Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1903)
- Date
- 1903-07-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1303 Beispiels bewiesen. Im Gouvernement Nishegorod gibt es ein mehrere Tausend Familien zählendes Dorf Pawlowo, dessen Bevölkerung Hausindustrie treibt. Bis zum Jahre 1889 waren die Bewohner von Pawlowo im Grunde nichts weiter als die unglücklichen Lohnsklaven einiger russischen Kapitalisten, die die Rothlage der Bauern auf's Gewissenloseste ausbeuteten und ihnen für ihr Produkt geradezu Hungerlöhne zahlten. , Da kamen eines Tages einige Juden in's Dorf und begannen, den armen Heimarbeitern für ihr Produkt Preise zu zahlen, wie sie sich die Leute nicht einmal in ihren kühnsten Träumen gedacht haben. Natürlich konnte dies den christlichen Ausbeutern nicht passen, und sie ruhten nicht eher, als bis die Juden aus Pawlowo ausgewiesen wurden, wodurch die Bauern von neuem gezwungen waren, ihr Produkt zu den früheren Preisen zu verkaufen. Nun geschah aber etwas unerwartetes. Die im Judenhaß großgelvordenen Bauern schickten eine Deputation an den Gouverneur, um den Juden das Wohnrecht in Pawlowo zu erwirken. Die Juden in der Industrie. In der Industrie nehmen die Juden Rußlands keinen hervorragenden Platz ein. Denn noch weit mehr als im Handel ist der Kapitalbesitz in der Industrie eine conditio sine qua non und die als so reich verschrieenen Juden haben kein Geld, um als Industrielle hervorzutreten. Daher kommt es. daß sie in Rußland mir zu 16 pCt. an der Industrie betheiligt sind, während sie in den Städten des Ansiedelungsrayons doch über 42 pCt. der Gesammtbcvölkerung bilden. Daß es nur Mangel an Kapital ist, was die Juden von der Industrie fern hält, beweist die Thatsache. daß die Betheiligung der Juden an industriellen Unternehmungen in umgekehrtem Berhältniß zu den in diesen Unternehmen steckenden Kapitalien steht. Je mehr Kapital dies Unternehmen erfordert, desto geringer wird die Betheiligung der Inden an demselben. In Mittel zahlen ausgedrückt, betragt der Werth einer jüdischen Fabrik in Rußland 32,000 Rubel, während jede im Besitze eines Nichtjuden sich befindende Fabrik einen Werth von 78,000 Rubel repräsentirt. Die Juden als produzirende Arbeiter. Sehr wenig für die „jüdische Ausbeutung" spricht die Betheiligung der Juden an allen körperliche Arbeit erfordernden Beschäftigungen. Nach Professor Subotin waren im Jahre 1898 in Rußland 139,000 Juden in allen Zweigen der Landwirthschaft, 170,000 in der fabrikmäßig betriebenen Industrie (und zwar waren 64,000 im Wochenlohn und 112,000 im Tage-' lohn) beschäftigt. 430,000 Juden waren als Meister, Gesellen und Lehrlinge thätig. Das macht schon allein 765.000 Juden aus, die ausschließlich von ihrer körperlichen. Arbeit leben. Rechnet man noch die Zehntausende von Juden hinzu, welche als Kutscher, Erdarbeiter. Last- und Wasserträger, sowie sonstige ungelernte Arbeiter leben, so ergibt sich dir Zahl von mindestens 800,000 Arbeiter. Während erst jeder 120. Jude im Handel thätig ist, ist schon jeder sechste Jude in Rußland ein unbestrittener Produzent. Die erdrückende' Mehrheit des jüdischen Volkes in Rußland erwirbt sich _ nicht als Ausbeuter, sondern im Schweiße ihres Angesichts als Ausgebeutete ihr tägliches Brod. Die Juden als Handwerker. Auffallend und geradezu anormal ist die starke Betheiligung der Inden am Handwerk. Schon die Pahlen'sche Com-. Mission hat herausgefunden, daß es in Rußland 235,000 jüdische Meister und Gesellen, sowie 67,000 Lehrlinge gibt. Diese sehr große Zahl von Handwerkern hat sich in den letzten 17 Jahren noch ganz bedeutend weiter vermehrt, da durch die Maigesetze viele Tausende von Juden verarmt und gezwungen worden sind, zum Handwerk zu greifen, was sie sicherlich vermeiden würden, wenn sie eine Wahl hätten. So waren 1897 im Gouvernement Kowno 12,4, im Gouvernement Wilna 13,1 und im Gouvernement Grodno gar 18 pCt. aller Juden Handwerker. In manchen Gegenden erreichte die Zahl der jüdischen Handwerker gerade- ' zu monströse Dimensionen. So sind im Kreise Schawly (Gouv. Kowno) 42 pCt., im Städtchen Molodetschna bei Wilna gar 76 pCt. aller Juden über 14 Jahren, Handwerker. Es ist ein Räthsel, wovon alle diese Handwerker leben, und weßhalb sie zu Hause bleiben, statt nach dem ihnen als Handwerker doch offenstehenden Innern Rußlands auszuwandern?! D i e I u d e n als L a n d w i r t h e. Die Zahl der jüdischen Landwirthe ist in Rußland sehr gering. Die Gründe dafür sind allbekannt: Die Juden dürfen im Ansiedlungsrayon außerhalb der Städte weder wohnen noch Land erwerben. Dennoch haben sie, vermöge ihrer phänomenalen Energie das Wunder vollbracht, quasi auf dem Straßenpflaster der Städte Landwirthschaft zu treiben, lote die große Zahl der jüdischen Gärtner, Winzer, Tabakpflanzer und Obstzüchter in Rußland beweist. Daneben haben sie es verstanden, bei günstiger Gelegenheit auch außerhalb der Städte Grundbesitz zu erwerben. So wurden in Polen, wo ihnen seit 1860 der Landankauf gestattet ist, von den Juden bis zum Jahre 1901 im Ganzen 292,000 Hektar Land erworben. In den 15 Gouoernements des übrigen Ansiedelungsrayon erwarben sie einschließlich der zahlreichen jüdischen Kolonien im Ganzen 983,000 Ha. Dazu kommen noch die von den jüdischen Kaufleuten außerhalb des Rayons erworbenen 1.120.000 Ha, so daß der gesamte Grundbesitz der russischen Juden z. Zeit, etwa 2,936,000 Ha. betragen dürfte, von dem freilich ein ganz erheblicher Theil unzugängliche Waldungen darstellen dürfte, die im Besitze christlicher Gutsbesitzer nahezu werthlos, im jüdischen Besitze jedoch sehr ertragreich werden würden. Aber selbst dieser umfassende Grundbesitz ist im Berhältniß