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Der Israelit · 1904-10-10 · Heft 80 (10.10.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 80 (10.10.1904)
Date
1904-10-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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in medizinischer Hinsicht ist Professor Dr. Oskar Minkowski zu betrachten, zur Zeit Oberarzt an den städtischen Krankenanstalten in Kölm Oskar Minkowski, gebortn am 13. Januar 1858 zu Kowno in Russland, entstammt einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie, deren fämmtliche Mitglieder sich durch außergewöhnliche geistige Befähigung auszeichnen. In sehr jugendlichem Alter bezog er, durch Uebersiedelung seiner Familie nach Ostpreußen Preuße geworden, die Königsberger Universität und war dort namentlich des berühmten Klinikers Bernhard Naunyn eifriger Schüler. Er war dann dort bis zum Jahre 1887 dessen erster Assistent und zuletzt Privatdozent für innere Medizin. Mit Raunyn siedelte er in gleicher Eigenschaft nach Straßburg über, wo er 1890 außerordentlicher Professor wurde. In Folge seiner wissenschaftlichen Leistungen und klinischen Begabungen steht Minkowski unter seinen Fachgenoffen heute in allererster Linie. Seine Berufung in ein klinisches Ordinariat, die er seit zehn Jahren wohlverdient hat. scheiterte wiederholt an der leidigen konfessionellen Voreingenommenheit unserer leitenden Kreise. Mit um so größerer Genugthuung ist es heute zu begrüßen, daß ihm nunmehr, nachdem die Stadt Köln ihm die Leitung der neuen Akademie übertragen hat, reichlich Gelegenheit geboten wird, seine außerordentliche Begabung in den Deinst feiner jungen Kollegen und indirekt feiner Mitbürger zu stellen. Eine bessere Wahl konnte wohl kaum getroffen werden. Ein jüngerer Bruder von ihm ist der ordentliche Professor Hermann Minkowski zu Göttingen, ein berühmter Mathematiker, der schon als Student den großen Preis der Akademie erwarb. Rußland. Kischinew, 5. Okt. (Die neuen Prozesse in Kischinew.) Vorgestern begann eine weitere Serie von zwölf Prozessen gegen die Theilnehmer an dem Judenmassaker vom Frühjahr 1903. Das Forum ist wieder ein aus Odessa delegirter, unter dem Vorsitz des Präsidenten Mecsljakow tagender Gcrichtssenat. Unter den Beisitzern fungiren Bürgermeister Dr. Sizinski und der Adelsmarschall des bessarabischen Kreises Bendery. Das allgemeine Verhalten den Juden gegenüber hat sich, obwohl seit den letzten Prozessen im März d. I. der geistige Urheber der blutigrn Exzesse. Minister Plehwe, auf eine furchtbare Weise von der Szene geschieden und trotz den liberalen Aeußerungen seines Nachfolgers, des Fürsten Swiatopolt-Mirsky, bis jetzt nicht gcänderl. Nach wie vor wird gehetzt. — Als Vorwand wird derzeit vorzugsweise der Umstand benutzt, daß angeblich zahlreiche jüdische, als Reservisten zum Krieg einberufene Familienväter über die Grenze geflüchtet find, wobei vom „Besserabetz" verschwiegen wird, daß ebenso zahlreiche Christen und zwar unverfälschte Antisemiten desertiren. so z. B. ein Freund Kruschewans und einer der Veranstalter der Judenmassakers, Namens Tschumatzenko. bei seiner Einberufung in's Ausland geflüchtet ist. ferner, daß die Juden von der Militärbehörde mit besonderer Härte behandelt und ihnen keine den anderen verheiratbeten Reservisten zufiehenden Vergünstigungen gewährt werden. Der hier für rorige Woche angekündigte Kaiser besuck unterblieb, wie hier allgemein erzählt wird, weil der Öberprokureur Goremylin befürchtete, daß eine eventuell zu empfangende Judendeputation dem Monarchen über die Prozeß-Farce die Augen öffnen und um wirkliche Gerechtigkeit bitten wird, und die Re gierungskreise verständigte, daß die starken sozialistischen Umtriebe in der Stadt es unmöglich machen, für dir Sicherheit des Kaisers wahrend des dortigen Aufentbaltes einzustehen.' Tie gegenwärtige Prozeß-Serie begann mit der Verhandlung gegen die zwei Mörder Polirkon> und Dudzak. die am Ostermontag 1903 die arme Milchhändlerin Cheile Kosja mit Knütteln ermordet hatten. Der Arzt konstatirte seiner Zeit, daß der Frau der Schädel zerschmettert und die Nase in furchtbarer Weise eingedrückt wurde. Beide Angeklagten wurden mchtsdestvweniger vom Morde freigesprocheu und Duvzok nur wegen Raubes zu acht Monaten Zwangsarbeit verurtheilt. — 6. Okt. Für Dienstag war anberaumt. Verhandlung wegen Ermordung des Moses-Kigil, eines jungverheiratheten Gemischtwaarenhändlers. 30 Jahre alt, Vater eines wenige Monate alten Kindes. Drei Exzedenten, die Angeklagten Schpott, Sevorin und Semeritzky, beide letzteren noch iunge Burschen, hatten den llnglücklichen überfallen und mit Knütteln todtgeschlagen. Semeritzky ist mittlerweile selbst in einem Brunnen ertrunken. Da ferner einer der Hauptzeugen ausgeblieben, wurde die Verhandlung vertagt. Gestern wurde ein eklatanter Fall verhandelt, der einerseits für die Betheiligung der sogenannten intelligenten Kreise an den Dlutthaten, anderseits für die Konnivenz der Behörden jenen Kreisen gegenüber bezeichnend. Peter Kawerin, ein 18-jähriger Realschüler^'auswohlhabender Kischinewer Familie, hatte am vorjährigen Ostermontag, 5 Uhr Nachmittags, in der Gostimajagtsse. den dortwohnenden geachteten Getreidehändler Kalmann Woljowitsch im Verein mit einer Gruppe mit Eisenstangen bewaffneter Banditen überfallen. Kalwerin half selbst Woljowitsch martern, durchsuchte ihm, während er nahe dem Tode war. die Kleider und entwendete ihm eine Brieftasche mit 2800 Rubel, das gesammte Vermögen der Familie. Woljowitsch konnte noch später in's Spital uberfuhrt werden, tvo er aber bald fearauf in Folge der furchtbaren Verletzungen starb. Seine erwachsenen Kinder, die ebenfalls blutig geschlagen wurden, kamen mit dem Leben

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