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Der Israelit · 1903-07-02 · Heft 52 (2.7.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 52 (2.7.1903)
Date
1903-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ziale Fragen im Judenthum," in der zweiten Herr Ludwig B e h r über „Aus unserem Gemeindeleben". Die in der letzten Versammlung auf Grund der seitens des Referenten vorgebrachten Thatsachen gefaßten Resolutionen hätten ihren Eindruck nicht verfehlt, und wurde in den von dem Referenten vorgebrachten berechtigten Veschwerdepunkten wohl Remedur geschaffen werden. Es sei nöthig, schon zeitig an eine ents - - bende Agitation und Organisation für die nächsten Rcp '^sentanten-Wahlen zu denken; wenn der Verband jedoch nach außen hin weiter etwas gelten wolle, so sei es vor ollen Dingen nöthig, daß der Verband seine innere Einigkeit sich bewahre. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Hirschberg (Ahawas Scholaum), Dr. Mende l s o h n (Schöneberg), C h a i m (Talmud-THora- Verein) und Ludwig Vehr (Abawath Zion). Dr. Mendelsohn und Vehr machten darauf aufmerksam, daß der Verband bei den zukünftigen Wahlen weit mehr als bisher dem Central-Verein selbstständig gegenüberstände und hinsichtlich Auswahl der Kandidaten in entschiedener Weise mitzusprecheu hätte. Nach Erstattung des Kassen-Berichtes durch Herrn W o l p e und Ertheilung der Decharge fanden die Neuwahlen des Vorstandes statt. Herr Heilbrunn hatte brieflich die weitere Annahme eines Mandats abgelehnt. ebenso lehnte Herr Bernstein, dem der Vorsitzende für seine Amtsführung als Schriftführer besonders dankte, im Laufe der Diskussion die Uebernahme eines Mandates ab. Gewählt wurden per Akklamation die Herren Ad. Lewinski als erster Vorsitzender, Zomber als zweiter Vorsitzender, zum Rendanten Herr Wolpe, zu Schriftführern die Herren Herrmann und Ludwig Vehr, sowie per Zettelwahl zu Beisitzern die Herren L. Lewinsohn und Dr. med. Mendelsohn, während die Herren Chaim, Wedel und Hirschberg in der Minorität blieben. Er folgte noch eine lebhafte Diskussion über diverse Anregungen hinsichtlich der nächsten Repräsentanten - Wahlen, denen der Vorstand seine volle Aufmerksamkeit zu widmen versprach. I . . . z. Die vom Verbände der Synagogen-Vereine von Berlin und den Vororten einberufene und am 3. Juli 1903 in Dressel's Festsälen zu Berlin stattgehabte öffentliche Versammlung faßte aus Grund eines von Herrn Ludwig Vehr, Berlin, erstatteten Referates einstimmig folgende Beschlüsse: 1) Die Versammlung protestirt gegen die beabsichtigte Festsetzung der Subvention an die Synagogenvereine nach Maßgabe der von den Mitgliedern dieser Vereine gezahlten Gemeinde-Beiträge. 2) Die Gemeinde-Verwaltung wird ersucht, diejenigen Bücher aus den Bibliotheken und dem Schulgebrauch der jüdischen Gemeindeschulen zu entfernen, deren anderskonfessioneller Inhalt geeignet ist, das jüdische Bewußtsein der Kinder zu verwirren. 3) Die Gemeinde-Verwaltung wird gebeten, an den hohen Feiertagen Jugea. Gottesdienste nach traditionellem Ritus einzurichten. 4) Die Versammlung richtet an die Gemeinde- Verwaltung die Bitte, die Schulinfpizienten der jüdischen Gemeinde dahin anzuweisen, daß sic bei ihren Inspektionen ihre Kopfbedeckung dann nicht abnehmen, wenn in den betreffenden Massen Unterricht ertheilt wird, an welchen die Knaben bedeckten Hauptes theilnehmen müssen. Soweit die Beschlüsse. Sie sind überaus erfreulich, denn sie erbringen den Beweis, daß der Verband sich nicht bloß darauf beschränken will, für konservative Wahlen zu sorgen, sondern daß er jederzeit auf der Warte steht, wenn reformlüsterne Bestrebungen das gesetzestreue Judenthum anzutasten wagen. Aber sie sind auch sehr interessant und charakterisiren die Herren Liberalen auf's trefflichste. Wir heben heute nur den letzten Punkt hervor und behalten uns eine Besprechung der ersten drei -für ein anderes Mal vor. Dem letzten Beschluß liegt, wie sich ja dies aus seinem Wortlaut auch von selbst ergibt, folgende Thatsache zu Grunde. In den Religionsschulen der Synagogenvereine werden zum mindesten die hebräischen Fächer in althergebrachter Weise unterrichtet. Lehrer und Schüler sitzen bedeckten Hauptes da. Da die Synagogenvereine von der Gemeinde eine Subvention beziehen, so erscheint von Zeit zu Zeit ein Schulinspizient seitens der Gemeinde, und das ist nur recht und billig. In den meisten Fällen ist das nun ein Herr. Rabbiner. Der fühlt sich aber in seinem liberalen Gewissen beschwert, wenn er die Kopfbedeckung aufhält, und demonstrirt nun den Kindern in Gegenwart ihres Lehrers die Praxis der Gesetzesverletzung ad oculos. Eine Kleinigkeit, nicht wahr?! Aber wie charakteristisch! Die Liberalen brüsten sich immer ihres p".rr *pi, der guten Sitte. Um nicht anzustoßen, brechen sie mit unzähligen Gottesgesetzen. Um sich recht „fein" zu geben, haben sie im'Gotteshause vor keiner Reform zurückgeschreckt. Aber ein anderes ist der gute Ton, ein anderes der Henzenstakt. Welche Roheit — wir finden kein anderes Wort — liegt darin, den Lehrer vor seinen Schülern in so beleidigender Form zu desavouiren, und welcher Verstoß gegen — die echte Pädagogik. Diese Herren sollte man schon deßhalb von der Schulinspekiion entfernen, weil sie sich unfähig erweisen. Gespannt sind wir darauf, welche Antwort Vorstand .und Repräsentantenkollegium auf diese Beschlüsse geben werden. (Vergl. die folgende Correspondenz Berlin.)

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