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Der Israelit · 1922-07-06 · Heft 27 (6.7.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 27 (6.7.1922)
Date
1922-07-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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.JWollü.JJU1.. Seite 3 Nr. 27 referierte und hierbei unter Sachkundigen Widerspruch auslöste, oft recht hitzig zu unterbrechen. Dazu kommt noch die Erwägung, daß es neben den konventionellen Regeln auch konventionelle — Lügen des Parlamentarismus gibt, die es bei einer orthodoxen Nabbinerversammlung Peinlichft zu vermeiden gilt. Denn hier soll und darf es vor allem keine schalen und faden Kompromisse geben. Hier muß der Wahrheit die Ehre gegeben werden. Hier muß Farbe bekannt werden. Und dies ist bei der Frankfurter Tagung des orthodoxen Rabbinerverbandes in' einer wahrhaft erhebenden Weise geschehen. Denn ob es nun galt, „das Verhältnis der standesamtlichen Trauungen und Scheidungen zum jüdischen Religionsgesetz" auf Grund der Halacha genau zu präzisieren, oder ob es galt, bei der Besprechung der „Agunos^Frage, frei von jeder falschen, religionswidrtgen Sentimentalität in das Gebiet der traurigen Kriegsfolgen hineinzuleuchten, die das jüdische Eheleben vielfach zu verheeren drohen und Beschlüsse zu fassen, die dieser verhängnisvollen Gefahr begegnen sollen, ob es galt, in einer Resolution betr. „Schochtim und Sofrim" den Finger auf eine offene Wunde zu legen und Vorsorge zu treffen, daß das rituelle Leben, zumal in den Kleingcmeinden, nicht versinkt und versumpft, oder ob es schließlich galt, Richtlinien eines wahren jüdischen „Chimuch" aufzustellen und Mittel und Wege zu finden, die Thora-Ausbildung der Jugend zu einem befriedigenden Ergebnis zu führen und dem unendlichen „Amhaarazus" zu steuern, das, zumal in den Landgemeinden, selbst die ehemals stärksten Bollwerke der Jüdischkeit in Deutschland benagt und in ihren Grundlagen zu unterminieren droht: auf all diesen Gebieten dringendster jüdischer Gegenwartsnot hat der orthodoxe Rabbinerverband gleich am ersten Tage seiner Versammlung mit der ihm eigenen Offenheit und Aufrichtigkeit der Beratung und der ihm eigenen Festigkeit und „Gradheit" der Beschließung als ein einmütiges Gremium von wahrhaft treuen Wächtern unseres ewigen Heiligtums sich bewährt. Und so war es ein würdiger Abschluß dieses ersten Tages, als am Abend die versammelten Rabbiner einer Einladung der Adaß Jeschurun zu einem Festmahle im Hotel Ullmann folgten. Mit einer ebenso herzlichen wie Üefdurchdachten Ansprache, die gleichermaßen von der edlen Gastfrenndlichkeit der Gemeinde wie von der gründlichen Thorabildung des Redners zeugte, wurden die Gäste im Namen der Gemeinde von Herrn Emil Göldschmidt begrüßt, und es war den Gästen aus der Seele gesprochen, als Rabbiner Dr. Bondi in Mainz in ihrer aller Namen der Gedankensänge einer n&m. 8M- (Gehalten von Veretnsrabbiner Sandor Löwy in der Fürther xtgmp snnn). Von A. Mannheimer in Dettelbach. Eine WH ist keine Predigt. Sie wendet sich im Gegensatz zu dieser mindestens ebenso sehr an den Ver. stand als an das Gemüt. Sie setzt Wissen voraus, ein Matz von Thorakenntnissen, auf dem sie baut. Die verdeutschte Wiedergabe einer ,wh kann daher auch nur die Gedankengänge derselben zusammenfassen und setzt voraus, daß die skizzenhafte Fixierung den Lernkundtqen vollauf genügt. Versuchen wir es im Folgenden. Der Talmud (Sabbat, Fol. 104) bringt eine ethische Auslegung deS die pm sagten zu p snsm' 'V. Es kamen Jünglinge ins Lehrhaus und trugen Dinge vor. die sogar in den Tagen Josuas, Sohnes Nuns, nicht gelernt wurden. (In den Tagen von j?bm.t kamen nach dem Talmud tu mion 300 halachtsche Entscheidungen in Vergessenheit, so schwer und nachteilig wirkte die Trauer um ntfrfc. Vielleicht ist der Hinweis aus auch deshalb gewählt, um dem, _ »er JSraelii._ tiefen Dankbarkeit Ausdruck verlieh, die sie alle angesichts des gemeinsamen Bandes erfüllte, welches die Gemeinde S. N. Hirschs mit Deutschlands orthodoxen Rabbinern verknüpft, die sich alle in Ehrfurcht vor der Größe einer jüdische« Schöpfung neigen, der es, vom Geiste Gottes getragen, nach schweren Kämpfen gelang, alle ihre Gegner zu besiegen. War der erste Tag der Versammlung der Berichterstattung des Vorstandes, sowie hala-- chischen, rituellen, pädagogischen Fragen geweiht, so widmete sich der Rabbinerverband am zweiten Tage einer Aussprache mit Vertretern orthodoxer Organisationen über jüdisch-politische Fragen der Gegenwart. Und hier offenbarte sich die merkwürdige Erscheinung, daß es im orthodoxen Rabbinerverband so etwas wie einen Gegensatz zwischen jüdischer Religion und jüdischer Politik überhaupt nicht gibt. Die Darlegungen des Rechtsanwalts Dr. Breuer über die gemeindepolitischen Konsequenzen des Gedankens von der Alleinherrschaft der Thora im öffentlichen jüdischen Leben wurden in ihrer messerscharfen Logik von der Versammlung wie etwas Selbstverständliches hingenommen. Orthodoxe Rabbiner sind es ja von amtswegen gewohnt, auf einem ^ri> den man ihnen präsentiert, auch die kleinste nöMB nicht zu dulden. Warum hätten sie die nrr'ILfreie Politik der „Freien Vereinigung" und des „Bundes gesetzestreuer Gemeinden" nicht mit Freuden begrüßen und billigen sollen? Und warum hätten sie nicht begeistert zustimmen sollen, als Dr. Ehrmann von der Notwendigkeit des Aufbaus eines wirklich jüdischen Erez Jisroel sprach, und Jacob Rosenheim die Aufgaben umriß, die auf den orthodoxen Rabbinerverband im Schoße der Agudas Jisroel warten? Wer anders als der orthodoxe Rabbinerverband hat schon wenige Jahre nach dem Erscheinen von Herzls Judenstaat die Riesengefahr signalisiert, die vom Zionismus her das jüdische Heiligtum in Erez Jisroel und in der Gola bedroht? 'Und wenn es nun heute, wo diese Gefahr aus dem Stadium der Bedrohung in den Zustand des offenen Kampfes übergegangen ist, mehr als je zur Aufgabe der Orthodoxie geworden ist, alle schwächlichen Halbheiten und fruchtlosen, weil ja doch vergeblichen und innerlich unwahren Kompromißneigungen von sich abzutun, wie sollte da der orthodoxe Rabbinerverband nicht mehr als je sich verpflichtet fühlen, getreu den Ueberlieferungen seiner Vergangenheit pös ’TiaiJ? zu sein? ttnb in der Tat: der zweite Tag dieser Versammlung hat es wieder einmal bewiesen: im orthodoxen Rabbinerverband ist für politische Halbheiten und Kompromißneigungen, ist für den Standpunkt der sog. den gleichen Namen tragenden ’if? p s?Bm’ zu schmeicheln nicht nur jetzt, auch damals hörte man nicht dergleichen schöne Lehren), 'k mahnt nso fpK, lerne Vernunft '-7 : - erweise den Armen Gutes. Das; hebt den Fuß zum 1, der Wohltäter gehe selbst den Armen nach. Das *i senkt den Fuß zur Erde dem: gegenüber, wendet das Gesicht ab: der Wohltäter spende im Verborgenen, Geheimen, um keine Beschämung zu ver- Ursachen, 'n, das ist der Ewige, er gibt dir v"n, das ist 272 jn usw. Warum wohl gesagt ist, daß solches „sogar s?enn ''vo" nicht gelehrt wurde? Die Stelle hier steht nämlich im Zusammenhang. mit jener auf dem gleichen Pp, daß die „Propheten des Zeitalters" (C’ßlJf) die Form der fünf Schlußbuchstaben "s '2 'st 'e wieder in Erinnerung brachten, nachdem man sie vergessen hatte, bezw. ihre Verwendungsart. Somit soll gesagt sein, daß nicht nur die no*7n zur Zeit Josuas - in Vergessenheit gerieten, sondern auch die Erläuterungen hierzu, die D'&no, ebenso die Doppelform der "psitsv-Buchstaben. Nimmt man die Deutung der ersten zwei Buchstaben — n:o PpK — als einen Hinweis auf die Pflicht des Thorastudiums, o,J?n Pöi: als die Mahrrung zur Wohltätigkeit und 'i 'n als Andeutung des göttlichen Namens, dem wir ständig zu dienen haben, dann hätte man den von *7X087 p ps?vrr? i in Ptrke Aboth ausgestellten Dreiklnng des jüdischen Pflichtenlebens n"r?H'oy min. Allerdings hätten jene nym die Reihenfolge geändert, indem sie m vor mos? setzten. Diesem Einmand sei damit begegnet, daß man nach der Weisen Rat in Anlehnung an Oi p*raö ’SK Htets vor seinem Gebet etwas npnx gebe, also in der Tat n": der mos? voransetzt. 6. Juli 19S2, Gemeindeorthodoxie und des Misrachi kein Platz. Kein Platz ist in ihm für jenes ängstliche Nach, geben gegenüber modernistischen Strömungen, die, wie die Forderung des Frauenwahlrechts, als übermächtig nur dem erscheinen, der sich zur Preisgabe der Uebermacht des PI entschließt. Die Resolution des orthodoxen Rabbinerverbandes, die sowohl das aktive wie das passive Frauenwahlrecht als' unvereinbar mit dem Religionsgesetz erklärt, wird den des Ostens und den in so schwerem Kampfe befindlichen des heiligen Landes das tröstende Bewußsein bringen, daß es auch im jüdischen Westen Rabbiner gibt, die sich den Forderungen des Religionsgesetzes restlos unterwerfen und auch in solchen Fragen, die den Haschern nach Popularität billigen Lorbeer verheißt, dem p'n seinen alles beherrschenden, „Berge durchhöhlenden" Einfluß vtndiziert hnn na 21p').- Und damit wären wir am Ende unserer Betrachtung angelangt. Als die Braunschweiger Nabbinerversammlung sich aufgelöst hatte, hielt ihr Ludwig Phtlippson in seiner Zeitung folgenden Nachruf: „Unter diesen 25 Männern zeigten mindestens neun ein ausgezeichnetes Redetalent, acht sprachen wirklich gut, drei drücktest sich geläufig aus, und nur fünfen mußte man die Gabe, sich frei auszusprechen, absprechen: ein Resultat, was, bet dem Mangel an Gelegenheit, sich in freien Reden zu üben, gewiß höchst überraschend ist." Die armen Fünf! Ob sie sich mit 122^ nttJü getröstet haben, der ja bekanntlich die Gabe, sich frei auszusprechen, sich selber abgesprochen hat? — Wir aber wollen der Generalversammlung des orthodoxen Rabbinerverbandes das Wort des Propheten Maleacht Nachrufen: „Da sprachen sich die Gottesfürchtigen einer gegen den andern aus, und Gott horchte hin und hörte auf sie, und das schrieb sich zusammen zu einem Buche des Gedächtnisses vor Ihm für die, die Gott fürchten und seinen Namen Hochhalten." Ein Auszug aus dem Protokoll der Generalversammlung wird in nächster Zeit noch veröffentlicht werden.. Wochrnnmdschau. Sine; . >- Im Sturm, der der Rathenau-Tragödie gefolgt ist, bekam man das Wort Jude wiederholt zu hören. Zumeist im günstigen Sinn, als Hinweis auf die Konsequenzen, zu denen die wüste Verhetzungspolttik der Deutsch- Es wäre noch Folgendes zu erwägen. npnit ist eigentlich nicht identisch mit n"r, von dem die D’pmn sprachen. Erstere, gewöhnlich Almosen genannt, übt man mit seinem Geld und Gut, letztere mit seiner Körperkraft,- es ist werktätige Liebe an Gesunde, Kranke, Arme, Reiche, ja Tote, npnx übt man nur an Armen, an lebendigen. Dennoch können die D»pTn mit ihrem npns gleichzeitig auch n"; bezeichnet haben. Kommt es doch daraus an, wie man npnx übt, es muß in ihr ein nvn-Gehalt stecken, das erst adelt ste, danach wird sie vom Allgüiigen entlohnt: ros? ncn o*? 8*78 ncPneo npm ps (Sukka 49). Und R. Schimon den Gamliel mag m seinem Ausspruch nur an eigentliches n‘: gedacht haben, nicht an npns, die auch nach seiner Ansicht der mos? vorangehcn möge. Jn der alphabetischen Folge bemerkt man, daß }13?öip den letzten Buchstaben (n) zuerst anwendet, dann v, endlich :: On n^os, mos? nun. „Soll doch Thora immer an erster Stelle stehen, das „n'twn" bilden; denn wegen dieses nwn „rief Gott einst seine Welt ins Dasein" (Rascht zu nwß V. 1). Immerhin soll aber die mit r/'i so eng verknüpfte npnx der mos?, das ist dem Beten vorausgehen. Möge die einstige mos? im neuerstandeneu Gottesheiligtum in Bälde erblühen. i"'2iu. Kleines Feuilleton. Zikarlm-Ausgabe. Der rührige Verlag von Louis Lamm, Berlin, veröffentlicht dieser Tage eine Neuausgabe der deutschen Uebersetzung zu AlboS Jkkarim von Schlesinger ^269

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