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Der Israelit · 1921-06-02 · Heft 22 (2.6.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 22 (2.6.1921)
Date
1921-06-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23. Seite 3 3. Juni 1331. Der Israelit. gemeinde für halachisch gestattet gehalten haben soll, sobald für die praktischen religiösen Bedürfnisse der Gesetzestreuen hinreichend gesorgt wird. Wäre das wahr, so hätte sich zwischen 1878 und 1885 allerdings eine so grün d stürzen de Gesinnungsänderung vollzogen, daß man nur staunend fragen kann, wie t tu solcher Zusammenbruch festgegründeter wissenschaftlicher Ueberzeugungen (denn es handelt sich bei dem 1878 als unwid erle glich bezeichneten Pßak ja um halachtsche Wissenschaft, nicht um Augenblicksstimmungen) in so kurzer Zeit möglich ward. War doch der eigentliche Kernpunkt des Hirsch- Bamberger'schen Briefwechsels nicht etwa die Frage, ob man aus einer ohne Schechita, Mikwa oder benutzbare Synagoge dastehenden Tp austreten müsse, sondern ob es halachisch zulässig sei, den Austritt durch Schaffung eines mit allen Institutionen ausgerüsteteten orthodoxen Flügels neben einer liberalen Hauptgruppe in der quasi neutral werdenden Volksgemeinde zu vermeiden. Hirsch sagte: nein — denn es handele sich nicht mehr um die Befriedigung oder Nichtbefriedigung praktischer religiöser Bedürfnisse, sondern um die Anerkennung oder Nichtanerkennung des flirte als jüdischen Gemeindeprinztps. Bamberger sagte: ja — allerdings nur, wenn der orthodoxe Flügel den Gesamtgemeinde-- Vorftand nicht anerkenne, sondern seinen eigenen, unabhängigen Vorstand wähle. Bamberger wollte in dem Zugeständnis gesicherter orthodoxer Institutionen durch den Gemeindevorftand ein Symptom erblicken, das zur halachisch veränderten Beurteilung der Reformgemeinde berechtige. Hirsch meißelte demgegenüber in plastischer Klarheit den Unterschied zwischen den milde zu beurteilenden Personen, DiTTa DrpiTDK und dem System des heraus, das die Reformgemeinde in ihren Institutionen auch dann verkörpert, wenn neben diesen orthodoxe Parallel-Jnstitutionen erstehen. In diesem Meinungsstreit zwischen Hirsch und Bamberger nun hatte Israel Hildesheimer in seinem Briefe vom Februar 1878 an Markus Horovitz sein Urteil wie folgt gefällt: „Sie sprechen in Ihrem GesamLurteil über den Hirsch Bamberger'schen Streit ein großes Wort mit einer Gelassenheit — sit venia verbo einer Vornehmheit — aus, die es mir wahrscheinlich macht, daß Sie die Antwort Hirschs cm Bamberger nicht gelesen haben, in der, man mag sagen, was ' man will, der ppS (dieses Wort ist unterdie Welt etwa wieder in ein Tohuwabohu verwandelt werden? Wird eine zweite Sintflut allverheerend über uns hereinbrechen"? Und Bileam beruhigte sie mit den Worten: sw löyf? up 'n, „Gott gibt Seinem Volke heute Macht"! Als dies die Völker vernahmen, erklärten sie einmütig: M rx “pr 'n, „Der Ewige, er wird sein Volk segnen mit Frieden"! Soweit der Midrasch. In wundervoller Ausdeutung eines Psalmwortes, in berückend schöner Form wird uns hier die Bedeutung der Offenbarung nicht nur für Israel, sondern auch für die Heileszukunft der Allmenschheit vor Augen geführt. „Heute gibt Gott Seinem Volke eine Macht in Händen", meinte Bileam in der Geburisstunde der Thora. Und im Chorus braust ihm eine Völkerstimme entgegen: “pc’'tt :oy DK, „Gort wird Sein Volk mit Frieden segnen"! Macht und Frieden, im menschlichen Leben und der Völkcrgeschichte oft die schärfsten Gegensätze, in der Thora fließen sie zu reinster Harmonie zu-- sammen. Macht und Frieden, bis heute noch im Ringen der großen Nationen zwei ganz entgegengesetzte Pole, im Jdeenkreis der min gehen sie ineinander auf. Und das sagt ein Bileam! Ihm, dem Heiden, halle der himmlische Vater einige Funken des jüdischen Geistes in die Seele gelegt, die ihn freilich nicht ans dem h ethnischen Milieu hoch emporheben konnten. Er fröhn/e immer noch der niedrigsten Sinnenlust.*) Auch von dem Begriffe Macht hatte er seine eigenen Vor. ftellungen. Einst umschlich er die Lagerstätten Israels. Bon hoher Bergesspitze ließ er gleich giftigen Pfeilen seine Blicke in dieses Lager fallen, suchte irgendwo und irgendwie Blößen und Schwächen zu erspähen. Sch ließlich aber muß er das Volk segnen; er vergleicht WMscSie-Ausstattungen Damen-, Herren- und Kinder-Wäsche Anfertigung in eigenen Werkstätten W olfen ti.is.fi & S£Isi.r ictsLltiniLfi eis. Ständige Ausstellung eingerichteter Zimmer von einfacher bis zu vornehmster Art Vier Stockwerke Möbel Gardinen * Möbelstoffe - Teppiche * Beleuchtungskörper strichen) ein wahrhaft unwiderlegliche r*), so großartig angelegt*) und so gediegen begründet*), daß ihn kein . . . . hätte besser hergeben können." Dieser hier anerkannte Pßak Hirschs setzte, wie entwickelt, grade die Schaffung orthodoxer Gemeindeinftitutionen durch die Reformgemeinde durchaus voraus. Hören wir nun die Beweise dafür, daß Hildesheimer wenige Jahre später nicht mehr Hirsch, sondern gerade Bamberger, ja sogar M. Horovitz Recht gegeben haben soll! Herr Dr. Jakob Horovitz wünscht, daß wir diese Beweise unserem Leserkreise nicht vorenthalten und wir entsprechen hiermit seiner Bitte. Er schreibt: „Mein Vater s. A. erzählt: „Der unvergeßliche R. Israel Hildesheimer, der, obwohl er mit Rabbiner Hirsch gemeinsam für das Austrittsgesetz gearbeitet hatte, dennoch in vielen «Einzelheiten, besonders in dem Punkt sich von ihm unterschieden hatte, daß er dort, wo die Gemeinden für die religiösen Bedürfnisse der Gesetzestreuen hinreichend gesorgt hatten, das Verbleiben in den Gemeinden als gestattet erklärte, wurde daher, wir fügen hinzu, begleicherweise bei der Begründung der Freien Vereinigung nicht hinzugezogen." Der „Israelit" packt mich am Schluffe seines neuerlichen Aufsatzes bet meiner Ehrlichkeit. Ich will in diesem Fall Gleiches mit Gleichem vergelten, packe ihn bet der seinen und wiederhole auch hier meine Frage: Witt der „Israelit" meinen Vater s. A. Lügen strafen? Gder ist seine PilpuNstik schon so weit gekommen, auch zwischen jener unzweideutigen Mitteilung und der „Austritts. *) Von uns hervorgehoben. Red. , Halacha" eine Brücke zu bauen? Ich bin von je ein! Freund des Petchat und für mich geht darum aus der Mitteilung meines Vaters mit zwingender Notwendigkeit hervor, daß R. Israel Hildesheimer zum Mindesten schon vor der im Jahre 1886 vollzogenen Begründung der Freien Bereinigung den Standpunkt eingenommen haben muß, daß eS retrgionsgefetzlich erlaubt ist, der Frankfurter Gemeinde anzugehören, mit anderen Worten, daß die Auffassung und Entscheidung Hirschs in dieser Hinsicht reine Giltigkeit beanspruchen dürfe. Nur so wird das sonst in der Tat vollkommen unbegreifliche Verhalten Hirschs gegenüber seinem früheren Bundesgenossen verständlich. Es hat doch auch sein Gutes gehabt, daß meine Erwiderung erst jetzt zum Abdruck gelangt. Inzwischen habe ich einen Brief meines Vaters s. A. vom Jahre 1987 gefunden, der schon allein für sich genügt, um alle gegenteiligen Behauptungen des „Zsraelir" ein für allemal zu widerlegen, wie er auf der anderen Seite alle meine in meinem ersten Artikel mal gemachten Ausführungen unte, streicht, namentlich auch das, was hier gleich unter 3. und 4. folgt. In jenem Briefe heißt es u. a.: „R. Israel Hildesheimer war nicht unbedingt für den Austritt, sondern erklärte das Verbleiben in der Gemeinde unter Verhältnissen, wie sie gerade in Frankfurt sich schon nach den ersten Jahren entwickelt hatten, durchaus für gestattet." Auch das, was Herr Josef Chajtm, ein Mann dessen unbedingte Zuverlässigkeit und Frömmigkeit mir von vertrauenswürdigster Seite gerühmt wird, in der „Jüdischen Presse" 14-15 vom Jahre 1919 erzählt: „ . . . Auf solche Ansichten erwiderte er mir, daß er selbstredend auch für eine Einigung in der Gemeinde wäre, wofern wir nur die Garantien hätten, die in Frankfurt a. M, seit dem Eintreten von Rabbiner Dr. Markus Horovitz beständen." Daraus geht hervor, baß nach Israel Hildesheimers Auffassung von einer reltgionsgcsetzlichen Pflicht, aus der Frankfurter Gees mit der mächtigen Zeder am Waffer. Der Scharfblick der Weisen sieht in diesem Bilde jedoch einen versteckten Fluch. Ihnen gefällt das Wort Achijahs aus Silo weit besser, der Israel mit dem Schilfrohr vergleicht. Braust der Sturm daher, so bricht er die mächtige Zeder ab. Der majestätische Baum besitzt keine Elastizität um nachzugeben und in ihrer Stärke liegt zugleich ihre Schwäche. Anders das Schilfrohr. Die Stürme können ihm nichts anhaben. Es wankt und schwankt, biegt sich tief nieder, um sich alsbald wieder auszurichten, wenn der Sturm vorüber ist. Das ist das Bild Israels in der Geschichte. Nach allen Stürmen, die es umbrausten, erhob es von neuem sein Haupt. Da nun Bileam zur Zeit der Offenbarung in der nnm Israels einzige und höchste Macht sieht, so darf sein späterer Vergleich mit der Zeder umsomehr als heimtückischer Fluch aufzefaßt werden. Unsere Macht ist das Gottesgesetz und involviert die wahre Freiheit und den wahren Frir den. Die große Zahl von Ge- und Verboten, welche unfern Lebensweg säumen bis zum Grabe hin, die auf Schritt und Tritt unfern Willen lenken und beschränken, sie machen uns frei von den Fesseln der Sinnlichkeit und zügellosen Begierde. D:r jüdische Mensch hat sich selbst in der Hand, tot nnn, Freiheit stand auf den Moft^ taftin, .firn* |’«r wahrhaft frei ist nur der, welcher sich mit der Thora hält. (Schluß folgt.) Sabbat-Anfang und Ausgang. Tipra i°Qw. O v t: Anfang Datum Ausgang UhrMn. 5681 Uhr Min. Frankfurt a. M. 7 60 3. 26. Jjar 9 35 Berlin .... 7 30 Juni 9 19 München . . . 7 16 8 58 Strafrburg . . — — — — Stuttgart. . . 7 — 9 15 Posen .... — - — — Nürnberg. . . 7 15 9 08 Hamburg - - . 8 — 9 52 FamiliennaOrichten. i Barmizwohfeier. Harry. Sohn des Herrn A. } Taumel, Halls a. S. — Leo, Sohn des Herrn David j Heß, Birstein (Hessen).! Vermählte Jules Malinowski mit Lucy, geb. j Scheurenberg, Berlin-Frankfurt q. M. — Siegfried I Schatzmann mit Clara, geb. Moses, Berlin Frankj surt a. M. osa *) rrn www oyta (Talmud).

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