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Der Israelit · 1903-08-13 · Heft 64 (13.8.1903) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 64 (13.8.1903)
Date
1903-08-13
Page
– (sequence 29)
Language
German
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1429 ein Gott geweihtes und dem Wohle seiner Glaubensbruder gewidmetes, bis er im Monat Tamus des Jahres 6594 vom Schauplatze seiner segensreichen Wirksamkeit im 68. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abberufen wurde, beweint und tief betrauert von seiner ganzen Gemeinde, deren Verather und Führer er gewesen, und von deren großen Oberhirien. Rabbi Moses Sofer, der den Tod Abraham Hirsch Lemberger mit dem Hinscheiden des Hohenpriesters Ahron vergleichend, in herzerschütternder Trauerrede dem tiefen Schmerze der Gemeinde Preßburg über den Verlust ihres hingebungsvollen Führers Ausdruck verliehen, und mit den Worten su in uipxn mzy •:xen '2 geschlossen hatte. Das Andenken Abraham Hirsch Lemberger's wird in Preßburg stets ein gesegnetes bleiben, jvontra *b) pssn bv dan. , . (Fortsetzung folgt.) mm Zeitgemälde von I. I. KväszewsKi in autorisirter Uebertragung. „Also ein Handel!" sagte Boakoam. „Wir geben Euch Maniren und Ihr gebt uns ein wenig von Eurem praktischen Verstandet" „Top! Es gilt!" erwiderte Jakob lachend. „Aber noch Eins! Sie sprachen bisher nur von den Leuten mit rauher Schale und unangenehmen Formen. Ich aber bürge Ihnen dafür, daß diese so stolzen, unnahbaren oft sogar unhöflichen Leute trotzdem so viel Gutes thun, daß man nach ihrem Aeußern sie dessen gar nicht für fähig hält!" „Das ist allerdings rein unmöglich!" entgegnete Boakoam. „In Gegenwart der Herren," fuhr Jakob fort, indem er kühn das peinliche Schweigen unterbrach, „in Gegenwart der Repräsentanten der Vergangenheit ist es schwer, davon zu reden, was schon unmöglich geworden ist. Jndeß erlauben Sie mir, als einem Juden, zu bemerken, daß die Vergangenheit nicht wiederkehrt, daß die Welt sich nicht mehr von einer Klasse des Volkes am Gängelbande führen läßt, sondern nur von ihrer eigenen Kraft, indem sie gleiche Rechte forderte, Privilegien gibt es nicht mehr!" „Sie werden mir aber zugeben, bester Herr," bemerkte der Brünette, „daß die Gesellschaft auch ohne Privilegien, schon an sich, immer in Klassen, und in ihre organischen lebendigen Theile sich trennen muß!" «Ja, aber die Berechtigung zu diesen Klassen wird lediglich die Intelligenz ertheilen, ohne Ansehen der Abstammung." „Aber die Traditionen!" rief der Wirth, „die Traditionen werden Sie doch achten!?" „Gewiß! Aber wäre eine ganze Volksklaffe zur Bewahrung der Traditionen nicht zu viel? Dazu genügte wohl ein kleiner Vruchtheil, wie in England. Und will , diese auserwähtte Klasse nicht zu Kräften kommen „Alles soll Eins sein?" sprach kopfschüttelnd Boakoam. „Wir, die Bauern, die Juden, die Zigeuner?" .... . „Und die Bürger!" fügte Jakob hinzu. „Und die reinste fine fleur der Aristokratie?" „Mit ihrer Kleie! Fürchten sich die Herren vor dieser Kleie, so werden die Winde auch das Mehl verwehen!" meinte Jakob. „Das Alles ist Schwindel! Das sind neue Theorien und Doktrinen, und im Grunde ist's nichts, als Revolution," sagte seitwärts Jemand. „Ich gestehe Ihnen grad heraus: ich glaube nicht an einen Fortschritt, denn ich sehe ihn nicht. Denn deren gab es schon zahllose auf der Welt und immer endeten sie mit neuer Unordnung. Das aber glaube ich, daß der Herrgott die Welt strafen will mit dieser Verwirrung!" Er erhob sich vom Platze und die Anderen folgten ihm. „Roch ein Wort!" rief Jakob. „Wir sind neue Menschen; aber nachdem wir nach jahrelanger Proskription die Bürgerwürde erlangt, können die Herren überzeugt sein, daß wir auch deren Lasten und Pflichten auf uns nehmen, uns aufopfern und der einen Sache dienen können und werden, ohne Prahlerei, demüthig, treu und ehrlich! Weil der Jude bisher sich nicht als Bürger fühlte, war er auch kein Pole. Daran aber trug er nicht selbst die Schuld, sondern die unselige Vergangenheit, die ich nicht auf Rechnung Polens, sondern der Jahrhunderte der Finsterniß bringen will. Vor Allem ringen wir Alle nach Licht! Licht! Mehr Licht! wie Goethe rief. Dann wird die Welt nach dem göttlichen Geiste sich gestalten!" „Das wäre schon etwas aus der heiligen Schrift!" sagte Boakoam. „Ich trete ab; denn der Priester gibt mir keine Absolution, wenn er erfährt, daß ich

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