Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1922)
- Date
- 1922-07-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450215--69879-2527097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
8. ftutt 182*. Völkischen notwendig führen mußte. Aber einmal begegnet uns in diesem Zusammenhang der „Jude" in besonders schmerzlicher Weise. Ein stuä. zur. Fritz Werner Flesch, der zu .den Mitbeteiligten und Mitverhafteten gehört, soll, wie der „Vorwärts" zu berichten weiß, „mosaischen Glaubens" sein, was ihn nicht gehindert hat, als wütender antisemitischer Hetzredner aufzutreten. Seine antisemitische Laufbahn ist nicht ganz frei von Golustragik. Bei Ausbruch des Kapp-Putsches befehligte Flesch am Hallefchen Tor einen^ Teil der Ehrhard- Bri ga de und nachher'gründete er die Ortsgruppe Berlin-Süd des Deutschvölkischen Jugendbundes, dessen Vorsitzender er längere Zeit war, und als seine mosaische Konfession ans Tageslicht kam, mußte er seinen Posten niederlegen. Flesch ging dann nach Brasilien und kam vor etwa acht Wochen wieder, mit reichen Geldmitteln zurück. -- Möglicherweise liegt hier ein Fall für den Psychiater vor, aber er ist doch bis zu einem gewissen Grade auch typisch. Im Kampfe hat es immer dreierlei gegeben: Mutige, die durchhielten, Opfer, die fielen und feige Ueberläufer. Die gegen uns Juden, Bürger des gleichen Landes und Staates, den politischen und sozialen Kampf in dieser erbitterten Weise führen, werden vermutlich keine ungemischte Freude an Ueberläufern und Verrätern L 1a Flesch haben. Aber es kommt noch ein anderes hinzu. Flesch ist eine Mahnurg, an Ettern und Erzieher, die im wilden Gewoze der politschen Geschehnisse, ihre Söhne ohne Halt und Stütze heranwachsen lasten, und kein Bleibendes in ihre jungen Seele pflanzen, an dem sie sich mitten in der Verworrenheit der Zeit zu einer gewissen innere Ausgeglichenheit emporringen könnten. Gewiß wird sich die Max Naumann-Partei energisch dagegen verwahren, wollte man ihr diese Verrätersorte in die Schuhe schieben, und sie darf mit dem gleichen oder sogar noch größerem Rechte wie die Deutschnationalen (nicht Deutschvölkischen) die direkte Gemeinschaft mit den Rathenaumördern ablehnen. Aber die Herren sollten doch bei dieser traurigen Gelegenheit ihr Tun und Treiben noch einmal auf ihre möglichen Konsequenzen ernstlich prüfen. Wenn man heute die Zionisten in Deutschland als Landesverräter denunziert, morgen die Austreibung der hier Asyl genießenden Ostjuden verlangt, so müssen ja übermorgen, als natürliche Fortentwicklung dieser Campagne, die Flesch und Konsorten entstehen, in deren jungem -wirrem Gehirn es eine Grenzlinie zwischen Juden und Juden nicht geben kann und deren, i mir der umfangreichen Einleitung. Seit vielen Jahren Ist dieses Werk aus dem Buchhandel verschwunden und dem Verlag gebührt Anerkennung, daß er es dem Markt wieder zusüh t. Die Jkkarkm-Ausgabe erscheint als 8. Band der von Lamm herausgegebenen Sammlung : „Die religions-philosophischen Werke des Judentums". Es ist erstaunlich, was mit dieser großzügigen Sammlung von einem Einzelnen, ohne jegliche Förderung vstt Gesellschaften oder Literaturvereinen i geleistet wird. Es find bisher schon folgende 7 Wnde erschienen: Bd. I—III, Maimonides Moreh Nebuchim. Hebräisch i mit deutscher Uebersetzung von Fürstenthai, Stern u. Scheyer. I Bd. IV, Jehuda Halevi Kusari. Hebräisch mit Urbersetzung und Erklärung von David Cassel. Bd. V, Abraham ibn Daud, Sefer Emunah Ramah. Hebräisch mit deutscher Uebersetzung von Weil. Bd. VI, Franck, Kabbala. Deutsch von Jelliyeck. Bd. VII, Joel. Midrasch Hasohar oder die ReligionS' Philosophie des Sohars. Der Kenner weiß, daß es sich durchwegs um .wichtige, kostbare Bücher die zu den Raritäten des Asttiquaritats gehören, handelt. All dieses ist in verhältnismäßig kurzer Zeit mit zähem Fleiß und einer bewunderungswürdigen Energie geschaffen worben. Dabei hat der Verlag aber auch noch eine große Zahl anderer Werke, die nicht minder wichtig sind, wie zum Beispiel sämtliche Bücher von Zunz, den kompletten Talmud Jeruschälmi (hebräisch) und neuerdings die Schudtschen Jüdischen Merkwürdigkeiten (Frankfurter Judenchronik von 1716) in vier Bänden, die Ulrichsche Sammlung Jüdischer Geschichten in der Schweiz (Schweizer Judenchronik von 1756) nebst vielen anderen Büchern, die zum Teil auch hier schon be- Stet: LrSrseltt. Eifer sich dann darin erschöpft, das eigne Nest zu beschmutzen. Werner Flesch ist das Symbol für die krankhafte Verworrenheit unserer Zeit. Selig, die er nicht wissen . .. Seitdem sich der jüdische Liberalismus auf Forscherpfade begeben hat (Siehe Leitartikel in Nr. 25), bekommt man in dessen Organe die niedlichsten Dinge za hören. In den „Mitteilungen" der „Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands" von Juni philosophiert Dr. jur. Ernst Hirschberg, Berlin, über „Glaube und Gesetz" und kommt zu dem überraschenden Schluffe, daß „während ein charakteristisches Merkmal des allgemeinen Gesetzesbegr-ffs darin besteht, daß das Gesetz für die seinen Normen unterworfenen Personen schlechthin verbindlich ist, im Gegensätze dazu jeder Jude vor Befolgung eines Reli gionsgesetzes nicht nurdasRecht, sondern diePfltcht hat, das Gesetz auf seinen religiössittlichen Gehalt hin zu prüfen." Er beruft sich auf den Ausspruch des R. Simon ben Jochat: „Es ist verboten, ein Gebot zu erfüllen, wenn die Erfüllung mit einer Sünde verbunden ist" und auf die Forderung des R. Nehemta: „Wer auch nur ein Gebot in vollem Glauben auf sich nimmt, ist würdig, daß Gottes Geist auf ihm ruhe". Wir wollen Herrn Dr. Hirschberg nicht l"n zu denen zählen, die unsere Weisen mit den Worten bezeichnen; rrnatf Höp i jnn’a Tb “in Aber dann sollte doch in seinem jüdischen Herzen ein leiser Nachhall des „Naasseh", „Wenischma" fortklingen, mit dem seine Väter am Sinai für alle Zeiten, das Tun dem Hören vorausstellen, d. h. die Pflichttat über alles Forschen und Prüfen stellten. Wenn unsere Liberalen in einem an sich erfreulichen inneren Zwang lernen wollen, dann sollten sie gleich mit dem Oleph beginnen und anstatt mißdeutete Talmudzitate aus dritter und vierter Hand fälschlich wtederzugeben, zunächst versuchen, den Wortlaut des Pentateuch zu verstehen. Kas geht in den jüdischen Kolonien in Argentinien vor? Die Kolonialpolitik der Jca war nie von einem glücklichen Stern begleitet, so gut es der edle, großzügige Stifter, Baron Moritz Hirsch mit seinem Unternehmen gemeint hat. Ein __ Nr. 3? Sette $ Bild der Unstimmigkeiten und Widerlichkeiten in Argentinien gewinnen wir aus der Veröffent" lichung in der „Argentinischen Jüdischen Zeitung". Wir lesen da u. a.: Die Kolonisten von Doro werden bedroht, von ihren Grundstücken vertrieben zu werden, wenn sie nicht in kurzer Frist ihre Schulden an die Verwaltung abtragen, was ihnen aber nicht möglich ist. Ein ähnliches Schicksal droht den jüdischen Kolonisten in der blühenden Kolonie Bernaskony und zwar, weil die Kolonisten, die hier ans harter Erde mit unsäglichem Fleiß und großer Ausdauer ein Paradies hervorgezaubert haben, sich weigerten, einen Vertrag zu unterschreiben, der sie für alle Zeiten zu Fronarbeitern der Jca degradiert hätte. Bauern dieser Kolonie haben bereits eine Delegation ausgeschickt, um irgendwo in Argentinien neuen Besitz zu erwerben. Sie schicken sich an, ihre Häuser und den Boden, den sie mit ihren Tränen zur Blüte gebracht haben, zu verlassen und lieber auf brachliegendem Grunde von neuem zu beginnen, als sich an einen Vertrag zu binden, der ihnen die Freiheit nimmt." Die Sache geht leider noch weiter und hat bereits in die Regierungskanzleien Eingang gefunden. Denn die Kolonisten wandten sich an den Landwirtschaftsminifter, der aus feiner Verwunderung über den Vertrag kein Hehl machte und versprach, ihn dem Präsidenten der Republik zu unterbreiten, da ihm eine Kolonisattonsarbeit aus philantropischen Motiven unter solchen Bedingungen unbegreiflich erscheine. Es ist zu erwarten, daß sich der Nationale Kongreß mit der Sache befassen wird, was gewiß nicht zum Ruhme der Jca und zur Ehre des jüdischen Namens beitragen wird. Auch die Zustände in der ersten und größten Jca-Kolonie Mos es will sind wenig erfreulich. Die „Jüdische Zeitung" fragt, ob man noch zu der Verwaltung einer Organisation Vertrauen haben könne, die ihr eignes Werk zerstört und ob nicht ihre Aufbauarbeit in Osteuropa, von der so viel die Rede ist, nicht von der gleichen Qualität sei. Man wird natürlich ein klares Urteil nur dann erhalten, wenn man auch die andere Seite gehört Hot. Aber etwas muß doch faul sein im Staate, wenn die Reibungen gar nicht aufhören wollen. Man sagt der Verwaltung nach, daß ihre Politik von vornherein gegen eine Selbständigmachung und gegen das Selbstverwaltungsrecht der Kolonien gerichtet war und daß aus diesem Grunde von ihr eine vernünftige Tilgung der Schulden gar nicht angestrebt, ja sogar verhindert werde. Das wäre ungerecht wie unklug und auf alle Fälle den Jntenttone.r des - sprachen sind (wie die Lammsche Pracht-Hagada, ein! Meisterwerk) veröffentlicht.? Iw Jntereffe der jüdischen Wissenschaft ist eine j solch reichhaltige Tätigkeit und ihre Weiterentwicklung! außerordentlich wünschenswert. S. Serichiigung und Nachtrag zu dem Artikel „Gifenflädler Forschungen". Aus Versehen wurde im Artikel der pk o*no als Verfasser der PK 'ms n"ip bezeichnet. Die Worte pk nos sind zu streichen und dafür mvxe D'is zu setzen, da R. Mater Asch diese und nicht pk nox verfaßt hat. Die Jnitialien des Rezensenten müssen richtig heißen P. I. K. (nicht K. I. K.). Ferner ist zum Texte der Besprechung noch folgendes nachzutragen: Nr. 550 auf S. 179 behandelt ein Grab, an dem der Leser nicht achtlos Vorübergehen kann. Die Grabsteintnschrift lautet: „Die Grube deckt eine herrliche Iran . . in derem reinen Herzen die Flamme der Gottesfurcht brannte . . sie pflanzte edle Sprossen . . die in ihrer Hand zu Zedern heranwuchsen .... Hatte Salomo unter lausend keine gefunden, hier hätte er sie finden können"^ Die Frau, der dieses Lob gilt, ist die Mutter deS berühmten Posener Rabbiners, R. Aktba Eger, so genannt nach seinem Großvater,, dem Vater seiner Mutter, der im Alter von 34 Jahren als Vorsitzender des Rabbinais in Pretzburg starb. Von der Mutter des Tanatten N. Jysna wird erzählt, daß sie ihren Sohn, als er noch ein Säugling in der Wiege lag, ins Lehrhaus brachte, damit er schon! im zartesten Alter die Thoraluft atme. Das Lob,! welches sein Lehrer R. Jochanan ben Sakkai ihm spendete: „aschre joiadto" (heil der, die ihn geboren), sollte darum gleichzeitig ein Lob seiner Mutter sein. Eine solche Mutter scheint Gütl, die Tochter des R. Akiba Eger d. A. und Mutter der beiden berühmten Thoraleuchten, R. Aktba Eger und Rabbi Bunem Eger, Rabbiner Mattersdorf in Ungarn, gewesen zu sein. Ihr Mann Moses ben Samuel Güns, nach dessen Familiennamen R. Akiba Eger selbst zeichnete, ist unter Nr. 429 angeführt. In der Grabschrift wird er als gelehrter Mann bezeichnet und als Kassierer und Verwalter der für die palästinensischen Armen eingehenden Geldes hat er sich besondere Verdienste erworben. Savbat--lnkang und Mzgang. p7>2 npn rotp- Ortr Anfang Datum AuSgang UhrfMin. ir>ss 5683 Utzr Frankfurt a. M. 7 45 8. 12. 9 35 Berlin .... 7 30 Juli Tammus 9 28 München . . . 7 15 9 05 Cöln..... 7 45 9 45 Stuttgart. . . 7 — 9 22 Breslau . . 8 63 9 03 Nürnberg 7 15 9 15 8 69 9 50