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Der Israelit · 1903-08-13 · Heft 64 (13.8.1903) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 64 (13.8.1903)
Date
1903-08-13
Page
– (sequence 30)
Language
German
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14B0 mit dem alten Bunde zu thun gehabt in Abwesenheit des Neuen! Gute Nacht!" Die Ereignisse drängten sich mit unerbittlicher Schnelligkeit, und deuteten, leider nur zu logisch, mit einzelnen Erscheinungen auf eine Zukunft, welche, worüber man sich nicht täuschen konnte, sich schrecklich gestalten mußte. Niemals wäre Polen so weit, so unvorsichtig vorgegangen, hätte es sich nicht zum hundertsten Male täuschen lassen vom Mitgefühle Europas und des Westens. Man warf zunächst halbe Worte und Rathschläge und halbe Versprechen hin. Dann schritt man fast zu Aufmunterungen! Die hartnäckigsten Gegner der Revolution wurden mit fortgerissen vom Zuge der allgemeinen nur zu viel versprechenden Politik, welche sich doch zuletzt für besiegt erklären mußte und tiefbeschämt für niedergestoßen durch viehische Gewalt, nachdem sie mit der Faust auf die Wange Schläge erhalten. Zu jener Zeit, in der unsere Erzählung sich abspielte, konnten noch sogar diejenigen, die klarer sahen, sich darüber täuschen, daß es nicht zum Ausbruche kommen werde. Man that, was eine Handvoll Leute mit gutem Willen thun konnten, um ihm vorzubeugen. Jakob gehörte zu denjenigen, die aus eigener Eingebung und dem Gange der Ereignisse (nicht wenig beeinflußten ihn auch die Gespräche mit Gromov). zur Ueberzeugung von der Gefährlichkeit der Revolution und ihrem unfehlbaren Mißlingen gelangten. Größere Politiker, als die Uebrigen, nahmen seine Glaubensgenossen, nachdem sie sich am 2. März mit dein Volke verbunden, eine Mittelstellung ein. die sich hauptsächlich um den Markgrafen gruppirte. Letzterer rechnete, wie von Anfang an aus seinem Handeln zu ersehen war. wie auch aus seiner Unterordnung, mit den Juden, die noch bedeutsamer wurde durch die gleichzeitig gegen die Geistlichkeit ausgestoßene Drohung, auf die Kräfte, die ihm die Israeliten zuführen konnten, und auf die er sich stützen wollte. Nachdem dies geschehen und er auch ferner darauf zählte, verletzte er endlich auch sic durch sein unglückliches taktloses Verhalten, vermehrte dadurch die Zahl seiner Feinde im Volke und machte es den Juden unmöglich, sich mit ihm zu verbünden. Das System Wielopolski's hatte zwei Gesichter. Halb ging er mit der Negierung, wenn nicht noch weiter; er verfiel auf die Art und Weise der Israeliten, die nicht allzu weit Vorgehen wollten, noch auch sich ganz losreißen für das Volk von denjenigen, deren Sieg sie voraussahen. Gleichwohl zwang sie das soeben mit dem Adel und dem Lande überhaupt einge- / gebracht, da diese sich eifrig darum bemühten und durchaus kein Hehl aus ihren Sympathien für diesen Staatsmann machten und dessen Eigenschaften sogar überschätzten. Eine Reise nach Petersburg wurde hauptsächlich vorbereitet und erleichtert (vielleicht noch etwas mehr) durch Freunde mosaischen Glaubens, die ihre einzige Rettung in dem^Markgrafen sahen. Ihren Bemühungen verdankte er es vielleicht allein, daß er zur Macht gelangte. Es gibt geheime Triebfedern, unmerkliche Mittel und Wege, mit denen sich viel ermöglichen läßt. Wielopolski hatte die Achtung aller Bekenntnisse verbürgt und, was noch mehr offen (aber nicht zur rechten Zeit Und ohne Veranlassung) der ultrakatholischen Partei (dem Staate im Staate) den Krieg erklärt. Dies war ein Fehler und vielleicht auch eine Komödie. um sich eine Partei zu schaffen, in der die israelitische Intelligenz die Hauptstimme hatte. Der Markgraf war trotzdem innerlich mehr befähigt, mit den Konservativen zu gehen, als mit den Liberalen und Fortschrittlern. Davon hatten wir später zahlreiche Beweise. Zum Ueberflusse drängte er mit einem unbedachten Worte die ganze Christlichkeit zur Opposition und Revolution, ohne seine Kräfte und seinen Einfluß zu überzählen. Der Adel befand sich in einer sonderbaren Lage. Zurückgestoßen einerseits von den Revolutionären, andererseits vom Markgrafen, und gemieden von Allen, sah er sich in demüthigender Ohnmacht und der Unmöglichkeit, sich zu vertheidigen und zu handeln. Ein kleiner Theil von ihm ging zu den Hitzigeren über. Der Kleinste ließ sich nach den» Vrül'schen Palais ziehen, um die Anspielungen und Demüthigungen hinzunehmen, mit denen ihn Vater und Sohn zur Genüge fütterten. Der Rest harrte der Dinge, von vornherein überzeugt, daß» was auch kommen möge, ihnen zum Opfer fallen werde. Das Land gruppirte sich schüchtern zum Schutze des loyalen Fortschritts und der langsamen Arbeit unter den zweifelhaften Fahnen des Markgrafen, der wieder vorwärts schritt, ohne der ihn fortziehenden Regierung widerstehen zu können, und vergebens bemüht war, die erhitzte Jugend abzuwehren, die von Tag zu Tag mächtiger wurde und wie rasend vorwärts schritt. Gromov traf wiederholt aber umsonst mit den Anführern der Bewegung zusammen und bemühte sich, sie zu überzeugen, daß sie durch Verlängerung der Agitation das Land in's Verderben stürzen, daß sie eine Feuersbrunst anfachen statt irgend eines Fünkchens. Man versuchte, ihn damit zu beruhigen, was noch Niemand bestimmt wußte, daß die Revolution all calendas graecas vertagt werde. Seitwärts stehend, sah Gromow schon klar den gangenc Bündniß zu gewissen. Opfern, Beweisen und Gehorsam gegen den allgemeinen Willen. Wäre eine Moment voraus, wo es unmöglich sein würde, sie noch Versöhnung des Markgrafen mit dem Lande möglich j aufzuhalten. Jakobs Lage war peinlich. Seine Uebergewesen, so hätten sie damals die Israeliten zu Stands.» zeugungen isolirten ihn vollständig. Nur zu deutlich

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