eld, mit dem Gelde jener Spender, denen mau die Augen geblendet hat und die man überredet hat, ihre Spenden jedem anzudertrauen, nur nicht den frommen Inden selbst. Der Verfasser beendet den ersten Teil seiner traurigen Erinnerungen mit folgendem Appel! an die amerikanischen Hilfsorganisationen und an die Agudas Jtsroel: „Bet einem Brande pflegen die Juden vor allem nach Schul zu laufen, um die Sifre Thora zu retten.MWarum sollen die jüdischen Spender, die mit ihrem Gelde die Hilfsarbeil Des Joint ermöglichen, nur für den Körper sorgen und nicht" auch für die jüdische Seele, für die Talmud Thauros und Jeschiwaus, die im Hungergebtete völlig zugrunde gegangen sind. Ihr rettet die Körper, rettet auch die jüdische Seele, die ja doch das höchste Gut des jüdischen Volkes ist, das höchste Gut, das wir von den früheren Generationen als köstlichste Erbschaft übernommen haben. Ich meine, daß alle Geaunim mit mir übereinstimmen werden, daß auch von dem von „Agudas Jisroel" für die Hungernden gesammelten Geld die Talmud Thauros und Jeschiwos gespeist werden, die Schüler und Lehrer am Leben erhalten werden sollten. So wie der Rambam im 7. Abschnitt der Vorschriften über den Mord sagt: „Ein Schüler, der wegen unvorsählichen Mordes in eine Miklot-Stkdl flüchten muß, hat den Anspruch, daß sein Lehrer mit ihm wandert, denn da es in der Thora heißt, daß er in der Miklot-Stadl „leben" soll, so müssen alle Vorkehrungen getroffen werden, um ihm das Leben zu ermöglichen. Das Leben eines Menschen aber, der die Weisheit gekostet, ohne Talmud Thauro, wird nicht als Leben, sondern als Sterben angesehen.^ In Cheerson sind zwei Jeschiwos gewesen, eine der Misnagdim und ei e der Chabad-Chassidtm, beide sind zugrunde gegangen, an dem grausamen Hunger. Wenn für die Melamdim und für die Kinder Speise- Pakete ankommen werden, wird man diese Anstalten wieder eröffnen. Brüder, gedenket, es ist eine Zeit der Vernichtung in jenen Gegenden. Die Jewsekzies halten ihre große Ernte und die jüdischen Seelen fallen maffenweise in ihre Hände. Vom Judentum wird dorr, Gott behüte, in einigen Jahren keine leise Spur übrig bleiben, wenn ein Geschlecht heranwächst, das „Joseph nicht gekannt", das nie ein jüdisches Wort vor Augen gesehen hat. Als Augenzeuge muß ich der Agudas Jisroel laut zurufen: Wisset, hier' entsteht ein Unglück, das niemals wieder gutzumachen ist, wenn man das Judentum in Rußland und der Ukraine nicht beizeiten rettet!" Götzendienst abhalten. Unter ilütf ist die peinliche Hut r des 128> mit all seinem Werkverdor inbegriffen, was nur ^>xi8"'s Aufgabe ist*). 2. Die Begründung bei den ersten irai lautet „dem in sechs Tagen rc.", im Hinblick auf die Noachiden, die einen Schöpfer anzuerkennen haben. In pnixi wendet sich der Dekalog an Israel und sagt: '2 112:1 '21 JV’n 12p, „Gedenke, daß du ein Knecht ln Aegypten warst rc." (Dian denke auch an das edirlv ixu1? 121 im Kiddusch). Uebrigens sollen nach den anp-iB» auch die o’oj tu Aegypten das Dasein eines Wettenschöpfers dartun, sodatz beide Begründungen zusammensaüen. 3. Im zweiten Zehngebot wird die Sabbatyeiligung wie die Eirernverehrung noch durch den Zusatz begründet: „“pplx 'n “[12 18>X2, sowie dir der Ewige, dein Gott, befohlen". Das konnte mit Fug und Recht auch Israel gegenüber gesagt werden, da es doch zuvor in Mara schon Befehle darüber empfangen hatte. Den cftiyn livix gegenüber — also in den ersten *11121 — mutzte der Zusatz wegbleiben. 4. Das Sabbaigebol in pnixi spricht auch von Ochs und Esel- "pöni ■pwi; in nn» sind diese unter 1*113,121 inbegriffen. Die ausdrückliche Hervorhebung von Ochs und Esel dient zum Zwecke der Exemplifizierung bet,13'jJtoi np'iö niXö, die sich nur an Ixiv» wenden, welche sich durch ihren Treuschwur mit rvvyi PVV31 bereits gebunden harten. 5. Dem ip8> iy in den ersten 711121 steht das iy xitf in den zweiten gegenüber. Nach s"2vi wäre mit letzterem selbst eine Zeugenaussage verpönt, bei welcher *) Im Talmud wird an die Schriststelle nWi di» ini2S" sb, tags und nachts sollen sie nicht feiern", das Wort geknüpft wro 2»»n nwv »13. dem Nächsten keinerlei Schädigung entsteht, also ein vergebliches Bezeugen, wenn beispielsweise jemand bekundet: N. N. hat dem B. eine Summe von l00 versprochen, jener gab sie aber noch nicht. Es ist mit nie» iy an einen verschärften Grad jüdischer Gewiffenhaftigkeit gedacht, der das ipp ip, welches sich an die ß6iy,i lioix wendet, weit übertrifft, im Sinne des prophetischen: 212 „1121» x^>i nbw wr vb ab ^>xi8" i'iX8», JSrals Rest wird nichts Unrechtes tun unv nichts Lügenhaftes reden". 6. Aehnli'ch verhält es Nch mit iivNTi xb und x^ .ii»nn. Ersterem wohnt die Bedeutung eines solch starken sinnlichen, habsüchtigen Begehrens inne, daß es mit Berauben fast identisch ist. mxii rrb, an Israel gewendet, verlangt ein verfeinertes, von edelstem Gemeinsinn getragenes Empfinden, das egoistische Neigungen zu Mißgunst und Neid schon im Keime erstickt. 7. Da man Felder nicht „rauben" kann — ypip i^T33 13'X — so ist die eigene Hervorhebung in den ersten 7111211 " nicht am Platze, da es dort nöni x*? heißt. Dagegen ist mit Recht dem .11x171 xb als Objekt nie» angefügt. 8. Im 9. Gebot ist in im» das n»2 dem ,18>X vorangestelltumgekehrt in dem 2. Dekalos, wo bet ini8> mcxi insu übrigens.11x11 x^n steht. Erklärung: Nach obiger Darlegung gehr die mann stets auf eine praktische Tat, also Aneignung aus. Bei n8»x müßte das jedoch geradezu auf *pxa hinauslaufen. Es kann daher das iyi ib»x iidii ub nur in dem Sinne aufzufaffen sein, daß man den auch nicht zu einer legitimen Scheidung veranlassen darf, um so gleichsam auf Umwegen in den Besitz der Frau zu gelangen. ES liegt im 1. Dekalog also ein Klimax vor: Nicht nur die auf tatsächliche Aneignung eines i»2 ausgehenden Soweit der Verfasser, deffen Ausführungen keines Kommentares bedürfen. Wir behalten uns vor, in der nächsten Nummer über die weiteren Mitteilungen zu berichten, die Rabbiner Etdelberg über die Pesa ch zeit in Ntkolajew zu geben weiß. Me „Milch" als allein vollwertiges national-jüdische- Merkmal. Von Rabbiner Tr. Max Grunwald in Wien. (Schluß.) Nut für den voll jüdischen Ellern Geborenen trug sie diesen doppelten Charakter. Ein anders Nationaler konnte, wie Naeman (2. Könige 5) dem Gotte Israels dienen, ohne die Mila anzunehrnen. Unter den Proseihten unterschied man solche, Die nur religiös sich dem Judentum anschtossekl (die „Gotlessürchtigen", „jire Haschern") und andere, die sich auch durch die Mila naturalisieren ließen. Josephus erzählt vom König Jzates von Adiabene (Antt. 20, 2, 5), er habe, bekehrt von Ananiach das Indentuni angenommen. Bon der Miln riet ihm aber dieser selbst sowie seine Mutter Helena aus politischen Rücksichten ab. Erst unter dem Einfluß des Galiläers Eleasar nahm er die Mila an. Einer solchen Einwirkung trat Josephus selbst (Vita 8 23) in einem anderen Falle entgegen. Auch in der Apostelgeschichte (7, 8. ld, 19. 20, vgl. Epist. Pauli an die Galater 2) gilt die Mila als selbstverständlich für die als Juden geborenen Christen, nur für die geborenen Heiden ist sie fraglich. So ist auch weder von der Verschiedenheit der Kultur nach der Teilung des Reiches unter Rehabeam, noch von Sektenbild nn gen im Judentum die Mila, das Zeichen Der niuioutuen Zujarnmengehv^lgtett jemals tangiert worden. Noch heut wird sie bet der Aufnahme von Proselyten als daS Primäre gefordert, dem erst die formale Absage an die religiös abweichende Vergangenheit durch das rituelle Tauchbad folgt. Bis auf die Teilnahme am nationalen Besretungssest, am Peffach, fordert die Thora vom anders Nationalen, der das Judentum annimmt, nicht die Beschneidung als Vorbedingung. Opfer von Heiden wurden im Tempel zu Jerusalem dargebracht. Wenn demnach Hyrkan die Jdumäer und Aristobul die Jturäer (Jos. Antt. 13,9, 1 u. 13, 11,3) nach der Eroberung ihres Landes zur Annahme der Mila verhielten, so handelt es sich in beiden Fällen um Nachkommen Abrahams, für die man nach 1. Mose 17 die Mila als ob- Gelüste sind verpönt, sondern auch die loyal und legitim verbrämte Form, in den Besitz von °spi 18»X zu gelangen. Daraus ergibt fich auch, warum in d»121«i das norm xb für.ivx genommen, das .11x11 xf? für Haus und Knecht rc. Eine Steigerung liegt da nicht vor, das heißt das Äedankenoerhättnis von 1: k)X n x*7. 9. Die Form für das 7., 8. und 9. Gtebot lautet in }3nixi: 21331 x^i PjX3i xSi miin xb, also mit dem verbindenden i»i. Erklärung: Nach der hohen Ethik des Talmud ist die Sünde der Onanie dem Verbrechen des Mordes gleichgestellt, daher die Anregung des?>1X3-Verbotes an das 1x11 x1?. Unter 21331 x1? darf auch an die als iiX'iB (Ausgelassenheit) verpönte Art der Aneignung einer .1^112 durch ehelichen Umgang gedacht werden, nicht durch formelle p»lipi noin. Daher 21331 xb mit kjX3i x2 durch i"»i verbunden- Solche Gedankengänge und Zusammenhänge find wohl den D^ip.i iidix gegenüber unangebracht. Daher fehlt im ersten Zehngebot das verbindende i"»i bei genannten Verboten. 10. Im 5. Gebot, dem der Elternverehrung, ist der Lohn mit den Worten fD' 12»nx» angezeigt, im 2. Dekalog aber durch den Zusatz “p 2v" spv^i erweitert. ErstereS stellt eine Lohnoerhetßung schon fürs diesseitige Leben dar, während 2v" |j>D? sich auf das Jenseits bezieht. Letzteres wollte man den noachidischen Völker nicht in Aussicht stellensie könnten falsche Rückschlüffe ziehen und behaupten, auch das TB* P2»ix» jpd*? sei eine haltlose Versicherung, s'xw 121 8»dd 12. Somit fehlt in den ersten 11121,1 '»der Zusatz “jt> 2V" spv^l.

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