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Der Israelit · 1921-06-02 · Heft 22 (2.6.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 22 (2.6.1921)
Date
1921-06-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 Nr. 22 Der Israelit. 2. Juni 1921, sei, um Schatten entsetzlicher Erlebnisse zu verscheuchen! . . . Hier wäre eine Aufgabe für die Esra und alle anderen Jugendvereine. Brot, Geld, Versorgung der Waisenkinder erheischt die Lage. Daruin nicht klügeln ur>d nicht erwägen und nicht warten, wenn aus den; Flaiumenhaufe vielhundertstimmig der Schrei zu uns dringt: Rettet! (Postscheckkonto Frankfurt 6712: Agudas Jisroel.) Wochenmndschau. Aationaldeulsche Zuden. Der Veröand nationaldeutscher Juden veröffentlicht folgende Bekanntmachung: „Bet der Agitation aegen unseren Verband, die von bestimmter Seite mit Narbdruck betrieben wird, steht die Behauptung im Vordergründe, datz wir auch „Dissidenten" in unseren Verband aufnähmen. Wir gestatten uns, darauf hinzuweisen, datz zwar ursprünglich derartige Absichten bei uns bestanden, datz diese Absichten aber inzwischen aufgegeben worden sind und die veränderte Stellungnahme durch eine Satzungsänderung Ausdruck gesunden hat, in der ausdrücklich bestimmt ist: Personen, die aus dem Judentum ausgeschieden sind (Dissidenten), werden in unserem Verband nicht ausgenommen." Für Leser, die nicht wissen, — und man hat gewiß keinen Grund, sich dieser Bildungslücke zu schämen — welche Bewandtnis es mit den nationaldeutschen Juden hat, sei an Hand einer jüngsthin im Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin erschienenen Broschüre von Dr. Max Naumann mitgeteilt, daß es sich hier um einen Verband von Juden handelt, die sich von den Alldeutschen und allen anderen Formationen des antisemitischen Heeres von ihrem Platze auf der rechten Seite des politischen Lebens nicht abdrängen lassen und, mit oder ohne Anerkennung, mit oder ohne Gegenliebe im anderen Lager, ihren deutschen Nationalismus betätigen wollen. Man soll keinem aus einer inneren Empfindung und ehrlichen Überzeugung einen Vorwurf machen. Aber was die Herren hier wollen, geht wett über die Bekundung von Empfindungen und Ueberzeugungen hinaus. Man kann als Jude trotz allem und allem — und das dürfte sogar bei dem überaus größten Teile der deutschem Judenheit gutreffen — deutschnational fühlen, das heißt: an Deutschlands nationale Zukunft glauben und in durch Beruf und Begabung gegebenen Grenzen nach Kräften an ihr Mitarbeiten. Wenn aber Leute im Rahmen eines Verbandes darüber hinaus ihren Nationalismus in die Gassen hinausschreien, und besonders denen in die Ohren schreien, die ihn nicht hören und glauben möchten, so mutet doch dieses patriotische Wettsingen etwas grotesk und auf alle Fälle nicht sehr würdevoll rn. Man braucht sich nicht als guter Derrrscher erst mit der Mitgliedskarte eines nationalen Verbandes zu legit-mi-ren, weder eines alldeutschen noch eines jüdischen. Nach dieser unserer Grundanschauung vom „Verbände der nationaldeutschen Inden", kann uns die Frage, ob er Dissidenten als Mitglieder | aufuimmt oder nicht, vollkommen gleichgültig bleiben. Zur Ostjudensrage. Die Oftjuden in Deutschland rauben den Alldeutschen immer noch den Schlaf, und alle gelegentlich von dem Minister gereichten Beruhigungsmittel erweisen sich als zu schwach. Leider herrschen auch in liberalen und sogar jüdischen Kreisen Deutschlands zuweilen ganz falsche Vorstellungen über die „Ostjudeninvasion." Es ist daher von Nutzen, daß die Tagung des aus Vertretern deutschjüdischer und oftjüdischer Organisationen sich zusammensetzenden Arbeitersürsorgeam tes Klärung über einige Punkte dieser heiklen Frage gebracht hat. Im Tätigkeitsbericht wurde die interessante Feststellung gemacht, daß ein außerordentlich großer Teil der oftjüdischen Einwanderer in Deutschland während des Krieges zwangsweise aufBesehl der Obersten Heeresleitung nach Deutschland gebracht worden ist. Die Möglichkeit, nach Hause zurückzukshren, war und ist ihnen verschlossen. Die meisten konnten produktiver Arbeit zugeführt werden. Im rheinisch-westfälischen Jndustriebeztrk sind ca. 12000—15000 ostjüdische Arbeiter beschäftigt, davon ca. 3000 unter Tag in den Kohlenbergwerken, ebensoviel im Berg- und Hüttenbau, der Rest als Handwerker in den verschiedensten Groß- und Kleinbetrieben. So war es möglich, der großen Oeffentlichkeit zu zeigen, daß der ostjüdische Arbeiter, dem die Rückkehr und Auswanderung versperrt ist, ein durchaus arbeitswilliges und brauchbares Element bildet. Anstatt in Konzentrationslagern langsam körperlich und moralisch zu verkommen, arbeiten heute die Flüchtlinge und ernähren sich ehrlich von ihrer Hände Werk. In einer ausführlichen Denkschrift gibt das Arbeitersürsorgeamt ein klares Bild über die gesamte Frage der jüdischen Ein- und Durchwanderer und legt die Grundsätze seiner Hilfstätigkeit im einzelnen dar. Israel Mes-eimer m S. % Kirsch. Nachdem wir durch den Versuch der Berliner „Jüdischen Presse", die Autorität Rabbi Israel Hildesheimers für ihren derzeitigen Parteistandpunkt zu mißbrauchen, zu einer Klarlegung der historischen Wahrheit an Hand von Dokumenten genötigt worden waren, ist uns Herr Rabbiner Dr. Jacob Horovitz, hier mit längeren Ausführungen entgegengetreten, zu denen wir uns in Nr. 52 des letzten Jahrgangs äußerten. Wir haben darin dargetan, daß alle Freundschaft und Anerkennung, die Rabbiner Hildesheimer nicht nur dem Schüler in Eisenstadt und dem Gnesener Rabbiner, sondern auch dem der Frankfurter Gemeinde entgegenbrachte, an dem klar präcisierten Bekenntnis des großen Mannes zu der unwiderleglichen halachischen Nichtigkeit des Hirsch'schen Pßak in der Austrittsfrage nichts zu ändern vermag. Jene Freundschaft und Anerkennung sind psychologisch erklärbarsie können für den, der nicht aus irgendwelchen Gründen der historischen Wahrheit Gewalt antun will, gegenüber der von Hildesheimer rein verstandesmäßig erfaßten und bestätigten halachischen Festlegung gar nicht ins Gewicht fallen. Herr Rabbiner Dr. Horovitz ist aber, was seiner kindlichen Pietät alle Ehre macht, mit dieser Feststellung nicht zufrieden und unternimmt es erneut, in einer außerordentlich umfangreichen Darstellung in Nr. 13 her „Jüdischen Presse" zu beweisen, daß Hirsch und Hildesheimer auch in der Austrittsfrage verschieden gedacht haben, ja daß der „Hildesheimer von 1878" — aus dessen Briefen wir zitieren — nur „eine kleine und schnell vorübergehende Episode in dem gesegneten Leben und Wirken des Meisters, war." Soweit diese Behauptungen auch in dem neuesten Aussatz durch Bekundungen der Freundschaft Hildesheimers für Markus Horovitz und seine Familie, durch Jubiläumsreden und herzliche Segensworte aus dem Munde der liebreichen Persönlichkeit Hildesheimers gestützt werden, bedarf es von unserer Seite keiner weiteren Erwiderung. Es bleibt Herrn Dr. Horovitz unbenommen, in diesen menschlich ffchönen FreundschaftskundgebungenBeweise einer halachischenGesinnungsänderung zu erblicken,' die historische Wissenschaft wird ihm darin nicht folgen. Herr Dr. Horovitz verweist aber auch auf einige urkundliche Beweise dafür, daß Israel Hildesheimer in späteren Jahren, ja schon vor 1886 das Verbleiben in einer Reformdetrachlungen zum Sesirohgedot. Von Dr. A. Nenwirth in Halberstadt (Schutz.) Der 16. Nissan war auch der Tag, wo Israel mit dem Ruhen der ,-ipaa> in seiner Mitte zum ersten Male beglückt wurde. Bis Sukkolh wurde Israel von den *7,22 den Wolken der Herrlichkeit nicht begleitet. Erst von Sukkolh wird uns berichtet (Ex. 33, 20): „Sic zogen von Sukkoth und Gott zog vor ihnen Tag un.d Nacht". Dieses Sichherablassen der nnaa» über Israel war die Vorbedingung um die Würde, die Thauro zu empfangen, zu erhalten. Der 16 Nisian und das Omer an diesem Tage waren auch für Israels Geschick vom Beginn seiner Geschichte an sehr bedeutungsvoll. Nach dem Midrasch (Lev. 23,10) hat unser Stammvater Abraham nur auf Grund des Omers das Land für seine Kinder erworben. Haman wurde am 16. Nisian gestürzt. Gideon errang nur wegen des Omers den Sieg über die Feinde. Israel hat das erste Getreide vom heiligen Lande am 16. Nisian gegesien. Der König Chtsktjahu wurde wegen des Omers vor Sanhertb gerettet. Am 16. Nissan hörte die Hungers-; not zur Zeit des Propheten Jecheskel auf. Die Bedeutung dieser Midraschaussprüche ist wohl die, datz zu allen Zeiten, wo Israel sich so würdig gezeigt hat, wie einst am 16. Nissan und am späteren Omertage, es von allen seinen Nöten errettet wurde. Fassen wir nun die Hauptmomente des 16. Nissan zusammen und wir finden eine Lösung für die obenerwähnten Fragen. Der 16. Nissan ist der Tag, da die Schechtna in Israel zu ruhen begonnen hatte. An diesem Tage zeigte sich Israel durch die unzureichende Vorbereitung der Wegzehrung würdig zum Empfang der Thauro. Und schliehlich war dieser 16. Nisian der Rettungstag für alle Zeiten. Nun verstehen wir, datz die Thauro gerade den 16. Nisian zum Beginn der Sefiroh bestimmt hat. Denn erst am 16. Nissan, der später auch als Erinnerungstag an das Omer der Wüste eingesetzt wurde, hat Israel die Fähigkeit, die Thauro zu empfangen, erhalten. Weil nun an dem 16. Nisian der Einzelne die Vorbereitung für die Wegzehrung gottvertrauend unterlasien haire, daher sollte nach ein jeder Einzelne jährlich an eben diesem Tage zeigen, daß er bereit ist zum Empfang der Thauro. Ebenso wie beim S'lLv nee die Thauro die Vorschrift getroffen: .,So sollt ihr es (das Pessach, Ex. 12, 11) essen, eure Lenden gegürtet, eure Schuhe an den Füßen und euren Stab in euren Händen", wozu die Mechilta bemerkt coyi \s*SV2. wie Wanderer sollte Israel das Pesiach essen, so sollte auch Israel die Sefiroh und das Omer, beginnend am gleichen 16. Nissan, dem Tage, da Israel sich zum Wandern anschickte, stehend verrichtet werden. Damit soll Israels Bereitschaft zum Wandern auf Geheiß Gottes verewigt werden. Und schließlich verstehen wir, wie der vierzig Jahre nach dem Auszug festgesetzte Omertag zu dem viel früher bestimmten Offenbarungsfeste kommt. Denn der spätere Omertag ist ein Erinnerungstag,an den vorfinaitischen 16. Nisian. Erst dieser bewirkte das spätere Omer. Das Manna wurde Israel nur wegen des Verdienstes der Gesamtheit, des mar von ^na» ^o, gegeben oder wie der ama sich ausdrückt aapa> na>a man ^ma^ min, wegen des Verdienstes von n&>ö, der die min für Israel empfangen harte. Auch das Erinnerungsopfer an den sv, das Omeropfer war ein Gemetndeopser. Aber der p wurde unter dte Einzelnen: „Ein jeder nach der Zahl seiner Esser, ein Omer für den Kops" (Cx 16, 16) verteilt. Daher sollte auch die Sefiroh, die Zählung des Omers durch den Einzelnen ausgeführt werden. Das Omeropfer und die Sefiroh des Einzelnen gehören zusammen, sie ergänzen sich gegenseitig. Sie deuten auf das doppelte Ereignis hin, oder richtiger, das Omer war zeitlich etwas früher, wie ja auch das Omeropfer für alle Zeiten der Ausgangspunkt für die Sefiroh sein sollte. Die Sefiroh als Erinnerung an die Verteilung des Manna unter die Einzelnen, war eine Folgeerscheinung des Omers. Sie Völker und die Sffeudanmg. Bon A. Mannheimer in Dettelbach. Im Midrasch, bezw. Mechilta und Jalkut zu Parschas Jirwoh, wird uns Folgendes erzählt: Als Gott unter Donnergelöse, Blitzen und Flammen, Erdbeben und Posaunenschall am Sinai sein Gesetz offenbarte, spürte man auch anderwärts die gewaltige Aufregung der ganzen Natur. Die Völker gerieten in Schrecken und liefen angsterfüllt zu dem großen Zauberer Bileam, ihn über die Bedeutung der eigenartigen Erscheinungen zu befragen. „Was ist denn los? Soll

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