Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 80 (10.10.1904)
- Date
- 1904-10-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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45. Jahrgang. eilag« zu M 80 des sraelit.^ $n$ Wzebkt. Mt Fmffgkttt Ztitmg onU Mt Uitramatitancn. Mainz, 7. Oktober. Das Organ der süddeutschen ultramontanen Partei, das „Mainzer Journal", regt sich darüber auf, daß in dem Feuilleton der „Frankfurter Zeitung" einige, weniger taktlose wie einfältige Benrerkungen über das Tischgebet enthalten waren. Wir würden die beiden ehrenwerthen Blätter in ihrem Frosch-Mäuse-Duell nicht stören, wenn nicht das „Journal", wie stets in derartigen Fällen, die Gelegenheit benützte, um im Mantel des Wohlwollens gegen das Judenthum Antisemitismus zu tkeiben. Nicht nur wir Orthodoxe, auch die übrige Judenheii proicstirt auf das Entschiedenste dagegen, daß die „Frankfurter Zeitung" als quasi offizielle Vertreterin des Judenthums hingestellt wird. Dieses süddeutsche Handelsblatt und Organ der demokratischen Volkspartei ist eine für und von Börsenleuten und Demokraten geschriebene Zeitung und hat mit dem Judenthum absolut nichts zu tdun. Wenn eine größere Anzahl ihrer Mitarbeiter und Leser, ja sogar ihr Besitzer Jude ist, so laffen sie von dieser ihrer Eigenschaft in ihren Beziehungen zur „Franks. Ztg." sehr wenig erkennen, ebensowenig wie die stattliche Reihe der christlichen Korrespondenten bei ihren Beziehungen zu diesem Blatte ihr Christenthum in den Vordergrund stellt. Wenn also das „Journal" die Tante Sonnemann angreisen will, so soll es doch das Judenthum dabei aus dem Spiele lassen, aber uns scheint, man greift die stolze Frankfurterin nur deshalb an, um dem Judenthume, wenn auch nur versteckt, einen kleinen Hieb zu versehen. Derartiges gehört zur Diät der Leser ultramontaner Blätter. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. (Jüdisches Lob aus antisemitischem Munde.) Stöcker rühmt in einem Sedan-Artikel in einem Rückblick auf die kriegerischen Ereignisse in Deutsch-Südwestafrika mit Recht die Tapferkeit des deutschen Offizierkorps: „Das ist nicht, wie einst bei Sedan, weltgeschichtlicher Ruhm und allgemeine Bewunderung zu holen; es gilt, im Stillen und Verborgenen seinen Mann zu stehen, auch wohl durch die Kugel oder den Spieß eines Hereros zu sterben. Aber hier zeigt sich eben die Bedeutung der Ehre, der Manneszucht, der Opferfreudigkcit. Im ganzen französischen Krieg ist kein Offizier von der Garde du Korps gefallen; drüben in Afrika haben schon zwei aus diesem Regiment ihr Leben geopfert; ausgezeichnete Männer, die sich freiwillig gemeldet hatten. Ein anderer Tapferer, ein Reserveleutnant, ging hinüber, um das Land zu bereisen; da er seine Kameraden in Roth sah, trat er ohne Weiteres ein und starb den Heldentod." Der Letzterwähnte war bekanntlich der jüdische Leutnant der Reserve Lendix. dem hier der Vater her antisemitischen Bewegung in Deutschland — wahrscheinlich ohne es zu beabsichtigen — ein solches, allerdings sehr berechtigtes ehrendes Zeugniß ausgestellt. Frankfurt a. M., 9. Okt. Wir haben den Tod des hiesigen Justizraths Dr. Paul Holdheim zu verzeichnen. Derselbe war der Sohn des bekannten Berliner Reformrabbiners. der in Berlin eine Reformgemeinde gründete, in welcher der Gottesdienst ausschließlich in deutscher Sprache gehalten wurde. Er studirte vorzugsweise in Berlin, wo er sich auch journalistisch betbätigte. Später wurde Dr. Holdheim als Kreisrickiter nach Ortclsburg berufen. Anfangs der 70er Jahre kam er nach Frankfurt und ließ sich hier als Rechtsanwalt nieder. In Frankfurt erwarb sich Dr. Holdheim bald eine bedeutende Praxis als Vertheidiger in Strafsachen; später ging er zur Civilpraxis über. Namentlich auf den Gebieten des Handels- und Aktienrechts besaß er viele Kenntnisse. Er ist der Begründer der schon erwähnten Monatsschrift für „Aktienrecht und Bankwesen." Am kommunalen Leben nahm Dr. Holdheim frühzeitig regen Antheil. Viele Jahre gehörte er als Mitglied dem Kommunal- und dem Provinzial Landtag tm. Er war ein Mensch von ausgezeichneten Anlagen.' geistvoll in Wort und Schrift. In ihm verliert die Frankfurter Anwaltschaft eines ihrer angesehensten Mitglieder, die demokratische Partei einen überzeugten Anhänger. Die Beerdigung findet heute Sonntag Vormittag 9s,4 Uhr vom Portal des israelitischen Friedhofs aus statt. — Auch von dem bekannten Reformer Geiger lebt hier ein Sohn in angesehener Stellung als Anwalt, Stadtrath und Gemeindevorstand. Köln, 6. Okt. Am 10. Oktober wird dahier unter großen Feierlichkeiten die Akademie für praktische Medizin als erste ihrer Gattung eröffnet werden. Als die treibende Kraft und die Seele des Unternehmen-