Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1903)
- Date
- 1903-07-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ZeikmgSrrachrichLe« und Eorrefpsudeuzen. Deutschland. Berlin, 28. Juni. (Repräsentanten- Versammlung.) Eine edle Frau, welche nicht genannt fein will, hat dem Hospital 6000 Mk. gespendet. Als Gebühr für Einsargung von Leichen und Transport derselben bis zur Bahn werden 300 Mk. festgesetzt, der Miethzins für die vergrößerte Blumenhalle auf dem Friedhofe in Weißensee wird von 630 Mk. auf 1200 Mk. erhöht. Zur Anbringung einer Uhr auf dein Friedhofe werden 380 Mk. bewilligt, desgleichen 300 Mk. zum Ankauf einer Sammlung liturgischer Musikalien aus dem Nachlaß des Kantor Lichtenstein. Bei Punkt 10: Subvention des Religionsvereins »Adaß Ieschurun" entsteht eine sehr lebhafte Debatte. Prof. Geiger verliest die Beschlüsse einer am 3. Juni 1903 tagenden Versammlung der Synagogen- Vereine von Berlin und Vororten. (Siehe Leitartikel.) Prof.,Geiger betonte, daß derartige Subventionen doch' mit möglichster Vorsicht gewährt werden müßten, die Begehrlichkeit derartiger Vereine, sowie die Art und Weise, dem' Vorstande Vorschriften zu machen, müsse entschieden bekämpft werden. Er selbst sei Jnspicient einer orthodoxen Neligionsschule. Auf seine Anfrage, ob er als solcher sein Haupt bedecken müsse, habe ihm der orthodoxe Leiter der Schule geantwortet, - es sei nicht nöthig. (Wir bewundern den Muth des „orthodoxen" Religionslehrers.) Geheimrath Blument h a l tritt mit aller Energie für die Subvention der Religionsvereine ein. Ihr Verlangen sei nicht wunderbar. Seit 30 Jahren seien diese Dinge vom Vorstande verloddert worden, aus den Gebetbüchern sei alles/ was heilig gewesen, gestrichen, ihm der Nimbus genommen. Diese Zustände hätten nicht nur den Antisemitismus erzeugt, sondern auch jüdische Antisemiten geschaffen. Seinen Ausführungen schließen sich die Herren Aron Hirsch und Prof. Baginsky an. Von Seiten des Vorstandes erwidert Herr Martin S i m o n „von einer Verlodderung könne keine Rede sein, der Vorstand sei stets den Wünschen der Petenten - nachaekommen: in früheren Jahren hätten andere Ansichten geherrscht. " Hierauf wurden dem Verein „Adaß Ieschurun" 1000 Mk. bewilligt. Den Herren Repräsentanten wünschen wir vergnügte Ferien! . E. R. Hamburg, 30. Juni. (Reue Dammthor- Synagoge.) (Beneckestraße.) Am Samstag. 20. Juni, verabschiedete sich Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d , der bekanntlich zum Rabbiner nach Wien berufen wurde, von seiner Gemeinde. Nachdem Herr Oberkantor F. Landau einen zur Feier des Tages verfaßten Segensspruch für -das weitere Wohlergehen des beliebten Geistlichen vorgeiragen hatte, bestieg, tief ergriffen. Herr Dr. M. Grunwald die Kan- . zel, um sich in herzlichen Worten von den Andächtigen, ' welche das Gotteshaus füllten, zu verabschieden. Anknüpfend an ein Schriftwort betonte er namentlich das gute Verhältniß, welches während seiner langjährigen Wirksamkeit stets zwischen der Gemeinde und ihm bestanden. Mit Segensworten für Kaiser und Reich, für das Wohlergehen des Hamburger Staates und seiner Behörden, sowie für das fernere Blühen und Gedeihen der Synagogen-Gemeinde schloß die wirkungsvolle Rede. In der Wohnung des Herrn Dr. M. Grunwald fanden sich die Vorstandsmitglieder und viele Freunde ein, um sich noch persönlich von dem beliebten Seelsorger zu verabschieden, kostbare, theils werthvolle Ehrengeschenke wurden ihm bei seinem Scheiden überreicht. Herr Dr. M. Grunwald, der sich noch im jugendlichen Alter befindet, wurde im Jahre 1895, als die Neue Dammthor-Synagoge begründet wurde, zum Rabbiner derselben gewählt.. Während seiner achtjährigen Thätigkeit hat er cs wohl verstanden, sich über seinen Wirkungskreis hinaus die Sympathien weiterer Kreise zu erwerben. Noch im vorigen Jahre, anläßlich des hier tagenden Orientalisten-Kongresses, erregten seine Vorträge über die Geschich te der Ha m burger Juden berechtigtes Aufsehen, sein Werk „Portugiesen-Gräber auf deutscher Erde" fand selbst bei hervorragenden Fachleuten große Anerkennung. Im „Verein für hamburgische Geschichte" und namentlich im „Jüdischen Litteratur-Verein" zählte er zu den beliebtesten Rednern. Herr Dr. M. Grunwald ist auch der Begründer der hiesigen „Gesellschaft für jüdische Volkskunde", auf seine Veranlassung fanden die Sammlungen dieser Gesellschaft im „Museum Hamburgischer Alterthümer" Aufstellung, in anderen gemeinnützigen Institutionen fungirte er als Vorstandsmitglied. Sein Scheiden von Hamburg wird vielfach bedauert, doch eröffnet sich ihm als Rabbiner der großen Wiener Gemeinde ein weit bedeutenderer Wirkungskreis. Herr Dr. Max Grunwald tritt sein neues Amt schon in nächster Zeit an. BreSlan. (Antisemitisches.) In der „Volkswacht" lesen wir folgende Mittheilung: „Wie es in den Kreisen jener Herren mit der Duldsamkeit gegenüber Mitbürgern, ja Standesgenoffen jüdischen Glaubens aussieht, davon können wir gleich noch eine ganz lehrreiche Geschichte erzählen: Der Sohn des bochangesehenen Geh. Justizrath Freund, Vorsitzender der Breslauer Anwaltskammer. Vorsteher der Breslauer Stadtverordneten - Versammlung, Ehrendoktor der Breslauer Universität u. s. w. kam vor Kurzem als Assessor nach dem benachbarten Oels. Als er dort im Honoratioren-Wirthshause am „Juristentische" Platz nehmen wollte, wurde ihm von einem