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Der Israelit · 1922-08-03 · Heft 31 (3.8.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 31 (3.8.1922)
Date
1922-08-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Bette 2 Jet, 31 Lamme" ruht, ist das Lamm zum Wolf geworden. Aber so kann der Zustand der Menschheit nicht bleiben. Die Gerechtigkeit, welche die jüdischen Propheten verkündet und gefordert haben, sie muß endlich Wirklichkeit werden. Die Tragik der immer wieder mißlingenden Versuche darf uns nicht abschrecken - im Gegenteil, sie muß uns ermuntern. Denn das ist nun einmal das Schicksal eines losgeriffenen Funkens. Er stiftet Brände und Verheerungen. Anders wird es aber sein, wenn das ursprüngliche Licht zu wachsen beginnt. Dann werden die Augen der Menschen sich öffnen und sie werden sehen, was ihnen fehlt und was sie erreichen können, sie werden das Schlechte verwerfen und das Gute wählen. So wie es jetzt ist, darf es nicht bleiben. Die Ungerechtigkeit schreit zum Himmel, die Ungerechtigkeit der heutigen und ehemaligen Unterdrückten, die die ehemaligen und heutigen Unterdrücker find. Menschlicher Schweiß darf nicht der Wein für den Becher der Säufer sein! Das ist der Ruf, der an das Ohr des bösen Kapitalisten dringt. Menschliches Blut ist kein Oel für euere Maschinen! Das ist die Mahnung, die den grausamen Proletariern zuzurufen ist. Zerbrecht die Schwerter und gestaltet sie zu Instrumenten, um die Erde zu befruchten, auf daß aus ihr das Glück aller Menschen wachse, ohne Unterschied. Allen Menschen hat Gott Leben geschenkt und Recht auf -ein glückliches Leben. Alle Menschen müssen glücklich sein! Das ist eine Forderung und eine Prophetie zugleich. Eine Forderung — weil das Unglück eine Folge' der Ungerechtigkeit ist, solange aber nicht alle Menschen, die auf Erden atmen, glücklich sind, herrscht keine Gerechtigkeit! Eine Prophetie aber auch, die in die Tiefe der jüdischen Seele eingedrungen ist, die da wandert und wandert von Körperlichkeit zu Körperlichkeit, die sich nicht beruhigen kann und nicht zur Ruhe kommen wird, bis sie ihre Erfüllung im Leben gefunden hat. Vielleicht werden die starken Hände frommer jüdischer Arbeiter den Ouell aufgraben und anbohren. Sie werden das vermögen. Aber nur mit der Hilfe der Träger des jüdischen Thorageistes. Wenn jüdische Lomdtm und jüdische Arbeiter sich verbinden werden, dann wird sich der Weg zur Erlösung und Befreiung öffnen. Die wahre Erlösung, die volle und ewige Erlösung, sowohl diejenige des jüdischen Volkes, Der Trost her Geschichte. naw« -p^ "n «aw» (ns*k 's) fiwnn an» tanpa.* anps v>nn Wenn Rabbi Joseph Hahn im pis spv die mit dem Trostsabbat etnsetzenden, zum neuen Jahre geleitenden Wochen mit dem schlichten, rührenden Rate beginnt: „Wenn der 9. Aw vorüber ist, so vertäfle der Mensch die Gedanken der Trauer und wende sich dem Tröste zu" — so darf doch nicht verrannt werden, daß dieser Uebergang von der Trauer zur Zuversicht durchaus kein plötzlicher, sondern in der Ttscho-beaw-Liturgie selber sorgfältig vorbereitet ist. Klingen ja die Klagelieder des Propheten selber in den auf Erfüllung rechnenden Ruf nach Erneuerung unseres Daseins aus, und in tausend kleinen Zügen wird dem am Boden sitzenden Juden die Gewißheit der Erlösung und die rettende Kraft derGolus» leiden selber vor die Seele geführt. njy^ wm annaa wwn — „er hat mich mit Bitterkraut gesättigt, erquickt mit Mermuth," so wie das Bitterkraut am Sedertisch Der Jsraeltt. wie die der Welt wird sich in Verwirklichung der jüdischen Prophetien vollziehen. Die Enkel und Erben der Propheten sind berufen, das Beispiel zu geben und den Weg zu zeigen. Bei der Gründung der Arbeiter-Partei hat Karl Marx den Ruf ergehen lasten: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" Der Ruf hat eine Wirkung gehabt, seitdem kocht der Haß unter den Menschen, wie in einem brodelnden Keffel und der Strom fließenden Blutes wird nicht gestillt. Karl Marx ist eben nur ein Enkel, aber kein Erbe der jüdischen Propheten gewesen. Die Welt wartet wieder auf einen jüdischen Ruf/ sie erhofft von ihm eine größere Wirkung — der Hatz wird vertilgt, Blut und Tränen werden verschwinden, der Ruf wird im Munde derer leben, die aus dem Quell der Propheten geschöpft und ihren Geist geerbt haben. Damit diese Zeit herannahe, möchten wir einen Ruf erklingen lasten durch alle jüdischen Gassen, durch alle jüdischen Lehrhäuser: „Jüdische Talmide Cchachomim und jüdische Arbeiter vereinigt Euch?" Wochenmndschau. Walsen-Erziehung in Srez-Äsroer. Durch eine Veröffentlichung im Warschauer Misrachi-Organ ist die erstaunliche Tatsache bekannt geworden, daß der Waad leumi in Jerusalem öeabsicht, Kriegswaisen aus der Ukraine, die durch die Karlsbader Hilfskonferenz nach Erez Jisroel gebracht werden sollen, den Arbeiter-Kewuzos zur Erziehung anzuvertrauen! Wenn es sich hier nicht um eine Meldung aus zionistischen Kreisen selber handelte, so könnte man das Ganze für eine Erfindung geschworener Gegner des Waad leumi halten. Wir haben dieser Körperschaft, die ja gänzlich unter dem Einfluß irreligiöser Elemente steht, niemals irgend welches Vertrauen entgegengebracht, aber daß sie fähig wäre, einen Schritt ins Auge zu fasten, der von der gesamten religiös empfindenden Judenheit geradezu als ein Faustschlag ins Angesicht empfunden werden muß, hätten wir nicht für möglich gehalten. Dazu also sollen Kinder, deren Eltern ihrem Judesetn zum Opfer gefallen sind, die darum mit Recht im Volksmunde als „Kedauschim" bezeichnet werden, nach Erez Jisroel übersiedeln, um dort dem bekannten Geiste der Arbeiter- Kewuzos anheimzufallen! Wie es in den Arbeiter- Kewuzos zugeht, was dort an religiösem und i (ncs m) seine Schrecken verloren hat und die > Bitternis in Festesfreude aufgeht, so wird desTischo beaw Wermuth zur Erquickung, (arra"L bh nt), weil das Leid selber »ach de» historischen Erfahrungen des jüdischen Volkes Gewähr und Vorbedingung der Erlösung ist (s'L'ia ntap). Das dürfte auch der Sinn des eingangs zitierten Midrasch sein. Als der erste Mensch sein Paradies verließ, da „lagerte Gott im Osten" (onpö) des Gan Eden „die Cheruwim und die Flamme des sich umwälzenden Schwertes" um für die irrende Menschheit den Weg zum ewigen Leben zu sichern. Leid und Krieg, Revolution und Hunger sind die Wächter des Wegs zum Leben, denn sie führen die Menschheit zu Gott zurück, indem sie ihre innersten Kräfte aufwecken. Das ist das |twnn an» :onp (Siehe Hirsch z. St). Was aber diese allgemeinen Leiden für die Menschheit, das ist das G o lus mit all seinem Wehe für das j ü d t s ch e B o l k. Aus der Wunde selber bereitet Gott den Balsam und aus der Trauer des neunten Aw führt aufwärts der Weg, der Weg der Teschuw o, zum siebenfältig strahlenden Tröste unserer weltgeschichtlichen Zukunft. Sie Variaiwnen in den ersten and zweiten nninn mtpy nach dem ID’ Von A. Mannheimer in Dettelbach Der Dekalog im 2. B. M., Kap. 20, wie er am niyat? in unfern Gotteshäusern allgemein zur Ber- . lesung kommt, weicht seinem Wortlaute nach bekanntlich ' vielfach ab von dem der rvnann m»y in Parschas 3 August lWB. i sittlichem im allgemeinen geleistet wtrd, i ist jedem Eingeweihten und dem Waad leumi insbesondere, ganz genau bekannt. Ist es schon cine pädagogische Ungeheuerlichkeit, Kinder in diese Siedlungen von zumeist unverheirateten jungen Männern und jungen Mädchen hinein zu stecken, so wird das Ganze geradezu zum Verbrechen, wenn man das religiöse Milieu dieser Kewuzos ins Auge faßt. Wir wollen hoffen, daß der misrachisttsche Protest ausreicht, um dieses Verbrechen zu verhüten, gegen das sich sonst die jüdische Gesamtheit, ihr voran alle Rabbinen der Welt, zur Wehr setzen müßte. Die Kinder der Unglücklichen, deren Blut von den entmenschten Banden der Denikin und Petljura vergoffen worden ist, dürfen in Klall Jsroe! Vater und Mutter erblicken, sie sind denn doch zu gut dazu, um dem pietätlosen Radikalismus unserer Jerusalemer Nationalisten htngeopfert zu werden. Erinnerungen und ' . aus der ukrainischen SM. Für die himmelschreienden Leiden, denen unsere Brüder in' Süd-Rußland nicht nur in körperlicher, sondern auch in seelischer Hinsicht ausgesetzt sind, liegt ein neues, erschütterndes Dokument vor, das in der ganzen Kulturwelt, insbesondere aber auch in Amerika ernste Beachtung finden sollte. Es ist ein Bericht, den der Rabbiner von Nikolajew, Rabbi Mordechat Et delberg im Warschauer „Jud" veröffentlicht und der in seiner schlichten, zu Herzen gehenden Sprache auf der einen ein wunderbares Ehrenzeugnis für die religiösen Kräfte in der russischen Judenheit ablegt, andererseits aber eine niederschmetternde Anklage gegen jene entarteten Söhne des jüdischen Volkes, die unter der Flagge des Bolschewismus -hrem unbändigen Haß gegen das Joch der Thora und der Mizwaus durch ein raffiniertes politisches System Befriedigung verschaffen. Rabbiner Eidelberg schreibt u. a.: „Solange der Hunger noch nicht so i'tait war, war die Gefahr, die von den durch die „Zewsekzie" (Jüdische Sektion der bolschewistischen Macht) eingerichteten Schulen nnsern Kindern droht, auch Noch nicht so groß, weil die jüdischen Kinder selbst mit ihren schwachen Kräften gegen sie kämpften, das Stückchen Brot mit Tee, das man ihnen in diesen Schulen gab, verschmähten und einfach /ortliefen, um zun, jüdischen Melamed zurückzukehren und Thanro zu lernen. Gestärkt hat das jüdische Kind darin seine „Mamme". Tagtäglich, wenn da-? Züngele heim karn, fragte es feine Mutter an-?, wo es gewesen sei und gelernt habe. Wenn sic horte, oaß es den n e u e n „Emmes" (Name der bolschewistischen Zeitschrift) lerne, pflegte manche Mutter in Tränen aiisznbrechen, wenn da-? Züngele ihr aber erzählte, dass es einen Pofuk Thanro gelernt habe, w pflegte sie pnriXi. An Erklärungsarten und Deutungsoersuchen kann es da bei der Bedeutsamkeit des Textes natürlich nicht fehlen. Der ipi >j?2 stellt zehn Verschiedenheiten im Wortlaute beider Dekaloge zusammen und legt seinem Kommentare die Annahme zugrunde, daß die ersten rman '* für alle Weltenvölker gemünzt seien, die letzten hingegen sich speziell an brriV* wenden. Bekannt ist ja die talmudische Erzählung, der Allgütige habe die min zuerst Esaus Nachkommen angeboten, diese aber lehnten ab wegen des Verbotes nXnn xb, du sollst nicht morden. Den Söhnen Jtschmaels paßte das Wort nicht „du sollst nicht stehlen". Amoniter und Moabiter nahmen Anstoß an dem Verbote „?]X3n xb", du sollst nicht ehebrechen x. So wußte jeder was anderes zu bemäkeln, bis in seinem yöjwi nwv: blinden Gehorsam gelobte. Immerhin kannten also die niDiX unsere heiligen Thorageboie. Zwar erscheint der Paffus ßixv "pr»mn w* in den ersten Zehngeboten als eine Apostrophierung Israels; nichtsdestoweniger bleibt jedoch die Tatsache bestehen, datz die Weltenvölker von sich selbst aus auch das ganze Gesetz hätten annehmen können, wenn fis nur wollten, ähnlich wie Esau von selbst aus zu den vva ging und von ihnen sich eine Frau auswählte, da er sah, datz die jy:a mn mißfällig waren in den Augen JsakS. Es wurden auch die ersten ninann " in besonders feierlicher und lauter Form gegeben, damit jeder Nation die Ausrede benommen ist, die Oeffentlichkeit sei eine beschränkte gewesen. Nach diesen Vorbemerkungen werden zehn Variationen erwähnt, die wir hier kurz aufzählen wollen. 1. Bei den ersten nnan steht bekanntlich nx *n27 )tnpb Jiatyn di*, bei den zweiten UDlr». Den noachidischen Völkern geziemt das i'2r, „Gedenke"! Die m*2T, datz es einen Weltenfchöpfer gibt, soll und mutz sie vom 494

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