Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1903)
- Date
- 1903-07-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1302 schützen und der Czar habe sie dem geliebten rechtgläubigen Volke der Nüssen zur Plünderung preisgegeben. Sie hörten auch sofort auf. als die Regierung den Räubern bloß mit dem Finger gedroht hatte. Bezeichnend endlich ist die Thatsache, daß im Wilnaer Militärbezirke gar keine Unruhen vorkamen, da Graf Totleben den Pöbel keinen Augenblick in Zweifel ließ, daß er jeden Versuch zu einem Krawall sofort mit Waffengewalt unterdrücken werde. Der Segen einer größeren jüdischen Bevölkerung. Des Weiteren führt Staatsrath Bloch aus. daß die Juden die Bevölkerung, in deren Mitte sie wohnen, nicht nur nicht ausbeuten, sondern im Gegentheil materiell in hohem Grade bereichern und sittlich veredeln. Zum Beweis dessen führte Bloch statistische Zahlen aus 35 den Juden verbotenen Gouvernements an und stellte ihnen die Daten aus den Gouvernements des Ansiedlungsrayon gegenüber. Das Ergebniß dieser Gegenüberstellung ist geradezu frappirend. In den 35 „judenreinen" Gouvernements zahlen die Bauern der Regierung für ihren früheren den Gutsbesitzern gehörenden Boden eine jährliche Ablösungsquote von 4, 7 pCt.. während die Bauern des Rayons eine solche in Höhe von 5. 6 pCt. zu zahlen im Stande sind. Die Vevölkerungszunahme in 34 Gouvernements mit einer zahlreichen jüdischen Einwohnerschaft betrug in 20 Jahren (1858—1878) 31.5 pEt., während sie in den 11 dem Rayon benachbarten Gouvernements für den gleichen Zeitraum nur 20 pEt. betrug. Dementsprechend haben sich die Dörfer des Ansiedelungsrayon um l-;, die Städte um das Doppelte gegenüber den Gouvernements des übrigen Rußland vermehrt. Die günstigere materielle Lage der Bauern wird auch durch anderweitige Zahlen von A. Malschi nski bestätigt. Derselbe hat die ökonomische Lage der Bauern in 15 Gouvernements des Rayons studirt und sie der der Bauern im übrigen europäischen Rußland gegenübergestellt. Bauern, den es „ausgezeichnet gut" geht, gab es im ersten Gebiet 9.5 pCt., im letzten 0,6 pCt. Das Prädikat „sehr gut" verdiente die Lage der Bauern im Rayon in 23.9 pCt., außerhalb desselben nur in 0,5 pCt., das Prädikat „gut" in 48,1 vCt. gegen 13,8 pCt. der Fälle. Umgekehrt verdient das Prädikat „befriedigend" im Rayon 18.5 pEt., außerhalb desselben 66,2 pCt., während endlich das Prädikat „schlecht" im Rayon gleich O, außerhalb desselben gleich 19,4 pCt. aller Fälle verdienen. Im russischen Gosen geht es also keinem Bauer direkt schlecht, während es 81,5 pCt. mehr als befriedigend geht, dagegen geht es in den judenreinen Gouvernements keinem Bauer ausgezeichnet gut, fast dem fünften Theil direkt schlecht und der großen Mehrheit von 66 PCt. nicht gut. Wir empfehlen diese Zahlen Herrn von Plehvc, dem neuen Haman, zur eingehenden Beachtung. Daß. entsprechend ihrer günstigeren materiellen Lage, die Bauern des Ansiedelungsrayons auch sittlich und moralisch höher als ihre Standesgenossen im Innern Rußlands stehen, läßt sich schon a priori denken. Bloch hat jedoch zahlreiche statistische Beweise dafür erbracht, daß die Zahl der schweren Verbrechen, der Trunksucht u. a. Folgen der Armuth im Ansiedelungsrayon weit geringer, als im übrigen Rußland ist. DerJude als Kaufmann. Ebensowenig wie man berechtigt ist, die Bevölkerung, in deren Mitte die Juden wohnen, als Ausgebeutete hinzustellen, darf man mit irgend einem Scheine voy. Recht die Juden als Ausbeuter verschreien. Zwar hat die Pahlen'sche Kommission festgestellt, daß im Ansiedelungsrayon die Juden 55,5 pEt. aller Handelstreibenden stellen. Allein schon der von diesen jüdischen Händlern erzielte Umsatz beträgt nur 47 pCt. des Gesammtumsatzes. Der Grund für diese Erscheinung ist in der Armuth der Juden zu suchen, welche das Gros der jüdischen Kaufleute zwingt, sich ausschließlich auf den Kleinhandel zu beschränken. Daher kommt es. daß während bei den Nichtjuden erst der 600. Mensch Handel treibt, bei den Juden schon der 120. Mensch Händler ist. Der Verdienst dieser jüdischen „Kaufleute" ist minimal und erreicht bei vielen von ihnen kaum einen Rubel täglich. Ueberhaupt erhält sich der jüdische Kaufmannstand bei dem drückenden Mangel an Kapital nur dadurch, daß der Jude direkt vom Produzenten bezieht und nach dem Prinzip des raschen Umsatzes bei minimalem Gewinn verfährt. Der Verdienst des jüdischen Händlerbewegt sich daher zwischen 2—5 pCt., während der russische Kaufmann bei einem Verdienst von 10—15 pEt. noch schwört, daß er an dem Geschäft nichts verdiene. Es ist also ohne Weiteres verständlich, warum der jüdische Kaufmann als ein rühriger und gefährlicher Eonkurrent von dem christlichen bitter gehaßt wird, ebenso jedoch ist es ersichtlich, daß vom Standpunkte des Consumenten, d. i. dem Gros des russischen Volkes, aus betrachtet, der jüdische Kaufmann ein wahrer Segen ist: werden ja durch sein Vorgehen die nothwendigsien Bedarfsartikel wesentlich verbilligt. Aber auch für den Produzenten ist der jüdische Kaufmann von unschätzbarem Werth. Der auf dem flachen Lande wohnende jüdische Händler tritt nicht nur als Verläufer, sondern auch als Käufer auf. Er versieht nicht bloß den Bauer zu billigen Preisen mit Bedarfsartikeln. sondern kauft ihm zu guten Preisen seine Erzeugnisse ab und setzt diese im Auslande ab. Die jüdischen Kaufleute sind auch die Träger des auswärtigen Handels, und Rußlands Aus- und Einfuhr würden ungeahnte Dimensionen annehmen, wäre es den Juden gestattet, überall in Rußland wohnen zu dürfen. Welcher Segen der Jude für den kleinen Produzenten ist. hat Bloch an der Hand eines einzigen grellen